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Newsletter im Mai 2026

Liebe Leser:innen,

am 25. Juni 1926 wurde Ingeborg Bachmann geboren. Während der kommenden Wochen dürfen wir also auf eine intensive Auseinandersetzung von Presse und Verlagen mit ihrem Leben und vor allem ihrem Werk hoffen. Und natürlich selbst (wieder)lesen. Besonders gespannt bin ich auch auf den Film Jemand, der einmal ich war (Öffnet in neuem Fenster) von Regina Schilling, in dem Sandra Hüller sich für einen Tag dem Leben der Schriftstellerin annähert. Er läuft direkt zum Jubiläum in den Kinos an.

Jetzt wäre also ein guter Zeitpunkt, nochmal in Bachmanns Lyrik und in ihre Prosa einzutauchen. Und dann freue ich mich sehr auf diesen Blick von Fleur Jaeggy, aus dem Italienischen übersetzt von Barbara Schaden für Suhrkamp:

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Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann

Schriftstellerin Fleur Jaeggy erinnert sich an ihre Freundin, Kollegin – und große Liebe? –, an das gemeinsame Leben und an das schwere Ende Ingeborgs. Das bewegende, schonungslose Porträt einer unverbrüchlichen Freundschaft in eindringlichen Szenen.

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Während der Frühling nun endlich wärmt, innen und außen vieles heller und leichter macht, ist der Literaturbetrieb schon im Herbst angekommen und verschickt längst die Verlagsvorschauen fürs kommende Programm. Viele von uns Büchermenschen spagaten sich seit Jahren durch diese Gleichzeit — und obwohl ich mir Entschleunigung jedes Mal wieder fest vornehme, erliege ich jedes Mal den Verlockungen von Neugier und Vorfreude. Bevor ich aber ein paar der Ankündigungen hier teile, die mich in den lautesten Jubel haben ausbrechen lassen, bleiben wir noch kurz im Heute und bei guten Büchern, die gerade erschienen sind:

Unser nächtlicher Badeort (Öffnet in neuem Fenster) von Stig Dagerman, aus dem Schwedischen neu übersetzt von Paul Berf, ist eine beeindruckend abwechslungsreiche Sammlung von Erzählungen. Sie alle eint jedoch, dass ich mich bei jeder Geschichte gefragt habe, ob das nicht die schönste (im Sinne von stilistisch genaueste, gleichzeitig kunstvollste und klarste) Prosa ist, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Und die Antwort war sehr oft: ja.

Mit anderen Augen (Öffnet in neuem Fenster) von Jane Tara, übersetzt von Tanja Handels, erzählt von einer Frau in den Fünfzigern. Eigentlich läuft alles bestens, sie ist erfolgreich im Beruf, die Kinder sind bereits groß, trotzdem stimmt plötzlich irgendwas nicht. Wird sie wirklich unsichtbar? Was wie eine fantastische Geschichte anmutet, erzählt grandios von einem Phänomen, das mir nur zu bekannt vorkommt. Vor allem aber ist das ein Roman, der uns mit einer wunderbaren Portion weiblicher Solidarität und Freundschaft hervorragend durch den Sommer bringen wird.

Dante im Darkroom (Öffnet in neuem Fenster) ist nach Kippbilder und Pandoras Playbox der neue Lyrikband von Anna Julian Mendlik. Zwischen Biblischem und Begehren werden hier ganz neue Zusammenhänge und ganz neue WortBilder gefunden. An dieser Stelle möchte ich natürlich nochmal grandios und liebevoll fürs Lyrik-Abo (Öffnet in neuem Fenster) vom Verlagshaus Berlin trommeln. Ich habe das seit Jahren und bin jedes Mal wieder froh drum. Wenn ihr auch mehr zeitgenössische Lyrik entdecken wollt, dann ist das der beste Weg. Und wirklich keine Bedenken, Lyrik lesen kann jede:r.

Diese Bücher übers Schreiben

sind gerade erschienen oder erscheinen in Kürze.

Unter Ferngespräche mit Muttersprache (Öffnet in neuem Fenster) veröffentlicht der Lilienfeld Verlag die Thomas-Kling-Poetikdozentur von Uljana Wolf.

In der Essyasammlung Ein einziger brillanter Satz (Öffnet in neuem Fenster) (übersetzt von Anke Caroline Burger und Niklas Fischer) geht Claire Messud der Frage nach: Warum ich schreibe.

Und im Verbrecher Verlag erscheint Text für Aliens (Öffnet in neuem Fenster), die Poetikdozentur aus Hannover von Ann Cotten.

Podcast

Im April sprachen Ludwig Lohmann und ich im blauschwarzberlin Podcast Folge 83 in der Stabi über diese Bücher:

https://www.youtube.com/watch?v=THrzZNVgaY0 (Öffnet in neuem Fenster)

Wir sehen uns schon ganz bald dort wieder. Am 4.5. um 20 Uhr senden wir Folge 84 als Livestream.

(Und wenn ihr euch auch Folge 85 bereits eintragen wollt: Die ist für den 1.6. geplant.)

Schönste Termine im Mai und Juni

Endlich darf ich auch mal Glückskonfetti werfen, so wie Podcast-Kollege (und vor allem wunderbarer Freund und überhaupt zauberhafter Mensch) Timothy Paul es immer bei Rababumm (Öffnet in neuem Fenster) macht: Am 20.5. um 20 Uhr treffen wir uns im Insta-Livestream, um über seinen ersten Roman Eine Liebe ohne Sommer (Öffnet in neuem Fenster) zu sprechen. Und ich freu mich schon ganz, ganz lange darauf.

Tschechien ist in diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (Öffnet in neuem Fenster). Für das Tschechische Zentrum (Öffnet in neuem Fenster) darf ich am 27.5. um 18:30 Uhr in der Stabi Berlin eine Veranstaltung (Öffnet in neuem Fenster) moderieren, die zwei sehr interessante Romane miteinander ins Gespräch bringt, die Überraschendes verbindet: Die Schicht (Öffnet in neuem Fenster) von Anna Beata Háblová und Das Jahr, bevor ich verschwand (Öffnet in neuem Fenster) von Anette Selg. Die Tickets sind kostenlos, nur anmelden müsst ihr euch.

Und weil der einzige Livestream im Juni schon vor dem nächsten Newsletter stattfindet, möchte ich hier schon mal freudig verkünden, dass ich am 4.6. um 20 Uhr auf Instagram mit Lisa Roy über ihren neuen Roman Alles ist Gold (Öffnet in neuem Fenster) sprechen darf.

Buchgespräche

Wer nochmal in aller Ruhe nachschauen will: Auf YouTube (Öffnet in neuem Fenster) findet ihr mittlerweile genau einhundert (!) Buchgespräche mit Autor:innen, Lektorinnen oder Übersetzer:innen:

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Steady

Für Steady Mitglieder gibt es ab Anfang Juni und durch den ganzen Sommer wieder neue Termine für die persönliche Buchberatung (Öffnet in neuem Fenster). Wer das Kompass-Paket abonniert hat, schreibt mir also dort oder per Mail gern jederzeit, damit wir einen Termin ausmachen können, für ein Gespräch via Zoom, Telefon, Mail oder auch den gemeinsamen Besuch einer Berliner Buchhandlung eurer Wahl.

Außerdem gab es dort im April diese Texte:

Am 9.4. schrieb ich über People Pleasing und eine literarische Gegenmaßnahme. (Öffnet in neuem Fenster)

Am 15.4. ging es in der Rubrik Drei zur Monatsmitte um das Universum Virginia Woolf. (Öffnet in neuem Fenster) Diesen Text habe ich euch mal für eine Woche vor die Paywall geholt.

Und am 23.4. gab es einen Essay über die auch von mir viel zitierte (aber eigentlich immer schwammige) Formulierung: Horizonterweiterung des Lesens. (Öffnet in neuem Fenster)

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Ich freu mich über alle, die dort mit an Board und im Austausch über das Lesen und das Leben sind.

Auch wenn es über den Sommer weniger Moderationen und öffentliche Termine geben wird und auch der Newsletter und der Podcast eine kleine Pause machen werden: Steady Texte veröffentliche ich auch in der Ferienzeit immer am 9., 15. und 23. eines Monats.

Und hier wie versprochen ein paar erste, schimmerndste Perlen aus den Verlagsankündigungen. Ein erster, schneller (und von Begeisterung gesteuerter) Blick, den ich für die nächsten Newsletter vielleicht noch mal vertiefe.

Juni

Die geschätzte und bewunderte Lektorin und Programmleiterin Friederike Schilbach gibt endlich eine neue Anthologie heraus. (Ich bin seit Jahren glühender Fan ihrer Bathroom Chronicles (Öffnet in neuem Fenster).)

Die Damentoilette. 20 Liebeserklärungen (Öffnet in neuem Fenster) erscheint am 25. Juni bei park x ullstein.

Mit Beiträgen von Gabriele von Arnim, Claire Beermann, Rita Bullwinkel, Katja Eichinger, Ubin Eoh, Xiaochun Fan, Nora Gantenbrink, Ilona Hartmann, Lin Hierse, Annabelle Hirsch, Heidi Julavits, Enuma Okoro, Elina Penner, Caroline Rosales, Jovana Reisinger, Leanne Shapton, Nicole Seifert, Marlene Sørensen und Dana Vowinckel.

Ich habe eigentlich keine Worte dafür, wie froh ich bin, dass dieses Buch erscheint. Aber: »Die Damentoilette: unser Safe Space — kein besserer Ort für Zusammenbrüche, Solidarität und Glücksmomente. Endlich schaut jemand dorthin, wo wir schon immer zusammengehalten haben.«

Zu den weiteren Neuerscheinungen schreibe ich euch erstmal die Klappentexte. Denn als Impuls für meine Neugier auf diese Literatur könnte ich sonst nur schreiben: habe den oder die Vorgängertitel unendlich gern gelesen (was auf viele der Bücher zutrifft), finde, die Geschichte klingt stark (oder im Gegenteil wunderbar verletzlich). Eigene Worte finde ich also dann jeweils nach der Lektüre — hier, im Podcast, auf Insta, Steady oder vielleicht beim Kaffee.

Diese zwölf Bücher habe ich mir als erste mit dicken Herzchen in den Vorschauen markiert:

Juli und August

Christian Dittloff: Das Leichteste der Welt (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: Im Sommer 1999 verliebt sich der 15-jährige Ivo im Zeltlager in Karla. Sie ist älter, klüger, wilder als er und bereits im 3. Monat schwanger. Was mit einem Kuss und einer Bootsfahrt beginnt, endet mit einem Baby und einer Verantwortung, die Ivo überrollt. Zwischen Freundschaften, Liebe, Freiheitsdrang und Überforderung stolpert er durch ein Jahr, in dem alles zum ersten Mal passiert - und alles gleichzeitig. 30 Jahre später erinnert er sich während einer Sonnenfinsternis auf Mallorca und merkt: Nichts ist vorbei. Ein die Jugend feiernder Roman über das Erwachsenwerden, das nie ganz gelingt.

Yael Inokai: Die Auster (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: Der Geschäftsführer eines legendären Kaufhauses wird ermordet aufgefunden. Doch bis die Polizei am Tatort eintrifft, hat Leonora Bloch alle Spuren beseitigt, so diskret und gründlich, wie sie schon seit 45 Jahren als Reinigungskraft bei Dr. Bronstett jeder Form von Unordnung begegnet. Als die Ermittlungen in die Austernbar in der fünften Etage führen, ist man schon mittendrin im Mikrokosmos dieses Kaufhauses, das von der paradoxen Sehnsucht nach vergangener Pracht und erschwinglichem Luxus lebt. Und niemand scheint sich in dieser Welt, wo Glanz und Elend, Armut und Reichtum so entwaffnend aufeinandertreffen, besser auszukennen als die 74-jährige Leonora. Doch kennt sie wirklich alle Geheimnisse und welche hütet sie selbst? Die gefeierte Stilistin Yael Inokai inszeniert eine Kriminalgeschichte, die ein feingefügtes Netz menschlicher Schicksale birgt.

Valeria Luiselli Übersetzung Brigitte Jakobeit: Anfang Mitte Ende (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: Ein wundersamer, zärtlicher Roman über vier Generationen von Frauen, über den Lauf der Zeit und die Macht der Natur: Nach dem Scheitern ihrer Ehe macht sich eine Mutter mit ihrer Tochter auf eine Reise nach Sizilien. Es soll ein Neuanfang werden, aber auch eine Reise zu den Ursprüngen der Familie. Es ist ein heißer Sommer, ein Sommer der plötzlich auftosenden Stürme. Der Ätna droht auszubrechen, Waldbrände überziehen die Insel. Valeria Luiselli erzählt mit Leichtigkeit und voller Überraschungen davon, was es bedeutet, als Frau in der Mitte des Lebens angekommen zu sein und zu beobachten, wie die Kinder heranwachsen und sich einen eigenen Platz in der Welt erobern, während die Eltern sich bereits langsam von ihr verabschieden. 

Julia von Lucadou: Zeiten erhöhter Gefahr (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: Nichts überlässt Jot, Mitte fünfzig, dem Zufall. Seine ganze Existenz ist auf Planung und Kontrolle ausgerichtet – bei einer Firma, die Bunker an Superreiche verkauft, hat er den idealen Job gefunden und natürlich auch privat für den Notfall vorgesorgt. Doch dann stößt er bei seiner Laufroutine auf einen Toten und sein sorgfältig errichtetes Absicherungssystem beginnt zu bröckeln. Das Bild des halbentblößten Körpers lässt ihn nicht mehr los. Doch warum spricht die Polizei von Selbstmord? Zutiefst verunsichert muss Jot erkennen, dass seine Wahrnehmung und Erinnerung außer Kontrolle geraten sind und es Antworten nur geben kann, wenn er es wagt, in die versiegelten Schächte seiner Vergangenheit zu steigen. Ein hochaktueller Roman über Ängste und Verunsicherung in unserer krisengeschüttelten Gegenwart und die gefährliche Macht der Verdrängung.

August und September

Jarka Kubsova: Im Licht des neuen Tages (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: Eine Schriftstellerin auf der Suche nach sich selbst. Tief im märchenhaften böhmischen Wald verschränken sich die Schicksale zweier mutiger Frauen. Als Elli Hajek sich zum Schreiben in ein abgelegenes Haus zurückzieht, erinnert sie sich an eine Figur, von der ihr einst ihre tschechische Großmutter erzählte: Viktorka, die junge Frau, die nach einem schwerwiegenden Ereignis für wahnsinnig erklärt wurde und fortan allein im böhmischen Wald lebte. Als Elli erfährt, dass Viktorka wirklich existierte, reist sie in das Land, aus dem sie selbst als Kind geflohen ist. Elli will mehr erfahren - doch tief im Wald, zwischen leuchtendem Farn und reißendem Fluss, wartet eine andere Aufgabe auf sie: Bevor sie die Wahrheit über Viktorka erfährt, muss Elli sich ihrer eigenen verdrängten Geschichte stellen. Eine große, leuchtende Geschichte um Gerechtigkeit und Vergangenheit, weibliche Geschichtsschreibung und den Mut zur Wahrheit.

Eva Menasse: Alleinruhelage (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen. Die nötige Hilfe ist quasi vom Himmel gefallen, Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus - und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin womöglich genauer wahr, als Wienerin in der doppelten Fremde. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer 'stabilen Alleinruhelage'. Eva Menasse hat einen vielschichtigen Roman über die Zwischenbilanz eines Lebens geschrieben, eine gewitzte Reflexion über Fremdheit und Heimat - und das Abschiednehmen.

Julia Rothenburg: Raus bist du noch lange nicht (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: Alice macht Schluss. Manche würden sagen, 'es ist doch nichts', sicher sogar wird Christin das gleich sagen. Aber nachdem, was mit Yv war - es ist zu viel. Alice arbeitet noch nicht lange als Erzieherin in einer Kita in Berlin, und ihre Kollegin Christin ist ihr auf Anhieb sympathisch. Zusammen zwischen klebrigen Händen, nervösen Eltern und Kindertränen, das schweißt zusammen - schneller und enger, als es Alice lieb ist. Sie muss das beenden, bevor es an alten Wunden rührt, wenn es nicht sogar schon zu spät ist. Das letzte Mal, als Alice eine Freundschaft zu eng wurde, ist noch nicht lange her. Der Umzug nach Berlin, der erste Job in einer Kita und die 'geilste WG aller Zeiten' mit Mo, Reike und Yv. Doch was als intensive Freundschaft begann, eskalierte in der engen Vier-Zimmerwohnung mit den welligen Tapeten schnell. Damit sie Nähe wieder zulassen, ihre Ängste überwinden und heilen kann, muss Alice für sich einstehen. Aber das ist leichter gesagt, als getan ...

Constantin Lieb: Wildboden (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: 1936, Frauenkirch, unweit von Davos: Umgeben von leuchtenden Bergen und wortkargen Bauern führen Erna Schilling und der Maler Ernst Ludwig Kirchner ein abgeschiedenes Leben in symbiotischer Liebe und kameradschaftlicher Arbeit. Nur das Plätschern des Sertigbachs und die vertraute Plauderei mit der Nachbarstochter geben den langen Tagen tröstende Struktur, während die politische Situation in Deutschland immer bedrohlichere Schatten wirft. Doch der von hohen Morphiumdosen und inneren Dämonen gequälte Maler wird immer getriebener, es kommt zur Tragödie, Erna verliert Kirchner endgültig. Nun ist es an ihr, um ihre Existenz auf dem Wildboden zu kämpfen. Denn trotz der bedingungslosen Liebe zu Kirchner und seinem Erbe, weiß sie, dass sich ein unabhängiges Leben in Zuversicht und Leichtigkeit für sie nur erfüllen kann, wenn sie endlich selbst darüber bestimmt. Constantin Lieb erzählt aufmerksam für die bezwingende Schönheit unseres Daseins eine große und existentielle Geschichte von unnachgiebiger Zugehörigkeit und von der mächtigen Kraft innerer Befreiung.

September und Oktober

Dana Vowinckel: Anton und Alma (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren an derselben Universität - doch das ist auch schon alles, was sie verbindet. Anton entstammt einer Akademikerfamilie, Alma ist bei ihrer Mutter und ihrem lieblosen Stiefvater am östlichen Stadtrand aufgewachsen. Anton ist Jude. Alma nicht. Doch die beiden verlieben sich, ziehen zusammen, streiten und versöhnen sich, bis Anton nach New York geht, um dort seine Masterarbeit über die Massenkonversion der Chasaren zum Judentum zu schreiben. Alma bleibt allein zurück und sucht Halt in Antons Gemeinde. Erst die Ereignisse des 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs, die polarisierte Stimmung sowohl auf dem Campus als auch in seiner eigenen Familie lassen Anton zu Alma zurückkehren, bei ihr Trost und Zuflucht finden. Doch dann reißt ein tiefer Abgrund auf, und die Hoffnung auf Glück scheint ferner denn je.

Adania Shibli Übersetzung Hartmut Fähndrich: Täuschung (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: Die Geschichte zweier junger Menschen in Palästina. Gezeichnet von der jahrzehntelangen Besatzung und den gescheiterten Friedensplänen der Neunzigerjahre, werden die beiden immer wieder an den Rand des Daseins gedrängt werden. Namen, Orte oder Daten werden nicht erwähnt, allein der Wandel der Jahreszeiten bezeugt ihre innere Zerrüttung. Bäume, Tiere und Verstoßene spenden Trost oder bringen Pein, während die Träume der Protagonisten zunehmend verblassen. Mit ihrer klaren, reduzierten Sprache erzählt Adania Shibli von Blicken, Gesten und Worten, die mehr verschweigen als offenbaren.

Shida Bazyar: Die Lücken (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: Ein Roman über die Fundamente unserer Heimat Nach ihren gefeierten Romanen über Exil und postmigrantische Gegenwart legt Shida Bazyar eine literarische Archäologie der Heimat vor. In einer präzisen Tiefenbohrung der Provinz stellt sie die radikale Frage: Auf welchen Fundamenten bauen wir unsere Heimat? Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre Vergangenheit aktiv verschweigt und zugleich zum Zufluchtsort für diejenigen wird, die hier Geborgenheit suchen. Der Roman führt uns durch die Jahre und die Köpfe derer, die das Dorf prägten: von jüdischen Familien, die alles verloren, über NS-Profiteure, die sich als unschuldige Mitläufer neu erfanden, bis hin zu den Familien Sharifi und Karimpour, die Jahrzehnte später aus dem Iran flüchten. Shida Bazyar gelingt ein virtuoses Erzählmosaik über die Last der Geschichte, die Lüge des Neubeginns und den Wunsch, endlich eine Heimat zu finden.

Lauren Groff Übersetzung Stefanie Jacobs: Raufbold (Öffnet in neuem Fenster)

Klappentext: Die Energien des menschlichen Herzens durchdringen jeden Satz in Lauren Groffs neuen Erzählungen. Für sich genommen ist jede von ihnen ein Triumph - kühn und vor Kraft strotzend. Doch sie alle kreisen um ein Thema: die Auseinandersetzung zwischen den hellen und den dunklen Seiten in uns allen.  'In jedem von uns ringen Tier und Gott miteinander, bis auf den Tod', sagt eine ihrer Figuren. Sei es  die jähzornige Highschool-Schwimmerin, der die Bezugsfigur fehlt. Die Mutter, die ihre Familie verliert und der Welt abhandenkommt. Die junge Frau, die plötzlich für ihren Bruder verantwortlich ist. Oder der Spross einer Bankiersdynastie, dem ein spezielles Erbe zuteilwird: Sie alle versuchen, das Richtige zu tun - und sie alle drohen zu fallen.  Mit der zeitlosen Wucht großer Literatur lotet Lauren Groff die Energien der menschlichen Natur aus und lässt die ewigen Kippmomente des Lebens aufscheinen, ausgelöst durch Liebe und Angst, Mitgefühl und Gewalt, Vernunft und Instinkt, Altruismus und Überlebenswille.

Habt ein gutes Lesen — und einen guten Mai.

Maria

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