Der Garten als vielfältiges Ökosystem, das sich weitgehend selbst reguliert und zugleich eine beeindruckende Ernte ermöglicht, fasziniert immer mehr Menschen. Permakultur greift diese Idee auf und reicht über klassisches Bio-Gärtnern hinaus, denn sie fördert stabile, anpassungsfähige Strukturen, die im Einklang mit natürlichen Prozessen funktionieren und dadurch eine hohe Produktivität erreichen. Ein Blick auf dieses Prinzip kann dir Anregungen liefern, wie du dein nächstes Garten- oder Balkonjahr nach dem Winter mit frischen Impulsen gestalten kannst!

Permakultur und Waldgarten sind etwas, das mich sehr beschäftigt und das ich versuche, in meinen Gärten (ja, auch im Dachgarten) umzusetzen. Ich werde hier jetzt ein paar Themen anreißen, damit du eine grobe Übersicht kriegst. Permakultur kann man erschöpfend besprechen, und ich werde mich auf jeden Fall in der Zukunft einzelnen Aspekten noch einmal genauer als hier im Artikel widmen. Mischkultur hingegen lasse ich hier raus, denn dazu gibt es ja schon einen großen Artikel und das e-Book für Mitglieder. Das ist aber ein super wichtiger Aspekt bei Permakultur, denn Mischkulturen sind natürlich viel resilienter als Monokulturen.
https://steady.page/de/hortarium/posts/a0a81122-1795-4232-9412-7b4ce263b4ef (Öffnet in neuem Fenster)Also steigen wir mal in eine Einführung in die Permakultur ein. Ich rede erst ein wenig über Gärten allgemein, später dann auch noch einmal über Balkone im Speziellen. Achtung, es wird etwas länger. Los geht’s!
Die Grundprinzipien der Permakultur
Die Permakultur erhielt ihren Namen vom englischen "permanent agriculture", also dauerhafte Landwirtschaft, weil der Boden niemals brach liegt, sondern immer bewachsen bleibt. Während konventionelle Gärten nach der Ernte oft kahl daliegen, wächst in der Permakultur ständig etwas: Hauptkulturen wechseln sich mit Gründüngung ab, mehrjährige Pflanzen bilden das Grundgerüst, und selbst im Winter bedecken Mulch oder winterharte Kulturen den Boden, sodass ein permanenter Kreislauf von Wachstum und Ernte entsteht.
David Holmgren hat zusammen mit Bill Mollison zwölf Grundprinzipien formuliert, die als Kompass für jede Permakultur-Gestaltung dienen. Diese Prinzipien lassen sich wunderbar auf deinen Hausgarten oder sogar den Balkon übertragen. Gehen wir rein:
1. Beobachte und handle
Bevor du den Spaten ansetzt, nimmst du dir erstmal ein wenig Zeit. Du beobachtest deinen Garten oder Balkon, schaust, wo die Sonne hinwandert, wo sich Wasser sammelt, welche Ecken windgeschützt bleiben und wo der Boden besonders trocken oder feucht ist. Diese Beobachtungsphase dauert idealerweise ein ganzes Jahr, denn nur so erfasst du alle Jahreszeiten mit ihren spezifischen Bedingungen – außerdem merkst du ja erst dann, wo was aus dem Boden herauskommt, oder? Du notierst dir also, wo im März die ersten Krokusse aus dem Boden schlüpfen, wo im Hochsommer der Boden rissig wird und welche Bereiche im Herbst unter Laub versinken. Aus diesen Beobachtungen leitest du dann konkrete Handlungen ab: Den sonnenverwöhnten Südhang nutzt du für leckere mediterrane Kräuter und Tomaten, die feuchte Senke verwandelst du in eine Sumpfzone mit Minze und Mädesüß.
2. Sammle und speichere Energie
In deinem Garten bedeutet das vor allem: Fange Sonnenlicht ein, sammle Wasser und Nährstoffe, bevor sie verloren gehen, ist ja alles wertvoll. Regentonnen sammeln das kostbare Nass vom Dach und direkt vom Himmel, die Komposthaufen verwandeln Küchenabfälle in Humus, und dichte Bepflanzungen nutzen jeden Sonnenstrahl zur Photosynthese. Du kannst auch Wärme speichern, indem du beispielsweise dunkle Steine zwischen die Tomatenpflanzen legst (aber nicht direkt unter die Pflanze auf den Wurzelbereich). Sie heizen sich tagsüber auf und geben nachts Wärme ab, was das Mikroklima verbessert und die Saison auch ein bisschen nach hinten rausziehen kann. Jede Ressource, die du speicherst, steht dir später zur Verfügung, wenn gerade mal wieder Trockenheit herrscht oder die Pflanzen Nährstoffe brauchen.
3. Erwirtschafte einen Ertrag.
Das dritte Prinzip fordert dich auf, in deinem Garten oder auf deinem Balkon einen Ertrag zu erzielen. Permakultur bedeutet eben vor allem produktives Gärtnern. Dein Garten soll dich ernähren, aber auch die Tierwelt versorgen. Du erntest Tomaten, Salat und Beeren für die Küche, während Vögel sich an Holunderbeeren bedienen und Insekten Nektar aus Blüten schnabulieren – win-win! Der Ertrag zeigt sich auch in weniger offensichtlichen Formen, also wenn du beispielsweise eher Typ Ziergarten bist: Ein dichter Bewuchs kühlt im Sommer, Hecken bieten Windschutz, und der Anblick blühender Beete nährt deine Psyche, denn das macht halt echt gute Laune. Eine Benjeshecke bietet gleichzeitig Lebensraum für Zaunkönige, verwertet Schnittgut und dient als Windschutz für dahinterliegende Beete. Du gestaltest dein Eckchen Natur deshalb so, dass möglichst viele Elemente mehrfachen Nutzen bringen.

4. Nutze Selbstregulation und lerne aus dem Feedback.
Das vierte Prinzip lädt dazu ein, auf Selbstregulation zu vertrauen und aufmerksam wahrzunehmen, was der Garten zurückmeldet. Mit der Zeit entsteht ein Gefüge, das sich selbst recht gut in Balance hält (das geht aber nicht von heute auf morgen). Marienkäfer reduzieren Blattläuse, Vögel nehmen sich der Raupen an, und robuste Pflanzen begrenzen sich gegenseitig, ohne dass du viel eingreifen musst. Erst wenn das Gleichgewicht kippt oder schon gestört ist, lohnt sich ein Eingriff von außen. Die Hinweise kommen direkt aus deinem Garten, er gibt dir also quasi Feedback. Bleibt eine Ecke karg, bekommt der Boden zunächst Pflege und darf sich erholen, bevor du es dort neu versuchst. Nimmt eine Art zu viel Raum ein, lässt sich ihre Ausbreitung durch dichteres Setzen anderer Pflanzen oder gelegentliches Auslichten lenken. Du wirst nach und nach viele kleine Rückmeldungen bemerken, die dir zeigen, was gut läuft und wo eine Änderung sinnvoll wäre.
5. Nutze erneuerbare Ressourcen und Leistungen
Und das funktioniert so: Du greifst lieber zu Regenwasser, wenn es verfügbar ist, und gibst deinem Boden lieber Kompost als rasch wirkende Mineraldünger. Für das Mulchen wählst du, was der Garten ohnehin hervorbringt, etwa Rasenschnitt, Laub oder anderes organisches Material, das sich gut für eine schützende Mulchschicht eignet. Investiere am besten in etwas bessere Gartengeräte, die sich gut reparieren lassen, und aus kräftigen Pflanzen nimmst du das (samenfeste) Saatgut einfach selbst mit in die nächste Saison. Auch die Abläufe im Garten selbst folgen diesem Gedanken: Wasser findet seinen Weg allein hangabwärts zu den Beeten, Regenwürmer sorgen für lockere Erde, und der Mulch hält Konkurrenz im Zaum, sodass deine Arbeit leichter wird und der Garten zugleich natürlicher funktioniert.

6. Produziere keinen Abfall
Das sechste Prinzip lädt dich dazu ein, “Müll” gar nicht erst entstehen zu lassen. In einem Permakultur-Garten verliert der Begriff fast seine Bedeutung, weil jedes Material in einen neuen Kreislauf wandert. Küchenreste verwandeln sich im Kompost zu frischer Erde, Rasenschnitt wird zu einer schützenden Mulchschicht, Astwerk bildet den Grundstock für Benjeshecken oder für neue Hochbeete, und herabgefallenes Laub wird zu einem geschützten Platz für Igel, Molche, Insekten und andere kleine Gartenfreunde. Auch Dinge, die auf den ersten Blick nutzlos erscheinen, bekommen eine neue Aufgabe in deinem Permakulturgarten: Alte Ziegelsteine finden sich als Nisthilfen für Insekten wieder, zersprungene Tontöpfe dienen als Drainage in Pflanzgefäßen, und überzählige Pflanzen gehen an Menschen in der Nachbarschaft, die sich darüber freuen. So verbinden sich die einzelnen Kreisläufe zu einem Ganzen, in dem jedes Ende zugleich ein neuer Anfang ist. Klingt gut, oder?
7. Gestalte vom Muster zum Detail
Klingt etwas sperrig, meint aber eigentlich etwas ganz Simples. Wenn du deinen Garten neu anlegst oder umgestalten willst, beginnst du mit dem großen Ganzen: Wo verlaufen künftige Wege, wo liegen Beete, wo stehen Bäume? Erst dann kümmerst du dich um Einzelheiten wie die Pflanzenauswahl oder die schönsten Steine für die Gartenwege. Dabei orientierst du dich an Mustern aus der Natur: Spiralen, Wellen, Verzweigungen. Ein spiralförmiges Kräuterbeet bietet auf kleinstem Raum verschiedene Mikroklimata, von trocken und sonnig oben bis feucht und schattig unten. Solche Muster sind nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional, weil sie verschiedene Nischen schaffen, und das eben auf kleinem Raum. So kann man sogar aus kleinen Gärten oder Balkonen richtig viel rausholen!

8. Integrieren statt isolieren
Jedes Element in deinem Garten sollte mehrere Verbindungen zu anderen Elementen haben. Solltest du beispielsweise das grße Glück haben, Hühner halten zu können (mein Traum!): Sie fressen junge Schnecken aus den Beeten, ihr Mist düngt den Boden und ist auch super für deinen Kompost, welcher wiederum ebenfalls die Beete nährt. Bäume spenden Schatten für dich und Pflanzen, die etwas sonnenscheu sind, ihre Blätter mulchen im Herbst die Beete, und ihre Wurzeln lockern den Unterboden. Du denkst also bei diesem Prinzip in Beziehungen: Welche Pflanzen unterstützen einander? Welche Tiere profitieren voneinander? Diese Vernetzung macht das System stabil und widerstandsfähig.
9. Setze auf kleine und langsame Lösungen
Das neunte Prinzip richtet den Blick auf kleine Schritte und langsame Entwicklungen. Statt den gesamten Garten in kurzer Zeit umzugestalten, fängst du eher erst einmal mit einem kleineren Bereich an, der gut zu überblicken ist. Solche überschaubaren Strukturen lassen sich einfacher beobachten und behutsam anpassen, was ein viel besseres Verständnis für das Gelände entstehen lässt. Langsames Wachstum bringt eine besondere Form von Stabilität mit sich. Ein Garten, der sich über mehrere Jahre entfaltet, verbindet sich viel stärker mit seinem Standort als ein Projekt, das innerhalb weniger Wochen fertig sein soll. Obstbäume kommen als junge Pflanzen in die Erde und dürfen sich in ihrem eigenen Tempo ausbreiten. Hecken dürfen ihre Form selbst finden, und Bodenverbesserungen wirken eben auch nicht von heute auf morgen, sondern brauchen etwas Zeit. Bei dem Prinzip geht es auch darum, Ressourcen zu schonen, Risiken klein zu halten und frühzeitig aus Erfahrungen zu lernen. Kleine Maßnahmen lassen sich korrigieren, bevor sie zu großen Problemen anwachsen, und viele kleine Erfolge bauen ein langfristiges, widerstandsfähiges System auf, außerdem macht das halt viel mehr Spaß.

10. Nutze und schätze Vielfalt
Biodiversität macht deinen Garten widerstandsfähig und stark. Viele verschiedene Pflanzenarten bedeuten unterschiedliche Blühzeiten, verschiedene Wurzeltiefen, diverse Nährstoffansprüche. Wenn eine Art ausfällt, springen andere ein, ohne, dass gleich eine ganze Ecke abschmiert. Du mischst Obstsorten, kombinierst einjährige mit mehrjährigen Pflanzen und integrierst heimische Wildpflanzen. Auch alte Sorten bringen Vielfalt: Sie haben oft vergessene Eigenschaften wie eine ganz besondere Widerstandsfähigkeit oder eben besondere Aromen. Diese Vielfalt in deinem Garten sollte sich auf alle Ebenen erstrecken: Pflanzen, Tiere, Strukturen, Methoden. Tob dich richtig aus und experimentiere ein bisschen!
11. Nutze Randzonen und schätze Marginales
Die interessantesten Prozesse finden eigentich immer dort statt, wo zwei Systeme aufeinandertreffen: am Waldrand, wo Licht auf Schatten trifft, am Teichrand, wo Wasser auf Land trifft, am Beetrand, wo Gemüse auf Rasen oder Zierpflanzen trifft. Diese Übergangszonen sind häufig besonders artenreich, und in deinem Permakulturgarten gestaltest du sie bewusst: Schaffe Übergänge zwischen hohen Bäumen und niedrigen Stauden durch Sträucher, lass sich Gemüse- und Blumenbeet mischen (dass ich ein Fan von Mischkultur (Öffnet in neuem Fenster) bin, weißt du ja eh, oder?). Je mehr Randzonen du schaffst, desto mehr Lebensraum und Interaktionsflächen bietest du.

12. Reagiere kreativ auf Veränderung
Das letzte Prinzip lädt dich ein, Veränderungen als Impulse zu nutzen. Ein Garten und auch ein Balkon bleiben nie gleich. Bäume wachsen und werfen mehr Schatten, Stauden wandern durch die Beete oder Kübel, und das Klima entwickelt neue Muster … leider, ehem. Du greifst diese Veränderungen auf und suchst nach Ideen, die daraus entstehen können. Wirft ein Baum inzwischen deutlich mehr Schatten, setzt du auf Pflanzen, die sich dort wohlfühlen, etwa Farne oder Waldstauden. Häufen sich Starkregenereignisse, modellierst du kleine Mulden, die Wasser aufnehmen und langsam an den Boden abgeben. Du bleibst aufmerksam, reagierst direkt auf neue Bedingungen und entwickelst deine Gestaltung gemeinsam mit dem Gelände weiter. Diese Flexibilität stärkt deinen Garten und hilft ihm, so robust wie möglich in die Zukunft zu wachsen. Außerdem ist es, so finde ich, schön, wenn ein Garten nie fertig ist. Er wächst mit uns mit, und das ist eine tolle Sache!

Gartenplanung und Design
Die Planung eines Permakulturgartens beginnt lange bevor du den ersten Spatenstich setzt. Wie ich weiter vorn schon erwähnt habe, startet sie mit einer intensiven Beobachtungsphase, die idealerweise ein volles Jahr umfassen sollte. Beginne damit, dir einen Campingstuhl zu schnappen und dich zu verschiedenen Tageszeiten an unterschiedliche Stellen deines Gartens zu setzen. In dieser Zeit lernst du die einzigartigen Charakteristika deines Grundstücks oder deines Balkons kennen: Wo sammelt sich nach Regenfällen das Wasser? Welche Bereiche liegen morgens im Schatten und welche brutzeln in der vollen Nachmittagssonne? Wie verändert sich der Schattenwurf der Bäume und Gebäude im Jahresverlauf? Diese Beobachtungen bilden das Fundament für alle weiteren Entscheidungen.
Während du beobachtest, fertigst du eine detaillierte Bestandsaufnahme an. Miss die genauen Dimensionen deines Gartens, dokumentiere Hütten und Schuppen. Die Bodenerkundung führst du auch quasi mit allen Sinnen durch. Nimm eine Handvoll Erde und zerreibe sie zwischen deinen Fingern. Sandiger Boden rieselt durch deine Finger und fühlt sich körnig an, er speichert kaum Wasser, erwärmt sich aber schnell und eignet sich prima für mediterrane Kräuter. Lehmiger Boden lässt sich zu einer Wurst rollen und klebt an deinen Händen. Er speichert Nährstoffe und Wasser hervorragend, neigt aber zu Staunässe, und nicht alle Pflanzen mögen nasse Füße. Du gräbst mehrere Probenlöcher von etwa 40 Zentimetern Tiefe und beobachtest die Schichtung. Vielleicht stößt du auf eine verdichtete Lehmschicht, die das Wurzelwachstum behindert, oder du findest eine alte Bauschuttschicht, die erklärt, warum an dieser Stelle bisher nichts richtig wachsen wollte. So sparst du dir Arbeit und Geld, denn dann weißt du direkt, was funktionieren kann und was nicht. Ein einfacher pH-Test aus dem Gartencenter verrät dir außerdem, ob dein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Die meisten Gemüsepflanzen bevorzugen einen leicht sauren bis neutralen Bereich zwischen 6,0 und 7,0. Ist dein Boden arg sauer, was oft in Nadelwald- oder Moornähe der Fall ist, kannst du mit Kalk gegensteuern. Bei zu alkalischen Böden hilft die Einarbeitung von Kompost und organischem Material.

Notiere dir in deinem Plan zudem die vorhandene Pflanzen und überlege, welche neuen Pflanzen du integrieren kannst. Selbst vermeintliches “Unkraut” (wir wissen ja, ich hasse das Wort) wie Brennnesseln zeigt dir wertvolle Informationen über die Bodenqualität und kann später als Mulchmaterial oder für Jauchen verwendet werden. Über dieses Prinzip der Zeigerpflanzen habe ich hier schon einmal geschrieben» (Öffnet in neuem Fenster).
Die Zonen deines Gartens

Ein wichtiges Prinzip bei Permakultur ist die Zonierung. Stell dir deine täglichen Wege wie unsichtbare Trampelpfade vor, die sich durch deinen Garten ziehen.
Zone 1 umfasst den Bereich, den du mehrmals täglich durchquerst, meist der Weg zwischen Haustür und Gartentor, oder der Bereich ums Küchenfenster oder die Terrasse, wo du deinen Morgenkaffee trinkst. Hierher gehören all die Pflanzen, die ständige Aufmerksamkeit brauchen oder die du spontan ernten möchtest. Die Kräuterspirale direkt neben der Küchentür ermöglicht es dir, beim Kochen schnell ein paar Zweige Rosmarin zu schneiden. Das Frühbeet mit empfindlichen Jungpflanzen platzierst du so, dass du es vom Küchenfenster aus sehen kannst, denn so vergisst du nie das wichtige Lüften an sonnigen Frühlingstagen. Und ja, das klappt auch auf einem Balkon oder Dachgarten. So sieht quasi die Zonierung in meinem Dachgarten aus, allerdings habe ich sozusagen nur Zone 1-3, denn ich habe keinen Bereich, den ich seltener als einmal pro Woche benutze. So hochherrschaftlich wohne ich dann doch nicht, ehem:

In Zone 1 sind meine Küchenkräuter und ein paar Blumen, außerdem eher empfindliches Obst/Gemüse. In Zone 2 das meiste Gemüse, in Zone 3 keine Nutzpflanzen, nur Zierpflanzen, Komposter, Gartengeräte und ähnliches.
Zone 2 erreichst du bei deinen gezielten Gartenrundgängen, beispielsweise jeden zweiten Tag. Auf dem Balkon vermutlich öfter ;). Hier kultivierst du deine Hauptgemüsebeete mit Kohl, Möhren und Zwiebeln. Der Komposthaufen findet hier auch oft seinen Platz, denn dann ist er nah genug, dass der Weg mit der vollen Schüssel Küchenabfälle erträglich bleibt, aber auch weit genug entfernt, dass eventuelle Gerüche nicht stören. Wichtig: Den Komposter nicht direkt an einen Holzschuppen oder an eine Holzfassade stellen, denn Kompostbrände sind eine echte Gefahr, und wenn der dann direkt in Kontakt mit einem Holzgebäude ist, äh ja. Will man nicht. Lass also etwas Abstand.

Zone 3 besuchst du wöchentlich oder noch seltener. Schön ist es, wenn Beerensträucher den Weg zu dieser Zone säumen, sodass du beim Durchgehen naschen kannst. Hier stehen deine Obstbäume, hier wächst der Kürbis über den alten Komposthaufen, hier breiten sich die Kartoffeln schön aus. Diese Pflanzen kommen weitgehend allein zurecht und benötigen nur gelegentliche Eingriffe wie die Obsternte oder das Anhäufeln der Kartoffeln, oder eben Gießen, wenn es wirklich lange trocken ist.
In Zone 4 greifst du nur minimal ein. Eine Wildblumenwiese macht sich hier gut, Staudenbeete mit unkomplizierten Stauden. Haselnusssträucher und Holunderbüsche wachsen wie in der freien Natur, Wildobstbäume mögen es hier auch. Du sammelst hier Brennnesseln für Jauche und lässt Totholzhaufen als Unterschlupf für Igel und Käfer liegen.
Zone 5 bleibt vollkommen sich selbst überlassen, und bei mir kennst du das als Frogland. Selbst wenn dein Garten klein ist, kannst du eine wilde Ecke schaffen, sei es nur ein Quadratmeter unter der alten Eiche, wo du niemals Laub entfernst und die Natur machen lässt. In meinem Frogland wohnen die ganzen Frösche und Molche, außerdem viele Insekten, die man in natürlichen Feuchtwiesen findet:

Mittlerweile habe ich da noch Wildsträucher an den Rändern gepflanzt, mal schauen, wie es sich entwickelt, dann gibt es ein Update.
Weitere Standorteinflüsse
Die Zonen sind gestaltbare Bereiche deines Gartens. Parallel dazu analysierst du die anderen (temporären) Einflüsse, die auf deinen Garten einwirken. In der Permakultur bezeichnet man das als Sektoren. Stelle dich an einem windigen Tag in deinen Garten und spüre, aus welcher Richtung der Wind hauptsächlich weht. In den meisten Gegenden Mitteleuropas kommt er aus Westen oder Südwesten. Diese Windrichtung bestimmt, wo du windempfindliche Pflanzen wie Tomaten schützen musst und wo du robuste Windbrecher wie eine Weißdornhecke pflanzt.

Die Sonneneinstrahlung bildet einen weiteren wichtigen Sektor. Im Sommer steht die Sonne mittags hoch am Himmel und wirft kurze Schatten. Im Winter hingegen steht sie flach und selbst niedrige Zäune oder Sträucher werfen lange Schatten. Du dokumentierst diese Veränderungen, indem du zu verschiedenen Jahreszeiten Fotos von denselben Standpunkten machst. So erkennst du, welche Bereiche ganzjährig sonnig sind – ideal für beispielsweise ein Gewächshaus – und welche im Sommer Sonne bekommen, aber im Winter im Schatten liegen.
Auch die menschlichen Einflüsse kartierst du als Sektoren. Wo haben Nachbarinnen und Nachbarn Einblick in deinen Garten? An diesen Stellen schaffst du vielleicht eine blühende Sichtschutzhecke aus Johannisbeeren und Felsenbirne. Wo dringt Straßenlärm ein? Hier pflanzt du eine dichte, immergrüne Hecke aus beispielsweise Eiben, die ganzjährig Schall schluckt. Wo könnten Katzen eindringen und in deinen Gemüsebeeten scharren? Diese Zugänge sicherst du mit stacheligen Berberitzen oder Wildrosen.
Die Wasserführung planst du als Kreislaufsystem, in dem jeder Tropfen mehrfach genutzt wird. Regenwasser vom Hausdach leitest du über Dachrinnen in große Regentonnen oder, noch besser, in eine unterirdische Zisterne, falls du sowas hast oder so etwas möglich ist. Von dort führst du es über Schwerkraft oder eine kleine Pumpe zu den Gemüsebeeten. Überschüssiges Wasser leitest du in sogenannte Swales – das sind flache Mulden, die entlang der Höhenlinien deines Grundstücks verlaufen.

Stell dir vor, du legst ein Seil quer zum Hang so aus, dass es überall auf gleicher Höhe bleibt. Entlang dieser Linie gräbst du eine flache Rinne, etwa 30 Zentimeter breit und 15 Zentimeter tief. Bei Regen füllt sich diese Mulde mit Wasser, das dann langsam im Boden versickert. Der Aushub häufst du hangseitig zu einem kleinen Wall auf, den du mit tief wurzelnden Pflanzen wie Beinwell oder Obstbäumen bepflanzt. Diese profitieren vom gespeicherten Wasser.
Am tiefsten Punkt deines Gartens legst du einen Teich an. Er muss gar nicht groß sein, schon eine alte Badewanne oder ein großer Mörtelkübel, eingegraben und mit Seerosen bepflanzt, schafft ein wertvolles Biotop. Über Miniteiche haben wir ja schon hier» gesprochen. (Öffnet in neuem Fenster)Das Wasser reflektiert Sonnenlicht auf nahestehende Pflanzen, erhöht die Luftfeuchtigkeit und lockt Libellen an, die Mücken jagen. Um den Teich herum entsteht ein Mikroklima, in dem Feuchtigkeit liebende Pflanzen wie Minze und Brunnenkresse gedeihen.

Deine Beete im Permakulturgarten
Die Beetgestaltung löst sich von geraden Linien und rechten Winkeln. In der Natur findest du ja auch keine schnurgeraden Kanten, und das hat gute Gründe. Geschwungene, wellenförmige Beetränder schaffen mehr Randzone, ein gewellter Beetrand von drei Metern Länge kann leicht eine tatsächliche Randlänge von vier oder fünf Metern haben. Mehr Rand bedeutet mehr Platz für verschiedene Mikroklimata und mehr Nischen für unterschiedliche Pflanzen.
Das Schlüssellochbeet verkörpert diese Designprinzipien perfekt. Du formst ein rundes oder ovales Beet mit einem Durchmesser von etwa drei Metern und sparst in der Mitte einen schmalen Zugang aus, der wie ein Schlüsselloch aussieht. So erreichst du jeden Punkt des Beetes, ohne reintrampeln zu müssen. Der Boden bleibt so unverdichtet, die Bodenlebewesen unzerquetscht. Im Zentrum des Schlüssellochbeets (also in der Erde, nicht da, wo du stehst) platzierst du einen Kompostkorb aus Weidenzweigen oder Maschendraht. Hier wirfst du während der Gartensaison Küchenabfälle und Grünschnitt hinein. Die Nährstoffe sickern direkt zu den umgebenden Pflanzen, Regenwürmer wandern zwischen Kompost und Beet hin und her. Schlüssellochbeete funktionieren übrigens auch wunderbar als Hochbeete, so kommt man überall gut dran, und dennoch steht alles kompakt beinander:

Die Konstruktion eines Hügelbeetes hingegen läuft etwas anders ab. Der österreichische Permakultur-Gärtner Sepp Holzer hat das Konzept bei uns bekannt gemacht. Du beginnst mit einer 60 Zentimeter breiten und 30 Zentimeter tiefen Mulde, die du aushebst. Die ausgehobene Erde legst du beiseite. In die Mulde schichtest du zuerst grobes Totholz: dicke Äste, alte Baumstämme, verrottete (unbehandelte) Zaunpfähle, was auch immer. Dieses Material speichert Wasser wie ein Schwamm und gibt es über Jahre langsam ab. Darüber packst du dünnere Zweige, Reisig und Strauchschnitt. Diese Schicht kann dann etwa 40 Zentimeter hoch sein.

Umgedrehte Grassoden (falls du welche hast und loswerden willst) legst du mit der Grasfläche nach unten auf das Reisig. Das Gras verrottet und setzt Stickstoff frei, während die Wurzeln und die anhaftende Erde Struktur geben. Eine 20 Zentimeter dicke Schicht aus Laub, Stroh und halbverrottetem Kompost folgt. Diese Materialien zersetzen sich schneller und liefern mittelfristig Nährstoffe. Den krönenden Abschluss bildet eine Mischung aus der beiseite gelegten Erde und reifem Kompost, etwa 15 bis 20 Zentimeter stark, worauf dann natürlich auch der Mulch deiner Wahl landet (ich schmeiße ja wirklich einfach alles drauf, vor allem Kohlblätter sind toll, die haben viele Nährstoffe und beschatten die Erde mega gut). Das fertige Hügelbeet ragt nun etwa 80-120 Zentimeter über das Bodenniveau, je nachdem, wie sehr du dich ausgetobt hast. Die Verrottungsprozesse im Inneren erzeugen Wärme, die das Beet um zwei bis acht Grad Celsius im Vergleich zur Umgebungstemperatur erwärmt. Diese Wärme verlängert deine Anbausaison um mehrere Wochen in den Herbst oder gar Winter rein. Im ersten Jahr setzt die intensive Zersetzung große Mengen Stickstoff frei, weshalb du da am besten Starkzehrer wie Kürbisse, Zucchini oder Tomaten pflanzt. Im zweiten und dritten Jahr folgen Mittelzehrer wie Möhren und Salate, später Schwachzehrer wie Kräuter und Hülsenfrüchte. Du wirst merken, dass das Beet bald in sich zusammenfällt, du kannst es jedoch immer wieder neu aufschichten.
Das Coole am Hügelbeet sind halt vor allem die Mikroklimata. Die Südseite erwärmt sich schnell und trocknet zügig ab. Hier gedeihen mediterrane Kräuter wie Thymian, Oregano und Lavendel richtig gut. Sie profitieren von der guten Drainage und der intensiven Sonneneinstrahlung, außerdem mögen die ja nasse Füße nicht so gern. Die Nordseite bleibt kühler und feuchter. Feldsalat, Spinat und Rucola fühlen sich hier wohl und schießen langsamer in die Blüte. Die Kuppe des Hügels trocknet am schnellsten aus, hier pflanzt du trockenheitstolerante Arten wie Borretsch oder Ringelblumen. Am Fuß des Hügels sammelt sich Feuchtigkeit, perfekt für Sellerie, Mangold oder Brunnenkresse, die ein wenig feuchtere Wurzeln mögen.
Das Kraterbeet hingegen stellt das Gegenteil des Hügelbeetes dar und eignet sich gut für eher trockene Standorte. Du gräbst eine Mulde von etwa einem Meter Durchmesser und 30 Zentimetern Tiefe. Den Aushub formst du zu einem Wall rund um die Mulde. Dieser Wall schützt vor Wind und sammelt Regenwasser, das in die Mulde läuft. Im geschützten Krater entsteht ein feuchtwarmes Mikroklima. Wärmeliebende und durstigere Pflanzen wie Melonen oder Gurken profitieren von der Windstille und der gesammelten Feuchtigkeit. Der Wall bepflanzt du mit trockenheitsresistenten Kräutern oder Erdbeeren, deren Früchte dann auch sauber über den Rand hängen, sodass sie nicht mit dem Boden verkleben und schimmeln. Das hatte ich ja schon einmal skizziert:

Mandalagärten vereinen Ästhetik mit Funktionalität und sind so DIE Sache, die Leute mit Permakultur assoziieren. Du legst ein kreisrundes Beet an, das du durch Wege in tortenstückförmige Segmente unterteilst. Die Wege führen sternförmig von einem zentralen Punkt nach außen. In der Mitte platzierst du ein besonderes Element: einen Rosenstock, eine Kräuterspirale oder einen kleinen Teich, eine kleine Bank, je nachdem, worauf du Lust hast. Jedes Segment bepflanzt du nach einem anderen Thema: ein Segment für Küchenkräuter, eines für Teekräuter, eines für Würzkräuter, eines für essbare Blüten, Salate, Wurzelgemüse, was auch immer. Die radialen Wege ermöglichen dir, jedes Segment zu erreichen, ohne in die Beete treten zu müssen. Die geometrische Form erleichtert die Fruchtfolge, du rotierst einfach die Bepflanzung im Uhrzeigersinn. Smart, oder?

Auch die Kräuterspirale verdient besondere Aufmerksamkeit, da sie auf kleinstem Raum verschiedenste Standortbedingungen schafft. Es gibt sogar kleinere Modelle für Balkone und Terrassen! Wenn du eine große im Garten bauen willst, geht das so: Du markierst einen Kreis von etwa zwei Metern Durchmesser und legst spiralförmig eine Trockenmauer aus Natursteinen an, die sich zur Mitte hin auf bis zu 80 Zentimeter Höhe windet. Den Innenraum füllst du mit verschiedenen Substraten: Im oberen, trockenen Bereich mischst du Sand und Schotter unter die Erde für mediterrane Kräuter. In der Mitte verwendest du normale Gartenerde für Petersilie und Schnittlauch. Am Fuß der Spirale, wo sich Wasser sammelt, schaffst du mit kompostreicher Erde beste Bedingungen für Pfefferminze und Brunnenkresse. Die Steine speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts ab, was das Mikroklima zusätzlich beeinflusst. Eidechsen lieben diesen Trick!

Terrassenbeete verwandeln auch schwierige Hanglagen in produktive Anbauflächen. Du gräbst den Hang stufenweise ab und stützt jede Terrasse mit Trockenmauern, Holzbohlen oder lebenden Weidenruten ab. Jede Terrasse neigst du leicht nach hinten, damit Regenwasser versickert statt “überzuschwappen” und abzufließen. Die Mauern speichern Sonnenwärme und schaffen windgeschützte Nischen. In den Fugen der Trockenmauern siedeln sich Mauerpfeffer, Thymian und andere trockenheitsliebende Pflanzen super gern an. Zauneidechse & Co. finden hier Unterschlupf und jagen andere Tierchen, die du vielleicht nicht unbedingt im Beet haben willst. Die oberste Terrasse, die am meisten Sonne bekommt, kannst du richtig gut für Tomaten oder Paprika nutzen. Auf den mittleren Terrassen können dann beispielsweise Salate und Kohl vor sich hin wachsen, die unterste, feuchteste Terrasse beherbergt Kürbisse und Gurken.
Hochbeete aus verschiedenen Materialien erweitern deine Gestaltungsmöglichkeiten, und du weißt ja, was für ein Hochbeet-Fan ich bin. Ich benutze welche aus Metall, und das sieht dann so aus:

Äh ja, und wenn die Pflanzen in der Mischkultur dann so richtig abgehen, auch mal so:

Auch, wenn es nicht so aussieht, aber in der Mitte sind 6 Hochbeete beerdigt, und dahinter auch nochmal welche. Und davor. Hilfe!
Die richtige Pflege für deine Beete
Ich gärtnere in den Hochbeeten und auch in anderen Beeten ja nach “No Dig”-Prinzip. Du musst nicht zwingend umgraben, wenn du ein neues Beet anlegen willst. Stattdessen bedeckst du den Boden mit einer Schicht Pappe, die Unkraut unterdrückt und Würmer anlockt. Darauf schichtest du 20 Zentimeter organisches Material: Kompost, Grasschnitt, Laub, Stroh. Diese Mulchschicht verrottet langsam und verwandelt sich in fruchtbaren Oberboden. Nach drei Monaten kannst du direkt in diese Schicht pflanzen, du kannst aber gern auch oben schon Erde draufpacken und direkt reinpflanzen, ich bin da meist nicht so geduldig. Die Pappe hat sich zersetzt, die Würmer haben Gänge gegraben, der Boden ist locker und nährstoffreich. Diese Methode spart Arbeit und fördert die Bodengesundheit.
Charles Dowding ist quasi der Godfather of No-Dig, und er hat auch einen tollen Youtube-Kanal. Die Videos sind auf Englisch, du kannst dir aber Untertitel einschalten und die auch auf Deutsch übersetzen lassen (dafür nach Anschalten der Untertitel auf das kleine Zahnrad daneben klicken):
https://www.youtube.com/watch?v=0LH6-w57Slw&t=977s (Öffnet in neuem Fenster)Es gibt aber auch eine Menge deutscher Youtube-Videos zum Thema, zum Beispiel das hier:
https://www.youtube.com/watch?v=kyCOt2V8DYY (Öffnet in neuem Fenster)Ebenfalls wichtig für die Pflege deiner Beete: Gründüngung regeneriert ausgelaugte Böden. Nach der Haupternte säst du Winterroggen (also … im Winter, natürlich), Senf, Klee oder Buchweizen, je nachdem, worauf du Lust hast und was du brauchst. Diese Pflanzen durchwurzeln den Boden, unterdrücken Beikraut und locken mit ihren Blüten Bestäuber an. Vor der Samenreife mähst du sie ab (du willst ja nicht, dass sich das alles überall ausbreitet) und lässt das alles als Mulch liegen. Leguminosen wie Lupinen oder Klee reichern deinen müden Boden mit Stickstoff an. Ihre Wurzeln leben in Symbiose mit Knöllchenbakterien, die Luftstickstoff binden. Tiefwurzler wie Ölrettich oder Luzerne brechen verdichtete Bodenschichten auf und holen Mineralien aus der Tiefe.
Diese vielfältigen Beetformen kombinierst du zu einem harmonischen Gesamtsystem. Die geschwungenen Linien der Beete führen das Auge durch den Garten und schaffen ein organisches Gesamtbild. Verschiedene Höhen durch Hügelbeete, Hochbeete und ebenerdige Flächen erzeugen eine dreidimensionale Struktur, sodass dein Garten nicht einfach nur ein lahmes Viereck ist, in dem viereckige Beete eben auch … herumvierecken … oder so. Jedes Beet erfüllt bei diesem Design spezifische Funktionen und bietet optimale Bedingungen für bestimmte Pflanzengemeinschaften. Die Vielfalt der Formen schafft zahllose Nischen für Nützlinge und erhöht die Biodiversität deines Gartens. Mit der Beetgestaltung nach Permakulturprinzipien verwandelst du dein Fleckchen Erde in produktive, lebendige Ökosysteme, die dich mit frischen Lebensmitteln versorgen und gleichzeitig Lebensraum für unzählige Arten bieten. Und es sieht hübsch aus. Also ich find’s geil.
Der Balkon wird zum Garten
Die Verwandlung eines Balkons in einen produktiven Permakultur-Minigarten beginnt, wie in einem Garten, mit etwas Detektivarbeit. Morgens wandert die Sonne vielleicht nur kurz über die östliche Ecke, während nachmittags die volle Hitze die Westwand aufheizt. Diese Beobachtungen entscheiden später über Erfolg oder Misserfolg deiner Ernte, also schreib es auf. Ein Südbalkon entwickelt sich im Hochsommer zu einer wahren Herausforderung: Die Steinplatten erreichen Temperaturen von über 50 Grad Celsius, die Hauswand wirkt wie ein Heizkörper, der zusätzliche Wärme abstrahlt. Hier gedeihen nur echte Überlebenskünstler wie Rosmarin, Thymian und spezielle Tomatensorten, die aus heißen Regionen stammen. Der Nordbalkon bietet das komplette Gegenteil: kühl, schattig, feucht. Salate lieben diese Bedingungen, Spinat wächst üppig, und sogar Waldkräuter wie Bärlauch fühlen sich wohl. Tomaten allerdings kümmern hier vor sich hin und produzieren kaum Früchte.

Auch der Wind spielt auf Balkonen oft eine viel dramatischere Rolle als in geschützten Gärten. Zwischen hohen Gebäuden beschleunigt sich die Luftströmung zu Windtunneln, oder der Wind peitscht einfach ungebremst drüber, wie bei mir im Dachgarten. Diese Turbulenzen trocknen Pflanzen aus, zerfetzen zarte Blätter und können Töpfe umwerfen. Die Balkonbrüstung bildet dabei oft die windigste Zone, während sich in der Ecke zur Hauswand ein geschütztes Mikroklima entwickelt. Windempfindliche Pflanzen wie Tomaten und Gurken brauchen diesen Schutz, während robuste mediterrane Kräuter auch exponierte Standorte verkraften.

Die Statik deines Balkons setzt dir Grenzen, die du respektieren musst. Ein Quadratmeter Balkon trägt bei einem modernen Gebäude normalerweise 300 bis 500 Kilogramm, ältere Balkone aber vielleicht nicht unbedingt. Hake da unbedingt bei deinen Vermieter:innen nach, um sicherzugehen, dass du den Balkon nur so belastest, wie er es auch tragen kann. Große Pflanzkübel mit nasser Erde können schnell 50 Kilogramm und mehr wiegen, am besten verteilst du das Gewicht gleichmäßig und stellst die schwersten Gefäße nahe der Hauswand oder über den tragenden Balkonstreben auf. Leichte Materialien wie Kunststofftöpfe, Blähton als Drainage und luftige Substrate reduzieren das Gesamtgewicht erheblich. Es gibt sogar extra “leichte Erde” zu kaufen.

Da du auf einem Balkon nicht endlos viel Platz in die Breite hast, erschließt du lieber luftige Höhen! Die begrenzte Grundfläche zwingt uns zum vertikalen Gärtnern. Während am Boden große Kübel mit raumgreifenden Pflanzen wie Tomaten, Zucchini und Paprika stehen, erobern darüber Etagen von Regalen und Pflanzgestellen die Höhe. Alte Europaletten verwandeln sich in vertikale Gärten: hochkant an die Wand gelehnt und mit Vlies ausgekleidet, bieten ihre Zwischenräume Platz für Kräuter und Salate. Die Balkonbrüstung trägt außen hängende Kästen mit Erdbeeren, während innen Ampeln mit Cherrytomaten schweben (auch hier: vorher abchecken, ob die Brüstung das ab kann). An gespannten Schnüren, Scherengittern oder Bambusgerüsten klettern Erbsen, Stangenbohnen und Gurken empor und bilden einen lebenden Sichtschutz.

Die Wasserversorgung muss natürlich so effizient wie möglich sein, vor allem, wenn man wie ich eine Süd-West-Ausrichtung hat. Ein automatisches Bewässerungssystem mit Tropfschläuchen und Zeitschaltuhr versorgt deine Pflanzen gleichmäßig und spart Wasser. Du legst die Schläuche so, dass das Wasser direkt an die Wurzeln gelangt und nichts verdunstet. Tonkegel, die du in die Erde steckst und mit Wasserflaschen verbindest, geben langsam Feuchtigkeit ab. Für Kurzurlaube reicht oft schon eine umgedrehte, mit Wasser gefüllte Flasche, in deren Deckel du kleine Löcher gebohrt hast. Ich benutze gern die Kegelvariante:

Auch hier ist Mulch dein Freund, wie du an dem Foto siehst. Mit meiner Süd-West-Ausrichtung brennt die Sonne von morgens bis abends auf meinen Dachgarten, ohne Mulch würde ich aus dem Gießen gar nicht mehr rauskommen.
Das Prinzip der Kreisläufe setzt du auch auf dem Balkon konsequent um. Eine Wurmkiste findet auch ganz gut unter der Küchenbank oder in einer (schattigen und regengeschützten!!! Wir wollen Würmer weder grillen noch waterboarden!) Balkonecke Platz. Damit habe ich auch super Erfahrungen gemacht. Die Würmer verwandeln deine Küchenabfälle in tollen Kompost und nährstoffreichen Wurmtee. Die Kiste riecht bei richtiger Handhabung auch nicht und produziert kontinuierlich Dünger für deine Pflanzen (ist übrigens auch Klasse für Zimmerpflanzen). Kaffeesatz sammelst du für säureliebende Pflanzen wie Blaubeeren im Topf. Eierschalen zerstößt du zu Pulver und streust sie als Kalkdünger auf die Erde. Wenn ich in der Küche werkle, habe ich immer eine Schale da stehen, in der ich gleich Obst- und Gemüsereste für den Dachgarten sammle, und während alles schön köchelt, verteile ich den Kram im Dachgarten oder packe ihn in die Wurmkiste.

Was die Pflanzen angeht, entscheidet die Sortenwahl über Erfolg oder Frust. Kompakte Buschtomaten bleiben niedrig und produzieren trotzdem erstaunliche Mengen an Früchten. Snackgurken klettern platzsparend in die Höhe und bescheren dir knackige Minigurken bis zum Frost. Die Mexikanische Minigurke liebe ich besonders: Diese robuste Kletterpflanze produziert weintraubengroße Früchte mit zitronenartigem Gurkengeschmack und verträgt sogar leichte Fröste. Pflücksalate ermöglichen wochenlange Ernte, da nur die äußeren Blätter geerntet werden und das Herz weiterwächst. Mangold erweist sich als unverwüstlicher Dauerlieferant für vitaminreiches Blattgemüse, selbst im Winter.
Auch beim Balkongarten bilden mehrjährige Pflanzen das Fundament für einen guten Ertrag. Erdbeeren überdauern in ihren Töpfen mehrere Winter und tragen jahrelang süße Früchte. Kräuter wie Rosmarin, Salbei und Thymian entwickeln sich zu prächtigen Büschen, die mit jedem Jahr aromatischer werden. Schnittlauch verschwindet im Winter komplett und treibt im Frühjahr umso kräftiger aus. Ein Säulenobstbaum im großen Kübel liefert echte Äpfel oder Birnen auf minimalem Raum. Ich habe ja auch Zwergobst im Dachgarten, unter anderem den Bonanza-Pfirsich, den ich Fiete getauft habe, und der im Frühjahr immer total schön blüht:


Diese beständigen Bewohner ergänzen einjährige Gemüse, die aus Samen gezogen werden. Mischkulturen funktionieren im Topf auch ganz gut, finde ich. Ein 40-Liter-Kübel beherbergt eine Tomate im Zentrum, umgeben von Basilikum, was perfekt zu Tomatengerichten passt. Am Topfrand wachsen Tagetes, deren Wurzelausscheidungen die Pflanzen stressende Bewohner wie Nematoden vertreiben. Zum Thema Mischkultur habe ich ja auch für Balkone schon einiges geschrieben, deshalb gehe ich jetzt hier nicht ins Detail. Das Wichtigste ist einfach: In Balkonkästen maximierst du den knappen Raum durch geschickte Kombinationen. Flachwurzelnde Salate teilen sich den Topf mit tiefwurzelnden Zwiebeln oder Möhren. Kapuzinerkresse breitet ihre Blätter schützend über die Erde und fungiert gleichzeitig als Blattlausmagnet. Die Kerlchen bevorzugen ihre saftigen Triebe und lassen dafür das Gemüse in Ruhe. Diese Opferpflanze kontrollierst du regelmäßig und entfernst stark befallene Triebe.

Eine gute Klimatisierung deines Balkons erreichst du durch geschickte Bepflanzung. Große Blattpflanzen verdunsten Wasser und kühlen die Umgebungsluft. Ein Mini-Teich in einem wasserdichten Gefäß – sei es eine olle Zinkwanne oder ein großer Blumentopf – schafft zusätzliche Verdunstungskälte, das haben wir ja schon im Miniteich-Artikel gesehen. Kletterpflanzen an Rankgittern werfen Schatten und verhindern das Aufheizen der Hauswand. Mediterrane Kräuter umwickelst du im Winter mit Vlies oder Jute. Die Töpfe stellst du auf Styroporplatten, damit die Kälte nicht von unten eindringt. Empfindliche Pflanzen rückst du an die schützende Hauswand. Sehr frostempfindliche Exemplare wie Zitronenbäumchen überwintern im Treppenhaus oder Keller.
Beide Systeme, also der großzügige Garten wie der doch büschn kleinere Balkon, entwickeln sich nach und nach zu komplexen, produktiven Ökosystemen. Dokumentiere deine Beobachtungen, Erfolge und Misserfolge in einem Gartentagebuch – das macht echt Bock! Welche Tomatensorte gedieh besonders gut auf dem heißen Südbalkon? Welche Kräutermischung hielt die Blattläuse fern? Diese Aufzeichnungen werden zu deinem persönlichen Erfahrungsschatz und helfen dir in der Zukunft echt gut weiter.
Tiere in deinem Garten oder auf deinem Balkon
Tiere sind unverzichtbare Partner im Permakultur-Garten. Sie bestäuben Blüten, regulieren Fraßinsekten, recyceln Biomasse und bereichern das Ökosystem. Insekten bilden dabei natürlich die Basis der Nahrungskette und übernehmen unzählige Funktionen. Wildbienen und kleine Blütenkäfer beispielsweise bestäuben Obstbäume und Gemüse, Laufkäfer fressen Schneckeneier, Schwebfliegen vertilgen Blattläuse, und Regenwürmer lockern den Boden. Praktisch! Nützlinge förderst du durch vielfältige Lebensräume. Totholzhaufen bieten Unterschlupf für Käfer und ihre Larven. Du stapelst Äste, Zweige und Stammstücke an einer ruhigen Gartenecke und lässt die Natur wirken. Pilze besiedeln das Holz, Käferlarven bohren Gänge, Spinnen weben Netze zwischen den Zweigen. Steinhaufen erwärmen sich in der Sonne und ziehen Eidechsen an, die ihrerseits Insekten jagen. Auch Trockensteinmauern funktionieren natürlich richtig gut.

Über insektenfreundliches Gärtnern im Kleinen habe ich hier schon ein wenig geschrieben (die Tipps passen aber auch für Gärten):
https://steady.page/de/hortarium/posts/6f18b4e9-0be4-430b-b7bd-84541e06c370 (Öffnet in neuem Fenster)Insektenhotels verdichten verschiedene Nistmöglichkeiten auf kleinem Raum. Hohle Pflanzenstängel von Schilf, Bambus oder Holunder, sauber geschnitten und gebündelt, dienen Wildbienen als Brutkammern. Sie bohren ihre Eier in die Halme, verschließen sie mit Lehm oder Harz und überlassen die Larven sich selbst. Du kannst auch Hartholzblöcke nehmen und Löcher mit zwei bis zehn Millimetern Durchmesser hineinbohren, ins Längsholz, damit die Gänge glatt und splitterfrei bleiben. Lehmwände ziehen grabende Wildbienenarten an: Du mischst Lehm mit Sand, füllst die Masse in einen Kasten und lässt sie trocknen. Die Bienen graben ihre Brutgänge selbst. Das Insektenhotel stellst du sonnig und regengeschützt auf, idealerweise nach Süden ausgerichtet. In der Nähe sollten blühende Pflanzen wachsen, die Nahrung liefern.

Blühende Pflanzen durch die ganze Saison halten Insekten am Leben, und ganz ehrlich: Ist es nicht viel geiler, wenn es das ganze Jahr Blümchen zu gucken gibt? Eben. Im zeitigen Frühjahr öffnen Krokusse, Märzenbecher und Weidenkätzchen die Pollenbar. Obstbäume folgen mit ihren reichhaltigen Blütenwolken, da gibt’s echt viel Futter. Im Frühsommer dominieren Kräuter wie Thymian, Salbei und Lavendel … “meine” Wespen sind immer komplett süchtig nach Fenchelblüten. Hochsommerblüher wie Sonnenblumen oder Malven übernehmen dann. Herbstastern, Fetthenne und Efeu runden die Saison am Ende ab. Diese Staffelung sorgt dafür, dass immer Nektar und Pollen verfügbar sind.

Die weiter oben schon erwähnten Hühner bereichern den Permakultur-Garten auf vielfache Weise, und Aaaaaalter, ich hätte halt so gern welche. Sie fressen Schnecken, Raupen und andere Tierchen, die in Überzahl durchaus Stress machen können, sie scharren Beikraut weg und düngen mit ihrem Kot. Gleichzeitig liefern sie Eier, was auch nice ist. Ich würde nie ein Huhn essen, also Fleisch liefert es bei mir nicht. Mag bei dir anders sein, WILL ICH MIR ABER NICHT VORSTELLEN, thanksssss, ehem. Am praktischsten ist es, wenn du deine Hühnis in einem mobilen Gehege hältst, das du alle paar Tage versetzt; also wenn du eine größere Fläche hast. So bearbeiten die Hühner nacheinander verschiedene Gartenbereiche, was super hilfreich sein kann. Nach der Gemüseernte lässt du sie beispielsweise über die Beete tippeln, wo sie Erntereste aufpicken und Beikrautsamen vertilgen. Ein einfacher mobiler Stall aus Holz und Drahtgeflecht genügt dafür: tagsüber Freilauf, nachts geschützt vor Mardern und Füchsen, und am besten sicherst du auch nach oben ab, wenn du Küken mit am Start hast. Du brauchst etwa 5-10 Quadratmeter Auslauf pro Huhn (lieber eher mehr als weniger, ganz ehrlich), und das Gehege sollte Schatten, Sandbad, Verstecke, frisches Wasser und Schlafstangen bieten.

Nistkästen locken Vögel an, die Raupen, Käfer und andere Insekten an ihre Kids verfüttern. Über Nistkästen habe ich hier schon ausführlicher geschrieben:
https://steady.page/de/hortarium/posts/3de091ba-edd1-4463-a633-a0961914343c (Öffnet in neuem Fenster)Auch Igel sind tolle Gartenbewohner, und die haben es eh gerade sehr schwer, also wäre es toll, wenn du was für sie machen könntest. Du lockst sie mit Unterschlupfmöglichkeiten in deinen Garten: Ein Laubhaufen in einer ruhigen Ecke, eine Igelburg aus Steinen und Holz, ein Durchschlupf im Zaun zum Nachbargarten; alles Immobilien, die SEHR interessant für die kleinen stachligen Freund:innen sind. Wichtig: Igel brauchen große Reviere und wandern nachts weit umher. Zäune sollten unten Lücken haben oder ganz durchlässig sein. Bitte verzichte auf Laubsauger und lass im Herbst Laub unter Sträuchern und Hecken liegen, wo Mecki und Co. ihren Winterschlaf halten.

Pflege und Ernte
Ein Permakultur-Garten braucht weniger Pflege als der konventionelle Garten mit nackten Beeten, aber auch er braucht die richtige Pflege zur richtigen Zeit. Der Jahresrhythmus gliedert sich in natürliche Phasen, denen du folgst. Im Frühling beginnt das Gartenjahr mit der Bodenbearbeitung. Du bringst Kompost auf die Beete, säst Frühkulturen und pflanzt deine herangezogenen Jungpflanzen, kennst du ja. Die Mulchschicht muss vielleicht da erneuert werden, wo sie über den Winter abgebaut wurde. Gründüngungen vom Herbst können umgehackt und in den Boden eingearbeitet werden, oder du schneidest sie ab und lässt sie als Mulch liegen. Obstbäume und Sträucher bekommen jetzt ihren Schnitt, bevor der Austrieb beginnt: Du entfernst tote, kranke und nach innen wachsende Äste, lichtest die Krone aus und erhältst die gewünschte Form. Je nach Baumart ist ein anderer Schnitt erforderlich, da gibt es super gute Video-Anleitungen. Ganz besonders toll finde ich immer die der Obstbaumschule Schreiber (nein, nicht wegen des Namens und nein, die haben nix mit mir zu tun):
https://www.youtube.com/watch?v=GhizPEnoJiE&t=69s (Öffnet in neuem Fenster)Die Ernte der Früchte deiner harten Arbeit erfolgt laufend von Frühjahr bis Herbst, gegebenenfalls auch im Winter, je nachdem, was du angebaut hast, ob du ein Gewächshaus hast, und so weiter. Regelmäßiges Ernten hält Pflanzen produktiv: Tomaten bilden neue Früchte, solange du die ausgereiften abnimmst, Zucchini produzieren unermüdlich und, na ja, gnadenlos, wenn du kleine Früchte erntest und sie nicht erst bis Level Zeppelin anschwellen lässt. Bohnen und Erbsen solltest du auch rasch pflücken, damit die Pflanzen weiterblühen und neue Früchte liefern. Bei mehrjährigen Kräutern schneidest du nur einen Teil ab und nicht alles, damit die Pflanze sich erholen kann. Rhabarber erntest du nur bis Ende Juni (da wird gern der Johannistag am 24.6. genommen), danach braucht er Zeit, Reserven einzulagern, damit er im nächsten Jahr wieder steilgehen kann.

Der Herbst ist Erntezeit für Lagerkulturen: die späten Kartoffelsorten, Kürbisse, Wurzelgemüse und Kohlsorten werden sich dann bald in deinem Keller tummeln. Lass die geernteten Knollen und Wurzeln an trockenen Tagen abtrocknen, bevor du sie einkellerst. Kartoffeln solltest du nicht waschen, sondern einfach mit Küchenpapier ein wenig abreiben. Kürbisse reifen übrigens nach, wenn sie vor dem ersten Frost geerntet werden. So wird die Schale schön hart und die Frucht länger haltbar. Äpfel und Birnen pflückst du, wenn sie sich leicht vom Stiel lösen. Manche Sorten schmecken frisch vom Baum am besten, andere brauchen eher ein Weilchen Lagerzeit, um ihr Aroma zu entwickeln.
Nach der Ernte bereitest du die Beete für den Winter vor: Du säst Gründüngung oder mulchst alles wieder nach. Gesunde Pflanzenabfälle kommen auf den Kompost, Krankes, also Pflanzenteile mit Pilzbefall oder ähnlichem, muss in den Restmüll. Stauden schneidest du entweder bodennah zurück oder lässt sie stehen, damit Insekten in den hohlen Stängeln überwintern können. Ich schneide meine Stauden immer erst im folgenden Jahr im Mai zurück, es sind einfach zu gute Wohnungen für Wildbiene und Co.!

Der Winter ist die ruhigste Zeit – endlich kannst du mal verschnaufen! Der Garten schläft, der perfekte Zeitpunkt also, um das nächste Gartenjahr zu planen. Du durchblätterst Saatgutkataloge, zeichnest neue Beetpläne und notierst, was gut funktioniert hat und was du ändern möchtest … zumindest mache ich das immer so. An milden Tagen kontrollierst du deine Obstbäume auf Frostschäden und ergreifst gegebenenfalls Gegenmaßnahmen. Denk auch immer dran, dein gelagertes Gemüse zu checken, ob noch alles gut ist, oder ob da was gammelt.
So.
Das war jetzt vermutlich eine Menge Input, oder? Und doch war das erst einmal nur das Eintauchen des kleinen Zehs ins Thema, denn da gibt es noch so viel mehr zu entdecken. Das hier sollte dir nur erste Ideenimpulse geben. Vielleicht ist das Prinzip ja was für dich? Ich werde auf jeden Fall noch weitere Aspekte zu dem Thema immer wieder aufgreifen, und bald auch mal über den Waldgarten sprechen.
Bis dahin: Bis zum nächsten Mal!
Jasmin

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