
Wie du mit einfachen Übungen Naturverbindung bei Kindern förderst
Praxisnahe Mini-Übungen für Eltern, Lehrkräfte oder Pädagog:innen
Kinder brauchen Räume, in denen sie wirklich mit der Natur in Beziehung treten können – nicht nur als Hintergrund oder Ausflugsziel, sondern als lebendiger Lern- und Erfahrungsraum. Wenn wir als Erwachsene diese Gelegenheiten bewusst gestalten, unterstützen wir ihre Wahrnehmung, Empathie und Kreativität. Im Sinne des Coyote-Teaching begleiten wir eher, führen nicht vor. Im Sinne des „Flow-Learning“ von Joseph Bharat Cornell schaffen wir eine Lernabfolge, die Freude, Konzentration, Erlebnis und Reflexion verbindet.
Hier fünf Mini-Übungen, die du sofort umsetzen kannst.
Übung 1: „Wald-Sinne-Blitz“ (5-10 Minuten)
Ziel: Aufmerksamkeit aktivieren, Kinder wahrnehmen lassen.
Ablauf:
Versammle die Kinder draußen, am besten an einem Ort mit wechselnden Sinneseindrücken (Laub, Baumrinde, Wind, Vogelstimmen).
Sage: „Achte 1 Minute bis zum Signal nur auf deine Sinne. Was hörst du? Was fühlst du? Was siehst du? Was riechst du?“
Nach der Zeit: Austauschrunde – wer möchte, nennt eine Entdeckung.
Didaktischer Hintergrund: Diese kurze Übung weckt Enthusiasmus („Awaken Enthusiasm“) und fokussiert Wahrnehmung („Focus Attention“) – zwei zentrale Phasen von Flow Learning.
Hinweis: Keine richtigen Antworten – jede Wahrnehmung zählt. So schaffst du einen Raum für Neugier.
Übung 2: „Spurensuche mit Auswahl“ (15-20 Minuten)
Ziel: Verbindung zur Umwelt herstellen, Differenzierung und Wertschätzung fördern.
Ablauf:
Gib jedem Kind ein kleines Notizbuch oder ein Blatt und einen Stift.
Sage: „Geht leise los und sucht eine Spur in der Natur – könnte ein Blatt, ein Abdruck, ein Tierpfad, Kratzspuren, ein Nest oder etwas anderes sein. Wenn ihr etwas findet, haltet es fest: welche Form, Farbe, Struktur? Warum habt ihr es gewählt?“
Danach treffen sich alle, zeigen ihre Spur und sagen: „Was macht sie besonders?“
Didaktischer Hintergrund: Die direkte Erfahrung mit Naturmaterialien („Offer Direct Experience“) folgt in Flow Learning auf die Sinnesaktivierung. Verbindungen zwischen Mensch und Natur werden erlebbar.
Hinweis: Ermutige Kinder: „Es gibt keine falsche Wahl.“ So wird Wertschätzung geübt.
Übung 3: „Gestaltete Natur-Postkarte“ (30 Minuten)
Ziel: Kreativen Ausdruck fördern, innere Verbindung sichtbar machen.
Ablauf:
Wähle einen festen Sitzplatz draußen. Jedes Kind sammelt (nach Regeln: keine lebenden Wesen entnehmen) ein oder zwei Naturmaterialien (z. B. Blatt + Blüten, Rindenstücke, Sand).
Gemeinsam oder allein gestalten sie eine „Postkarte“: Auf einem Blatt oder in einem kleinen Karton fixieren sie ihre Materialien, schreiben oder zeichnen einen Gedanken dazu: „Was diese Spur mir sagt?“ oder „Wie fühle ich mich jetzt hier?“
Austauschrunde: Freiwillige zeigen ihre Postkarte und erzählen kurz.
Didaktischer Hintergrund: Kreativität entsteht durch Beobachtung und Gestaltung. Diese Übung kombiniert Wahrnehmung mit Ausdruck – wichtige Aspekte von Persönlichkeitsentwicklung und Empathiebildung. Studien zeigen, dass kreative Naturaktivitäten das Interesse und die Verbindung zur Umwelt stärken.
Hinweis: Kein Bewertungsdruck – Fokus liegt auf Prozess, nicht Perfektion.