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Die Aussprache (Women Talking)

Die Aussprache - Wunderbares Kammerspiel von Sarah Polley (Dawn of the Dead Remake / Das geheime Leben der Worte), die hier als Regisseurin ein großartiges, einnehmend leises und stark gespieltes Drama inszeniert, das im angenehmen Tempo nach und nach eine wahnsinnige emotionale Tiefe offenbart.

Eine Gruppe Frauen versammelt sich in einer Scheune, um darüber zu diskutieren, wie sie mit den zunehmenden nächtlichen Angriffen der Männer ihrer Kolonie umgehen sollen. Vergewaltigung und Missbrauch scheinen an der Tagesordnung zu stehen und im ersten Moment könnte man meinen, das alles würde irgendwann zum Ende des 19ten Jahrhunderts stattfinden. Doch die Frauen leben in einer religiösen Enklave der sogenannten Mennoniten irgendwo im mittleren Westen der USA und wir schreiben das Jahr 2010. Einen ganzen Tag wird geredet und Argumente ausgetauscht, es wird gestritten und geweint und der endgültige Entschluss stellt die Frauen vor eine gewaltige Herausforderung.

Erst im Laufe des Films wird klar, was die Frauen als Ganzes durchmachen müssen und wie sie zwischen religiöser Pflichterfüllung, hilfloser Ohnmacht und dem Drang zum Widerstand hin und her gerissen sind. Dabei werden starke Argumente angeführt, die sich gegen eine jahrhundertelange Indoktrinierung wenden, trotzdem verfallen einige der Frauen immer wieder in ihre anerzogene Unterwürfigkeit. Das macht wütend und gibt doch Hoffnung, denn der innere Kampf der Frauen ist auch der Kampf gegen ein niederschmetterndes, männerdominiertes System aus Glaube, Ehrfurcht und auferlegter Schuld.

Sarah Polley hat ein Händchen für eine einfühlsame und dennoch furchtbar spannende Inszenierung. Die ruhige Kameraarbeit und der sacht angesetzte Schnitt sorgen für die richtige Stimmung und so kommt der Film auch nahezu vollständig ohne Musik aus.

Nur ab und an ertönen einige düstere Glockentöne, die das eindringliche Drama der einzelnen Betroffenen wunderbar unterstreichen. Das fügt sich alles zu einem sehr starken Film zusammen, der den Frauen eine Stimme gibt und aufzeigt, was Macht in den falschen Händen alles anrichten kann.

Dabei beruft sich der Film auf die tatsächlichen Ereignisse in der Kolonie Manitoba in Bolivien, in der über einhundert Frauen (von jungen Mädchen bis hin zu älteren Frauen) von den Männern nachts mit einem Betäubungsspray für Kühe besprüht und missbraucht wurden. Danach erzählten sie den Frauen, die am Morgen danach Spuren der Nacht an sich fanden, dass es Dämonen waren oder die weibliche Fantasie mit ihnen durchgegangen wäre.

Im Film wurden der Ort und einige Begebenheiten verändert, ansonsten kommt er der Realität leider allzu nahe. Das ist auf vielen Ebenen extrem verstörend, birgt aber auch eine unheimliche Kraft in sich, die diese Frauen befähigte, sich zu befreien.

Ein wichtiges und sehr einnehmendes Werk.

4 von 5 Heuballen