Zum (LGBTQ+) Pride Month schmücken sich Unternehmen jedes Jahr vor allem aus Marketinggründen gerne mit Regenbogenflaggen. Und während es ihnen im aktuellen politischen Klima schon positiv anzurechnen ist, dass sie sich überhaupt positiv positionieren, spielen bei vielen die restlichen elf Monate lang Queer- und Transrechte meist aber eine untergeordnete Rolle, was in der doch sehr divers zusammengesetzten Gamesbranche (Öffnet in neuem Fenster) noch mehr auffällt als in vielen anderen.
Wie jede Fachdisziplin hat auch die Linguistik ihren eigenen Blick auf Themen. Man kann Spiele und Diskussionen um sie – wie auf Language At Play üblich – natürlich auch auf sprachliche Eigenheiten und Darstellungen untersuchen. Die Repräsentation von LGBTQIA+-Personen und auch Beziehungen abseits von cis-heteronormativen fällt in den Bereich der Queer- bzw. Lavender Linguistics (Öffnet in neuem Fenster). Ein möglicher Ansatz für Sichtbarmachung der Nutzung von queerer und queer-inklusiver Sprache sind Korpusanalysen, also Sammlungen sprachlicher Äußerungen und Texte, die zur weiteren Auswertung vorbereitet sind. Mit diesen kann herausgefunden werden, welche Ausdrücke in welchem Kontext verwendet werden, z.B. auch, welche Pronomen innerhalb von queeren Communities verwendet werden.

Quelle: Gender & Language in Video Games - Q&A with Dr Frazer Heritage (Öffnet in neuem Fenster)
Dr. Frazer Heritage hat damit unter anderem ein Korpus aus Diskussionen über einen transmaskulinen Charakter in einem World of Warcraft-Forum (Öffnet in neuem Fenster) untersucht und fand zu seiner Überraschung heraus, dass eine große Mehrheit der Schreibenden sich positiv positioniert und sich als Community unterstützt hat, während es nur einige wenige, dafür aber sehr lange Gegenposts gab. In seinem Interview mit (Öffnet in neuem Fenster)outmaking.games (Öffnet in neuem Fenster) zu ‘Gender, Language und Video Games’ (Öffnet in neuem Fenster) wird klar, wie wichtig seine Art der Arbeit ist. Sie macht anschaulich, wie die Mehrheit tatsächlich über Inklusion von queeren und trans Personen bzw. Charakteren denkt, egal wie oft rechte Gruppierungen das Gegenteil behaupten.
Neueste Beiträge auf Language at Play
Kaum zu glauben, Language at Play ist bereits 8 Jahre alt! Während damals Pascal noch alles allein aufbauen und stemmen musste, hat er inzwischen Unterstützung gefunden, mit der er sich für diesen Geburtstag wieder einen besonderen Call ausgedacht hat. Diesmal soll es um allerlei Kartenspiele gehen – egal ob digital oder analog. Lasst hier also gerne eurer Fantasie freien Lauf und schickt uns eure Ideen zu Papier und Pixel: Exploring Card Games (Öffnet in neuem Fenster).

Yu-Gi-Oh!, ein berühmtes Trading Card Game. Quelle: Pexels, introspectivedsgn.
Termine
Auf languageatplay.de (Öffnet in neuem Fenster) findet ihr stets eine Übersicht (Öffnet in neuem Fenster) über die aktuellsten Calls und Game-Studies-Veranstaltungen. Hier einige der kommenden Highlights:
Besonders wichtig in ungewissen Zeiten: Die Auflehnung gegen das Establishment. Am 16. und 17. Juli veranstaltet Generation Analog eine Konferenz zum Thema ‘Punk (Öffnet in neuem Fenster)’, an der man online teilnehmen kann. Frühere Vorträge sind bei YouTube verfügbar
Die Abstract-Deadline für die Fachtagung Spiel | Museum (Öffnet in neuem Fenster) wurde auf den 13.07. verlängert
Für den Gamepathy-Jam (Öffnet in neuem Fenster) in Karlsruhe könnt ihr euch seit kurzem anmelden. Zu dem bekannten Game Jam-Format kommt noch ein Research-Jam dazu
Auch die FROG-Konferenz (Öffnet in neuem Fenster) hat kürzlich ihren aktuellen Call zum Thema ‘eSports’ veröffentlicht
Letzte Möglichkeit für Abstracts zu Blasphemous (Öffnet in neuem Fenster)und zu Interdisziplinären Perspektiven auf Doing History (Öffnet in neuem Fenster)
Fundstücke
Die Verbraucherinitiative Stop Killing Games hat noch etwas unter einen Monat, um genug Unterschriften zu sammeln, damit die EU-Kommission sie besprechen muss. Leider wurde die Aktion von YouTubern für Aufmerksamkeit und Monetarisierung dämonisiert, sodass die Betreiber*innen beinahe aufgegeben haben. Doch noch ist nichts verloren! Tatsächlich hat sich seit Bekanntwerden der Schwierigkeiten bereits ein Fünftel der noch fehlenden Stimmen zusammengefunden. Stimmt selbst ab! (Öffnet in neuem Fenster)
Auf TheGamer (Öffnet in neuem Fenster) gibt's einen netten Artikel über Magic-Übersetzungen, die in anderen Sprachen lustig klingen, aufgehängt an Tidus, dem ‘Blitzball-Ass’. In Reaktion darauf hat uns Jacob Birken auf einen BlueSky-Account (Öffnet in neuem Fenster) aufmerksam gemacht, der Magic-Karten so lange durch verschiedene Übersetzerprogramme schickt, bis ganz andere Texte dabei herauskommen.
Haben Loading Screen-Hinweise eine bestimmte Struktur, die auch außerhalb von Spielen erkennbar ist? Zumindest dieser Post von @SpaghettiKozak auf X.com (Öffnet in neuem Fenster) über eine Äußerung von Ali Khamenei, dem Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte, legt das nahe.

Quelle: https://www.instagram.com/p/DK2EPSaML8K/ (Öffnet in neuem Fenster)
In der vergangenen Woche hat sich in Frankfurt am Main die Deutsche Gesellschaft für Spielwissenschaft e.V. (Öffnet in neuem Fenster) (DGSW) konstituiert. Damit gibt es nach der Vereinswerdungs des Arbeitskreis Geisteswissenschaften und Digitale Spiele (Öffnet in neuem Fenster) e.V. (AKGWDS) nun eine zweite Organisation, die sich für die Vertretung der Game Studies nach außen einsetzen will. Anders als der AK besteht die DGSW ausschließlich aus einer begrenzten Gruppe bereits institutionalisierter Hochschulmitarbeiter*innen (lediglich drei der Gründungsmitglieder haben keine Professur oder mindestens einen Doktortitel). Inwieweit das die Interessen der Gruppe beeinflusst, muss sich zeigen. Mehr Stimmen für die Game Studies sind aber in jedem Fall wünschenswert.
Falls ihr eure Terminhinweise oder Fundstücke in Zukunft hier sehen oder einen Gastartikel über euer Wunschthema schreiben möchtet, könnt ihr uns diese per E-Mail (Öffnet in neuem Fenster) oder Social Media (Öffnet in neuem Fenster) zukommen lassen.