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Wenn ich mich richtig erinnere,

ist dies die erste Ausgabe der Inseln der Zeit, in der ich mich ausdrücklich an die Menschen wende, die diesen Newsletter heute oder in der Vergangenheit besonders unterstützt haben.

Im Mai 2022 landete die erste Ausgabe bei 28 Empfänger*innen. Darunter waren bereits drei Mitglieder, die ein Abonnement abgeschlossen hatten und den Newsletter von Beginn an mit einem kleinen monatlichen Beitrag unterstützt haben.

Wenige Monate zuvor war mein erstes Buch Zeitwohlstand für alle erschienen und hatte in kurzer Zeit fast 1.000 Leser*innen erreicht. Bei Perspective Daily, einem Onlinemagazin für Konstruktiven Journalismus, hatte ich in den Jahren zuvor für eine eher kleine, aber treue Leserschaft zahlreiche Texte über den Umgang mit Zeit geschrieben. Inmitten einer ungekannten gesellschaftlichen Krise – der Coronapandemie, die zugleich auch eine persönliche Krise für mich war – hatte ich Themen wie Zeitwohlstand, Einsamkeit, psychische Gesundheit und Fragen nach Sinn, Orientierung und sozialen Zusammenhalt erkundet.

Als ich mich kurz darauf für einen persönlichen und beruflichen Neuanfang entschied, startete ich diesen Newsletter. Aus mehreren Tausend regelmäßigen Leser*innen waren plötzlich 28 geworden.

Es ging mir jedoch nicht darum, für ein neues Publikum zu wiederholen, was ich in den Jahren zuvor bereits an anderer Stelle gesagt hatte. Stattdessen wollte ich mein Nachdenken über Zeit aus einer persönlicheren Perspektive in einem kleinen Kreis fortsetzen und weiterentwickeln – im Austausch mit anderen, auf Grundlage von Gesprächen, durch Erfahrungen und neu aufkommende Fragen.

Nicht zuletzt, weil ich einen nicht unerheblichen Teil meiner freien Zeit mit Literatur, Biografien und philosophischen Texten verbringe und weniger mit aktueller Fachliteratur, wurde aus einem Newsletter, in dem ich ursprünglich vor allem neue Forschungsergebnisse, Interviews, Rezensionen und politische Entwicklungen teilen und kommentieren wollte, schon bald etwas anderes.

Ich schrieb seltener darüber, wie wir besser mit Zeit umgehen können, wie ich es bisher getan hatte, und häufiger über die Erfahrung der Zeit. Verwandlung, Übergänge, Brüche und Neuanfänge wurden zu den prägenden Motiven.

Über Veränderung nachzudenken bedeutet jedoch zugleich, über Kontinuität nachzudenken, über Routinen und Rhythmen, über Verlässlichkeit und Zugehörigkeit. Über das, was bleibt. Was zählt. Was Sicherheit gibt.

Wenn ich genauer darüber nachdenke, handelte schon die erste Ausgabe dieses Newsletters von Veränderung. Ich sprach darin mit der Coachin und Transformationsforscherin Petra Bock darüber, wie Menschen große gesellschaftliche Krisen und Verwerfungen bewältigen. Vermutlich sind dies genau die Fragen, die mich ursprünglich dazu gebracht haben, mich intensiver mit Zeit auseinanderzusetzen.

Doch erst einige Monate später, im Spätsommer 2022, als ich an der siebten Ausgabe arbeitete, wurde mir bewusst, dass ich möglicherweise herausgefunden hatte, was die Inseln der Zeit sein könnten und dass hier womöglich eine Form entstand, mit der ich mich sicher und wohlfühlte.

Unter dem Eindruck des russischen Überfalls auf die Ukraine und des zunehmenden Erstarkens autoritärer und rückwärtsgewandter politischer Kräfte begann ich mehr über die Erfahrung nachzudenken, dass in meiner Welt etwas Vertrautes verloren ging – ohne richtig greifen zu können, was genau es war und was an seine Stelle treten würde. Ich dachte zunehmend über Themen wie Verlust, Unsicherheit und Verletzlichkeit nach. Und darüber, wie wir lernen können, damit zu leben.

Damals, im Spätsommer ‘22 schrieb ich hier im Newsletter:

Wir geben uns nicht länger der Illusion hin, dass Sicherheit, Gesundheit und Frieden gegeben sind. Wir flüchten nicht mehr in die Vorstellung, dass bald schon alles wieder gut werden wird. Wir stellen uns vielmehr auf eine neue, ungekannte Unsicherheit ein. Doch wir suchen nicht nach Auswegen, sondern nach einer Form von Resilienz, mit der wir uns in diese Wirklichkeiten hineinbewegen können, ohne unterzugehen.

Ich tue mich oft schwer mit tiefgreifenden Veränderungen, und suche sie doch immer wieder. Ich suche sie in dem Wissen, dass sie ein natürlicher, unvermeidlicher und letztlich wertvoller Bestandteil des Lebens sind.

Das letzte Abtauchen ins kühle Wasser des Waldfreibads war doch auch nur deshalb so kostbar, weil ich wusste, dass dieser Moment vergeht, dass ich ihn nicht festhalten, nicht besitzen, nicht kontrollieren kann. Und doch ist es die Wucht dieser winzigen Augenblicke, die das Leben ausmachen. Und die wahrscheinlich die Kraft geben für all die Veränderungen, Umbrüche und Anfänge, die wir bewältigen müssen.

Die Inseln der Zeit sollten vielleicht ein Ort sein, an dem eine Stille herrschte, die es in meiner Welt kaum noch gab. Ein Refugium, in dem langsames, ungestörtes Denken und Nachspüren noch möglich ist.

Das ist auch deshalb noch möglich, weil ein Medium wie dieses ohne redaktionelle Vorgaben und Logiken, ohne wirtschaftlichen Druck und Outputzwang, ohne Erwartungen und Mehrwertversprechen auskommen kann.

Inzwischen erscheinen auf Steady weit über 1.000 Projekte, bei denen Autor*innen, Journalist*innen, Podcaster*innen und andere Publisher ihre Inhalte direkt mit einem Publikum teilen, das sich genau für diese Themen interessiert. Zusammengenommen erreichen diese Publikationen mehrere Hunderttausend zahlende Mitglieder. Längst ist für wichtige journalistische und literarische Stimmen wie Nils Minkmar, Sibylle Berg, Barbara Vorsamer, Jasmin Schreiber, Bent Freiwald, Mareice Kaiser und viele andere Steady zu einer neuen publizistischen Heimat geworden.

Die Gründer*innen von Steady verstehen ihre Plattform als Teil einer Demokratisierung der Medienproduktion. Menschen können publizieren, ohne dabei schwerfällige Verlagshäuser, unter Verkaufsdruck stehende Redaktionen oder algorithmisch gesteuerte Plattformen als Vermittler zu benötigen.

Mich hat diese Idee von Anfang an überzeugt, vor allem ihre praktische Umsetzung. Steady hat sich in den vergangenen vier Jahren immer wieder weiterentwickelt, neue Funktionen eingeführt und unbürokratisch auf die Bedürfnisse von Publishern und Leser*innen reagiert.

Während manche Medienprojekte an ihren ursprünglichen Konzepten festhalten und Schwierigkeiten haben, sich an veränderte Nutzungsgewohnheiten, technische Entwicklungen und neue Formen des Publizierens anzupassen, erlebe ich Steady als lernfähig, beweglich und damit als ideale Heimat dieses Newsletters.

Leicht ist es allerdings trotzdem nicht, diesen Newsletter zu schreiben. Durch den Wegfall redaktioneller Prüfung, die formale Offenheit und die meist sehr persönliche Auseinandersetzung mit meinen Themen, entsteht immer wieder ein Moment der Ungeschütztheit, sobald ich auf Senden klicke.

Vielleicht braucht nicht jeder Mensch, der schreibt und sich öffentlich äußert, eine Ermutigung, das zu tun. Ich brauche sie auf jeden Fall. Die Tatsache, dass von Anfang an Menschen bereit waren, sich auf diese Form des Schreibens einzulassen, dass sie mir zurückgespiegelt haben, was einzelne Texte in ihnen bewegt oder verschoben haben, und dass sie dieses Projekt darüber hinaus sogar finanziell unterstützt haben, ist einer der wichtigsten Gründe dafür, dass es die Inseln der Zeit weiterhin gibt.

Inzwischen sind aus einer kleinen, unsicheren und ziellosen Idee schon 55 Ausgaben hervorgegangen. Aus meiner Beschäftigung mit Arbeit und Arbeitszeit, Care und Elternschaft, psychischer Gesundheit und den Bedingungen eines gelingenden Lebens, entstand nach und nach eine Vorstellung davon, wie Arbeit und Zeit anders verteilt und organisiert werden könnte.

Daraus ist mein zweites Buch Die zeitintelligente Organisation entstanden, das im Januar bei Haufe erschienen ist. Seitdem durfte ich darüber bereits mit vielen Menschen ins Gespräch kommen, Vorträge halten und Interviews führen, etwa im Deutschlandfunk, RedaktionsNetzwerk Deutschland, Die Presse, Impulse und zuletzt im Podcast Teilzeit Talente (Öffnet in neuem Fenster).

https://open.spotify.com/episode/0iVl4iti14vR9atSxqPhil (Öffnet in neuem Fenster)

Derzeit arbeite ich an mehreren neuen Recherchen, die in den kommenden Monaten im SPIEGEL erscheinen werden. Dabei beschäftige ich mich mit Themen wie Multifokussierung, unerledigten Aufgaben und der Frage, wie wir in einer immer komplexeren Arbeitswelt handlungsfähig und fokussiert bleiben können. Über einige dieser Gedanken habe ich bereits in der letzten Ausgabe geschrieben. (Öffnet in neuem Fenster)

Daneben verbringe ich viel Zeit damit, Vorträge und Veranstaltungen vorzubereiten, mit Unternehmen und Behörden über zeitintelligentes Arbeiten ins Gespräch zu kommen und Ideen für ein weiteres Buchprojekt weiterzuentwickeln. Auch dieser Newsletter wird weiterhin etwa einmal im Monat erscheinen.

Die Inseln der Zeit sollen auch in Zukunft kein Newsletter sein, mit dem ich maximale Aufmerksamkeit erreichen, Inhalte verkaufen oder andere Leistungen bewerben möchte. Natürlich freue ich mich über neue Leser*innen, Mitglieder, Vortrags- und Workshopanfragen oder Bücher, die aus diesem Projekt hervorgehen. Doch sie sind nicht der Grund, warum ich schreibe.

Dieser Newsletter existiert, weil Menschen ihn lesen, weiterempfehlen und unterstützen. Die Mitgliedschaften erleichtern es mir, regelmäßig Zeit für dieses Projekt aufbringen zu können.

Als freier Journalist erlebe ich gerade, wie sich die Bedingungen für unabhängige journalistische und publizistische Arbeit verändern. Viele Medien stehen unter zunehmendem wirtschaftlichen Druck, Redaktionen werden kleiner. Freie Mitarbeiter*innen bekommen das häufig zuerst zu spüren. Auch ich.

Umso dankbarer bin ich für jedes neue Mitglied, das mir mit einem Abo Vertrauen und Zeit schenkt. In den vergangenen Monaten habe ich die Mitgliedschaften behutsam weiterentwickelt. Mitglieder erhalten inzwischen Zugang zum Archiv, zu vertiefenden Gedanken und Analysen unter der Wasserlinie vieler Ausgaben und – je nach Paket – zu einer digitalen oder gedruckten und signierten Ausgabe eines meiner Bücher.

Leider sind in den vergangenen Monaten einige Mitgliedschaften ausgelaufen und nicht verlängert worden. Das ist in Ordnung. Jede Unterstützung, ob für einige Monate oder über viele Jahre hinweg, hat dazu beigetragen, dass dieses Projekt wachsen und bestehen konnte. Dafür bin ich sehr dankbar.

Gleichzeitig zeigt mir jede neue oder verlängerte Mitgliedschaft, dass es auch weiterhin Menschen gibt, die diesen Ort erhalten möchten. Das ist nicht nur eine finanzielle Unterstützung. Es ist auch Ausdruck des Wunsches, zu einer vielfältigen, kritischen und unabhängigen Medienlandschaft beizutragen. Für mich ist es eine Ermutigung, weiterzuschreiben.

Ich möchte mich bei allen Leser*innen, die diesen Newsletter heute unterstützen, aber auch bei jenen, die ihn in den vergangenen Jahren begleitet haben, herzlich bedanken.

Ich würde mich sehr freuen, wenn du dabei bleibst, darüber nachdenkst, deine Unterstützung zu erneuern oder erstmals Mitglied zu werden. Die aktuellen Pakete findest du hier:

Als kleines Dankeschön lade ich alle aktuellen, ehemaligen und neuen Mitglieder zu einer einstündigen Online-Session zu meinem neuen Buch Die zeitintelligente Organisation am 8. Juli ein. Dort möchte ich einige zentrale Gedanken des Buchs vorstellen, über die Entstehung sprechen und mit euch ins Gespräch kommen.

Weitere Informationen und den Anmeldelink findest du am Ende dieser Ausgabe.

Wenn du mich derzeit nicht mit einer Mitgliedschaft unterstützen kannst, freue ich mich genauso, wenn du als Leser*in dabeibleibst, die Inseln der Zeit weiterempfiehlst oder den Newsletter abonnierst, falls du ihn bisher nur gelegentlich mitliest.

Einladung

Letzten Sommer habe ich intensiv an meinem Buch Die zeitintelligente Organisation gearbeitet und zuletzt zentrale Gedanken daraus auf Fachveranstaltungen wie der Zukunft Personal und der New Work Evolution vorgestellt.

Nun möchte ich diese Ideen erstmals in einem kleineren Kreis mit den Menschen teilen und diskutieren, die meine Arbeit unterstützen und diesen Newsletter lesen.

Am Mittwoch, 8. Juli, von 10.30 bis 11.30 Uhr lade ich alle aktuellen, ehemaligen und neuen Mitglieder der Inseln der Zeit zu einer exklusiven Online-Session ein.

In einem etwa 30-minütigen Impulsvortrag gebe ich Einblicke in die Entstehung des Buchs und stelle zentrale Gedanken daraus vor:

  • Warum viele Menschen unter Zeitmangel leiden, obwohl Produktivität und Effizienz stetig gestiegen sind.

  • Was die Forschung unter „Zeitwohlstand“ versteht – und weshalb dieser Begriff weit über Freizeit oder Work-Life-Balance hinausgeht.

  • Warum Zeit in Organisationen oft erstaunlich nachlässig gestaltet wird.

  • Welche zeitintelligenten Arbeitsformen bereits heute existieren.

  • Was Organisationen von Chronotypen, Fokuszeiten und anderen Ansätzen lernen können.

  • Und wie Arbeit aussehen könnte, wenn wir Zeit nicht nur als knappe Ressource betrachten, sondern als Grundlage für gutes Arbeiten und Leben.

Anschließend möchte ich mit euch ins Gespräch kommen: über Möglichkeiten und Grenzen der zeitintelligenten Organisation, praktische Erfahrungen und die Frage, wie Zeitintelligenz in unterschiedlichen beruflichen Kontexten aussehen könnte.

Die Zahl der Teilnehmer*innen ist bewusst begrenzt, damit Raum für Austausch und Fragen bleibt.

Termin: Mittwoch, 8. Juli 2026, 10.30–11.30 Uhr
Ort: digital (Microsoft Teams)
Teilnahme: exklusiv für Inseln der Zeit-Unterstützer*innen sowie einige persönlich eingeladene Gäste

Anmeldung unter folgendem Link oder per Mail an mail@stefanboes.de (Öffnet in neuem Fenster)

Ich freue mich auf einen offenen, persönlichen Austausch.

https://luma.com/8b9qpcdy (Öffnet in neuem Fenster)

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