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Eine ordentliche Person

Den Kleiderschrank aufräumen, Kontrollverlust und mein zyklisches Bedürfnis nach Minimalismus. Oder: Wie man die perfekte Capsule Wardrobe baut. ODER: Warum Maximalismus Protest ist

Ich habe in letzter Zeit mal wieder das starkes Bedürfnis, all meine Klamotten auszusortieren und durch einen perfekten, minimalistischen Kleiderschrank zu ersetzen. Ich mache Moodboards (Öffnet in neuem Fenster) Ich gucke Capsule Wardrobe Videos (Öffnet in neuem Fenster). Ich packe kiloweise Kleidung in Kartons, um sie loszuwerden. Ich scrolle endlos auf Vinted. Ich fantasiere von einer perfekten Jeans, einer Jeans, die alle anderen Jeans für immer überflüssig macht. 

Ich kenne das schon. Der Drang, meinen Kleiderschrank auszumisten ist keine harmlose Sehnsucht. Es ist ein Symptom für etwas Größeres. Es überfällt mich immer dann, wenn ich in irgendeinem Bereich meines Lebens einen Kontrollverlust spüre. Wenn ich nachts wachliege und mich frage, warum zur Hölle ich mir diesen maximal unsicheren Job ausgesucht habe, anstatt irgendwas mit Tarifvertrag zum Beispiel.

Den Kleiderschrank aufräumen fühlt sich dann an, als würde ich echte Probleme lösen: Chaos, Widersprüchliches, Überflüssiges und Unfertiges in meiner Garderobe zu beseitigen kann, vielleicht,  vielleicht! auf magische Weise das Chaos, das Widersprüchliche, Überflüssige, Unperfekte und Unfertige in meinem Leben und in mir beseitigen. 

Beim Kleiderschrank ist diese Sehnsucht nicht zuende.

Kategorie Journal

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