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Meer-Montag #26 - Eine unerwartete Begegnung

Vor einigen Tagen habe ich zum ersten Mal die Insel Greifswalder Oie besucht. Sie liegt zwischen Rügen und Usedom in der Ostsee und ist ein Vogelschutzgebiet, das vom Verein Jordsand betreut wird. Hier werden zwei Mal jährlich tausende Singvögel für die Wissenschaft beringt, außerdem dient die Insel jeder Menge Meeresvögel als Rast- und Brutplatz. Ein toller Ort für alle Bird Nerds, also auch für mich. Über meine Begegnung mit den Kegelrobben auf der Insel werde ich euch an einem anderen Tag erzählen. Heute geht es um einen Seevogel, den ich bei der Einfahrt in den Hafen der Oie entdeckt habe und von dem ich nicht erwartet hatte, ihn hier zu sehen: der Tordalk. (Für alle, die noch nicht so tief im Rabbithole der Ornithologie versunken sind wie ich: Tord-Alk gesprochen).

Besonders auffällig ist der Schnabel des Vogels: ich würde niemanden belächeln, der glaubt, hier einen Pinguin vor sich zu haben. Vom Schnabel zum Auge und über den Schnabel selbst ziehen sich im Prachtkleid feine, dünne, strahlend weiße Linien, die die Bestimmung sehr eindeutig machen. Und auch wenn der Alk an Land ähnlich aufrecht hockt, kann er im Gegensatz zu Pinguinen fliegen. Allerdings nicht besonders gut, weshalb die Jungvögel etwa 14-22 Tage nach dem Schlupf aus dem Nest ins Wasser springen. Hier ist es für die Altvögel einfacher, ihren Nachwuchs zu füttern, der von Tag zu Tag mehr wächst und Energie benötigt. Hierfür tauchen die Tordalken nach kleinen Schwarmfischen, wie Heringen oder Sandaalen.

Es gibt zwei Unterarten, eine davon - Alca torda islandica - brütet in Island, den Faröern, den britischen Inseln und in der Nordsee auf Helgoland. Ich habe auch Quellen gefunden, nach denen es eine Kolonie in der Ostsee auf Bornholm gibt, was für mich ja sogar viel dichter dran wäre als Helgoland :)
Seit ich das Buch “Der letzte seiner Art” gelesen habe, hatte ich gehofft einmal die noch lebenden Verwandten des Riesenalks zu sehen, von der dieser Roman handelt. Diese Seevogelart war tatsächlich flugunfähig und mit 85 cm Körpergröße sicher eine beeindruckende Erscheinung. Leider wurden diese beeindruckenden Tiere im 18. Jahrhundert durch Seefahrer und Walfänger fast vollständig ausgerottet. Den Rest tötete ein trauriger Kreislauf: durch die Seltenheit der Tiere stiegen die Preise für Eier, Knochen oder Bälge (als Balg wird in der Jägersprache die Haut inkl. Federn, Schnabel und Füßen bezeichnet, die präpariert und in Sammlungen oder Museen ausgestellt wird). Die Gier der Sammler führte dazu, dass auch die letzten Exemplare aufgesucht, getötet und verkauft wurden. Sowohl im Roman, als auch in der Realität.

Umso wichtiger, dass wir ihren überlebenden Verwandten Aufmerksamkeit zukommen lassen, mehr über sie lernen und ihren Lebensraum erhalten.

Kategorie Meer-Montag

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