Hitzewallungen, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen: Viele Frauen erleben in den Wechseljahren Veränderungen, über die oft wenig gesprochen wird. Ein Interview mit Anke Sinnigen von der Plattform wexxeljahre

Anke, wie startest du in einen typischen Tag?
Anke Sinnigen: Meistens frĂĽhstĂĽcke ich zuerst und gehe dann mit dem Hund raus. Entweder joggen wir oder wir machen einen langen Spaziergang. FĂĽr mich ist das ein richtiger Start in den Tag, ein Moment, in dem ich die Natur bewusst wahrnehme. Ich freue mich jeden Morgen, dass ich schon etwas geschafft habe, bevor ich an den Schreibtisch gehe. AuĂźerdem mache ich jeden Tag 15 bis 20 Minuten Krafttraining, oft kombiniert mit dem Joggen. Das ist fĂĽr mich einfach umzusetzen, im Gegensatz zu einem Fitnessstudio-Besuch.
Du hast den Hund schon lange?
Sechs Jahre. Anfangs dachte ich, das sei zu viel Aufwand, aber mittlerweile bin ich dankbar dafür. Es ist ein guter Anreiz, regelmäßig rauszugehen, gerade auch in den dunklen Monaten.
Du bist Expertin fĂĽr Wechseljahre. Wie bist du an das Thema herangegangen?
Tatsächlich hatte ich selbst Berührungsängste. Wechseljahre erschienen mir immer wie etwas für „alte Frauen“. Doch eine Freundin erzählte mir von ihren starken Beschwerden – da wurde mir bewusst: Jede Frau kommt irgendwann in diese Phase, und es redet kaum jemand darüber. Mit meiner Erfahrung in der Medizinkommunikation habe ich dann die Plattform „Wechseljahre mit Doppel X“ ins Leben gerufen. Ziel war, objektive Informationen zu liefern und Frauen zu zeigen, dass sie nicht allein sind.
Welche Beschwerden tauchen am häufigsten auf?
Hitzewallungen ist bekannt, aber was viele wirklich belastet, sind Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit. Stress spielt da eine große Rolle, denn Östrogen schützt uns auch vor Stress – fällt der Schutz weg, fühlen wir uns stärker beansprucht. Viele Frauen merken das besonders im Job.
Und was empfiehlst du Frauen, die diese Veränderungen bemerken?
Zunächst ist es wichtig zu verstehen: Das ist normal, das passiert vielen. Dieses Wissen nimmt schon Druck raus. Die Wechseljahre sind auch ein Weckruf: Endlich Zeit für sich selbst zu nehmen, Pausen einzubauen, auf die eigene Gesundheit zu achten. Ich selbst habe gelernt, meine Tage bewusst zu strukturieren, Sport, Spaziergänge, Meditation in den Alltag einzubauen. Kleine Rituale helfen, sich auf sich selbst zu konzentrieren.
Apropos Schlaf – wir haben uns ja über Hypnose kennengelernt. Wie schläfst du selbst?
Früher hatte ich kaum Probleme, aber seit den Wechseljahren ist es anders. Die Tiefschlafhypnose, die du mir geschickt hast, hat mir sehr geholfen. Ich höre sie abends, wenn mein Mann nicht da ist, oder ich nutze sie als Einschlafritual. Ich kombiniere das mit Hormonen oder Melatonin, je nach Bedarf. Wichtig ist, dass man den Druck rausnimmt: Auch Ruhezeiten ohne tiefen Schlaf sind wertvoll.