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Killers of the Flower Moon

Der Film ist jetzt schon drei Jahre alt, aber ich bin erst gestern Abend dazu gekommen, ihn mir anzusehen. Er stand einfach nicht auf meiner Prioritätenliste und kam mir nur unter, weil ich mich durch das eher staubige Filmangebot von Prime durchwälzte und irgendwann dran hängen blieb.

Martin Scorseses Werk ist mit drei einhalb Stunden schon ein Brett, wobei ich als wohlgeformter Filmnerd über genügend Sitzfleisch für solche ausufernden Monsterepen verfüge. Im Grunde ist es eine filmische Rekonstruktion einer echten Mordserie, die an eine ganze Anzahl Angehöriger des Osage Stammes in Oklahoma zwischen 1920 und 1925 verübt wurden. Die Osage waren ein vertriebenes Volk, dass bis tief hinein in den eher unwirtlichen Bundesstaat umsiedeln musste. Als sie um 1910 herum auf ihrem Land auf Öl stießen, wurden sie schnell zum reichsten indigenen Volk der USA, was natürlich Neider und Schatzsucher auf den Plan rief.

Einer dieser Neider war William “King” Hale, der im Gebiet der Osage eine florierende Rinderfarm betrieb und sich als mitfühlender und angesehener Freund der Osage profilierte. Doch hinter den Kulissen hegte er einen fiesen Plan, indem er seine Neffen mit Osage-Frauen zusammenbrachte, sie heiraten ließ und sich die Erbrechte am Anteil des indigen Ölvermögens überschrieben ließ.

Der Film erzählt in langen, ausgiebig zelebrierten Bildern diese finstere Geschichte nach und präsentiert uns einen zutiefst verbrämten Leonardo DiCaprio als einen der Neffen, der sich in seine spätere Frau Molly verliebt und ihr dennoch bei ihren Insulin-Verabreichungen Gift beimischte. Seinen Onkel King spielt Robert DeNiro, gewohnt bodenständig und auf seine Art furchtbar anheimelnd. Die Osage werden von echten Indigenen dargestellt, was dem Ganzen eine starke Authentizität verleiht. Einige Off-Stimmen untermalen das mächtige Werk und treiben das Drama auf die Spitze. Dennoch zieht sich die Geschichte, denn so großartig der Cast auch aufspielt, hier und da ergeben sich extreme Längen die im Grunde nur Atmosphäre aufbauen sollen und der eigentlichen Erzählung nichts abgewinnen. Vor allem der Nebenstrang um die Liebelei zwischen Ernest (DiCaprio) und Molly Burckhart (Lily Gladstone) wird recht ausufernd erzählt, wobei die Romantik sich arg in Grenzen hält, da beide Figuren eher praktisch veranlagt sind.

Erst in der letzten Stunde gibt der Film ein wenig mehr Stoff, wenn die Morde endlich aufgeklärt werden und man die Verantwortlichen vor Gericht stellt. Hier tauchen dann auch weitere bekannte Schauspielgaranten wie Brendan Fraser (Die Mumie / The Whale), John Lithgow (Buckaroo Banzai / Cliffhanger / Planet der Affen) und Jesse Plemons (Bugonia / Civil War) auf und verleihem dem Film noch mehr Glanz. In einer Nebenrolle darf dann auch nochmal Regisseur Martin Scorsese seine Bühnenpräsenz beweisen.

Optisch weiß Scorseses Film zu überzeugen, denn er taucht tief hinein in die Abgründe jener Zeit und zeigt uns ein karges, aber dennoch wunderschönes Oklahoma, durchzogen von schwarzbraunen Ölbohrgebieten. Hier ist alles stimmig und bietet noch reichlich Platz für eigene geistige Landschaftsausflüge.

Fazit: Ein starkes und wichtiges Werk über die Verbrechen des weißen Mannes in den USA, begangen an indigenen Völkern und ein weiterer Beweis für seine Verkommenheit. Als Film beindruckend umgesetzt, allerdings mit 3 ½ Stunden ein wenig zu lang geraten.

3,8 von 5 schlechten Zähnen