Die Natur fragt nicht nach dem Aussehen, es sei denn, es ist nützlich (Charles Darwin)
Der Surrealismus hat die Darstellung des menschlichen Körpers revolutioniert. Die Figur ist nicht länger ein anatomisches Ideal, sondern ein Ort zum Experimentieren. Mit drei Werken möchte ich dich einladen, die Grenzen zwischen Sichtbarem und Vorstellbarem zu erkunden.
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Liebe Kunstfreundin, lieber Kunstfreund,
Anthropomorphismus bezeichnet die Zuschreibung menschlicher Eigenschaften an nicht-menschliche Dinge, wie Objekte, Tiere oder Pflanzen. Im Surrealismus wurde dies als radikale Neugestaltung des menschlichen Körpers verstanden.
Der Körper wurde nicht mehr als solcher dargestellt, sondern als Behälter, Mechanismus oder Zeichen.
Er wurde als Ort der Intervention behandelt und zum Objekt und Träger anderer Bedeutungen. Man kann sagen, dass vor dem Surrealismus der Körper die Welt erklärte. Durch seine Manipulation und die Veränderung seiner Funktion wurde es jedoch notwendig, den Körper selbst zu erklären.
Die menschliche Figur war nicht mehr Subjekt, sondern wurde zum Objekt der Analyse, zu einem Raum, in dem das Psychische, das Soziale oder das Politische manipuliert werden konnte.
Der anthropomorphe Körper garantierte keine Menschlichkeit mehr. Auch wenn er eine gewisse Anatomie beibehielt, zeigte er seine konzeptionelle Fragilität. An dieser Grenze zwischen Erscheinung und Bedeutung befinden sich die drei surrealistischen Werke, die ich dir heute vorstelle – genau dort entfalten sie ihre Kraft.
Der Körper als psychischer Behälter
(Öffnet in neuem Fenster)Die anthropomorphen Figuren mit Schubladen von Salvador Dalí (1904–1989) sind eine der deutlichsten Darstellungen des Körpers als psychischer Behälter. Der Künstler war von Freuds Ideen über die Verdrängung von Wünschen und Geheimnissen beeinflusst, die im Geist gespeichert sind, und wollte dies so darstellen, als wären sie in einem Schrank mit Schubladen aufbewahrt.
Die Schubladen sind eine wörtliche Metapher für diese Idee und verwandeln die menschliche Figur in ein Möbelstück des Unbewussten, in einen Aufbewahrungsort für Erinnerungen und Triebe. Dalí war besessen von Sexualität, Erinnerung und dem Unbewussten.