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Die moderierte Arbeitswelt

Die ersten Wochen im neuen Jahr stehen bei mir ganz im Zeichen der Moderation. Von der denkbar kleinsten Einheit - dem Podcast-Gespräch - , der Team-Positionierung, der Buchparty bis hin zur Moderation einer Townhall Veranstaltung mit knapp 2.000 Menschen: Moderation ist mein aktueller Modus. So sehr, dass ich zu Hause schon manches Mal versucht war zu sagen: “Herzlich Willkommen in unserer Küche. Lasst uns mal rasch auf die Tages-Agenda schauen;-)”

Und während ich mich in diese ganz unterschiedlichen Kontexte eindenke, mich vorbereite, einarbeite, bin ich über den Wortstamm von Moderation gestolpert.

“Moderare” kommt aus dem Lateinischen und bedeutet eigentlich so viel wie Mässigung oder auch Selbstbeherrschung. Abgeleitet daraus ist die zweite, vielleicht etwas naheliegendere Bedeutungsebene zu finden: lenken, steuern.

Mäßigung? Ernsthaft? Wann hätte ich jemals das Gefühl gehabt, meine Rolle sei die Mäßigung? Was Menschen von Moderation viel häufiger erwarten ist: Rahmung, Einordnung, Prozesssteuerung, Dialoggestaltung. Eigentlich ohne inhaltliche Position. Aber wie das so ist mit den Sätzen mit “eigentlich”…

Die Wirkung von Moderation

Doch was ist wirklich die erwünschte Wirkung von Moderation? Ist es mehr Klarheit, mehr Sicherheit, mehr das Empfinden, auf Schienen durch den Dialog, den Prozess, das Event zu fahren? Das gute Gefühl, mit einem vernünftigen Ergebnis durch die Türe zu gehen?

Eine gute Moderation vermittelt Souveränität, die Situation, die Dynamik im Blick zu haben, jedoch nicht, sie zu beherrschen. Sie ist anspielbereit, in jeder Sekunde. Auf dem Sprung, die Agenda bei Bedarf der Realität anzupassen und gleichzeitig einen roten Faden erkennbar zu spinnen. Und ja, sie mässigt, wenn es nicht anders funktioniert, wenn Spannungen und überhitzte Emotionen das Dialogrohr verstopfen. Denn sie sensiert, wenn etwas “kippt”, wenn es tieferen Nachfragen bedarf oder eben genau nicht.

Moderation weiß, wann “ELMO - enough lets move on” der richtige Modus ist, ohne Menschen in ein Puppenspiel zu nötigen. Und wann das Tempo gedrosselt gehört. “Ordnungsrufe” sind nicht das wichtigste moderative Instrument, auch wenn uns die große politische Bühne genau das manchmal suggeriert.

Bleibt die Frage: Braucht es dafür das offizielle, formelle Mikrofon? Die explizite Rolle der Moderation?

Explizite und implizite Moderation

Meiner Erfahrung nach nicht. Denn wenn Ihr Euch umschaut, werdet Ihr feststellen: Es gibt sie, die geborenen und gelebten Moderatoren und Moderatorinnen. Jene Menschen und Instanzen, die genau diese Vermittlung zwischen Prozess und Inhalt spüren und leisten können. Vielleicht gehört Ihr, gehörst Du selbst dazu?

Je länger ich darüber nachdenke, umso fester bin ich davon überzeugt: Wir brauchen MEHR Moderation. Ich nenne es: implizite Moderation. In den Unternehmen, in den Teams, in der Gesellschaft. Das ist nicht zwingend eine Rolle. Das ist eine Haltung.

Wenn ich mir für 2026 etwas wünschen darf, dann ist es eine moderierte Arbeitswelt. Und viele Menschen, die sich dazu berufen fühlen, das zu unterstützen. Nicht mit Mikrofon und Titel, sondern mit ihrem eigenen Beobachten, Verbinden, Prozesssinn.

Stoische Tugend: Die Mäßigung

Sie gilt als eine der vier Säulen der stoischen Lehre: die Mäßigung, auch bekannt als Sophrosyne. Die Philosophie des Stoizismus lehrt uns unter anderem, eine Balance zwischen Übermaß und Mangel zu finden. Und sich nicht den Exzessen der Extremen hinzugeben. Das Ziel der stoischen Mäßigung: Die Kontrolle über das eigene Leben ein Stück weit zurück zu erlangen. Ein ausgewogenes, harmonisches Leben, das sich von den Umständen emanzipiert und sich auf das Wesentliche konzentriert.

Seneca wird dieses Zitat zugeschrieben:

„Die größte Herrschaft ist die Selbstbeherrschung.“

Und damit wären wir beim Schlussakkord der Gedanken rund um Moderation gelandet. Gilt es also in erster Linie, sich selbst zu moderieren, eventuell auch zu mäßigen? Mit dieser offenen Frage schicke ich Euch mal rüber in die nächste Rubrik.

GOOD WORK zum (Nach)-hören

In dieser Rubrik stellen wir Euch ein paar aktuelle Folgen vor, die Eure Aufmerksamkeit verdienen.

Georgiy Michailov: Von Stoizismus über Turnaround Management bis hin zu Longevity

Wir bleiben zunächst bei den Stoikern: Es gibt das einen Podcast-Kollegen, der ist gefühlt der größte Stoiker-Fan der Gegenwart. Georgiy Michailov spricht sehr viel davon, wie intensiv er sich mit dem Stoizismus auseinander setzt und was er davon gelernt hat und beherzigt.

Ein Bild ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Wir können nicht beeinflussen, ob der Pfeil das Ziel trifft. Aber wir können die Richtung steuern: mit Haltung, Körperspannung, dem richtigen Winkel und Timing. Ob er letzten Endes ins Schwarze trifft, haben wir nicht (vollends) in der Hand. Eine wunderbare Metapher.
Noch viel mehr Kluges hat Georgiy in unserer Folge über Turnaround Management, der schwergewichtigsten Abteilung im Bereich Transformation, geteilt.

Georgiy Michailov - Turnaround Management - GOOD WORK Podcast (Öffnet in neuem Fenster)
Unternehmensberater und Podcast Host Georgiy Michailov über Turnaround Management

Ivan Cossu: Remote-Work als Fernbeziehung?

Zum Jahresstart gab es mal wieder die Gelegenheit zum Austausch über das beliebte zweite GOOD WORK Prinzip: Flexible Strukturen. Zu Gast war der CEO und Co-Gründer des Schweizer StartUp Unternehmens Deskbird. Sein Unternehmen bietet datenbasiert smarte Lösungen für ein effektives und effizientes Workplace Management.

Bei aller Effizienz - Ivan betont:

“Das Büro muss ein Magnet sein, kein Mandat.”

Wir haben lange über die Analogie der Fernbeziehung für Remote-Arbeit gesprochen und sind an spannenden Parallelen vorbeigekommen. Außerdem hat er eine neue Rolle der Arbeitswelt präsentiert: Der Workplacemanager.

Er/sie ist nicht etwa der Hausmeister der Beziehungspflege und Schreibtische. Diese Rolle geht sehr viel weiter und tiefer. Hör rein in diesen Maschinenraumbericht zur flexiblen Arbeitswelt.

Ivan Cossu von Deskbird Workplacemanagement (Öffnet in neuem Fenster)
Ivan Cossu von Deskbird über die Funktion des Büros "Magnet statt Mandat" und die neue Rolle eines Workplace Managers.

Hot off the press: Daniel Dubbel von DB Systel - Die größte agile Transformation in Deutschland

Es ist sicherlich nicht übertrieben zu behaupten, dass dieses Unternehmen die größte agile Transformation in Deutschland durchläuft: Die DB Systel, IT Dienstleister der Deutschen Bahn AG. Die Tochtergesellschaft der Bahn ist selbst ein kleiner Konzern mit ebensolchen Logiken. Doch genau die hat das Unternehmen komplett auf den Kopf gestellt. Mit Folgen.

Über die Erfahrungen aus der krassen Transformation berichtet Daniel Dubbel, der in Reihe 1 der Veränderung bei DB Systel steht. Komplett offen, schonungslos selbstkritisch und reflektiert. Ein echtes Stück Transformationsseminar für die Ohren. Seit heute (Donnerstag) online.

Daniel Dubbel Agile Transformation, DB Systel (Öffnet in neuem Fenster)
Daniel Dubbel über die größte agile Transformation in Deutschland: Die Reise der DB Systel mit 750 Teams.

GOOD WORK Collectif - mein Geschenk an Euch zum Kennenlernen

Hier noch einmal der Hinweis: Wenn Ihr jetzt noch tiefer einsteigen wollt in die Themen und Inhalte von GOOD WORK, dann habe ich eine besondere Nachricht für Euch. Bald geht unser GOOD WORK Collectif an den Start. Was das heißt, könnt Ihr hier (Öffnet in neuem Fenster) nachlesen.

Wenn Ihr Euch ein 12seitiges GOOD WORK Paper zur erfolgreichsten Folge aus dem Jahr 2025 - die Folge mit der Transformationsforscherin Prof. Dr. Maja Göpel - sichern wollt, dann klickt hier (Öffnet in neuem Fenster).

Buchparty ist das neue After-Work-Event

Ein neuer Trend setzt sich langsam aber unaufhaltsam durch: Büchergeburten werden zelebriert. Mit Krawumm, Party und Sektkorken knallen lassen. Das ist - mindestens - berechtigt. Auf zwei dieser Events möchte ich Euch hinweisen.

Ich hatte berichtet: Das Jahr bei GOOD WORK wird bewegt. Als erste große Deutschland-Tournee Station steht Hamburg auf dem Plan. Am 3. Februar darf ich dort die fulmimante Buchparty von Karin Lausch und ihrem neuesten Werk “Feel Safe. Be brave." moderieren. Da ist es wieder.

Die Hütte wird bis zum Bersten voll, 250 Menschen sind im Aufgalopp. Leider kann ich wegen des Ausverkaufs hier keinen wirklichen Anmeldelink mehr teilen. Aber da Ihr Freunde von GOOD WORK seid, könnte ich - falls Ihr dabei sein wollt - bei Karin nachfragen, ob es noch ganz mini bisschen Spielraum gibt. Just saying ….

Feel Safe. Be brave. Karin Lausch. (Öffnet in neuem Fenster)
Das Buch "Feel Safe. Be brave." von Karin Lausch erscheint am 3. Februar 2026 im Haufe Verlag.

Eines könnt Ihr jetzt schon tun: Euch das Buch von Karin Lausch sichern. Es ist ab sofort vorbestellbar und sollte nächste Woche dann sogar ausgeliefert werden. Ein Klick und das Buch kommt ganz bald zu Euch.

Am Rosenmontag, also Montag, der 16. Februar gibt’s die nächste Sause: Dann stellt Dr. David Bausch sein zweites Buch vor “Das Ende der Arbeitswelt", wie wir sie kannten. Auch dieses Buch erscheint im Haufe Verlag.
Die Buchparty steigt am 16. Februar 2026 ab 18 Uhr in den Design Offices am Wiesenhüttenplatz.
Pssst… ich habe gehört, dass u.a. Cawa Younosi zur Panel-Diskussion dazukommt. Das wird wieder mal ein Moderations-Festival für die Arbeitsfeuilletonistin.

Buchparty Dr. David Bausch (Öffnet in neuem Fenster)
Book-Release-Party am 16.2. in den Design Offices in Frankfurt. Ab 18 Uhr.

Was haltet Ihr davon: Wir engagieren uns nicht nur für eine moderierte Arbeitswelt, sondern für eine moderate Arbeitswelt.

Bin auf Eure Antworten gespannt.

Es grüßt Euch herzlichst Eure

Arbeitsfeuilletonistin Jule Jankowski

Kategorie Neue Podcast Folgen