Haushaltsübungen sind alltägliche Tätigkeiten im Haushalt, die als „Trainings- und Aktivierungsaufgaben“ für ältere Menschen genutzt werden. Anstatt gezielte Gymnastik vorzugeben, werden beim Alltags- oder Haushaltsaktivieren vertraute Hausarbeiten (z. B. Tischdecken, Staubwischen oder Blumenpflege) als sinnvolle Übungen in den Tagesablauf eingebaut. So können die Betreuten aktiv etwas Nützliches tun, was Motivation und Selbstwertgefühl stärkt. Gleichzeitig sollen Haushaltsübungen vorhandene körperliche, geistige und soziale Fähigkeiten erhalten. In der Seniorenbetreuung sind sie deshalb besonders wertvoll, um Kompetenzen zu fördern und Normalität zu vermitteln. (Hinweis: Das Lexikon - Inhaltsverzeichnis (Öffnet in neuem Fenster))
Zielsetzung: Körperliche, geistige und soziale Effekte
Haushaltsübungen verfolgen umfassende Ziele in verschiedenen Bereichen:
Körperlich: Diese Übungen unterstützen Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer. Schon einfache Tätigkeiten wie das Decken eines Tisches oder Staubwischen beanspruchen die Armmuskeln, den Rumpf und oft auch die Beinmuskulatur. Durch wiederholtes Greifen, Strecken, Bücken oder Heben wird die Muskulatur trainiert und die Koordination verbessert. Auch die Feinmotorik profitiert, etwa beim Zusammenlegen der Wäsche oder Einsortieren von Besteck. Im Alltag steigert sich zudem die Ausdauer, wenn solche Bewegungen regelmäßig in den Tagesablauf eingebaut werden.
Geistig: Alltagstätigkeiten geben dem Gehirn Sinn und Orientierung. Sie erfordern Planung, Konzentration und Gedächtnisleistung. Beim Beziehen eines Bettes etwa muss die richtige Reihenfolge beachtet werden. Beim Sortieren von Wäsche werden Farben, Muster und Größen unterschieden. Diese Abläufe trainieren Aufmerksamkeit, räumliches Denken und Merkfähigkeit. Gleichzeitig dienen sie als sinnliche Stimulation (verschiedene Oberflächen erfühlen, Düfte wahrnehmen). Gerade für Menschen mit kognitiven Einschränkungen ist diese ganzheitliche Aktivierung wichtig, weil sie vorhandene Denkfähigkeiten anspricht und erhält.
Sozial und emotional: Gemeinsame Haushaltstätigkeiten stärken das Gemeinschaftsgefühl. Wenn mehrere Personen zusammenarbeiten – etwa beim gemeinsamen Vorbereiten einer Mahlzeit oder beim Gartengießen – entsteht Kommunikation und Austausch. Auch kleine Missgeschicke (z. B. ein umgekipptes Glas) können Anlass zum Lachen und zur Interaktion sein. Zugleich fühlen sich die älteren Menschen durch sinnvolle Aufgaben als nützlich und kompetent. Das hebt das Selbstwertgefühl. Feste Aufgaben im Tagesrhythmus vermitteln zudem Sicherheit und Normalität. Soziale Teilhabe wird gefördert, und das Zusammenarbeiten verringert Isolation und Einsamkeit.
Vor- und Nachteile im Alltag
Vorteile (Chancen): Haushaltsübungen helfen, Selbstständigkeit zu erhalten. Betreute führen sinnvolle Tätigkeiten aus, was Selbstvertrauen und Würde stärkt. Da Körper, Geist und Gefühl gleichzeitig angesprochen werden, fühlt sich das mehr nach Alltag als nach „Sport“ an. Die Struktur durch feste Aufgaben gibt den Tag Rhythmen und Ziele. Kognitive Fähigkeiten werden durch das Denken und Erinnern beim Arbeiten trainiert. Viele Aufgaben lassen sich in Gruppen erledigen, was den sozialen Austausch fördert. Zudem sind die Übungen sehr flexibel: Man kann sie leicht an den individuellen Zustand anpassen – von sitzendem Tischdecken bis zu gehobenem Rumpftraining.
Herausforderungen (Nachteile): Unsachgemäß gewählt können Aufgaben Risiken bergen. Haushaltsarbeiten enthalten Sturz- oder Verletzungsgefahren (rutschige Böden beim Putzen, heiße Geräte beim Bügeln). Deshalb ist ständige Aufsicht wichtig. Manche Betreute könnten auch frustriert sein: Ist eine Aufgabe zu schwer oder das Ergebnis nicht perfekt, kann das demotivieren. Die Anleitung und Begleitung solcher Übungen kostet Personalzeit und erfordert Geduld; oft muss man nachhelfen oder nachkontrollieren. Nicht jeder hat Lust auf jede Tätigkeit – bei Demenz oder starken Einschränkungen kann es zu Ablehnung oder Verwirrung kommen, wenn die Übung ungewohnt ist. Auch können Senioren durch Aufgaben an verlorene Fähigkeiten erinnert werden, was emotional belasten kann. Eine sensible Auswahl der Tätigkeiten und Einfühlungsvermögen der Betreuungskraft sind daher unerlässlich.
Umfangreiche Anleitung und Übungsbeispiele
Die Auswahl der Aufgaben sollte stets an die individuellen Fähigkeiten angepasst werden. Nachfolgend Beispiele für einfache Alltagshandlungen und motorische Übungen:
Einfache Alltagshandlungen als Übung
Tisch decken: Gemeinsam Tischdecken praktizieren: Der Bewohner legt Teller, Besteck und Gläser an den vorgesehenen Plätzen. Zuerst Tischdecke glattstreichen, dann Teller in die Mitte, Besteck links und rechts anordnen, Gläser oben platzieren und Servietten falten. Dabei werden Arm- und Schulterbewegungen trainiert. Das Sortieren der Besteckteile schult die Feinmotorik und das Zählen.
Anpassung: Bei Gleichgewichtsproblemen kann das Decken im Sitzen erfolgen. Verwenden Sie leichtes Kindergeschirr oder reduzieren Sie die Zahl der Teller. Bei Seheinschränkungen helfen farbige Markierungen für die Positionen.
Oberflächen abwischen (Staubwischen): Mit einem Tuch oder Wischlappen werden Tischplatten, Fensterbänke oder Schrankflächen abgewischt. Die sanften Streck- und Bückbewegungen kräftigen Schultern und Rumpf. Gleichzeitig ist Konzentration gefragt, um systematisch vorzugehen. Das sichtbare Ergebnis (saubere Fläche) motiviert.
Anpassung: Große Flächen in kleine Abschnitte einteilen. Bei starker Schwäche im Stand kann die Arbeit sitzend an einem niedrigen Tisch passieren. Schützen Sie den Boden mit einer rutschfesten Matte vor Nässe.
Geschirr spülen/einräumen: Nach dem Essen kann der Bewohner beim Abspülen oder Abtrocknen helfen. Beim Eingießen von Wasser in Schüssel und sanftem Schwenken wird Armkraft trainiert. Das anschließende Abtrocknen der Teller schult die Feinmotorik, das Einräumen ins Regal verlangt Genauigkeit.
Anpassung: Achten Sie auf eine sichere Standposition (Antirutschmatte). Geben Sie nur wenige Teile zum Spülen. Arbeiten Sie im Sitzen, wenn der Stand zu unsicher ist. Helfen Sie bei schwereren Geschirren aktiv mit.
Wäsche zusammenlegen: Ein Korb mit leichtem Frottee-Handtüchern oder Hemden vorlegen. Der Bewohner faltet die Wäschestücke und sortiert sie nach Farbe oder Größe. Dabei trainiert er Feinmotorik beim Greifen und Falten sowie Kraft beim Heben. Das Sortieren nach Farben fordert visuelle Unterscheidungsfähigkeit.
Anpassung: Verwenden Sie große, gut greifbare Textilien. Bei Gleichgewichtsschwäche können Sie das Zusammenlegen im Sitzen durchführen. Verwenden Sie bei Sehschwierigkeiten kontrastreiche Stoffe (z. B. dunkles Handtuch auf hellem Untergrund).
Bügeln (unter Aufsicht): Ein leicht beheizbares Bügeleisen und ein Hemd auf dem Brett bereitlegen. Der Bewohner glättet Bahn für Bahn vorsichtig das Kleidungsstück. Dabei sind Konzentration, Armkoordination und Kraft gefragt.
Anpassung: Nutzen Sie nur sehr niedrige Temperatureinstellung oder lassen Sie die Bewegung ohne Hitze üben. Helfen Sie, die Garne glattzuhalten, und behalten Sie jederzeit die Kontrolle. Setzen Sie auf dicken Stoff oder nehmen Sie ein Tischbrett als Unterlage, wenn die Übung zu anstrengend ist.
Pflanzenpflege: Dem Bewohner wird eine kleine Zimmerpflanze oder ein Topf mit Kräutern zum Gießen gegeben. Das Schwenken der Gießkanne schult den ganzen Körper (Streck- und Beugebewegungen). Beobachten von Wachstum und Duft schult die Sinneswahrnehmung.
Anpassung: Verwenden Sie leichte Plastikkannen oder Sprühflaschen. Arbeiten Sie bei Bedarf im Sitzen oder teilen Sie die Arbeit (eine Person gießt, die andere putzt die Blätter).
Aufräumen und Ordnung halten: Bitten Sie den Bewohner, persönlichen Gegenstände (zum Beispiel Bücher oder Utensilien) von einem kleinen Haufen im Wohnbereich an ihren Platz zu bringen. Das Aufheben, Tragen und Abstellen trainiert Gleichgewicht und Koordination.
Anpassung: Teilen Sie die Aufgabe in kurze Abschnitte. Bei Gehproblemen kann das Ablegen im Sitzen oder an einem stabilen Tisch erfolgen. Kennzeichnen Sie Zielorte (Schrank, Regal) mit Symbolen oder Farben für bessere Orientierung.
Motorische Übungen mit Haushaltsgegenständen
Wäscheklammern befestigen: Spannen Sie ein leichtes Band oder Seil zwischen zwei Stuhllehnen. Der Bewohner nimmt Wäscheklammern und heftet sie an das Band. Das Öffnen und Schließen trainiert die Feinmotorik und die Kraft in den Fingern. Das Ablaufen der Klammern an beiden Händen wechselt und trainiert die beidseitige Koordination.
Ball- oder Kissenspiel: Ein weicher Ball oder ein kleines Kissen wird hin- und hergeworfen oder gerollt. Das Werfen und Fangen schult Armkoordination, Reaktionsfähigkeit und Gelenkbeweglichkeit. Es kann im Sitzen stattfinden: Der Ball wird auf dem Schoß hin- und her gerollt oder sanft gekickt.
Flasche als Hantel: Eine Plastikkaraffe füllen Sie mit etwas Wasser oder Sand. Der Bewohner hebt sie mehrmals vor dem Körper oder seitlich. Das ist ein leichtes Krafttraining für Schultern und Arme. Beginnen Sie mit wenig Füllung und nur wenigen Wiederholungen. Überwachen Sie die korrekte Ausführung.
Fenster putzen: Ähnlich wie Staub wischen, aber an senkrechten Flächen. Mit einem Lappen auf einem Stab oder einfach mit einem Schwamm putzt der Bewohner ein Fenster. Das trainiert Oberkörperstreckung und -beugung sowie Ausdauer. Denken Sie an rutschfesten Stand und schrittweises Arbeiten von oben nach unten.
Auf Zehenspitzen steigen: Ermutigen Sie die Person, sich beim Aufräumen oder beim Verrücken von Stühlen auf Zehenspitzen zu stellen, um höherliegende Dinge zu erreichen. Kurzes Heben der Fersen stärkt Wadenmuskeln und verbessert das Gleichgewicht (mit Wandstütze oder Möbelgriff zur Hilfe).
Küchenutensilien bewegen: Rühren in einer Schüssel (mit Löffel kräftig umrühren), Korkenzieher drehen oder Salat waschen im Sitzen – alles das trainiert Handgriff, Armbewegungen und Konzentration. Schneiden Sie nur sehr weiche Lebensmittel oder verwenden Sie alternativ stumpfe Messer und kontrollieren Sie den Vorgang.
Münzen sortieren: Geben Sie eine Schale mit Kleingeld. Der Bewohner sortiert die Münzen nach Wert oder steckt sie in beschriftete Felder einer Spardose. Dies schult Feinmotorik und kognitive Fähigkeiten (Zählen, Zuordnen).
Bei allen Übungen steht Sicherheit an erster Stelle. Arbeiten Sie gegebenenfalls in sicherem Umkreis (z. B. weiche Unterlagen, rutschfeste Matten, vollständige Beleuchtung). Passen Sie Schwierigkeit und Dauer an die Energiereserven an und brechen Sie ab, wenn Müdigkeit, Schmerzen oder Unsicherheit auftreten.
Umsetzung in der Praxis
Wichtige Hinweise zur Integration in den Betreuungsalltag:
Routinen etablieren: Legen Sie feste Zeiten oder Tagesabschnitte fest, in denen kleine Haushaltstätigkeiten stattfinden. Zum Beispiel könnte nach dem Frühstück oder vor der Nachmittagsruhe ein Übungsblock eingeplant sein. Ein strukturierter Ablauf hilft Betreuten, sich darauf einzustellen. Wiederkehrende Orte (immer dieselbe Ecke in der Wohngruppe) schaffen Sicherheit.
Individuell anpassen: Wählen Sie Aufgaben nach den Interessen und Fähigkeiten der Person. Wer früher gerne kochte, kann beim Zubereiten eines einfachen Snacks helfen; jemand, der Ordnung liebte, freut sich über Wäschefalten oder Regaleinräumen. Passen Sie die Haltung an (im Sitzen, bei Benutzung von Griffhilfen) und setzen Sie Hilfsmittel ein (z. B. Greifzangen, rutschfeste Einlagen, Schürzen zum Schutz).
Klare Anleitung: Erklären und demonstrieren Sie jeden Schritt. Menschen mit Demenz oder kognitiven Einschränkungen benötigen oft visuelle und verbale Hilfen. Zeigen Sie, wie es geht („Hand unter ihre Hand“). Verwenden Sie einfache, kurze Sätze. Wiederholen Sie Anweisungen geduldig und ermutigen Sie zum Mitmachen.
Motivation und Wertschätzung: Loben Sie jeden Beitrag, auch kleine Erfolge. Heben Sie hervor, dass das Tun sinnvoll ist („Vielen Dank fürs Decken des Tisches!“). Betonen Sie den Gemeinschaftsaspekt („Gemeinsam schaffen wir das“). Machen Sie deutlich, dass nicht Perfektion zählt, sondern die Teilnahme.
Soziale Einbindung: Arbeiten Sie wenn möglich paarweise oder in kleinen Gruppen. Dabei können sich Betreute gegenseitig unterstützen und motivieren. Achten Sie aber auf passende Gruppengröße: Überanstrengung vermeiden. Bei Gruppenarbeiten (z. B. Kuchen backen, Blumengießen) entsteht von selbst Interaktion.
Beachtung von Einschränkungen: Körperliche: Bieten Sie Stühle oder Gehstützen an, wenn nötig. Setzen Sie leichtere Gegenstände ein, wenn Kraft fehlt. Bei Gehbeschwerden verlagern Sie Übungen ins Sitzen (z. B. Gemüse schneiden am Tisch). Sorgen Sie für ausreichend Pausen. Kognitive: Halten Sie das Tempo langsam, wiederholen Sie oft und nutzen Sie Erinnerungshilfen (Beschriftungen, Bilder). Beobachten Sie die Reaktionen: Ist die Aufgabe verständlich und angenehm? Passen Sie danach die Übung an.
Sicherheit gewährleisten: Achten Sie auf rutschfeste Böden und freie Wege. Scharfe und heiße Gegenstände (Messer, Bügeleisen) nur mit ganzer Kontrolle verwenden oder durch ungefährliche Varianten ersetzen. Halten Sie zuerst ein Stuhl bereit, falls jemand schwankt. Prüfen Sie, dass kein Wasser ungewollt ausgelaufen ist. Arbeiten Sie in bequemer Körperhaltung, um Rücken oder Gelenke zu schonen.
Dokumentation und Reflexion: Notieren Sie, welche Aktivitäten gut funktionierten und wo es Probleme gab. Tauschen Sie sich im Team über mögliche Verbesserungen aus. Passen Sie das Angebot den gesundheitlichen Veränderungen an. So kann sichtbar werden, wenn Fähigkeiten wachsen oder wann es besser ist, eine Übung anzupassen oder wegzulassen.
Mit einer sorgfältigen Planung und einer wertschätzenden Haltung lassen sich Haushaltsübungen sicher in den Betreuungsalltag einbinden. Wichtig ist, stets im Blick zu behalten, dass das gemeinsame Tun Freude macht – die Selbstständigkeit gefördert wird. Auch kleine Fortschritte sind ein Gewinn für die Lebensqualität.
Fazit: Haushaltsübungen sind ein wirkungsvolles Instrument, um Senioren im Alltag aktiv einzubinden. Sie vermitteln Alltagssinn und fördern nebenbei Motorik und Denkvermögen. Durch das Erledigen einfacher Aufgaben stärken die Betreuten ihr Selbstvertrauen und erleben sich als fähig und gebraucht. Die Vielfalt der Übungen erlaubt es, für jede Person das passende Niveau zu finden – sei es ein einfacher Handgriff im Sitzen oder eine umfassendere Aufgabe. Die Umsetzung erfordert zwar etwas Planung und Einfühlungsvermögen, doch die positiven Effekte auf Wohlbefinden und Selbstständigkeit rechtfertigen den Aufwand. Mit Kreativität und Empathie kann jede Betreuungskraft passende Haushaltsübungen entwickeln und so den Alltag der älteren Menschen bereichern.
Aktivierungsübungen Haushalt für Senioren
In der Seniorenbetreuung spielen haushaltsnahe Aktivitäten eine wichtige Rolle: Viele Senioren erkennen vertraute Alltagsaufgaben aus früheren Zeiten wieder. Solche Tätigkeiten stärken nicht nur das Gefühl von Selbstständigkeit, sondern fördern gleichzeitig motorische, kognitive und soziale Fähigkeiten. Zum Beispiel eignet sich das Falten sauberer Wäsche sehr gut zur Aktivierung: Dabei werden gezielt Feinmotorik und Gedächtnis angesprochen, und die Aufgabe lässt sich an individuelle Einschränkungen anpassen. Pflegeexperten empfehlen, vorwiegend einfache und ungefährliche Haushaltsaufgaben zu wählen. Der Fokus liegt dabei weniger auf dem Ergebnis als auf dem gemeinsamen Erlebnis ohne Leistungsdruck.
Nach den Richtlinien der Pflegekassen gehören zu empfohlenen Beschäftigungen für Senioren ausdrücklich Alltagstätigkeiten wie Kochen, Backen, Handwerk und Gartenarbeit. Viele Ideen für Aktivierungen nutzen ganz normale Haushaltsmaterialien. Zum Beispiel können Senioren mit Wäscheklammern und kleinen Leinen spielerisch arbeiten: Sie sortieren die Klammern nach Farben oder hängen Stoffreste auf und üben so Feinmotorik und kognitive Zuordnung. Im Folgenden finden Sie 50 detaillierte Aktivierungsübungen aus dem häuslichen Bereich – bunt gemischt für die Küche, Wäschepflege, Reinigung, Pflanzenpflege, Ordnung und Kreativ-Basteleien. Jede Übung ist als Schritt-für-Schritt-Anleitung ausgearbeitet und enthält konkrete Praxisbeispiele bzw. Varianten, auch für mobil eingeschränkte Senioren.
Küchenübungen
Obstsalat zubereiten
Material: Eine Schüssel, Kunststoffmesser oder stumpfes Schneidwerkzeug, verschiedene weiche Früchte (z. B. Banane, Apfel, Birne), Schneidebrett, evtl. Plastikhandschuhe oder Wasserschüssel.
Durchführung:
Vorbereiten: Legen Sie die sauberen Früchte, Messer und Schneidebrett vor den Senior auf den Tisch. Bitten Sie ihn, eine Frucht auszuwählen.
Abwaschen: Lassen Sie den Senior die Frucht unter fließendem Wasser abspülen (oder tun Sie dies stellvertretend, falls nötig).
Schneiden: Ermuntern Sie den Senior, das Messer festzuhalten. Führen Sie bei Bedarf die Hand, damit er die Frucht in Stücke schneidet. Ist Stehen schwierig, führen Sie die Übung sitzend am Tisch durch.
Mischen: Der Senior legt die Fruchtstücke in die Schüssel und rührt mit einem Löffel um, bis ein Obstsalat entsteht. Helfen Sie, den Löffel zu führen, falls die Feinmotorik eingeschränkt ist.
Genießen: Anschließend können Sie gemeinsam ein kleines Probierstück kosten (bei eingeschränkter Ernährung z. B. nur simulieren).
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Gemeinsam erinnern Sie sich beim Zubereiten an Lieblingsrezepte aus der Jugend. Oft lösen Gerüche und Geschmäcker lebhafte Erinnerungen aus.
Variante: Bei stark eingeschränkter Beweglichkeit können farbige Papier-Obstformen an die Frischhaltefolie geklebt werden („Papier-Obstsalat“). So übt der Senior dennoch Sortieren und Greifen.
Gewürze erraten
Material: Mehrere kleine, blickdicht abgedeckte Döschen oder Gläser mit typischen Küchengewürzen (z. B. Zimt, Basilikum, Pfeffer, Anis, Lavendel), eventuell Wattebällchen oder Duftstreifen.
Durchführung:
Vorstellung der Materialien: Legen Sie die Dosen mit den Gewürzen auf den Tisch. Erklären Sie, dass die Gewürze unterschiedliche Düfte haben.
Riechen: Der Senior darf nacheinander an den einzelnen Dosen riechen. Entfernen Sie dabei die Deckel oder bringen Sie ihm kleine Wattestäbchen mit Duft zu den Nasenlöchern.
Erraten: Fragen Sie den Senior, ob er den Geruch kennt und um welche Gewürze es sich handeln könnte. Lassen Sie ihn erzählen, wann er diese Gewürze früher verwendet hat.
Auflösung: Nach dem Raten dürfen die Deckel gemeinsam geöffnet werden, damit der Senior den Namen des Gewürzes liest. Bei Bedarf hilft Ihnen der Betreuer beim Ablesen und Sprechen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Erraten des Gewürzes „Zimt“ erinnert sich der Senior an Weihnachtsgebäck in der Kindheit. So wird gleichzeitig Erinnerungspflege betrieben.
Variante für Mobilität: Ist die Nase nicht so beweglich, kann der Betreuer das Duftpäckchen vor den Mund und die Nase des Seniors halten. Eine weitere Variante ist, statt realer Gewürze Duftkarten oder -gläschen zu verwenden.
Besteck sortieren
Material: Verschiedene Besteckteile (Messer, Gabeln, Löffel, ggf. Kindersilberbesteck), ein großes Tablett oder eine flache Schale. Vielleicht auch ein Ablagekasten mit Fächern.
Durchführung:
Angebot der Materialien: Streuen Sie das Besteck ungeordnet auf das Tablett. Der Senior sitzt davor.
Sortieren: Bitten Sie ihn, das Besteck nach Art oder Größe zu ordnen: etwa alle Gabeln in eine Gruppe, Messer in eine andere. Führen Sie seine Hand bei Bedarf oder geben Sie Hinweise („Suche alle Löffel“).
Abstellen: Wenn vorhanden, kann das Besteck nach dem Sortieren in einen Besteckkasten mit getrennten Fächern einsortiert werden.
Reflexion: Fragen Sie dabei nach Vorlieben („Erinnerst du dich, welche Messer ihr früher beim Essen benutzt habt?“) oder nach besonderen Erlebnissen beim gemeinsamen Essen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Der Senior ordnet die Teile nach Material oder kommt ins Erzählen: „Mit dem silbernen Löffel haben wir früher Grießbrei gelöffelt.“
Variante für Gehbehinderte: Diese Übung lässt sich komplett im Sitzen am Tisch durchführen. Man kann größere Symbole auf dem Tablett aufkleben (z. B. ein Messerzeichen), damit der Senior die Dinge auch nach Bildsortierung ablegt.
Servietten falten
Material: Stoff- oder Papierservietten (quadratisch), Anleitung oder vorgedruckte Faltmuster (falls nötig).
Durchführung:
Einführung: Legen Sie die Servietten einzeln vor den Senior. Zeigen Sie eine einfache Falttechnik (z. B. Dreieck-, Rechteck- oder Fächerfaltung).
Falten: Führen Sie die Hände des Seniors an seinen Händen oder leiten Sie die Schritte verbal an („Eine Ecke nach oben falten, dann rechts hinüber“). Gegebenenfalls falten Sie eine Serviette gemeinsam Schritt für Schritt.
Wiederholung: Wiederholen Sie die Falttechnik mit mehreren Servietten. Loben Sie den Senior, wenn er ein Muster selbständig nachmacht.
Tischgedeck: Anschließend können die gefalteten Servietten auf einem Tischarrangement platziert werden (zum Beispiel bei einem gemeinsamen Kaffee).
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Falten erzählt der Senior von früheren Familienfesten, bei denen Tischdecken genau so vorbereitet wurden. Dies fördert Erinnerungen an Festtagsbräuche.
Variante für Mobilität: Nutzen Sie große, farbige Papierquadrate: Beim Falten ist es einfacher, wenn der Senior im Sitzen am Tisch bleibt. Eine andere Variante ist das „Falt-Diktat“: Der Betreuer faltet langsam selbst und der Senior schaut zu, wenn er kaum Greifkraft hat.
Tassen und Teller polieren
Material: Unterschiedliche Tassen, Teller oder Gläser (möglichst plastikfrei, aber gefahrlos), weiches Tuch oder Geschirrtuch (trocken, ohne Reinigungsmittel).
Durchführung:
Vorbereitung: Stellen Sie einige saubere (evtl. leicht feuchte) Geschirrtücher sowie Geschirr auf einem Tisch bereit.
Polier-Bewegung vormachen: Zeigen Sie dem Senior, wie man mit dem Tuch über die Oberfläche reibt, um Staub oder Flecken zu entfernen.
Selber machen: Lassen Sie den Senior Teller und Tasse der Reihe nach nehmen und mit dem Tuch abreiben. Unterstützen Sie die Handbewegung, damit sie gleichmäßig bleiben.
Wettbewerbsspiele: Sie können beispielsweise zwei Senioren gegeneinander antreten lassen: Wer poliert „am schnellsten“ (sicher geführt), oder wer die glänzendste Tasse hat.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Der Senior poliert eine Lieblingstasse. Dabei kann er an frühere Küchenarbeit erinnern („So haben wir daheim den Kaffeebecher geputzt“).
Variante für Eingeschränkte: Verwenden Sie einen größeren Griff am Tuch, damit der Senior nicht so fest greifen muss. Falls das Hin- und Herwischen zu anstrengend ist, können Sie die Bewegung im Sitzen oder sogar nur symbolisch (ohne Tasse) üben.
Kaffee- und Teezubereitung (Simulation)
Material: Leeres Kaffeekannen- oder Teekannen-Modell (oder ein leeres Gefäß), Tassen, Zuckerstreuer (evtl. leer oder nur mit Zuckerdekor), Milchkännchen (ebenfalls leer), Holzlöffel, Tablett.
Durchführung:
Einsatz von Requisiten: Platzieren Sie die leere Kanne und Tassen auf einem Tablett. Erklären Sie, dass der Senior nun „eine Runde Kaffee/Tee servieren“ darf.
Schütten üben: Führen Sie die Hände des Seniors, während er so tut, als schütte er Kaffee aus der Kanne in die Tassen. Dabei bleibt die Kanne leer – es geht um die Bewegung.
Zucker und Milch: Bitten Sie den Senior, mit dem kleinen Löffel theoretisch Zucker in die Tassen zu geben und Milch nachzumachen. Dies können Sie achtsam unterstützen.
Tablett transportieren: Der Senior nimmt das Tablett und „serviert“ die Getränke (stellt es vorsichtig an die Tischkante). Er kann dazu ein höfliches „Bitte schön“ üben.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim „Ausschenken“ kann der Senior in Erinnerungen schwelgen, etwa an gemeinsame Kaffeerunden mit der Familie. Der Betreuer kann Fragen stellen („Trankst du früher lieber Kaffee oder Tee?“) und so die Kommunikation fördern.
Variante für Mobilität: Auch Rollstuhlfahrer können diese Übung machen. Stellen Sie das Tablett in greifbarer Nähe auf einem Tisch ab. Der Senior bleibt sitzen und führt die Bewegungen im Sitzen aus.
Einkaufsliste mit Bildern erstellen
Material: Alte Zeitschriften oder Kataloge, Schere, Kleber, buntes Papier oder Karteikarten.
Durchführung:
Bilder suchen: Bitten Sie den Senior, in den Zeitschriften nach Bildern von Lebensmitteln oder Haushaltsartikeln zu suchen (z. B. Brot, Gemüse, Milchpackung, Seife).
Ausschneiden: Ermuntern Sie ihn, selbst oder mit Ihrer Hilfe die ausgewählten Bilder auszuschneiden. Dies trainiert Schneidefertigkeit und visuelle Zuordnung.
Aufkleben: Der Senior klebt die Bilder nacheinander auf die Karteikarte (Aufkleberkleber oder Klebestift) und benennt dabei, was er einkaufen „will“.
Besprechen: Am Ende zeigen Sie auf die entstandene „Liste“ und sprechen darüber: Brauchen wir dieses Lebensmittel? Erinnern Sie sich an Rezepte, die man damit kocht?
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Zusammenstellen kommt der Senior vielleicht ins Erzählen: „Mit diesem Brot habe ich früher am Sonntag gefrühstückt.“ Das fördert sprachliche und biografische Erinnerung.
Variante: Ist Schneiden zu schwer, kann der Betreuer die Bilder in große Stücke vorschneiden. Der Senior legt sie noch nach Kategorien (z. B. „Alles was man in den Kühlschrank legt“), um zusätzliche Sortier- und Denkaufgaben einzubauen.
Rezeptkarten sortieren
Material: Selbstgeschriebene oder ausgedruckte Rezeptkarten/Bilder, evtl. Karteikasten oder Gummiband, Stifte.
Durchführung:
Rezeptauswahl: Bereiten Sie 5–6 einfache Rezeptkarten oder Bilder vor (z. B. Suppenrezepte, Brotrezepte). Der Senior wählt nacheinander jeweils ein Kärtchen aus.
Ordnen: Fordern Sie ihn auf, die Rezepte nach Kategorie zu ordnen (z. B. nach Mahlzeiten: Frühstück, Mittag, Abend). Sprechen Sie beim Sortieren laut darüber, worum es in den Rezepten geht.
Besprechen: Lesen Sie gemeinsam die Überschriften vor. Lassen Sie den Senior entscheiden, mit welchem Rezept „gekocht“ werden soll. Dies kann ein Rollenspiel mit Spielküchen- oder Plüschlebensmitteln sein.
Abschluss: Zum Schluss kann er die ausgesuchte Karte noch in einen kleinen Kasten einlegen – als „Merkzettel“ für das Nachkochen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Der Senior sortiert Rezepte nach Jahreszeiten („Im Winter koche ich gerne Eintopf.“), was sein biografisches Gedächtnis anregt.
Variante: Für eingeschränkte Feinmotorik können größere Kärtchen oder einfache Bilder mit einem Griff verwendet werden. Als Spiel kann man einen „Getränkeständer“ bereitstellen, um das Tablett mit dem Rezeptbild herumzureichen.
Sandwich belegen
Material: Zwei Scheiben Brot (am besten ungeschnitten, evtl. aus Kunststoff oder altbackenes Brot), Margarine oder Butter (ungekühlt), Plastikmesser, mehrere Beläge (z. B. Käse, Schinken, Salatblätter – auch als Papier-Imitation). Teller.
Durchführung:
Vorbereitung: Legen Sie die Brotscheiben, Butter, Messer und Belagsscheiben vor den Senior auf den Tisch.
Buttern: Der Senior bestreicht eine Brotscheibe mit Butter. Führen Sie die Hand mit dem Messer anfangs, wenn nötig.
Belegen: Helfen Sie dem Senior, Belag auf die bestrichene Brotscheibe zu legen. Dabei kann er den Belag wählen und richtig ausrichten.
Fertigstellen: Decken Sie die zweite Brotscheibe darüber und drücken sie leicht fest. Der Senior kann danach das „Sandwich“ halten und – falls gewünscht – in zwei Hälften teilen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Belegen spricht man über Lieblingsbrote früher („Ich habe immer Schnittkäse und Gurke genommen“). Diese Mahlzeiten-Erinnerung regt Konversation an.
Variante: Ist das eigentliche Schneiden schwierig, stellen Sie vorgeschnittene Brothälften oder weiches Brot bereit. Auch eine Papiervorlage (Bilder von Käse und Brot) mit Platz für Waben kann zum Aufkleben genutzt werden.
Küchenschrank aufräumen
Material: Leerer Plastikbehälter oder Pappkiste, mehrere saubere leere Konservendosen und leere Lebensmittelverpackungen (Kartons, Gläser ohne Inhalt), eventuell Etikettenaufkleber.
Durchführung:
Sammeln: Stellen Sie ein Sammelgefäß in die Mitte und halten Sie einige leere Dosen und Packungen bereit.
Sortieren: Bitten Sie den Senior, nacheinander jede Dose/Packung anzufassen und zu überlegen: „Wo gehört das hinein?“ Er sortiert dann die Gegenstände in Kategorien – z. B. alle Dosen zusammen, alle Kartons zusammen.
Beschriften: Wenn möglich, können die Sortierkategorien beschriftet sein (zum Beispiel mit Bildern). Der Senior kann den passenden Behälter auswählen.
Abschluss: Gemeinsam können Sie einen „Schrank“ (den Kasten) aufstellen und symbolisch bestücken.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Dabei äußert der Senior vielleicht: „Diese Schraubglas war vorher Marmelade drin“ – ein Anlass, über vergangene Frühstückssituationen zu sprechen.
Variante: Für mobil eingeschränkte Senioren kann diese Übung auf einem Rollstuhl-Tablett mit Papierbildern durchgeführt werden: Statt realer Dosen werden Fotos von Lebensmitteln nach Kategorien sortiert.
Wäsche- und Textilpflege
Unterwäsche falten
Material: Eine kleine Auswahl an sauberer Unterwäsche (z. B. T-Shirts und Unterhosen aus Stoff oder Stoff-Attrappen).
Durchführung:
Auslegen: Legen Sie ein T-Shirt mit der Vorderseite nach unten vor den Senior auf den Tisch.
Glattstreichen: Lassen Sie den Senior das T-Shirt mit seinen Händen glattstreichen. Unterstützen Sie die Bewegung, falls er Schwierigkeiten hat.
Falten: Zeigen Sie nun, wie man die Ärmel zur Mitte legt und das Shirt von unten nach oben zusammenfaltet. Führen Sie seine Hände mit, damit er den Ablauf versteht.
Wiederholung: Wiederholen Sie die Schritte mehrere Male mit unterschiedlichen Kleidungsstücken (T-Shirt, Hemd, Unterhose). Übernehmen Sie langsam weniger Hilfe, damit er Selbstvertrauen bekommt.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Falten erinnert sich der Senior womöglich daran, wie die eigene Kleidung früher im Schrank lag. Das gemeinsame Gespräch dabei wirkt biografiebezogen.
Variante: Für Senioren im Rollstuhl kann diese Übung ebenfalls am Tisch stattfinden. Sie können auch dickere Stoffstücke verwenden (wie alte Tischwäsche), die einfacher zu handhaben sind.
Sockenpaare finden
Material: Ein paar Socken in verschiedenen Farben oder Mustern (möglicherweise doppelt, damit Paare vorhanden sind).
Durchführung:
Socken ausbreiten: Zerknüllen Sie einige Socken locker und lassen Sie sie vor dem Senior auf dem Tisch liegen.
Sortieren: Bitten Sie ihn, passende Sockenpaare zu suchen. Er nimmt nacheinander einen Sockel heraus und sucht den passenden dazu. Gegebenenfalls erklären Sie, worauf zu achten ist (Farbe, Muster, Größe).
Paarbildung: Legen Sie jede gefundenes Paar sofort ordentlich beisammen. So entsteht eine Sammlung zusammengehöriger Paare.
Zählen: Wenn alle Paare gefunden sind, können Sie gemeinsam zählen, wie viele zusammengelegt wurden.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Der Senior könnte beim Finden des anderen Sockens sagen: „Oh, diese blaue Socke, da war früher das ganze Bündel!“ Das fördert das Erinnern an den Alltag (z. B. „Meine Enkelin spielte in ihren blauen Socken.“).
Variante: Bei stark eingeschränkter Feinmotorik können statt lose Socken bunte Papier-Socken mit Klettverschlüssen verwendet werden, die leichter anzufassen sind. Oder man macht es als Gedächtnis-Spiel: Der Betreuer zeigt einen Socke und der Senior nennt die gesuchte Farbe des Partners.
Knöpfe sortieren
Material: Eine Mischung aus verschiedenen Knöpfen (in Schale oder auf Tisch verteilt): Unterschiedliche Farben, Formen und Größen.
Durchführung:
Aufgabe erklären: Erklären Sie, dass nun die Knöpfe nach bestimmten Kriterien sortiert werden sollen.
Sortierkriterien bestimmen: Nennen Sie z. B. „Sortiere alle roten Knöpfe zusammen, dann alle blauen“ oder „größter zu kleinster Knopf“.
Abarbeiten: Der Senior fasst Knöpfe einzeln und legt sie in die entsprechenden Gruppen. Hilfestellung: Geben Sie ihm ein „Vorlagenknopf“ und er hält identische daneben.
Gespräch führen: Fragen Sie beim Sortieren nach Modeerinnerungen: „Welches Kleidungsstück hatte so einen Knopf?“
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Bei der Aktivität kommen oft Geschichten auf: „Damals nähte ich die Knöpfe selbst an dem Wintermantel meiner Kinder fest.“ Dies aktiviert das biografische Gedächtnis.
Variante: Verwenden Sie gegebenenfalls Magnetplatten (Aufkleber) oder ein Lappenkissen, um die Knöpfe festzustecken – das erleichtert das Greifen. Als visuelle Hilfe kann ein Kreis ausfarbig markiert sein, in den der Senior passende Knöpfe legt.
Wäscheleine spannen und Wäscheklammern üben
Material: Ein kleines Stück stabile Schnur oder Garn, zwei Stühle oder Haken zum Befestigen, mehrere bunte Wäscheklammern, eventuell leichte Stoffreste (Servietten oder kleine Handtücher).
Durchführung:
Leine befestigen: Spannen Sie die Schnur in Sitzhöhe zwischen zwei Punkten (z. B. zwischen Stuhllehnen). Das Ende kann festgebunden oder geklemmt werden.
Klammern anführen: Bringen Sie dem Senior die Wäscheklammern: Zeigen Sie, wie man eine Stoffserviette oder ein Tuch leicht an die Leine hängt und mit der Klammer fixiert.
Selber machen: Der Senior nimmt nun selbst eine Klammer, hält den Stoff dagegen und drückt sie auf. Gegebenenfalls stützt er mit der anderen Hand ab. Wiederholen, bis mehrere Stücke aufgehängt sind.
Wechsel: Anschließend kann er die Stoffe wieder abnehmen, indem er die Klammern löst.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Diese feinmotorische Übung erinnert den Senior an die tägliche Hausarbeit (Wäsche aufhängen) – oft kommen Erzählungen über den Hausarbeitstag früher zur Sprache.
Variante: Für Rollstuhlfahrer hängen Sie die Leine so niedrig, dass sie sie sitzend erreichen. Bei starker Einschränkung kann man auch ein ähnliches Prinzip mit einfachen Stifthalterungen üben: Der Senior steckt Klammern auf eine Tischkante.
Handtücher falten
Material: Ein paar saubere Handtücher oder Geschirrtücher. Evtl. Stoffservietten für feinmotorische Herausforderung.
Durchführung:
Handtuch glätten: Legen Sie ein Handtuch vor den Senior aus und lassen Sie es mit beiden Händen glattziehen.
Falttechnik zeigen: Führen Sie vor, wie man das Handtuch der Länge nach drittelt und dann einmal zusammenfaltet.
Selber falten: Loben Sie jeden Schritt: „Zuerst falten wir so… Jetzt so…“ Hilfestellung geben, indem Sie sanft gegen die Hände drücken.
Mehrere Tücher: Machen Sie die Übung mit mehreren Handtüchern. Achten Sie dabei auf kleine Bewegungen der Finger, um die Gelenke zu mobilisieren.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Hantieren mit den Handtüchern kommt es oft zu Erinnerungen: „Die Badetücher meiner Enkel waren immer knallgelb.“ Dies sorgt für Gesprächsstoff.
Variante: Verwenden Sie auch Handtücher unterschiedlicher Größe (Geschirrtuch, Handtuch, Badetuch). Der Senior erlebt so, wie man mit komplexeren Tüchern umgeht. Im Rollstuhl kann die Übung im Schoß durchgeführt werden (Tuch auf dem Tisch, falten im Sitzen).
Wäsche nach Farben sortieren
Material: Mehrere Tücher oder Stoffstücke in verschiedenen Farben (z. B. rote, blaue, gelbe, weiße Stofffetzen). Zwei Behälter oder aufgemalte Kreise auf Papier (z. B. „rot“ und „blau“ markiert).
Durchführung:
Erklärung: Sagen Sie dem Senior, dass die Stoffe nun nach Farben getrennt werden sollen (z. B. alle Roten in einen Behälter, alle Blauen in den anderen).
Sortiervorgang: Der Senior nimmt nacheinander ein Stoffstück und legt es in den passenden Behälter oder Kreis. Unterstützen Sie ihn verbal („Dieser ist rot, kommt in den roten Eimer“).
Varianz: Wenn alle Stücke sortiert sind, können Sie die Aufgabe verändern: Jetzt sortiert man nach Helligkeit (hell vs. dunkel) oder Muster (einfarbig vs. gemustert).
Festigung: Besprechen Sie nachher kurz, welche Farbgruppen angelegt wurden und fragen Sie nach Beispielen aus seinem Alltag („Hast du früher weißes und buntes getrennt gewaschen?“).
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Diese Tätigkeit knüpft an die tatsächlich übliche Hausarbeit an. Beim Sortieren sprechen viele Senioren von Routinen: „Meine Frau hat immer die farbige Wäsche separat gewaschen.“
Variante: Wenn Farberkennung schwerfällt, verwenden Sie größere Symbole oder Gemützen: Statt echter Stoffe kann der Senior rote und blaue Spielsteine verteilen. Diese Grundsortierung trainiert dennoch Kategorisierungsfähigkeiten.
Nähkasten ordnen (Faden einfädeln)
Material: Einen einfachen Nähkasten (mit Gewichten, Fäden, Nadeln) und mehrere Nähnadeln, dickere Nähfäden. Evtl. ein kurzes Stück Stoff.
Durchführung:
Material zeigen: Lassen Sie den Senior den Nähkasten und seine Fächer erkunden. Erklären Sie die verschiedenen Gegenstände (Nadel, Faden, Knopf, Maßband).
Faden einfädeln: Nehmen Sie eine dicke Nähnadel und ein Ende des Fadens. Führen Sie die Hand des Seniors, um den Faden durch das Nadelöhr zu stecken. Loben Sie jeden Erfolg.
Nadeln sortieren: Bitten Sie den Senior, verschiedene Nadeln nach Größe in einzelne Fächer zu sortieren. Helfen Sie, falls die Nadeln fallen.
Näherfahrung: Fragen Sie, ob er früher genäht hat. Vielleicht kann er eine Nadel mit einem Knopf zum Annähen simulieren.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Nähkastenorden fällt dem Senior bestimmt ein Kleidungsstück aus der Familie ein („Meine Frau hat damals immer Knöpfe angenäht“). Das regt Erinnerungsgespräche an.
Variante: Ist das Einfädeln zu schwierig, kann der Betreuer ein fertiges Faden-Nadel-Spielzeug benutzen, bei dem man Schnüre durch Löcher stecken muss. So werden Feinmotorik und Auge-Hand-Koordination weiter trainiert.
Kleiderbügel benutzen
Material: Einige Kleiderbügel (Holz oder Kunststoff) und leichte Stoffstücke oder alte Tücher. Evtl. eine Stange oder Türknauf als „Garderobe“.
Durchführung:
Vorführung: Demonstrieren Sie kurz, wie man einen Kleiderbügel in die breite Seite eines Kleidungsstücks (hier: Stofftaschentuch) schiebt.
Aufhängen: Der Senior hält den Kleiderbügel und hängt das Stoffstück an die Stange oder Türknauf. Unterstützen Sie die Bewegung, falls nötig.
Abnehmen: Danach nimmt er den Stoff ab, indem er den Bügel seitlich wegzieht und übt so das Öffnen der Gliedmaßen.
Wiederholen: Lassen Sie den Senior mehrere Tücher ein- und aushängen. Variieren Sie, indem Sie mal in der Mitte, mal am Ende der Stange „abhängen“.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Dabei kann der Senior erzählen: „Früher hängte ich die Jacken meiner Kinder an einen ganz hohen Haken.“ Das regt Erinnerungen an sein Zuhause an.
Variante: Für Rollstuhlfahrer platzieren Sie die Stange in Sitzhöhe. Wenn das Hängen zu schwer ist, nutzen Sie stattdessen Haken an der Wand oder ein magnetisches Kleiderbügel-Spiel: Der Senior hängt Kleiderbügel mit Magneten auf einer magnetischen Leiste auf.
Reinigung und Ordnung
Staubwischen
Material: Ein sauberer Staubwedel oder ein weiches Mikrofasertuch. Alternativ ein leichter Plastik-Luftwischer. Ein kleiner Tisch oder Regal zum Abstauben.
Durchführung:
Technik zeigen: Führen Sie vor, wie man mit dem Staubwedel in sanften Wischbewegungen Oberflächen von Staub befreit.
Selber tätig werden: Der Senior erhält den Staubwedel. Er wischt Regalfach oder Tischplatte ab. Achten Sie darauf, dass die ganze Handbewegung ausgeführt wird – führen Sie notfalls seine Hand mit.
Ecken einbinden: Ermuntern Sie ihn, auch schwerer erreichbare Stellen (unter dem Tisch oder hinter Gegenständen) zu „wischen“. Helfen Sie dabei als Spotter.
Gespräch: Während des Wischens kann der Betreuer fragen, wo im eigenen Haushalt ähnliche Reinigungsarbeiten anfallen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Der Senior erinnert sich vielleicht an das Wischen der Wohnzimmermöbel. Mit jeder Bewegung wird leicht die Schulter mobilisiert – das stärkt die Muskulatur.
Variante: Bei stark eingeschränkter Reichweite kann das Abstauben auch sitzend erfolgen (z. B. einem kleinen Tisch abfegen). Bei Gleichgewichtsproblemen übt der Senior einfach nur das Greifen des Wedels und die Hin- und Herbewegung im Sitzen.
Boden fegen
Material: Ein kleiner Handfeger (Besen mit kurzem Stiel und Handfeger zusammen) und eine Kehrschaufel. Evtl. einige Krümel (Papierstücke) auf dem Boden.
Durchführung:
Platzwahl: Überlegen Sie einen überschaubaren Bereich (z. B. im Flur auf einem kleinen Teppich oder auf einer glatten Oberfläche). Legen Sie ein paar Papierkrümel auf den Boden.
Kehren üben: Der Senior hält Handfeger und Schaufel. Zeigen Sie die richtigen Bewegungen: Mit dem Handfeger werden die Krümel zusammengefegt und mit der Schaufel aufgenommen.
Selber kehren: Lassen Sie den Senior selbst kehren und die Krümel zusammenkehren. Führen Sie Notfalls seine Hand über dem Schütteln der Schaufel.
Abstauben: Anschließend kann der Senior eventuelle verbliebene Staub aufkämmen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Das Fegen aktiviert die Arm-Bein-Koordination. Der Senior erinnert sich vielleicht an das Kehren nach dem Mittagessen. Dies ist zugleich eine Ganzkörperbewegung, die Kreislauf und Koordination fördert.
Variante: Statt wirklichen Krümeln können Sie bunte Papierblätter verstreuen. Sollte der Senior nicht aufstehen können, kann er auch sitzend mit einem kleinen Handbesen im Sitzen über einen auf dem Tisch liegenden Vorleger „fegen“.
Fenster putzen (Trockenübung)
Material: Ein sauberer Lappen oder Tuch (z. B. Spüllappen), eine leere Sprühflasche (ohne Flüssigkeit) oder einfach den Lappen. Evtl. ein ungefährliches Spray (Wasser) und Tuch für tatsächlich leicht feuchte Bewegungen.
Durchführung:
Erklären: Besprechen Sie, dass man Fenster oder Spiegel reinigt, indem man mit einem feuchten Tuch oder einem Reiniger streicht.
Sprühbewegung simulieren: Lassen Sie den Senior ein leeres Spray in der Luft schütteln und so tun, als sprühe er Reinigungsmittel an die Wand oder Glasscheibe.
Wischbewegung ausführen: Der Senior reibt dann mit dem Tuch kreisend oder horizontal über den Tisch, als würde er eine Fensterscheibe abwischen. Führen Sie seine Hand, um die gleichmäßige Bewegung zu unterstützen.
Trocknen: Mit einem trockenen Tuch kann er schließlich trocken nachwischen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Die Armbewegung beim Wischen aktiviert Schultermuskeln. Der Senior erzählt vielleicht, welche Fenster er früher gern geputzt hat („Das große Küchenfenster im Haus meiner Eltern“).
Variante: Rollstuhlfahrer können die Übung am Tisch sitzend machen. Für zusätzlichen Spaß können Sie ein Spiel daraus machen: Wer mehr imaginäre Schmierflecken „findet“ und wegwischt.
Müll trennen und entsorgen
Material: Zwei Behälter oder Papiertüten (z. B. mit Aufklebern „Papier“ und „Restmüll“ gekennzeichnet) und verschiedene leere Gegenstände zum Sortieren (Papierzettel, leere Plastikflasche, leere Konservendose, Taschentuch, etc.).
Durchführung:
Erklären: Zeigen Sie die beiden Behälter und erklären Sie, dass nun Abfall getrennt wird (z. B. Altpapier vs. Restmüll).
Vorzeigen: Legen Sie einen Gegenstand zum Beispiel in den Papierkorb („Papiertaschentuch gehört in den Papierkorb“).
Selber einordnen: Geben Sie dem Senior nun selbst einzeln die Gegenstände. Er schaut sich den Gegenstand an und entscheidet, in welche Tüte er ihn wirft. Führen Sie seine Hand, falls Unsicherheit besteht.
Gespräch: Sprechen Sie dabei, warum Mülltrennung wichtig ist, und fragen Sie nach seinen Gewohnheiten („Hast du früher auch Papier gesammelt?“).
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Das Sortieren sensibilisiert für Alltagsorganisation und Umweltbewusstsein. Der Senior erinnert sich vielleicht an den Altpapiercontainer an der Straße und erzählt dazu Geschichten.
Variante: Wenn keine Behälter zur Verfügung stehen, kleben Sie Bilder von Müllbehältern (Papiermüll, Plastik, Restmüll) auf einen Karton, sodass der Senior die Gegenstände visualisiert zuordnet. Für mehr Bewegung könnte er sich für jeden Gegenstand zur „grünen Ecke“ bzw. „braunen Ecke“ im Raum begeben.
Geschirr abtrocknen
Material: Ein paar saubere Teller oder Tassen und ein trockenes Geschirrtuch. Der Geschirrtuchhalter kann vormachen.
Durchführung:
Vorführung: Zeigen Sie kurz, wie man ein Geschirrtuch nimmt und es über einen Teller legt, um ihn abzutrocknen (trockenes Geschirr wird nur symbolisch „abgeputzt“).
Selber abtrocknen: Geben Sie dem Senior ein Geschirrteil. Er nimmt das Tuch und wischt über die Oberfläche. Achten Sie darauf, dass beide Hände verwendet werden (eine hält den Teller, die andere das Tuch). Führen Sie ggf. wieder seine Hand.
Wechseln: Der Senior legt den Teller beiseite und trocknet das nächste Teil. Wiederholen Sie die Übung mit mehreren Teilen (Tasse, kleines Brettchen etc.).
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Hierbei werden vor allem Handgelenke und Unterarme bewegt. Ähnliche Bewegungen erinnerten den Senior vielleicht an den Abwasch in der eigenen Küche („Früher habe ich jeden Teller von beiden Seiten abgetrocknet.“).
Variante: Nutzen Sie ein Geschirrteil mit Griff (z. B. ein Gittertuch als Untersetzer), damit der Senior nicht das ganze Geschirr festhalten muss. Er kann auch nur mit dem Tuch über den Tisch wischen, um Bewegungsabläufe zu trainieren, falls das Heben zu schwer ist.
Küchenschrank/Regalfach ordnen
Material: Einige leichte Gegenstände (z. B. Plastikdosen, leere Kaffeetassen oder Tassenimitate aus Plastik, kleine Vorratsbehälter), ein offenes Regal oder ein kleines Schränkchen ohne Türen.
Durchführung:
Ausgangssituation: Stellen Sie die Gegenstände ungeordnet vor das Regal. Erklären Sie, dass sie nun in das Regal einsortiert werden.
Sortieren: Der Senior nimmt nacheinander einen Gegenstand und überlegt, wo er hingehört (z. B. Tassen nach links, Dosen nach oben). Unterstützen Sie ihn, indem Sie die Plätze markieren („Alle Tassen gehören in die linke Reihe“).
Einräumen: Er räumt die Sachen ein. Helfen Sie, indem Sie dem Gegenstand leichte Führung geben, wenn er ihn einsetzt.
Überprüfung: Am Ende sehen Sie sich gemeinsam das Ergebnis an und loben das Ergebnis.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Das Einsortieren kann an frühere Küchenordnung erinnern („So stand bei uns auch das Kaffee-Service.“). Der Senior erzählt vielleicht, wie seine Frau früher alles eingeteilt hat.
Variante: Nutzen Sie Farbmarkierungen (z. B. Aufkleber) an den Fächern, damit der Senior weiß, wohin er sortieren soll. Bei starker Einschränkung kann man auch nur mit Symbolen arbeiten: der Senior legt Bilder von Küchengegenständen (Tasse, Dose) in entsprechende Kästen auf dem Tisch.
Briefe und Dokumente sortieren
Material: Fünf bis sechs Briefe, Postkarten oder einfache Papiere (Mitteilungen, bunte Flyer). Zwei offene Mappen oder Schachteln (z. B. mit Aufklebern „Privat“ und „An- oder Abmeldung“).
Durchführung:
Erklären: Sagen Sie dem Senior, dass er sich die Post ansehen und sortieren soll, zum Beispiel in private Briefe und Flyer.
Vorzeigen: Nehmen Sie einen Brief, lesen Sie den Betreff vor und legen ihn in die entsprechende Mappe („Unser Ausflug – das kommt ins Privat“).
Eigenständiges Sortieren: Geben Sie dem Senior die anderen Briefe. Er liest (oder lässt vorlesen) die Überschrift und entscheidet, wohin er ihn legt. Fragen Sie bei Unklarheiten.
Nachsprachen: Gehen Sie die sortierten Dokumente durch. Welche Briefe ziehen persönliche Erinnerungen hoch? Gibt es etwas zum Vorlesen?
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Sortieren fällt oft auf: „Dieser Brief war vom Bürgermeister, erinnere mich, als wir eingezogen sind.“ Das fördert biografische Gespräche und die Sinneswahrnehmung (Lesen, Haptik).
Variante: Wenn das Lesen mühsam ist, können statt echter Briefe beschriftete Karten mit großen Wörtern verwendet werden. Senioren mit Mobilitätsproblemen bleiben am Tisch sitzen und legen die Karten in erreichbare Behälter.
Pflanzenpflege und Garten
Zimmerpflanze gießen
Material: Eine leichte, leere Gießkanne oder Sprühflasche (gefüllt mit Wasser), ein kleiner Blumentopf mit (notfalls ausgedrucktem) Pflanzendekor oder eine echte unempfindliche Pflanze.
Durchführung:
Anleitung: Zeigen Sie dem Senior die Gießkanne. Erklären Sie, dass nun die Pflanze mit Wasser versorgt wird.
Gießen: Führen Sie die Hand des Seniors, während er Wasser in den Topf „gießt“ – in der Übung bleibt er leer oder mit Wasser gefüllt, je nach Mobilität des Seniors. Die Bewegung simuliert echtes Gießen.
Laut sprechen: Lassen Sie den Senior dabei Ausdrücke sagen wie „gieße langsam“, um Sprachproduktion zu fördern.
Pflegedialog: Fragen Sie, warum Pflanzen gießen wichtig ist. Vielleicht erinnert sich der Senior an seine eigenen Pflanzen daheim.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Die Gießbewegung aktiviert die Arm- und Handmuskulatur. Häufig erinnert sich der Senior dabei an Gartenarbeiten („In unserem Garten musste ich immer die Tomaten gießen“).
Variante: Für stark mobil Eingeschränkte kann man stattdessen ein leeres Gießgefäß verwenden und nur den Arm- und Handgriff üben, ohne sich zu bücken. Für kognitives Training kann man ihn Zahlen nennen lassen: „Gieße bis drei Mal“, um Aufmerksamkeit zu fördern.
Saatgut sortieren und einpflanzen
Material: Kleine Körner oder Samen (z. B. Bohnen, Samen für Blumen) in einem Behälter, mehrere leere kleine Töpfchen oder Schalen mit etwas Erde (kann trocken sein).
Durchführung:
Samen zeigen: Lassen Sie den Senior die Samen anschauen und vielleicht mit den Fingern fühlen. Fragen Sie, welche Pflanzen daraus wachsen könnten.
Sortieren: Bitten Sie ihn, die Körner nach Sorte zu trennen (z. B. Bohnen und Erbsen in getrennte Bereiche).
Einpflanzen: Der Senior nimmt einen Samen, macht ein kleines Loch mit dem Finger oder dem Stift in der Erde und setzt den Samen hinein. Sie können eine Zuhilfenahme geben, damit er die Feinmotorik übt.
Erde andrücken: Zeigen Sie, wie man leicht Erde auf den Samen drückt. Der Senior wiederholt das für alle Samen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Diese Übung weckt Erinnerungen an Gartenarbeit. Der Senior spricht vielleicht vom Blumenbeet im Hausgarten. Außerdem übt er Fingerfertigkeit.
Variante: Falls echte Erde schwer zu handhaben ist, kann man auch geknülltes Papier als „Samen“ verwenden und es in vorgeschnittene Löcher in einer Pappe stecken.
Blumenstrauß oder Gesteck erstellen
Material: Eine Auswahl an künstlichen oder getrockneten Blumen, ein kleiner Vase oder Tasse als Gefäß, eventuell Steckschaum (Trockenstecker).
Durchführung:
Material sortieren: Legen Sie die Blumen vor den Senior. Er soll entscheiden, welche Blumen er nehmen und wie er sie in das Gefäß stellen möchte.
Steckeinsatz: Helfen Sie bei der Nutzung des Steckschaums im Gefäß (falls vorhanden), damit die Blumen feststehen können.
Gestalten: Der Senior steckt eine Blume nach der anderen in den „Strauß“, probiert verschiedene Anordnungen aus. Unterstützen Sie nach Bedarf beim Festhalten der Blume.
Besprechen: Fragen Sie beim Arrangieren nach Lieblingsfarben oder -blumen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Während der Senior den Strauß formt, erinnert er sich an Lieblingsblumen („Ich mochte immer Nelken und Rosen“). Das gemeinsame Basteln fördert Kreativität und soziales Miteinander.
Variante: Ist das Einstecken zu schwer, können Sie stattdessen farbige Papierblumen vorbereiten, die der Senior in einen Steckkarton steckt. Dies schützt die Finger und erlaubt trotzdem das kreative Gestalten.
Kräuter und Gewürze riechen
Material: Kleine verschließbare Gläser oder Dosen mit getrockneten Küchenkräutern (Basilikum, Pfefferminze, Lavendel, Rosmarin). Optional: Verschiedene Teebeutel (Pfefferminze, Kamille).
Durchführung:
Vorbereitung: Platzieren Sie die Gläser mit den Kräutern vor dem Senior und öffnen Sie sie eines nach dem anderen.
Riechen: Der Senior hält jedes Gefäß zunächst in der Höhe seiner Nase und riecht intensiv daran. Sie können über den Inhalt sprechen („Das ist getrocknete Pfefferminze.“).
Erraten: Bitten Sie den Senior zu erraten, um welches Kraut es sich handelt. Unterstützen Sie ihn, indem Sie Hinweise geben (Geruch, Gebrauch).
Erzählrunde: Nach dem Riechen kann der Senior erzählen, ob und wie er dieses Kraut früher verwendet hat (z. B. „Aus Minze machte meine Mutter oft Tee“).
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Riechen aktiviert stark das Gedächtnis. Der Senior könnte sofort sagen: „Ich kenne diesen Duft, das riecht nach meinem Garten.“ So wird die Erinnerung gepflegt.
Variante: Falls der Geruchssinn eingeschränkt ist, legen Sie die Blätter auch mal in die Hand des Seniors, damit er die Struktur fühlen kann. Verwenden Sie große Schrift auf den Gefäßen, falls Lesen möglich ist.
Gartenwerkzeuge sortieren
Material: Miniatur-Werkzeuge oder Nachbildungen (kleine Harke, Besen, kleine Schaufel, Handschuhe), die sicher greifbar sind. Zwei Körbe mit Aufklebern: „Garten“ und „kein Garten“.
Durchführung:
Vorlage zeigen: Erklären Sie, dass jetzt Gartenutensilien sortiert werden: Zeigen Sie z. B. auf den Boden-Handschuh und sagen „Das kommt in den Gartenkorb“.
Sortieren: Der Senior nimmt reihum ein Werkzeug in die Hand und entscheidet, in welchen Korb er es legt. Führen Sie seine Hand, falls er unsicher ist.
Namen nennen: Sprechen Sie immer wieder die Begriffe der Werkzeuge aus („Schaufel, Besen, Handschuh“), damit der Senior sie wiederholt.
Aufräumen: Zum Abschluss kann der Senior alle Sortierten wieder in einem kleinen „Gartenhäuschen“ (Kiste) verstauen und mit Ihnen dabei das Eigennamen der Werkzeuge wiederholen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Diese Übung sensibilisiert für Werkzeuge, die ältere Menschen im Alltag gebrauchen. Der Senior erzählt vielleicht: „Den Besen habe ich in der Scheune benutzt, als ich noch auf dem Land wohnte.“
Variante: Für mehr Herausforderung können Sie auch einfache Bilder von Garten- und Nicht-Garten-Gegenständen zum Sortieren verwenden (Papier-Smartphone symbolisiert nicht Garten). Das Sortieren lässt sich auch im Sitzen erledigen, wenn man alles gut erreichbar hinstellt.
Handwerk und Basteln
Windlicht aus Glas gestalten
Material: Ein leeres, sauberes Marmeladenglas oder ähnliches Glasgefäß, Bastelkleber oder transparentes Klebeband, bunte Transparentpapier-Streifen oder Perlen, Teelicht (LED).
Durchführung:
Vorbereitung: Zeigen Sie das leere Glas. Legen Sie vorbereitete Papierstreifen und Kleber parat.
Bekleben: Der Senior klebt oder legt die Transparentpapierstreifen außen ans Glas – dabei kann er die Farbe wählen. Wenn er Hilfe braucht, führen Sie seine Hände.
Dekorieren: Alternativ kann der Senior bunt schimmernde Perlen auf Klebeband kleben. Fördern Sie Fingerspitzengefühl bei kleinen Bewegungen.
Fertigstellen: Setzen Sie gemeinsam ein LED-Teelicht hinein. Jetzt hat der Senior ein eigenes Windlicht kreiert, das er stolz betrachten kann.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Basteln spricht man über Licht und Stimmung: „So sah das Wohnzimmer meiner Mutter bei Kerzenschein aus.“ Der fertige Gegenstand kann an einen Ort gestellt werden, der positive Gefühle weckt.
Variante: Ist das Kleben zu schwierig, stecken Sie die Papierstreifen statt zu kleben einfach in Schlitze am Glasrand oder befestigen Sie sie mit einem Gummiband. Auch hier genügt die Sitzposition am Tisch.
Untersetzer häkeln oder flechten
Material: Einfache Vorrichtung zum Fädeln (z. B. ein Karton mit eingekerbten Löchern) und dickes Garn oder Schnur. Notfalls einfache Bastelschnur und große Plastiknadel.
Durchführung:
Arbeitsfläche vorbereiten: Zeigen Sie den Senior das Kartonbrett mit eingeritzten Löchern. Erklären Sie, dass er mit dem Garn ein Muster legen soll.
Einführen: Fädeln Sie zusammen mit dem Senior das Ende des Garns durch eines der Löcher. Halten Sie seine Hand leicht, damit er das Garn zieht.
Weave/stricken: Folgen Sie gemeinsam einem einfachen Muster (z. B. immer in das jeweils nächste Loch). Helfen Sie ihm, das Garn zu spannen und den Faden einzuhaken.
Fertigstellung: Ist der Kreis ausgefüllt, nimmt der Senior das Werkstück ab. Nun kann er sehen, wie der selbstgemachte „Topfuntersetzer“ aussieht.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Dieses Handarbeitsprojekt fordert Feinmotorik und Durchhaltevermögen. Währenddessen können Geschichten über selbst gestrickte Socken oder Handarbeiten früher erzählt werden – so wird die Biografie reaktiviert.
Variante: Wer keine Vorlage hat, kann auch zwei Seile parallel spannen und per Finger-Geradezählen abwechselnd drüberflechten. Dadurch kann im Sitzen ein ähnlicher Bewegungseindruck entstehen.
Tischdeko aus Papier basteln
Material: Buntes Papier, Schere, Kleber, evtl. einfache Bastelvorlagen (z. B. einfache Blumenformen oder Sterne).
Durchführung:
Vorlage wählen: Geben Sie dem Senior ein Stück buntes Papier vor. Schneiden Sie vorgängig große einfache Formen vor.
Ausschneiden: Der Senior kann schrittweise das Papier nachzeichnen oder ausschneiden, wenn er schneiden kann. Zeigen Sie, wie man mit der Schere um einen Bleistiftkreis herum schneidet.
Zusammenkleben: Kleben Sie die ausgeschnittenen Figuren zu einer Tischdeko zusammen (z. B. eine Blüte). Der Senior hält die Teile, während Sie Kleber auftragen.
Dekorieren: Zum Schluss kann er die Papierschmuckteile auf eine Serviette legen oder an eine Pinnwand stecken.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Basteln spricht der Senior vielleicht über Familienfeiern („Wir haben immer bunte Tischdekorationen gebastelt“). Diese Übung regt Kreativität und Konzentration gleichermaßen an.
Variante: Wenn das Schneiden unmöglich ist, können schon vorgeschnittene Formen bemalt oder beklebt werden. Er kann die Farben auswählen und Klebstoff auftragen, was auch feinmotorisch anspruchsvoll ist.
Schuhe trocken putzen (Simulation)
Material: Eine leere Schuhbrust oder einfach eine alte (saubere) Schuhbürste und ein Paar Schuhe oder ein Modell eines Schuhs. Ein weiches Tuch.
Durchführung:
Aufzeigen: Zeigen Sie das Schuhputzgerät (Bürste oder Tuch) und erklären Sie, wie man Schuhe abwischt.
Trockenputzen: Der Senior hält den Schuh und die Bürste. Er bürstet mit der Bürste sanft über den Schuh, als würde er den Dreck entfernen (ohne Wasser).
Mit einem Tuch nachwischen: Anschließend kann er mit dem Tuch über den Schuh reiben, um ihn „zum Glänzen“ zu bringen.
Wiederholen: Machen Sie ein paar Schuhe nacheinander, so dass jeder Handgriff erprobt wird.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Der Senior berichtet vielleicht, wie er früher polierte Schuhe besaß („So ein schimmernder Stiefel war mein ganzer Stolz“). Die Übung stärkt die Arm- und Schultermuskulatur.
Variante: Bei starker Schonung der Gelenke können die Bewegungen stark vereinfacht werden: Der Senior hält den Putz-„Schwamm“ mit einer Hand ruhig und bewegt den Schuh selbst hin und her.
Haustierspielzeug basteln
Material: Stoffreste, Gummibänder, alte Stoffstreifen, Knöpfe (ungiftig), Nadel und Faden (groß), Heftpflaster oder Klettstreifen. (Alternativ: robuste Papier- oder Papprollen.)
Durchführung:
Idee besprechen: Sprechen Sie mit dem Senior über Haustiere („Hatten Sie ein Haustier?“). Schlagen Sie vor, ein Spielzeug für ein Stofftier oder ein leeres Glas zu basteln.
Material zuschneiden: Helfen Sie dabei, Stoffstreifen oder Papierstreifen abzuschneiden. Der Senior kann mit Schere und seinen Händen die vorbereiteten Stücke nehmen.
Spielzeug formen: Zeigen Sie, wie man Stoffstreifen zu einem Ball knubbelt und mit Gummiband fixiert. Der Senior kann beim Zusammenknäueln helfen oder Züge am Band geben.
Dekorieren: Ein Knopf kann als „Auge“ angenäht oder aufgeklebt werden (lassen Sie ihn mit dem Finger zeigen, wo er hinkommt).
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Während des Bastelns erzählt der Senior vielleicht von seinen Tieren („Unsere Katze liebte selbstgemachte Bälle aus alten Socken“). Das Spielzeug kann dann in den Raum gestellt und als Erinnerung an Haustiere genutzt werden.
Variante: Falls das Zusammennähen zu schwer ist, wickeln Sie das Band einfach um den Knäuel und lassen den Senior es festdrücken. Für Rollstuhlfahrer kann es hilfreich sein, den Stoff ballgroß in die andere Hand zu stecken und die Finger automatisch zu verformen.
Bilderrahmen verzieren
Material: Ein einfacher unbehandelter Bilderrahmen aus Pappe oder Holz, bunte Aufkleber, Buttons, Glitzerstifte oder kleine Bastelperlen (ohne verschluckbare Kleinteile).
Durchführung:
Material zurechtlegen: Legen Sie den leeren Rahmen sowie Dekorationsmaterial auf den Tisch. Zeigen Sie mögliche Muster (z. B. ein farbiges Eckmuster).
Bekleben: Der Senior nimmt einen Aufkleber oder eine Perle und klebt sie an eine Stelle am Rahmen. Unterstützen Sie ihn, falls er unsicher zielt.
Verzieren: Er kann das Verzieren fortsetzen – diagonal oder rundherum. Loben Sie jede bunt beklebte Ecke oder Linie.
Betrachten: Am Ende stellt er seinen Rahmen auf und kann darin z. B. ein aktuelles Foto oder Bild legen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Schmücken können alte Fotos hervorgeholt werden: Der Senior sagt dazu: „Dort stand unser Foto auf dem Regal.“ Das gibt Gelegenheit, über damals zu sprechen.
Variante: Falls Kleben zu schwergängig ist, halten Sie den Gegenstand und lassen den Senior nur das Andrücken übernehmen. So kann ein Rollstuhlfahrer die Handbewegung im Sitzen machen.
Origami – Papierschiffchen falten
Material: Viereckige Papierbögen (z. B. alte Kalenderblätter oder A4-Blätter) und Anleitung zum Schiffchenfalten.
Durchführung:
Anleitung zeigen: Falten Sie das Papier vor dem Senior einmal vor (Halbieren, dann Dreieck, …), damit er die Schritte sieht.
Sicherheit bieten: Der Senior hält das Papier und der Betreuer klappt langsam mit ihm Schritt für Schritt. Dabei kann man anfangs die Anfänge der Faltungen mit den Fingern führen.
Eigenständiges Falten: Je einfacher die Faltfolge, desto mehr kann der Senior selbständig nachmachen. Am Ende hält er stolz sein Papierschiffchen.
Spielphase: Das Boot kann zusammen mit Wasser gefüllt und vorsichtig an den Tischrand geschoben werden – oder die Hände imitieren Wellenbewegungen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Origami aktiviert Feinmotorik und Konzentration. Gleichzeitig ist es spielerisch – vielleicht erinnert sich der Senior: „Mit meiner Enkelin haben wir früher oft Papierboote gebaut.“
Variante: Für noch mehr Unterstützung arbeiten Sie auf einem Tisch mit Rand, so kann das Papier nicht verrutschen. Bei großen Schwierigkeiten kann man die Schritte als Puzzle stellen: der Senior ordnet bereits gefaltete Zwischenschritte in die richtige Reihenfolge.
Deko aus alten Kleidungsstücken – Stoffblumen basteln
Material: Alte Baumwoll- oder Wollreste (Hemd, Pullover), Schere, Nadel und dicke Wolle, eventuell Knöpfe als Blütenzentren.
Durchführung:
Stoffstreifen schneiden: Schneiden Sie aus einem Stoffrest mehrere Streifen (ca. 2–3 cm breit). Der Senior kann beim Halten des Stoffs helfen oder eine einfache Schere probieren.
Rollen und Falten: Zeigen Sie, wie man einen Streifen längs einrollt und dann schneidet, sodass sich eine Blumenschablone ergibt. Der Senior wickelt einen Streifen um einen Finger (kleine Rolle) und fixiert ihn.
Zusammensetzen: An einem Knopf als Blütenstempel befestigen Sie den Stoffring mit Wolle. Der Senior kann die Nadel führen, indem er sie hält und Ihnen den Stoff führt.
Blumen anordnen: Mehrere fertige „Stoffblumen“ werden zu einem kleinen Strauß gebunden oder mit Kleber auf ein Kärtchen geklebt.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Aus alt mach neu: Der Senior denkt vielleicht an selbst genähte Pullover. Jede Bewegung an der Nadel aktiviert die Fingerkoordination. Ein solcher gebastelter Strauß kann als Fotodeko dienen.
Variante: Nutzen Sie bei starker Einschränkung vorgefertigte Stoffblumen zum Einkletten. Der Senior klebt sie dann mit großem Filzkleber auf Papier und wählt dabei die Farbkombination selbst.
Fotohalter oder Rahmen bemalen
Material: Ein einfacher Holz- oder Papprahmen für Fotos, Acrylfarben oder wasserlösliche Farbe, Pinsel. Evtl. bunte Masking-Tapes.
Durchführung:
Vorbereiten: Legen Sie die Farben und Pinsel auf Zeitungspapier auf den Tisch. Der Senior wählt eine Farbe aus.
Malen: Der Senior hält den Rahmen und versucht, mit dem Pinsel Farbe aufzutragen. Beginnen Sie mit großen Pinselstrichen an der Kante. Unterstützen Sie die Handbewegung, um Kontrollverlust zu vermeiden.
Verzieren: Wechselseitig oder nacheinander kann der Senior Muster malen oder einfache Figuren (Punkte, Streifen).
Trocknen: Stellen Sie den Rahmen zum Trocknen beiseite. Später kann ein Foto aus vergangenen Tagen (z. B. aus Jugend oder Familie) hineingeklebt werden.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Das Malen entspannt und ruft Erinnerungen wach: „Dieses Blau erinnert mich an den Himmel am Meer, als wir Urlaub in Italien machten.“ Beim Anschauen alter Fotos im Rahmen entsteht ein schöner Gesprächsanlass.
Variante: Nutzt der Senior nur eine Hand, lassen Sie ihn mit einer Hand den Pinsel führen, während Sie mit der anderen Hand den Rahmen stabilisieren. Für mehr Sicherheit kann der Rahmen mit Klebeband auf dem Tisch fixiert werden.
Bildercollage – Hausarbeits-Thema
Material: Zeitschriften, Schere, Kleber, großes Blatt Papier oder Karton als Unterlage.
Durchführung:
Themenwahl: Schlagen Sie vor, eine Collage zum Thema „Hausarbeit früher“ zu erstellen.
Bilder sammeln: Suchen Sie gemeinsam Bilder in Zeitschriften, die mit dem Thema zu tun haben (z. B. alte Waschmaschine, Bügelbrett, Küche). Der Senior erteilt die Auswahl und schneidet, wenn möglich, selbst aus.
Anordnen: Kleben Sie die ausgeschnittenen Bilder auf das große Blatt. Ordnen Sie sie nach dem Alter oder nach Räumen. Der Senior kann dabei helfen, sie festzudrücken.
Beschriften: Schreiben oder sprechen Sie kurze Bildunterschriften dazu („So sah unsere Küche aus“).
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Zusammenkleben spricht man über die Motive: „Ein Bügeleisen! Damit habe ich vor 70 Jahren meinen Männern die Hemden gebügelt.“ Das regt zu Geschichten und Aktivierung an.
Variante: Ist das Ausschneiden zu schwierig, kann der Senior auch nur ausgewählte Bilder aufkleben und den Rest des Papiers nach Farben oder Formen anmalen, um ein Gefühl von Vollständigkeit zu bekommen.
Geburtstagskalender gestalten
Material: Große Kärtchen oder Papier, Stifte, evtl. Aufkleber (Geburtstagskerzen, Geschenke), Fotos von Familienmitgliedern (wenn vorhanden).
Durchführung:
Monat aufschreiben: Der Senior wählt einen Monat und schreibt (oder diktiert) den Monatsnamen oben auf ein Blatt.
Eintragen: Suchen Sie gemeinsam Geburtstage aus Familien und Freunden. Schreiben oder kleben Sie Namen und Datum unter den Monat (z. B. „Anna – 5. März“).
Dekorieren: Der Senior darf den Kalender mit bunten Motiven verzieren: Zeichnen Sie gemeinsam Geburtstagskerzen oder Herzen neben die Namen.
Durchsprechen: Lesen Sie die Kalendereinträge laut durch und lassen Sie den Senior erzählen, wie die Person zu ihm steht.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Das Anlegen des Kalenders fördert das Gedächtnis (welcher Geburtstag war wann?) und soziale Erinnerungen („Mein Bruder Karl ist jetzt 80 Jahre alt“). Durch das Schreiben wird ggf. die Handschrift und das Sprachverständnis geübt.
Variante: Wenn Schreiben sehr schwerfällt, nutzen Sie Fotos der Personen und kleben Sie sie mit dem Datum auf. So kann der Senior allein die Bilder anordnen und den Bezug herstellen.
Fotoalbum oder Erinnerungsbuch erstellen
Material: Ein einfaches leeres Fotobuch oder ein Notizbuch, alte Fotos oder Kunstdrucke (Haus, Garten, Küche), Kleber, Stifte.
Durchführung:
Album öffnen: Legen Sie die Fotos vor den Senior aus und blättern Sie vor, wo man sie einkleben könnte.
Themenauswahl: Fragen Sie, welche Erinnerungen festgehalten werden sollen („Möchtest du Fotos von deinem Garten einfügen?“).
Einkleben und Beschriften: Der Senior klebt Fotos auf die Seiten (führen Sie seine Hand). Schreiben oder sagen Sie dazu kurze Notizen („Sommer 1965 im Garten von Tante Erna“).
Vorlesen: Lesen Sie gemeinsam die Albenbeschriftungen laut vor. Lassen Sie den Senior erläutern, was er auf den Fotos sieht.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Das Durchschauen der Fotos aktiviert das Langzeitgedächtnis. Oft erzählt der Senior beim Einkleben Geschichten aus früheren Zeiten. Gleichzeitig stärkt das alltägliche Kleben die Fingerfertigkeit.
Variante: Gibt es keine Fotos, können Sie auch gemeinsame Zeichnungen oder Zeitungsausschnitte nutzen. Der Senior malt mit einfachen Strichen Motive, die er mit Ihnen bespricht.
Telefonübung – Kontakte finden
Material: Alten Telefonbuchseiten (oder ausgedruckte Adressenliste), Stift. Ein Tablett oder Klemmtafel zum Unterlegen.
Durchführung:
Kontakt suchen: Sagen Sie, dass Sie gemeinsam einen Bekannten anrufen wollen und die Telefonnummer herausfinden.
Lesen üben: Der Senior liest (oder Sie lesen vor), welche Namen auf der Seite stehen. Fragen Sie nach einem konkreten Namen (z. B. „Findest du die Nummer von Müller?“).
Zahl ablesen: Wenn der Name gefunden ist, lesen Sie die Nummer gemeinsam vor. Eventuell lässt man den Senior Zahlen aufschreiben oder nur nachsprechen.
Ziel: Ziel ist es, das Finden und Lesen von Namen/Zahlen in einer Liste zu trainieren.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Diese Übung trainiert Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Der Senior erzählt, ob er die Personen kennt („Ach, die Müller wohnten doch nebenan!“), was zu Erinnerungen und Gespräch führt.
Variante: Statt eines echten Telefonbuchs kann man auch große Spielzeug-Handys (mit gedruckten Kontakten) verwenden, damit der Senior die Nummern „wählt“.
Haushalts-Puzzle (Memory)
Material: Ein einfaches Memory-Spiel mit Haushaltsgegenständen (selbstgemachte Kartenpaare: z. B. Bild von Löffel, Löffel), oder ein großes Bildpuzzle (z. B. Küche, Wohnzimmer).
Durchführung:
Vorbereitung: Legen Sie die Pappkarten (Bilder) verdeckt auf einen Tisch. Erklären Sie das Prinzip eines Memory-Spiels.
Aufdecken: Der Senior deckt zwei Karten nacheinander auf und versucht, Paare zu finden. Unterstützen Sie beim Erkennen der Bilder, falls nötig.
Paarbildung: Hat er ein Paar gefunden, darf er es behalten und nochmals ziehen. Fehlvergleiche besprechen Sie lustig („Nichts, das waren keine Zwillinge!“).
Puzzlespiel: Alternativ lösen Sie zusammen ein Puzzle mit einem Haushaltsmotiv – der Senior legt Teile und Sie ergänzen, wenn er nicht weiterkommt.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Diese spielerische Übung aktiviert das Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis. Als Thema wurden Haushaltsgegenstände gewählt, damit auch die Assoziation zum eigenen Alltag besteht.
Variante: Nutzen Sie statt Memory magnetische Puzzleteile an einer Magnettafel, falls das Greifen ins Spiel einfacher sein soll. Beim gemeinsamen Puzzeln können Sie die Begriffe der Gegenstände laut aussprechen („Das ist ein Kühlschrank“).
Briefmarken oder Münzen sortieren
Material: Eine Sammlung von farbigen Briefmarken oder (untauschbaren) Spielgeldmünzen in verschiedenen Werten. Kleine Sortierkästchen oder Papierstücke als Trennung.
Durchführung:
Auswahl: Zeigen Sie die verschiedenen Marken oder Münzen. Lassen Sie den Senior sie anfassen.
Sortieren: Er legt die Marken/Münzen nach Farbe, Herkunftsland oder Wert sortiert in separate Fächer oder Bereiche. Begleiten Sie ihn mit Hinweisen (z. B. „Alle roten Marken gehören zusammen“).
Zählen: Zum Schluss zählen Sie die sortierten Stücke in jeder Gruppe. Auch einfaches Addieren („Es sind fünf rote Marken“) fördert die Kognition.
Geschichte: Fragen Sie, ob der Senior früher Briefmarken gesammelt oder bestimmte Münzen verwendet hat.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Dieses Ordnungs-Spiel ruft oft Erinnerungen wach („Die Marke aus Paris habe ich auf einen Brief an meine Schwester geklebt“). Gleichzeitig aktiviert es das Denken in Kategorien und fördert die Feinmotorik.
Variante: Wenn Feinmotorik schwierig ist, kleben Sie Kreise auf Papier mit den Briefmarken darauf. Der Senior kann dann sagen, welche Stelle zusammengehört.
Blumen einpflanzen – Gartenteil
Material: Kleine Plastik-Blumentöpfe, etwas Blumenerde (verstärkt für Bastelzwecke nur locker gefüllt), Blumensamen oder Bohnen. Kleine Schaufel oder Löffel.
Durchführung:
Vorbereitung: Füllen Sie den Topf zur Hälfte mit Erde. Zeigen Sie, wie ein Loch gemacht wird.
Samen einlegen: Der Senior steckt mit dem Finger oder Löffel Samen in das Loch (führen Sie ggf. seine Hand). Es soll so aussehen, als wäre es Erde.
Zuschütten: Lassen Sie ihn etwas Erde auf die Samen legen und sanft festdrücken.
Pflege ansagen: Sprechen Sie darüber, dass man nach dem Pflanzen gießen muss (Spiel: Senior sagt „Ich gieße jetzt“).
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Beim Pflanzen spricht der Senior über Gartenarbeit („An heißen Tagen gossen wir die Blumen immer so“). Diese Übung verbindet Bewegung, Feinmotorik und inhaltliches Erinnern.
Variante: Arbeiten Sie mit leichter Erde oder Sand, damit der Senior weniger Kraft braucht. Für den Fall der Sitzübung setzen Sie den Topf auf den Tisch – der Senior kann im Sitzen stechen und drücken.
Pflanzenpflegeplan erstellen
Material: Ein Blatt Papier, Stifte, eventuell Klebezettel.
Durchführung:
Gespräch: Fragen Sie den Senior, wie oft man Pflanzen gießen sollte. Notieren Sie gemeinsam Stichpunkte („Jeden Montag gießen“).
Plan zeichnen: Zeichnen Sie ein kleines Raster (Kalender) und schreiben Sie die Wochentage.
Eintragen: Der Senior hilft, die Tage einzutragen, an denen gegossen werden soll. Zeichnen Sie kleine Blumen- oder Gießkannen-Symbole als Hinweise.
Nachvollziehen: Besprechen Sie den Plan regelmäßig mit dem Senior, wenn Sie an den Tagen gießen.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: So werden Planung und Alltagsstruktur geübt. Der Senior äußert sein Gefühl für Routine („Wir haben hier immer montags gegossen“).
Variante: Wenn Schreiben schwerfällt, kleben Sie vorbereitete Blümchen-Sticker auf die jeweiligen Tage.
Gemeinschaftliches Wäschesortier-Spiel
Material: Je ein Behälter mit farbigen Stoffresten oder Wäschestücken (im Rollenspiel-Versuch). Zwei Spieler (Senior plus Betreuer).
Durchführung:
Spielform: Der Betreuer versteckt die Wäschestücke und der Senior sucht sie nacheinander.
Sortieren: Für jede gefundene „Wäsche“ ruft der Senior den Ort („Farbe!“ oder „Art!“) und sortiert das Stück in den Behälter.
Wettbewerb: Optional kann der Senior gegen den Betreuer antreten, wer schneller sortiert (kein Druck, nur Anreiz).
Abschluss: Das gemeinsame Aufräumen nach dem Spiel – etwa alle Kleidungsstücke zusammenlegen – gibt ein Erfolgserlebnis.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Durch die spielerische Form wird noch einmal Motivation und Gedächtnis aktiviert („Wo habe ich die blaue Socke versteckt?“). Dabei führt die Interaktion zu sozialem Austausch.
Variante: Bei körperlicher Schwäche kann man das Spiel am Tisch führen: Wäsche wird in Karton-Kreisen sortiert, ohne dass der Senior viel aufstehen muss.
Kleider-Schrank-Spiel (Memory)
Material: Bilderkarteien mit Kleidungsstücken (jeweils zweifach vorhanden, z. B. eine Jacke, ein Hut, eine Bluse) – ein klassisches Memory-Spiel.
Durchführung:
Einführung: Legen Sie die Karten verdeckt aus und erklären Sie das Memory-Spiel mit Kleidungsstücken als Thema.
Aufdecken: Der Senior deckt zwei Karten auf. Er sagt laut, welche Kleidungsstücke er sieht, und versucht ein Paar zu finden.
Paar merken: Hat er zwei gleiche Kleidungsbilder aufgedeckt, darf er sie behalten und noch einmal spielen.
Weiterspielen: Wenn kein Paar gefunden wurde, decken Sie wieder zu und der Betreuer ist an der Reihe. Das wechselnde Aufdecken bringt Gespräch („Oh, ein Rock, das erinnert mich an meine Lieblingsrock.“).
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Die spielerische Erinnerung an Alltagsgegenstände fördert das Gedächtnis auf angenehme Weise. Diskussionen über die abgebildeten Kleidungsstücke („Diese Mütze war rot, wie meine Oma trug.“) fördern Gespräche.
Variante: Bei Problemen mit Demenz können Sie statt Memory einfach zwei identische Kleidungsbilder aufsagen lassen. Für Rollstuhlfahrer: Karten können größer sein und auf einem Tisch in Reichweite ausgelegt werden.
Tagesplan mit Alltagsaktivitäten
Material: Ein großes Blatt Papier, Farben oder Stifte, Aufkleber (Haus, Besen, Topf-Symbole, etc.).
Durchführung:
Raster malen: Zeichnen Sie zusammen mit dem Senior ein einfaches Raster (ähnlich einem Stundenplan) für den Tag oder die Woche.
Aktivität eintragen: Bitten Sie den Senior, die geplanten Haushaltsaktivitäten einzutragen (z. B. „Morgens: Kaffeetrinken“, „Nachmittags: Zeitung lesen“).
Symbole malen: Der Senior malt Symbole oder klebt Sticker für die Tätigkeiten (z. B. eine Waschmaschinen-Flasche für Wäsche waschen).
Besprechen: Lesen Sie den Plan laut vor und lassen Sie den Senior seine Aufgaben erklären.
Praxisbeispiel/Varianten:
Beispiel: Durch das Erstellen und Besprechen des Plans übt der Senior Alltagseinschätzung und Erinnerung an gewohnte Abläufe. Er kann stolz auf seinen „Plan“ sein, der für Struktur sorgt.
Variante: Wenn Schreiben schwerfällt, nutzen Sie nur Bildkarten: Der Senior sortiert Symbole (Haus, Teller, Bett) für Aktivitäten in ein Raster. Dies fördert dennoch die zeitliche Einteilung und den Überblick.