2024 wurde ich in den Bundesvorstand des LSVD⁺ gewählt. Die Amtszeit gilt für zwei Jahre. 2026 wurde ich für eine Amtszeit von zwei weiteren Jahren bestätigt.
Der LSVD⁺ - Verband Queere Vielfalt ist die älteste Interessenvertretung für queere Menschen in Deutschland. Seit inzwischen 36 Jahren ist der Verband anerkannt und berechtigt mit der Bundesregierung zu queeren Themen Stellung zu beziehen. Immer wieder folgen Einladungen in unterschiedliche Ministerien oder zu Gesprächen mit einzelnen Abgeordneten oder politischen Veranstaltungen.
2024 wurde erlebte der Verband eine Anpassung an die gesellschaftlichen Entwicklungen. Eine Namensänderung. Aus dem Lesben- und Schwulenverband wurde der Verband Queere Vielfalt. Ziel war es die gesamte queere Community mitzunehmen und sich nicht nur auf eine Gruppe zu beschränken. Bereits in den 1990er Jahren wurde aus dem Schwulenverband die Erweiterung zum Lesben- und Schwulenverband. Man hat also nicht zum ersten Mal neue Gruppen addressiert.
Wer die Historie des LSVD⁺ mal nachlesen möchte kann das gerne hier (Öffnet in neuem Fenster) tun. Man kann sehr tief in die Geschichte der queeren Menschenrechtsbewegung eintauchen.
https://www.lsvd.de/de/ct/1173-Kleine-Geschichte-des-LSVD-Verband-Queere-Vielfalt (Öffnet in neuem Fenster)Ich war zwar schon länger Mitglied im Verband, aber durch die Öffnung für alle queere Menschen fühlte ich mich auch ermutigt mich für den LSVD⁺ Bundesvorstand zu bewerben, nachdem ich damals von Christian Rudolph vorgeschlagen wurde. Christian wollte den Vorstand nach langjähriger Mitarbeit verlassen und würde eine Lücke reißen, weil es niemanden gab um den Bereich Sport abzudecken. Da wir in anderen Kontexten gut zusammenarbeiteten fragte er mich, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich zögerte zunächst. Zum einen finde ich Vereinsarbeit sehr anstrengend und langwierig, was in vielen Situationen die Effizienz ausbremsen kann. Zum anderen aber auch wollte ich nicht im “Lesben- und Schwulenverband” den Vorsitz antreten. Nachdem ich von der geplanten Namensänderung erfuhr legten sich meine Zweifel und ich stimmte zu. Im Frühjahr 2024 stellte ich mich und meine Arbeit vor und wurde schließlich mit den zweitmeisten Stimmen gewählt.

Nun also 2026 der zweite Akt. Sollte ich mich zur Widerwahl aufstellen lassen oder nicht? Ich haderte ein wenig, denn ich arbeite sehr gerne inhaltlich und wenn wir mit 15 Personen im Bundesvorstand jedes einzelne organisatorische Fragen abstimmen müssen, dann kommen die wichtigen inhaltlichen Themen einfach viel zu kurz.

Das heißt nicht, dass Organisationsentwicklung und -verwaltung weniger wichtig ist. Ganz im Gegenteil. Aber es gibt Menschen die wirklich Spaß am Verwalten haben oder sich mit Finanzen beschäftigen möchten. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Im Herbst 2025 äußerte ich meine Bedenken, dass ich gerne “mehr Effizienz” wünsche und erinnerte mich an den Bundesverband Trans*. Dort wurde ich 2018 in den Bundesvorstand gewählt und es gab einen geschäftsführenden Vorstand und den erweiterten Vorstand. Ich schlug also vor, dass wir einen geschäftsführenden Vorstand einführen, welcher sich um vereinsinterne Angelegenheiten kümmert. Der erweiterer Vorstand (dem auch der geschäftsführende Vorstand angehört) arbeitet dann an den thematischen Inhalten. Für diesen Schritt braucht es eine Satzungsänderung, welche erst auf dem Verbandstag beschlossen werden muss. Aber da der gesamte Vorstand die Idee befürwortete, war nicht davon auszugehen, dass die Mitgliederversammlung diese Idee zurückweisen würde. Man wird vermutlich ein wenig über Pros und Contras sprechen und an Details Veränderungen vornehmen. Aber die Idee an sich wird wohl kaum in Frage gestellt.

Nachdem diese Frage geklärt war, beschloss ich also für mich erneut für den Bundesvorstand zu kandidieren. Die Rechte von trans* Personen werden immer weiter angegriffen und in Frage gestellt. Als eine der “outspokensten trans* Personen Deutschlands” (Zitat Andre Lehmann, Kollege im Bundesvorstand) fühle ich mich auch irgendwie verantwortlich mein KnowHow einzubringen, um die Rechte meiner Community nicht nur zu stärken, sondern auch weiterhin zu verteidigen.
Julia du bist eine der outspokensten trans* Personen Deutschlands
(Andre Lehmann, LSVD⁺ Bundesvorstand)
Der Verbandstag steht an. Gesundheitlich bin ich in letzter Zeit ein wenig angeschlagen, deshalb fiel meine Vorstellung diesmal relativ knapp aus. Ich rede nicht gerne viel und mir fällt es schwer mich selbst zu “bewerben”. (Das ist übrigens auch der Grund warum ich bisher alle Angebote ausgeschlagen habe in die Politik zu gehen.) Aber die Mitgliederversammlung hat mir erneut das Vertrauen geschenkt wofür ich sehr dankbar bin. Ich werde weiterhin an vorderster Front für die Rechte von geschlechtlichen Minderheiten einstehen, mich negativen politischen Entwicklungen entgegenstellen und jederzeit mahnend an unsere Werte und die Verantwortung einer Demokratie erinnern.
Ich sage immer: Der Umgang mit Minderheiten in einer Gesellschaft ist ein Gradmesser für den Zustand einer Demokratie
Ich fühle mich sehr geehrt und möchte mich bei allen Menschen bedanken, die mir jeden Tag das Vertrauen schenken, dass ich mich für euch stark machen darf und dass ihr mir so oft Mut zusprecht via Email, Social Media oder DM.
Vielen Dank an euch alle.
https://www.lsvd.de/de/ct/16694-Vielfalt-leben-Queerfeindlichkeit-stoppen-Neutralitaet-ist-keine-Option (Öffnet in neuem Fenster)Wenn dir meine Arbeit gefällt und du unabhängigen, fundierten Journalismus zu trans* Themen und mein Engagement unterstützen möchtest, freue ich mich über deine Unterstützung. Jeder Beitrag – oder auch nur das Abonnieren des Newsletters (Öffnet in neuem Fenster) – hilft dabei, diese Stimme aufrechtzuerhalten. Danke euch 🌈💖