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Parabel Post - Ausgabe 16

Herzlich Willkommen zur Parabel Post!

Himmel, was war das für eine Woche! Ich hoffe, ihr habt unsere Festival Sonderedition gut verkraftet? Es hat mich sehr gefreut, einigen von euch persönlich begegnet zu sein und mit Stolz erfüllt, die Parabelpost ausnahmsweise in gedruckter Version in den Händen zu halten.

Während sich ganz Deutschland zum ersten Mal die Frage stellt, wo eigentlich diese Insel Curacao liegt - und ob da wirklich alles blau ist, haben mein Team und ich das diesjährige Sternenklang Festival abgebaut und alles sicher bis zum nächsten Jahr verstaut. Aus der Sicht des Veranstalters kann ich übrigens entgegen all den negativen Schlagzeilen der letzten Monate nur Positives verkünden. Ob ihr es glaubt oder nicht - das Jahr war nicht nur erfolgreich - die Laune auf dem Platz war toll wie nie!

Und wäre nicht 10 Minuten vor Öffnung des Geländes am Donnerstag weltweit Sum Up ausgefallen und gleichzeitig unsere Drucker im Office, dann wäre ich vielleicht auch entspannt gewesen. Man sehe mir also nach, dass ich diese Woche gebraucht habe, um wieder ins Leben zurück zu finden. Wobei das klingt, als wäre ich ansonsten untätig gewesen - ha! Mitnichten. Große Projekte ziehen sich am Horizont zusammen und lassen wenig Zeit und Raum für Gedanken an Ruhe und Entspannung. Zumal der Herbst große politische Verwerfungen mit sich bringen wird, die man ja schwerlich unkommentiert geschehen lassen kann. Deshalb lasst uns schnell in die heutige Ausgabe hineinspringen und keine Zeit verlieren! Schön, dass ihr wieder dabei seid (und hoffentlich auch eine schöne Zeit auf dem Sternenklang hattet).

P.S.: Die Hälfte der Tickets für 2027 ist schon weg ...

Alex

00:00 Intro

02:01 Kapitel 1 „Zahlen Lügen Nicht“

06:12 Kapitel 2 „Der Blinde Fleck“

15:11 Kapitel 3 „Der Tiefe Zusammenhang“

23:50 Kapitel 4 „Nachgereicht“

30:07 Kapitel 5 „Rausgezoomt“

37:46 Kapitel 6 „Blattkritik“

49:06 Kapitel 7 „Ende gut, Alles Gut“

52:23 „P.S.“

  1. Zahlen lügen nicht! 

Disclaimer: In diesem Text geht es um Plastik. Da der Autor aus Sachsen-Anhalt kommt, verwendet er das Wort “Plaste” mit voller Überzeugung. Bitte stört euch nicht daran. ;)

Unsere Zahl der Woche lautet:

169.085

So viele Unterschriften hat eine Petition von Capri-Sun (ehemals Capri-Sonne) gesammelt. Es geht um den Kampf gegen die Papierstrohhalme im Trinkpäckchen!

Seit 2024 wollte das Unternehmen eine Million Menschen mobilisieren, um bei der EU eine Ausnahme für ihre Trinkpäckchen zu erwirken. Denn seit 2021 stecken wegen eines europaweiten Verbotes nur noch Papierstrohhalme in den Capri-Sun-Trinkpäckchen.

Es ist gut möglich, dass ihr vorher noch nie was von der Petition gehört habt (siehe die wenigen Unterschriften).

Genauso gut ist es möglich, dass ihr auch noch nicht mitbekommen habt, dass Capri-Sonne jetzt offiziell Capri-Sun heißt. Und zwar schon seit fast 10 Jahren.

An den beiden Sachen sehen wir: In puncto Marketing kann die Firma anscheinend noch eine Schippe drauflegen.

Das sieht auch der langjährige Unternehmenschef inzwischen so und bezeichnet die Petition selbst im Nachgang als „schlecht gemacht und falsch“, obwohl er mit seinem Unternehmen weiterhin für die Plastestrohhalme kämpfen will.

Nicht genug Leute wollten mit Capri-Sun für Plastestrohhalme kämpfen. Also kämpfen wir weiter mit dem Öffnungsloch. Quelle: picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

Was die Zahl verbirgt

Die Zahl klingt nach einer süßen kleinen PR-Kampagne, die in die Hose gegangen ist. Doch was steckt dahinter? Ein Sieg für den Umweltschutz? Eine Schlappe für den Kapitalismus? Oder ein Zeichen von Lethargie in der Bevölkerung?

Alternativen zu Plastestrohhalmen sind auch berechtigterweise in der Kritik. Und ich rede nicht davon, dass die Papierstrohhalme kaputt gehen, bevor sie durchgestochen sind, dann durchsuppen und ihr am Ende gern mal ein paar Papierschnipsel im Mund habt. Die Dinger sind auch auf einer anderen Ebene problematisch: Sie enthalten oft PFAS, also menschengemachte "Ewigkeitschemikalien", die, wie der Name sagt, für so ziemlich alle Ewigkeiten in der Natur bleiben, obwohl sie da nicht hingehören. Und die können beim Trinken auch in den Körper gelangen. Hinzu kommt, dass laut Unternehmensangaben 90% der Strohhalme im Päckchen stecken bleiben – obwohl sie streng genommen getrennt entsorgt werden müssten.

Ja, regional gesehen sind einige Regionen und vor allem Strände sichtlich sauberer geworden, weil keine Plastestrohhalme angespült werden – aber am großen Müllproblem hat das Verbot so gut wie nichts geändert. Eine signifikante Reduktion der Gesamtmenge an Kunststoffabfällen durch das Verbot ist nicht eingetreten, alle 2021 verbotenen Produkte (Strohhalme, Einwegbesteck, Styropor) machen deutlich weniger als 1% der gesamten Müllmenge aus. Auch die Regelung der befestigten Decken an Plasteflaschen wird von Kritikern und Brancheninternen eher als Symbolpolitik gesehen, als ein wirklich nützliches Mittel zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung.

Wie weniger Müll? Anscheinend haben wir immer noch keine gute Antwort darauf. Quelle: picture alliance / Shotshop | Addictive Stock, S.L.

Diese ganzen Debatten, die vermeintlich lustigen Comedians und Onkel Werners, die gegen die neuen Regeln wettern, die Eltern, die gemeinsam mit ihren Kindern in einen Weinkrampf ausbrechen, weil sich der Strohhalm nicht in das Trinkpack stecken lässt, die Bilder von angespülten Plasteteilen an Stränden – all das steht im größeren Kontext dafür, dass wir als Menschheit immer noch keinen Plan haben, was wir mit unserem Müll machen. Wir haben uns abhängig gemacht von einem System, mit dem wir nicht wissen, umzugehen. 

Symbolpolitik bringt uns nicht weiter – und kommt weder bei den Leuten, noch bei der Wirtschaft an. Wir haben auf der einen Seite einen Zustand, der nicht unendlich so weitergehen kann, und auf der anderen Seite eine Wirtschaft, die nichts am Status quo ändern möchte. Und, wenn wir auf die geringe Beteiligung an der Petition gucken, anscheinend an der Seitenlinie eine Bevölkerung, die sich zwar gerne aufregt, die aber augenscheinlich nicht genug Aktionismus zeigt, um sich wirklich für eine der beiden Seiten zu entscheiden … Und wenn wir keine Lust haben, uns selbst den Schuh anzuziehen, dann machen wir uns einfach weiter über die schlechte PR-Abteilung von Capri-Sun lustig, das ist schließlich weniger anstrengend.

Von Gregor

Quellen:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/capri-sun-chef-haelt-strohhalm-petition-fuer-schlecht-gemacht-a-27d1750a-4b91-4080-80ed-797962ca4bf3 (Öffnet in neuem Fenster)
https://lebensmittelpraxis.de/industrie-aktuell/48986-capri-sun-petition-fuer-plastikstrohhalm-verfehlt-ihr-ziel-deutlich.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.focus.de/earth/papier-trinkhalme-machen-absolut-keinen-sinn-capri-sun-rechnet-mit-kritikern-ab_07fb6c81-ca9d-40bf-b132-4c1b5ee96b1e.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.derstandard.de/story/3000000327617/capri-sun-chef-zu-petition-fuer-plastikstrohhalm-in-der-sache-richtig-aber-schlecht-gemacht (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.euwid-recycling.de/news/wirtschaft/plastikstrohhalme-wenig-unterstuetzung-fuer-petition-von-capri-sun/ (Öffnet in neuem Fenster)
https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/7600/ (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.welt.de/kmpkt/article249460092/Alternative-zum-Plastik-Strohhalm-Das-Problem-mit-den-Papier-Trinkhalmen-ihren-chemischen-Zusaetzen.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/flaschen-deckel-umfrage-100.html (Öffnet in neuem Fenster)

2. Der Blinde Fleck
– die 3 untergegangenen Stories der Woche 

Wir sagen dir kurz und knackig, was du verpasst hast – und warum du es lieber nicht verpassen solltest! 

  1. Blinder Fleck: Tierheim-Frust statt Bauernhofromantik

Was ist passiert?
Immer häufiger landen Hühner, Hähne und sogar Küken in Tierheimen oder werden einfach ausgesetzt. Mehrere aktuelle Fälle zeigen das gleiche Muster: Tiere werden angeschafft, später abgegeben oder ihrem Schicksal überlassen. Manche überleben das nicht. Wieso auf einmal? Warum ausgerechnet Hühner? Hunde, Katzen, Hasen, alles bekannt, aber HÜHNER? 

Zwerghähne sind genauso laut wie “normale”, sie klingen nur, als bräuchten sie WD40. Quelle: Privataufnahme

Warum ist es untergegangen?
Weil die Berichterstattung meistens beim einzelnen Tier endet. Ein ausgesetztes Huhn hier, ein überfülltes Tierheim dort. Selbst auf meinem Grundstück wurden schon Tiere ausgesetzt, ganz nach dem Motto: Die hat ja eh schon Hühner, da setz ich meine einfach bei. Die eigentliche Entwicklung dahinter wird kaum betrachtet.

Was ist daran gut?
Es gibt einen regelrechten Hühnerboom in Deutschlands Gärten, und der zeigt zunächst etwas positives: Viele Menschen wollen wieder näher an ihre Lebensmittel heranrücken. Auch wenn dahinter nicht selten auch die schmerzhafte Erfahrung der letzten Jahre steckt. Nach Pandemie, Inflation, Energiekrise und explodierenden Lebensmittelpreisen wächst der Wunsch nach Selbstversorgung. Gemüsebeete und Hühnerställe versprechen ein Stück Kontrolle in einer Zeit, die sich für viele unkontrollierbar und vor allem unbezahlbar anfühlt.

Was ist daran kritisch zu bewerten?
Die Realität passt oft nicht zur romantischen Vorstellung. Denn Überraschung: Hühner sind keine Eierautomaten. Sie werden krank, brauchen Pflege, tierärztliche Versorgung und legen mit zunehmendem Alter deutlich weniger Eier. Und plötzlich steht da noch ein Hahn, der morgens um fünf die ganze Nachbarschaft weckt. Was als Sparmodell begann, entwickelt sich zur Verpflichtung.

Genau dann zeigt sich, wie belastbar der Wunsch nach Selbstversorgung wirklich ist. Denn wer private Tiere nur solange behalten möchte, wie sie einen wirtschaftlichen Nutzen bringen, betreibt keine Tierhaltung, der kalkuliert mit lebenden Wegwerfprodukten.

Warum ist das wichtig?
Die ausgesetzten Hühner erzählen etwas über unsere Gesellschaft. Immer mehr Menschen suchen in Krisenzeiten nach Sicherheit, Unabhängigkeit und Kontrolle. Doch Selbstversorgung ist kein Lifehack gegen Inflation. Sie kostet Zeit, Geld, Wissen und Verantwortung. Viele Menschen wollten keine Hühner. Kein Gemüsebeet und keine Sauerteigbrot Rezepte. Sie wollten billige Lebensmittel, um den wirtschaftlichen Krisen und Unsicherheiten zu entkommen. Doch als aus dem vermeintlichen Sparmodell ein echtes Haustier wurde, landete die Verantwortung im Straßengraben.

Von Ally

Quellen:
https://www.fnweb.de/orte/mosbach_artikel,-mosbach-huehner-bei-elztal-ausgesetzt-eines-war-tot-_arid,2369874.html (Öffnet in neuem Fenster) https://www.sn-online.de/lokales/schaumburg/nenndorf/nenndorf-rodenberg-tierheim-warnt-huehner-und-kueken-sind-keine-ostergeschenke-JGEP3V5LZBD2VD6PFNWBORX4PM.html (Öffnet in neuem Fenster) https://www.sauerlandkurier.de/hochsauerlandkreis/hallenberg/vier-rassehuehner-bei-braunshausen-ausgesetzt-ein-tier-verendet-94260096.html (Öffnet in neuem Fenster) https://www.haz.de/lokales/umland/burgdorf/tierheim-burgdorf-sucht-plaetze-fuer-haehne-huehner-trend-wird-zum-problem-RGB6NDNEARB5RN6YQMIOUL7CGE.html (Öffnet in neuem Fenster)

  1. Blinder Fleck: Männer und Frauen divided by sports 

Endlich wieder WM, endlich wieder Fußball-Sommer! Bier, Grillpartys und überall gute Laune, oder? 

Was ist passiert?

Eine Studie aus Großbritannien zeigt, dass an Fußballspieltagen die Zahl häuslicher Gewalttaten steigt. Besonders nach Niederlagen der eigenen Mannschaft und in Verbindung mit Alkoholkonsum werden mehr Übergriffe registriert. Auch neuere Untersuchungen zeigen, dass sich Gewalt vor allem in die Stunden nach dem Spiel verlagert und bei frühem Spielbeginn sowie bei starkem Alkoholkonsum besonders zunimmt. 

Einer von 3 Männern findet Gewalt gegenüber Frauen gerechtfertigt. Quelle: Statista

Warum ist es untergegangen?
Weil sich die Debatte fast ausschließlich um Fußball dreht. Um Fans. Um Emotionen. Um Alkohol. Dabei lenkt genau das vom eigentlichen Problem ab.

Was ist daran gut?
Die Ergebnisse liefern erstmals ziemlich präzise Daten darüber, wann das Risiko für Betroffene steigt. Das hilft Frauenhäusern, Beratungsstellen und der Polizei, sich gezielt vorzubereiten. Vor allem aber machen sie sichtbar, dass Gewalt kein Zufall ist, sondern Mustern folgt.

Was ist daran kritisch zu bewerten?
Ich bin wirklich kein Fußballfan, mehr als alle vier Jahre WM gucken passiert bei mir nicht, aber was mich wirklich überrascht ist, wie schnell die berichtenden Medien nun Fußballevents als solches anprangern. Als hätte der Schiedsrichter persönlich die Faust erhoben und jedes Torwarttrikot wäre mit einem Gewaltaufruf gegenüber Partnerinnen bedruckt. Wer es nicht auf den Fußball schiebt, verteufelt den Alkohol. Gesteigerten Alkoholkonsum zu verharmlosen liegt auch mir fern, aber Millionen schaffen es, Fußball zu gucken und Bier zu trinken, ohne den Frust über die Niederlage an der Partnerin auszulassen. Fußball produziert keine Gewalttäter, es produziert Ausreden für Gewalttäter.

Warum ist das wichtig?
Solange wir über Fußball reden, müssen wir nicht über Täter reden. Dann wird aus häuslicher Gewalt ein Ausrutscher nach 90 Minuten, statt ein Charakterproblem, das 365 Tage im Jahr existiert. Wenn in Deutschland jeder DRITTE junge Mann angibt, Gewalt gegenüber Frauen angebracht zu finden, ist das ein tiefgreifendes gesellschaftliches Problem, aber ausnahmsweise keins, für das wir der Fifa die Schuld geben können.
Und solltet ihr selbst Hilfe benötigen, findet ihr sie hier: Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" berät Betroffene bundesweit unter der Rufnummer 116 016 und online. Die Beratungsstelle ist rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym.

Von Ally

Quellen:
https://www.zdfheute.de/panorama/kriminalitaet/fussball-haeusliche-gewalt-alkohol-100.html (Öffnet in neuem Fenster) https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/panorama/zunahme_faelle_haeusliche_gewalt_in_zusammenhang_mit_fussballspielen_100.html (Öffnet in neuem Fenster)

  1. Blinder Fleck: Frei von X

X gehört nem egozentrischen, wirtschaftsabhängigen Billionär, Truth Social nem infantilen Autokraten und TikTok nem kommunistischen Autokraten. Toll, gibts noch irgendwo freie Meinungsäußerung? Das haben sich auch die Europäer gefragt und liefern nun die Antwort.

Was ist passiert?
Es gibt ein neues Twitter, oder X. Es heißt W Social. Der Name ist also basically die Schnittmenge aus X und Truth Social, richtig? Falsch! Das ist hier viel komplexer. Es heißt nämlich nicht We Social, sondern wird Double V Social ausgesprochen. Also entsprechend der Artikulation des Namens des Buchstabens W, bei den Franzosen. Die beiden V’s, die das W bilden, stehen für Values und Verifiziert. Steigt ihr noch durch? Das ist so wenig Catchy, ich hätte euch nicht mal vorher sagen müssen, dass es aus Europa kommt, nach dem Namen ist es ohnehin klar.
Also W ist nun jedenfalls seit dem 17. Juni online. Viel Spaß auf der Plattform.

Die Gründer versprechen europäische Server, strengeren Datenschutz, verifizierte Nutzer statt Bot-Armeen und mehr digitale Unabhängigkeit von US- und chinesischen Tech-Konzernen. Auslöser sei unter anderem die Debatte über Meinungsfreiheit und Europas digitale Abhängigkeit geworden.

Das Logo sieht aus, als hätte jemand keine Zeit für das Werder Bremen Logo gehabt. Aber der Wille zählt. Quelle: Public Domain - Wikipedia

Warum ist es untergegangen?
Weil fast alle darüber diskutieren, ob W Social gegen X gewinnen kann. Das ist aber die falsche Frage.

Was ist daran gut?
Europa erkennt endlich, dass soziale Netzwerke längst keine harmlosen Apps mehr sind. Sie sind Infrastruktur. Wer die Plattform kontrolliert, kontrolliert den öffentlichen Diskurs, die Sichtbarkeit von Nachrichten und im Zweifel sogar politische Stimmungen. Ich meine, die aktuelle Weltpolitik wird derzeit über Truth Social und X entschieden. Wer regiert, macht das scheinbar nicht mehr durch Gespräche, sondern online und live für alle zum Mitlesen. Da war der geschlossene Austritt der SPD nur folgerichtig, die regieren ja nunmal nicht … anderes Thema. Dass Europa im Social Media Game unabhängiger werden will, war jedenfalls längst überfällig.

Was ist daran kritisch zu bewerten?
Der eigentliche Skandal ist, dass Europa erst jetzt aufwacht. Jahrelang haben wir zugesehen, wie amerikanische und chinesische Konzerne unsere Kommunikation übernommen haben. Unsere Debatten laufen auf US-Servern, unsere Reichweite hängt von amerikanischen Algorithmen ab und unsere digitale Öffentlichkeit gehört Unternehmen, die niemand in Europa gewählt hat. Jetzt soll plötzlich eine europäische Plattform das Problem lösen.

Aber digitale Souveränität entsteht nicht dadurch, dass man die elfte Social-Media-App baut. Sie entsteht, wenn Europa aufhört, digitale Infrastruktur wie ein Lifestyleprodukt zu behandeln und anfängt, sie als das zu begreifen, was sie längst ist: kritische Infrastruktur. Aber EUROPA hat es ja nicht mal verstanden, denn das Projekt ist nicht staatlich oder per se europäisch, sondern privat finanziert. 

Warum ist das wichtig?
Vor zehn Jahren ging es darum, welche App cooler ist. Heute geht es darum, wer bestimmt, was wir sehen, wem unsere Daten gehören und wer im Ernstfall den Stecker ziehen kann. Das ist keine Social-Media-Debatte mehr, das ist Geopolitik, die wir verlieren.
W Social ist nicht Europas Antwort auf X. W Social ist Europas Eingeständnis, dass wir die digitale Souveränität schon vor Jahren an das Silicon Valley verkauft haben.

Von Ally

Quellen:
https://onlinemarketing.de/social-media-marketing/w-social-public-beta-europa-alternative-x-threads (Öffnet in neuem Fenster) https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/w-social-nachrichtenplattform-twitter-100.html (Öffnet in neuem Fenster)

3. Der tiefere Zusammenhang: Der Blick auf den Grund

CDU <3 AfD Ein Bild, das zeigt, wie planlos die Volkspartei gerade ist

Ein Bild, zwei Politiker und eine unfassbar große Aufregung. Ulrich Siegmund – Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt und mit realistischen Chancen, der erste AfD-Ministerpräsident überhaupt zu werden – gemeinsam mit Guido Heuer – Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag von Sachsen-Anhalt.

Beide wirken vertraut, fast kumpelhaft. Dieses Foto, das bei einem Diskussionsforum in Halberstadt im Harz aufgenommen wurde, geistert seit letztem Wochenende durch die Medien und wurde viel besprochen. Es fielen Sätze, wie: „Ist das das Bild, das die Brandmauer in Sachsen-Anhalt beendet?“ oder „Dieses Bild steht für alles, was im Osten bei der CDU nicht läuft.“ Ist dieses Bild also das endgültige Ende der Brandmauer?

Deutschlandweit wurde das Foto in Medien behandelt, nicht nur in Boulevard- oder rechten Medien, sondern auch im ÖRR; Quelle: MDR Sachsen-Anhalt heute, MDR

Verbreitet wurde das „Kumpel“-Bild anfangs vor allem von der AfD nahestehenden Kanälen. Als Erstes die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (über die wir hier schon häufiger geschrieben haben), dann kamen Journalisten von NIUS (über die wir hier ebenfalls schon häufiger geschrieben haben) und sogar ranghohe AfD-Politiker wie Alice Weidel verbreiteten die Diskussion.

Und hier liegt bereits der erste Fakt, der uns als Beobachter kritisch werden lassen sollte: Denn diejenigen, die von dieser Debatte profitieren, sind vor allem die Rechten – das ist vor allem die AfD. Sollten wir das Foto also einfach ignorieren und weitermachen? Das wäre zu kurz gegriffen. Denn die Reaktion der CDU auf das Foto lässt tief blicken, wie es innerhalb der Partei in Sachsen-Anhalt, aber auch bundesweit aussieht. Und das gerade mal 3 Monate vor einer Wahl, die Geschichte schreiben wird.

CDU-Mann lügt in Bezug auf die Entstehung des Bildes

Nachdem besagter CDU-Mann Heuer im Nachgang von der WELT auf das Foto angesprochen wurde, sagte er: „Ich habe ihm ins Mikrofon gegriffen und nur gesagt: Ist die Unwahrheit, Herr Kollege.“ Vor Ort habe es wohl zu wenig Mikrofone gegeben. Okay. Also einfach nur ein Versehen. Ein unglücklicher Moment. Der Bruchteil einer Sekunde, den das Foto festgehalten hat und der eine andere Wirklichkeit zeigt, als die wirkliche Wirklichkeit. So Heuers Version.

Doof nur, dass kurz darauf auch das passende Video zu dem Foto an die Öffentlichkeit kam – also die wirkliche, wirkliche Wirklichkeit (wieder zuerst gepostet von einem AfD-nahen Blogger).

Dieses Video zeigt, dass Guido Heuer dreist gelogen hat. Die Stimmung in der Szene zwischen den beiden ist tatsächlich locker und kumpelhaft. Heuer reagiert auf Siegmund, macht einen Altparteien-Witz auf Kosten seiner eigenen CDU und liefert Siegmund so eine Steilvorlage für einen weiteren Witz, der im Publikum für großes Gelächter sorgt. Das könnte man jetzt vielleicht einfach als das Verhalten eines Lokalpolitikers abtun, dem die Tragweite seiner Handlung nicht bewusst ist – aber auch das wäre zu kurz gefasst. Nach der Bundestagswahl Anfang vergangenen Jahres war es ein Kreisverband der CDU in Sachsen-Anhalt, der Kreisverband Harz – genau dort, wo Halberstadt liegt – der in einem Brandbrief an Merz gefordert hat, die Brandmauer zur AfD endlich abzureißen. Das wäre der Wille der CDU-Basis.

Denn während auf Bundes- und auch auf Landesebene weiterhin kategorisch jede Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen wird, gibt es auf lokaler Ebene oft keine Brandmauer mehr.

Die Brandmauer gab es nie

Alle demokratischen Parteien arbeiten auf kommunaler Ebene mit der AfD zusammen. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Mehr als 500 Kooperationen mit der extrem rechten Partei gab es seit 2019 allein in den ostdeutschen Bundesländern. Der Grund: oft Pragmatismus in der Lokalpolitik. Wenn die AfD einen Förderantrag für das Theater oder einen Sanierungsauftrag für eine Straße stellt – dann stimmen die anderen Parteien zu, wenn es das Beste für die Kommune ist. Auf dieser Ebene kennen sich die meisten Politiker sowieso oft auch persönlich und denken weniger parteiideologisch als die Verantwortlichen in den Land- und Bundestagen. Sie machen einfach ihren Job. Und zur Wahrheit gehört auch: 80% der von der AfD eingebrachten Anträge werden auch auf kommunaler Ebene abgelehnt.

Offiziell arbeitet die AfD von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (links) und die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze (recht) auf Landesebene nicht zusammen. Doch in keinem Bundesland gibt es auf kommunaler Ebene so viel Zusammenarbeit der beiden Parteien, wie in Sachsen-Anhalt; Quelle: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Doch nirgendwo in Deutschland arbeitet die CDU so oft mit der AfD zusammen, wie in Sachsen-Anhalt. Und das geht oft über den Pragmatismus hinaus. Das beste Beispiel ist der Landkreis „Jerichower Land“ – hier stimmte die CDU vergangenes Jahr für einen AfD-Antrag und nun müssen vor allen öffentlichen Gebäuden Deutschlandfahnen wehen – auch, wenn keine WM ist. Das ist schon deutlich ideologischer geprägt. Außerdem wurde der Vorsitzende des Kreistages, Markus Kurze, CDU-Mitglied, auch mit Stimmen der AfD gewählt. Kurze sitzt übrigens gleichzeitig für die CDU im Landtag. Ein Verhalten, das von vielen Landespolitikern seiner eigenen Partei öffentlich kritisiert wurde – aber keine wirklichen Konsequenzen nach sich zog. Und es gibt noch mehr Beispiele von CDU-lern im Landtag, die der AfD sehr nahestehen: Alexander Räuscher kollaboriert auf Instagram häufig mit einem Kanal, der aussieht wie ein Werbeflyer für eine AfD-CDU-Koalition. Und auch, wenn sich der Fraktionsvorsitzende Heuer (der von dem Bild) schon oft klar gegen die AfD geäußert hat, sprechen er und andere Parteifreunde offen darüber, dass ihnen die Brandmauer per se noch nie gefallen hat.

Ungeduldige Einzelkämpfer und ein fehlender “Hasi”

Es gibt also einige Politiker der CDU, die am extremen rechten Rand fischen. Das Bild von Siegmund und Heuer steht symbolisch dafür. Doch anders als viele Kommentare oder Oppositionsparteien aus Berlin es vermuten, liegt dahinter sehr wahrscheinlich keine große Strategie. Das sind Einzelkämpfer. Politiker, die ihren eigenen Plan verfolgen.
Denn, nachdem die AfD schon seit Monaten im Wahlkampfmodus ist, hat die Landes-CDU ihren erst jetzt eröffnet: 3 Monate vor der Wahl. Das ist vielen Lokalpolitikern zu spät, die bangen müssen, wieder in den Landtag einziehen zu können. Es zeichnet sich ein Bild ab, dass es nicht die „eine“ CDU Sachsen-Anhalt gibt, dass die Partei nicht „eine“ gemeinsame Strategie verfolgt, sondern jeder das macht, was er für richtig hält. Dieses Bild bestätigt mir auch ein MDR-Journalist, der seit Jahren in der Lokalpolitik von Sachsen-Anhalt gut vernetzt ist und über sie berichtet, Lars Frohmüller. Mit ihm habe ich im Rahmen dieser Recherche lange telefoniert. Er berichtet mir außerhalb, dass aufgrund der zersplitterten Lage der Landespartei aus Berlin kaum Unterstützung kommt. Sie seien „nicht kampagnenfähig“.

Das liegt wohl auch an dem Machtvakuum, das der ehemalige Ministerpräsident Reiner Haseloff hinterlassen hat. Haseloff ist sowas wie der Merkel von Sachsen-Anhalt, von einigen als Bollwerk gegen die AfD betitelt und vor kurzem viral gegangen mit einem Rant gegen die rechtsextreme Partei im Landtag.

Der neue MP, Sven Schulze, hat kein vergleichbares Standing – weder in der Bevölkerung, noch in der Partei. Sven Schulze beispielsweise tut das Foto als Kleinigkeit ab, als “eine Nähe, die es nicht gibt”. Haseloff hat vor einigen Jahren einen seiner Minister geschasst, der der AfD zu nahegerückt war.

Reiner Haseloffs (l.) Rücktritt hinterlässt ein Machtvakuum in Sachsen-Anhalts CDU. Der neue Ministerpräsident Sven Schulze schaffe es augenscheinlich nicht, seine Partei auf eine einheitliche Linie zu bringen;  Quelle: picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt

Was sagt uns also das Bild und die Diskussion darüber? Es zeigt, dass die Brandmauer so nie existiert hat – sie war immer schon eine symbolische Hürde. Spätestens auf lokaler Ebene werden regelmäßig Entscheidungen gemeinsam mit der AfD getroffen – teilweise aus Pragmatismus, aber leider auch immer wieder aus Ideologie. Doch dahinter stecken meist politische Einzelkämpfer und keine große Strategie. Es ist erschreckend, dass diese anscheinend verkennen, welche Konsequenzen ihre Taten nach sich ziehen, besonders jetzt, wo Sachsen-Anhalt im Zentrum der Öffentlichkeit steht. Es hilft beim Normalisieren einer rechtsextremen, verfassungsfeindlichen Partei – und stärkt in keinem Fall das Vertrauen der Menschen in die Demokratie. Bei der AfD weiß ich, was ich wähle. Bei der CDU weiß ich das nicht. 

Wie soll man ernsthaft glauben, dass sie nach der Wahl nicht doch mit der AfD gemeinsame Sache machen oder sich von ihr dulden lassen, wenn allein um das Entstehen eines Fotos in der Öffentlichkeit gelogen wird? Wenn sie auf Landes- und Bundesebene keine Zusammenarbeit propagieren, die von einigen Politikern auf lokaler Ebene regelmäßig ignoriert wird? Besonders heftig in dem Zusammenhang fand ich interne Gerüchte, dass die AfD wohl bereits auf einige eher rechte CDU-Politiker zugegangen ist, die bereit wären, Siegmund zum Ministerpräsidenten zu wählen, wenn er mit seiner Partei aus eigenen Kräften nicht auf die absolute Mehrheit kommt. 

Es gibt einen Satz, der mir in diesem Kontext in den letzten Tagen nicht aus dem Kopf gegangen ist: „Das Gefährlichste an der AfD – ist die CDU.“

Von Gregor

Quellen:
https://www.nzz.ch/deutschland/politik/wie-offen-ist-die-cdu-fuer-die-afd-foto-belastet-wahlkampf-in-sachsen-anhalt-ld.10011334 (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/sachsen-anhalt-sven-schulze-cdu-afd-linke-brandmauer-100.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/ulrich-siegmund-und-guido-heuer-warum-die-foto-affaere-fuer-die-cdu-ein-problem-ist-a-283fc52c-a442-45dd-b75f-dffac07a78db (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-und-afd-das-kumpel-foto-der-witz-und-die-frage-was-cdu-und-afd-in-sachsen-anhalt-noch-trennt-a-fc4ea20a-0153-4804-9663-123bcc6d45ac (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.welt.de/politik/video6a2d2f456bb5c7fe2e1c4b27/heuer-zum-afd-foto-ich-habe-ihm-ins-mikro-gegriffen-und-nur-gesagt-das-ist-die-unwahrheit-herr-kollege.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-12/holger-stahlknecht-reiner-haseloff-afd-machtkampf/seite-2 (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landespolitik/kommentar-raeuscher-cdu-missverstaendnisse-102.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://wzb.eu/de/pressemitteilung/die-brandmauer-steht-zeigt-aber-risse (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.fr.de/politik/wehenden-fahnen-untergeht-umgang-mit-afd-wo-die-brandmauer-mit-93687731.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/sachsen-anhalt-cdu-kreisverband-im-harz-fordert-ende-der-brandmauer-zur-afd-a-27fc2c96-448c-4b34-9324-952a09ba339d (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.berliner-zeitung.de/article/sachsen-anhalt-cdu-politiker-fordern-ende-der-brandmauer-2314884 (Öffnet in neuem Fenster)

Video der Szene:
https://www.tiktok.com/@mm.aarco3/video/7651252281114987808 (Öffnet in neuem Fenster)

4. Nachgereicht 

Kennt ihr das, diese Gedanken, die man unter der Dusche hat: „Boah, dazu hätte ich noch dies und das sagen können?“ Aber der Zeitpunkt war vorbei? Dafür haben wir diese – zugegeben, augenzwinkernde – Rubrik geschaffen. News, die nicht so wirklich brandheiß sind, sondern eher … sagen wir: kühlschranktemperiert. Irgendwie doch noch haltbar und gut, aber eben nicht direkt von der Theke. Und wegschmeißen will man sie auch nicht. Manchmal schmeckt Aufgewärmtes ja sowieso besser.

Und diesmal machen wir mal eine kleine nostalgische Reise: Es ist das Jahr 2007. Du kommst aus der Schule, wirfst den Schulranzen in die Ecke, fährst den Familien-PC hoch – Geräuschkulisse: Brummen, Piepen, Rattern – und wartest. Und wartest. Und wartest. Aber dann endlich: Das vertraute „Uh-Oh“ von ICQ. Zwei Töne, die eine ganze Generation in Aufregung versetzt haben. Man chattete stundenlang, spielte kleine Minispiele und hoffte, dass nicht  der große Bruder gleich an den PC will – so erging es mir nämlich immer. Außerdem stand unser Familiencomputer auch noch quasi in einem Durchgangszimmer. Privatsphäre war also echt ein Fremdwort. Trotzdem war das Chatten damals die beste Zeit des Tages, denn im Gegensatz zu den begrenzten Zeichen bei einer SMS, bedeuteten Portale wie ICQ oder StudiVZ unendliche Freiheit. 

Heute ist das anders: Wir scrollen durch TikTok, swipen durch Tinder, posten Stories, die nach 24 Stunden verschwinden, irgendwie hat alles den Reiz verloren – deswegen haben wir uns diese Woche in der Redaktion gefragt: Was ist eigentlich aus den Chat-Klassikern unserer Jugend und Studienzeit geworden? Aus ICQ, Knuddels und Jodel?

ICQ: Das „Uh-Oh" ist verstummt

Fangen wir mit dem an, das am meisten wehtut: ICQ ist tot. Endgültig, unwiderruflich, seit dem 26. Juni 2024. Der russische Betreiber VK zog nach 28 Jahren den Stecker – und mit ihm verschwand das wohl nostalgischste „Uh-Oh“ der Internetgeschichte.

Dabei war ICQ einmal eine echte Revolution. 1996 in Israel gegründet, war es der erste Instant Messenger, der Privatnutzern das Echtzeit-Chatten ermöglichte. Jeder bekam eine Nummer – und die trug man wie eine Art digitale Sozialversicherungsnummer. Wer eine kurze Nummer hatte (sagen wir, siebenstellig), galt als waschechter Veteran. Wer mit einer Neunstelligen ankam, war eindeutig too late to the Party. 

Aber dann kam WhatsApp, Smartphones und ICQ wurde zu dem, was ein Faxgerät heute ist: Irgendwie noch vorhanden, aber niemand weiß so recht, warum. Die Abschaltung im Sommer 2024 löste eine Welle der Nostalgie aus – Millionen Menschen teilten ihre ICQ-Nummern in den sozialen Medien, als wären es alte Schulfotos. Eine letzte Reunion. Ähnlich erging es studiVZ: Das deutsche Facebook der 2000er hielt sich zwar noch erstaunlich lange, wurde aber am 31. März 2022 endgültig abgeschaltet.

Wer kennt noch die Smileys von ICQ? | Foto: Reddit.com / dakarejrf

Knuddels: Der Pausenhof wird erwachsen

Während ICQ seinen Abgang gemacht hat, versucht Knuddels gerade das Kunststück, sich neu zu erfinden – ohne dabei sich selbst zu vergessen. Das 1999 gegründete deutsche Chat-Urgestein hat kürzlich das Mindestalter für Neuregistrierungen auf 18 Jahre angehoben. Klingt erstmal nach einer Formalie. Ist es aber nicht.

Denn Knuddels war jahrelang das, was man höflich als „Jugendforum mit Elternwarnung“ bezeichnen würde. Der einstige Schulpausen-Treffpunkt im Internet war für eine ganze Generation der erste Kontakt mit Online-Kommunikation – und mit allem, was dazugehört: erste Flirts, erste Freundschaften, erste Bekanntschaft mit dem Begriff „ASL?“ (Age/Sex/Location, für alle, die das verdrängt haben).

Jetzt zieht Knuddels die Konsequenz aus einer Realität, die sich intern längst abzeichnete: 97 Prozent der aktiven Nutzer sind ohnehin schon volljährig. Mitgründer Holger Kujath bringt es auf den Punkt: „Knuddels ist mit seiner Community erwachsen geworden“. 

Das neue Zielpublikum: Millennials zwischen 25 und 35, die genug vom ewigen Swipen haben und sich nach echter Unterhaltung ohne Algorithmus-Druck sehnen. Kein Match erforderlich. Kein Profilfoto, das drei Jahre alt ist und nur von einer Seite gut aussieht. Einfach: reinkommen, mitschreiben, dazugehören. Das klingt fast revolutionär – dabei ist es eigentlich nur das, was das Internet mal war. Aber ehrlich gesagt, trauere ich Knuddels nicht so sehr nach, ich fand es schon damals super cringe, Leute virtuell zu „knuddeln“.

Jodel: Das lokal Update hat überlebt 

Witziger fand ich dann während meiner Studentenzeit noch Jodel. Die App, die 2014 in Berlin gestartet ist und das Konzept „Was passiert gerade direkt um mich herum?“ ins Smartphone gebracht hat. Anonym posten, nach Standort sortiert, mit Karma-System. Für mich war das ein bisschen wie das schwarze Brett der Uni – nur dass man dafür eben nicht zur Mensa fahren musste, sondern es gereicht hat, sich um zwei Uhr nachts einzuloggen, um zu schauen, ob noch jemand durch die dumme Statistikprüfung gefallen ist oder ob in den Clubs der Stadt noch was geht. 

Nicht immer der tiefgründisgte Content aber unterhaltsam. | Foto: Reddit.com / isawuascht

Aber wisst ihr was? Jodel lebt zumindest noch. Laut Statista nutzten im Mai 2025 vier Prozent aller Social-Media-Nutzer in Deutschland die App – klingt wenig, ist für eine hyperlokale Nischenplattform aber beachtlich. Die Nutzerzahl lag allein in Deutschland im siebenstelligen Bereich. „Deutschland ist unser größter Markt“, sagte Gründer Alessio Avellan Borgmeyer – und das trotz TikTok, Instagram und was auch immer gerade neu ist.

Das Erfolgsrezept von Jodel ist eigentlich das gleiche wie bei Knuddels: Es ist kein Schönheitswettbewerb. Keine Follower-Zahlen, kein Influencer-Gehabe, keine perfekt ausgeleuchteten Reels. Nur Text, Anonymität und der Witz der Leute aus deiner direkten Umgebung. Manchmal banal, manchmal unerwartet klug, meistens unterhaltsam.

Und was sagt uns das alles?

Vielleicht das hier: Das Internet hat sich in den letzten 30 Jahren immer schneller gedreht – und viele Menschen drehen sich gerade leise dagegen. ICQ ist weg, ja. Aber Knuddels erfindet sich neu, und Jodel existiert immerhin auch noch. Es scheint, als würde eine Generation, die mit Einwahlton und Chatrooms groß geworden ist, langsam zurückfinden zu dem, was Online-Kommunikation mal bedeutet hat: echte Gespräche, ohne Algorithmus, ohne Selbstinszenierung.

Von Babett

Quellen:
https://www.techbook.de/mobile-lifestyle/apps/icq-messenger-geschichte (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.connect.de/news/icq-ende-2024-3205589.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.stern.de/digital/icq--kult-messenger-wird-nach-27-jahren-endgueltig-abgeschaltet-34740630.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.knuddels.de/presse/knuddels-erhoeht-das-mindestalter-auf-18-jahre (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.volksfreund.de/pr/presseportal/die-online-community-knuddels-erhoeht-das-mindestalter-auf-18-jahre_aid-138847867 (Öffnet in neuem Fenster)
https://de.statista.com/statistik/studie/id/100114/dokument/social-media-jodel-nutzerinnen-in-deutschland/ (Öffnet in neuem Fenster)
https://de.wikipedia.org/wiki/Jodel_(App) (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/berliner-start-up-social-media-app-jodel-zaehlt-millionen-nutzer/21190952.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.reddit.com/r/FrutigerAero/comments/18vzw6h/old_icq_2007_2015/?tl=de (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.reddit.com/r/SchnitzelVerbrechen/comments/znlusw/gesehen_auf_jodel_im_raum_wien/ (Öffnet in neuem Fenster)

5. Rausgezoomt: Geopolitik

Curaçao – Die Insel, die Europa vergessen hat

Wenn Deutschland gegen Curaçao Fußball spielt, dann wirkt das wie David gegen Goliath. Ein winziger Inselstaat mit knapp 150.000 Einwohnern gegen einen vierfachen Weltmeister. Und beim 1:1 Ausgleich hieß es immer wieder “Das sind alles Spieler, die eine Top-Ausbildung in den Niederlanden genossen haben”. Ja, viele Spieler der Nationalmannschaft kannten die Insel lange Zeit besser aus den Familiengeschichten oder aus dem Urlaub als aus ihrem Alltag. Sie leben in den Niederlanden, spielen in Belgien oder England und tragen trotzdem das Trikot einer Insel, die viele Deutsche vermutlich nur wegen ihres türkisblauen Likörs kennen.

Die Promenade von Willemstad ist ein beliebtes Instagram Motiv. Quelle: Martin Falbisoner, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Und genau das ist das Faszinierende an Curaçao. Denn wenn wir an diese Insel denken, sehen wir weiße Strände, bunte Kolonialhäuser in Willemstad und Kreuzfahrtschiffe. Wir sehen Urlaub. Karibik. Sonne. Wir sehen alles, außer Geopolitik. Dabei ist Curaçao einer der Orte, an denen sich seit über 500 Jahren entscheidet, wer Macht über einen Teil der Welt besitzt.

Erst Resterampe, dann heiß begehrt

Die Geschichte Curaçaos beginnt mit Imperien statt Cocktails unter Palmen. 1499 landen spanische Seefahrer auf der Insel. Sie finden dort keine Goldminen wie auf Hispaniola und keine Silbervorkommen wie später in Südamerika. Für die Spanier wirkt Curaçao zunächst wertlos. Also machen sie, was Europäer damals am besten können. Sie verschleppen einen Großteil der indigenen Caquetío nach Hispaniola, um sie dort als Arbeitskräfte einzusetzen. Zurück bleibt eine Insel, die kaum jemanden interessiert. Aber genau deshalb wird sie interessant.

1634 übernehmen die Niederländer Curaçao. Nicht weil sie die Insel so schön finden, sondern weil sie perfekt liegt. Wer von Europa nach Südamerika oder in die Karibik will, kommt fast zwangsläufig an Curaçao vorbei. Plötzlich besitzt die Niederländische Westindien-Kompanie einen natürlichen Stützpunkt mitten zwischen den spanischen Kolonien. Von hier aus beginnt eine der dunkelsten Geschichten der europäischen Expansion.

Curaçao wird zu einem der größten Umschlagplätze des transatlantischen Sklavenhandels. Zehntausende Menschen werden aus Westafrika hierher verschleppt, registriert, verkauft und anschließend auf Plantagen in der gesamten Karibik und in Südamerika verteilt. Die bunten Fassaden von Willemstad, die heute auf Instagram Millionen Likes sammeln, wurden auf einem Fundament errichtet, das aus Menschenhandel bestand. Das wird gerne vergessen, aber checke, Kolonialgeschichte verkauft sich schlechter als türkisfarbenes Wasser.

Doch selbst als der Sklavenhandel endet, verliert Curaçao seine strategische Bedeutung nicht. Im Gegenteil. Anfang des 20. Jahrhunderts verändert eine Entdeckung die Weltpolitik nachhaltig: Erdöl. 

Nur rund 65 Kilometer von Curaçao entfernt liegt Venezuela. Dort befinden sich bis heute die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Erde. Das Problem ist nur: Venezuela besitzt zwar das Öl, aber lange Zeit nicht die Infrastruktur, um es effizient zu verarbeiten. Also wird Curaçao zum perfekten Partner.

1918 errichtet Shell auf der Insel eine der größten Raffinerien der Welt. Rohöl kommt mit Tankern aus Venezuela, wird auf Curaçao verarbeitet und anschließend in alle Welt exportiert. Innerhalb weniger Jahre verwandelt sich die kleine Karibikinsel in einen der wichtigsten Energieknotenpunkte der westlichen Welt.

Plötzlich hängt Europas Industrie teilweise von einer Insel ab, die kleiner ist als Hamburg. Während in Europa über Grenzen gestritten wird und zwei Weltkriege den Kontinent erschüttern, fließt auf Curaçao ununterbrochen Öl. Und genau deshalb wird die Insel plötzlich militärisch interessant.

Im Zweiten Weltkrieg gehörte die Raffinerie zu den wichtigsten Treibstofflieferanten der Alliierten. Ein erheblicher Teil des Flugbenzins für britische und amerikanische Bomber stammt indirekt von Curaçao. Deutsche U-Boote versuchen deshalb mehrfach, Tanker in der Karibik zu versenken und sogar die Raffinerie selbst anzugreifen.

Die Isla-Raffinerie vor Willemstad Quelle: picture alliance / ANP | Ramon van Flymen

Ja, Curacao war wichtig für den Verlauf des zweiten Weltkriegs, hat kaum wer auf dem Schirm. Und dieses Muster zieht sich bis heute durch. Curaçao ist fast nie die Hauptgeschichte. Aber immer Teil der Geschichte dahinter. Doch heute ist das Öl längst nicht mehr der einzige Grund, warum sich die Großmächte für Curaçao interessieren. Die eigentliche Geschichte beginnt erst jetzt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hätte Curaçao eigentlich in der Bedeutungslosigkeit verschwinden können. Das Zeitalter der Kolonialreiche ging zu Ende, die Niederlande verloren Indonesien, Afrika wurde unabhängig und Europa schaute vor allem auf sich selbst. Doch Curaçao blieb.

1962 erreicht die Kubakrise ihren Höhepunkt. Die Welt steht am Rand eines Atomkriegs. Seitdem betrachten die USA die Karibik nicht mehr als idyllischen Urlaubsort, sondern als sicherheitspolitischen Vorhof. Jeder Hafen, jede Insel und jede Flugbahn bekommt plötzlich strategische Bedeutung. Und Curaçao liegt aus amerikanischer Sicht genau dort, wo man einen Verbündeten haben möchte. Neben Venezuela.

Als Millionen Venezolaner ihre Heimat verlassen, landen viele von ihnen zuerst auf Curaçao. Die Überfahrt dauert mit einem schnellen Boot nur wenige Stunden. Schmuggler nutzen dieselben Routen für Drogen, Waffen und Menschenhandel. 

Europas karibische Grenze

Was für Europäer wie eine weit entfernte Krise wirkt, spielt sich für Curaçao direkt vor der Haustür ab. Deshalb unterhalten die USA seit Jahren militärische Einrichtungen auf der Insel. Offiziell dienen sie der Drogenbekämpfung und der Überwachung internationaler Schifffahrtsrouten. Inoffiziell beobachten sie natürlich auch Venezuela. Und genau an diesem Punkt wird aus einer Geschichte über eine kleine Karibikinsel plötzlich eine Geschichte über Europa.

Denn die meisten Menschen glauben bis heute, Curaçao sei ein unabhängiger Inselstaat irgendwo zwischen Venezuela und Aruba. Ist es aber nicht. Curaçao ist ein autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande.

Damit gehört Curaçao politisch zu einem europäischen Königreich. Der niederländische König ist Staatsoberhaupt, die Verteidigung liegt in niederländischer Verantwortung und wenn sich die Sicherheitslage in der Region verändert, betrifft das automatisch auch Europa. Plötzlich werden Drogenschmuggel, organisierte Kriminalität und geopolitische Spannungen in der Karibik nicht mehr zu Problemen "der anderen", sondern zu Themen, die unmittelbar europäische Interessen berühren.

Und genau hier zeigt sich ein grundsätzliches Missverständnis darüber, wie Macht heute funktioniert. Wir Europäer denken Sicherheit immer noch territorial. Dabei verlaufen die eigentlichen Machtlinien des 21. Jahrhunderts immer häufiger über das Meer.

Vielleicht erklärt das auch, warum Europa geopolitisch so häufig überrascht wird. Wir reagieren oft erst dann, wenn eine Krise bereits eskaliert ist. Als Russland Energie zur Waffe machte, Lieferketten während der Corona-Pandemie zusammenbrachen, das Rote Meer plötzlich zum Krisengebiet wurde und Frachtschiffe Afrika umrunden mussten.

Jedes Mal stellten wir dieselbe Frage: "Wie konnte das passieren?"Die ehrlichere Frage wäre: "Warum haben wir geglaubt, Geografie spiele keine Rolle mehr?"

Je globaler unsere Wirtschaft geworden ist, desto wichtiger sind die wenigen Orte geworden, an denen sich ihre Wege kreuzen. Panama. Suez. Malakka. Taiwan. Gibraltar. Hormuz. Und eben Curaçao. Vielleicht ist das die eigentliche Lektion dieser Insel. Wir überschätzen ständig die Macht großer Länder, während wir die Macht kleiner Orte unterschätzen. Doch Geschichte wird selten dort geschrieben, wo die Landkarte am größten aussieht.

Von Ally

Quellen:
https://www.geo.de/wissen/curaçao---ein-land--das-viele-der-eigenen-spieler-nur-aus-dem-urlaub-kennen_37527348-37527360.html (Öffnet in neuem Fenster) https://www.welt.de/reise/Fern/article157753523/Was-Sie-bestimmt-noch-nicht-ueber-Curacao-wussten.html (Öffnet in neuem Fenster)
caribbean-geopolitics-and-curacaos-isla-refinery
(Öffnet in neuem Fenster)
https://www.n-tv.de/panorama/Curacao-Sonne-Strand-und-tuerkisblaues-Meer-Das-Reiseziel-hat-mehr-zu-bieten-als-blauen-Likoer-id30964775.html (Öffnet in neuem Fenster)

6. Blattkritik

Achtung – Meinung!

Sollten Journalisten und Politiker KI nutzen? (... Herr Döpfner?)

Hier ist deine Zusammenfassung, warum diese Frage gerade diskutiert wird, und wir unseren Senf dazu geben:

Mario Voigt (Chef von Thüringen) hat Gastbeiträge für die FAZ geschrieben. Dann kam raus: Er hat wohl KI dafür verwendet, aber es nicht gekennzeichnet. Die FAZ fand das natürlich nicht gut, und versucht seitdem, die Situation zu klären - beziehungsweise zu erklären.

Soweit, so Panne, doch dann: Auftritt Axel Springer Chef Mathias Döpfner!

Er liest davon in einem Bild-Artikel, gibt ihn der Google KI “Gemini” und fragt sie nach ihrer Meinung. Von der Antwort ist er so beeindruckt, das er es an die “Welt” Redaktion weiterleitet. Die Welt veröffentlicht den KI-Artikel mit dem Döpfner Prompt, gefühlt die halbe Medienwelt reagiert darauf und seitdem nennen wir das ganze eine “Debatte um KI-Nutzung”.

Jetzt sollte ich vielleicht darauf eingehen, was Gemini aus Döpfners Prompt gemacht hat, doch leider interessiert mich das wirklich gar nicht. Döpfner weiß das glaube ich auch, denn was er der Debatte beitragen möchte, hat er der “Welt” dann sowieso nochmal in einem TV Interview erzählt. Sprechen wir also direkt darüber.

Auf die Frage, worauf man bei KI- Nutzung achten sollte und wo Gefahren liegen, vergleicht Döpfner KI mit allem, vom Buchdruck bis zur Kernspaltung, und betont, dass sie nicht moralisch zu bewerten sei. Es brauche Regeln, keine Verteufelung. 

Zum Beispiel sollte man dem Digitalminister nicht vorwerfen, Reden auch mit KI zu schreiben, da man Technologie nicht verhindern kann und am Ball bleiben muss - denn ja, auch unser Digitalminister vergisst manchmal zu kennzeichnen, wenn er an KI “outsourced”.

Döpfner sieht kein Problem im “Ob”, nur im “Wie” und pocht auf das Verantwortungsprinzip, dass sich der Springer Konzern selbst verschrieben hat: Jeder kann, darf und soll KI verwenden, allerdings unter zwei Bedingungen. Man muss transparent sein, dass KI verwendet wurde und die verantwortliche Person setzt ihren Namen drunter.

Im Kern stimme ich da mit Döpfner sogar überein, aber nur weil es die Minimalanforderungen sein sollte. Es ist doch so: KI wird nicht gehasst, weil es “praktisch” ist, sondern weil KI generiertes Zeug immer bedeutet: "Naja, dafür ist es gut genug, dafür reicht es. An den Details haben wir uns nicht aufgehalten.”

Wenn Politikern bei ihrem Gastbeitrag mit dem Thema: “Social Media und Smartphone Verbot für Jugendliche” die Details der eigenen Position egal sind, dann spricht das einfach für sich selbst. 

Das alleine betrachtet ist aber vor allem ein Problem von Voigt und der FAZ. Sie veröffentlichen die Gastbeiträge, sie entscheiden, welchen Anspruch sie dabei haben. Offenbar sind ungekennzeichnete KI-Artikel nicht der Anspruch der FAZ und der Vorfall wurde zum Anlass genommen, das nochmal klarzustellen.

Nur … Voigt hat auch eine Rede zum Holocaust-Gedenktag …outgesourced … und die KI als “Teil der modernern Kommunikation” bezeichnet.

Mir persönlich ist es egal, wem Voigt die Aufgabe delegiert, eine Rede für ihn zu schreiben. Also klar, es hätte Voigts Israel-Solidarität sicher gut gestanden, ein paar eigene Gedanken zum Holocaust zu haben, aber so ist meine leise Hoffnung, dass er einfach noch nie selber drüber nachgedacht hat, was “Nie wieder” bedeutet. Würde einiges erklären.

Die Ironie dabei ist natürlich, dass ein Ghostwriter oder ein Social Media Team auch nichts anderes machen, als dem Politiker aufzuschreiben, was sie glauben, dass die Massen hören wollen. 

Aber das ist ja genau der Punkt, auf den Döpfner eigentlich hinaus will: KI stört uns nur, da wo es uns wirklich stört. Wo wir das Gefühl haben, wir sind jemandem die Mühe oder “die Wahrheit” nicht wert. KI wird da genutzt, wo man das Gefühl hat, man kommt damit durch.

Was uns wieder zur Frage bringt: Sollten Politik und Journalismus KI verwenden? Aber die bessere Frage ist doch: Wofür genau?

Sollte es im Journalismus nicht primär um gute Fragen gehen? Ob eine KI Antwort gut ist, dazu hat man doch schnell eine Meinung. Was aber macht gute Fragen aus? 

Dazu ganz kurz Theorie: Der alte Kybernetiker Heinz von Förster unterschied alle Fragen in zwei Kategorien: Rational entscheidbare und rational unentscheidbare Fragen. Beispiel gefällig?

Eine rational entscheidbare Frage ist: Wie viele Menschen sind in Gaza gestorben? 

Auf den ersten Blick eine schwer zu beantwortende Frage, weil ja auch die Journalisten, die das herausfinden wollten, mitgezählt werden müssten. ABER mit einer zeitlichen Eingrenzung und genug Daten könnte es dafür theoretisch eine rationale Antwort geben. Es wird vermutlich eine ganze Zahl sein, größer als 1.

Eine rational unentscheidbare Frage ist: Wie oft sollte man darüber berichten? Darauf kann es keine “rational richtige Antwort" geben. Es hängt vermutlich etwas davon ab, ob man die höchste israelische Auszeichnung erhalten hat oder ob man das Gefühl hat, dass die Definition von Genozid nicht erreicht sein muss, bevor man Staaten für ihre Politik kritisiert. Eine “universal” richtige Antwort gibt es da nicht.

Was nehmen wir aus diesem makaberen, rein zufällig gewählten Beispiel mit? Rational entscheidbare Fragen sind eigentlich langweilig, weil wir ja wissen, dass es eine Antwort gibt, aber uns der genaue Weg dahin fehlt. 

Alle anderen Fragen kann eine KI nicht besser beantworten als Menschen, denn sie verlangen eine Haltung, eine Position. KI hat nie eine andere Haltung als die ihrer Schöpfer, oder die schon in ihren Datensätzen existiert.

Damit zurück zu Döpfner und Voigt: Liegt deren Begeisterung an KI nicht vor allem darin, dass ihre Antworten “gut genug” für ihre Ziele sind? Und was sind ihre Ziele?

Lauter unentscheidbare Fragen toll! Also kommen wir mal zu der spannendsten: Was ist denn das Ziel von Journalismus? "Wahrheiten in einer Demokratie sichern” oder “Reichweite verkaufen”?

Um mal die Döpfner Brille der KI-Faszination anzuziehen: Wir machen alle nur Content. Schreib Journalismus drauf, am Ende verkaufst du Aufmerksamkeit gegen Geld. Entweder im Öffentlich-rechtlichen Kosmos oder eben privat finanziert. Lustigerweise haben beide das Problem, dass der Erfolg ihrer Arbeit im Alltag strikt nach Reichweite gemessen wird.

Auf diese Medienrealität trifft KI. Zeit ist Geld, und die Frage, für welche Aufgaben “reicht” KI, stellt sich sehr oft im Medienalltag. Die Zusammenfassung am Anfang des Kommentars hätte auch eine KI schreiben können. Mit wertvollen Infos, dass Voigt der Ministerpräsident Thüringens ist und nicht einfach “Chef”.

Allerdings habe ich auch die Arroganz zu glauben, dass die meisten von euch lieber meine getippten Worte lesen als die von Gemini - sonst hättet ihr ja die FAZ abonniert und nicht die Parabel Post (Es ist nur ein Joke! Bitte nicht verklagen liebe FAZ).

Doch damit schließt sich wieder der Kreis zu Döpfners Optimismus, was KI angeht. Sein Haus ist groß genug, um entscheiden zu können, wo welche KI “gut genug” ist. 

Denn seien wir mal ehrlich: Man lebt nicht vom Journalismus, weil man gute investigative Recherchen macht, den Mächtigen auf die Finger schaut und die 4te Säule unsere Demokratie auf den eigenen Schultern trägt - diese Leute gibt es, diese Arbeit gibt es. Doch das ist nicht der Alltag der meisten Menschen, die mit “Content” zu tun haben, auch nicht wenn er “journalistisch” ist.

Journalismus ist hier einfach ein Produkt. Wir als Konsumenten wollen vertrauenswürdige Informationen, aber ohne sie selbst prüfen zu müssen. Das bedeutet in der Praxis, dass wir irgendwem vertrauen müssen, dessen Job davon abhängt, es richtig zu machen. Ob die Person KI nutzt oder nicht, ist dafür nicht entschiedend.

Medien müssen ja auch jetzt schon nicht immer richtig sein. Man muss ihnen nur im Großen und Ganzen vertrauen. Genau so hat unsere Gesellschaft ja auch Photoshop “überlebt”. Wusstet ihr, dass man jedes Foto in der Theorie bearbeiten kann? WIE SOLL MAN DA NOCH IRGENDWAS GLAUBEN?! 

Dieses Vertrauen wird aber nicht nur durch Information, sondern vor allem durch Emotionen und echte Menschen geschaffen. 

“Heizungsgesetz” vs. “HEIZHAMMER”,
“Ministerpräsident Thüringens” vs. “Chef von …”

Menschen bezahlt man nur für die Aufgaben, bei denen es Menschen braucht. Wir sind jetzt in der Phase, in der wir herausfinden, wo es sie noch braucht und das hat Konsequenzen. Wer kann es sich denn leisten, überall vor Ort Leute zu haben, um von dort berichten zu können? Wer kann sich den Luxus leisten, ausführlicher als die Konkurrenz Quellen zu prüfen? 

Sobald man monatliche Gehälter zahlt, muss man auch in monatlicher Reichweite denken. Nicht in einzelnen investigativen Recherchen oder Stories. Journalismus als Geschäftsmodell ist hier vor allem in großen Netzwerken erfolgreich. ÖRR oder privat, hauptsache die Existenz hängt nicht von einzelnen Recherchen ab.

KI erlaubt es Springer, die Ressourcen, die sie haben, besser einzusetzen. Selbst wenn die KI mal Fehler macht. Menschen machen auch Fehler, und wenn die KI bald ihre eigene Richtigstellung schreiben kann, die dann keiner liest, hat sich exakt nichts verändert.

Wichtig ist dabei nur: Menschen braucht es für das Vertrauen in die Informationen, KI braucht es für alles, wo tatsächlich viele Informationen schnell verarbeitet werden.

Das hat aber halt wenig mit der romantischen Vorstellung davon zu tun, was Journalismus eigentlich erreichen will: Die Fragen zu stellen, die den Status Quo auflösen. Oder zumindest mal die Vorgänge in den anderen Säulen der Demokratie zu hinterfragen.

Dafür braucht es eine eigene Meinung, eine eigene Position, eigene Erfahrungen, eine eigene Lebensrealität. Kurzum: Ein intrinsisches menschliches Interesse daran, wie die Welt um uns herum funktioniert. Deshalb ist nicht die Qualität der KI Antworten entscheidend, sondern, wer die Fragen stellt, auf die nicht einmal KI eine Antwort geben kann.

Allen voran: Wer sollte entscheiden, welche Fragen “der Journalismus” stellt? Schließlich neigt man ja dazu, nicht die Hand zu beißen, die einen finanziert. (Danke an euch, an dieser Stelle. Ihr seid gemeint und trotzdem zum Anbeißen! <3)

Solange Journalismus nicht vom Dienst an der Demokratie leben kann, wird er nur Fragen stellen, bei denen die Antworten nicht dem eigenen Geschäftsmodell schaden. KI schadet Döpfners Geschäftsmodell nicht, weil Döpfner weiß, sie hat keine Antworten auf die wirklich wichtigen unentscheidbaren Fragen.

Die Hybris von Medienmachern KI als Universallösung zu sehen scheitert, wenn sie Vertrauen verspielen, die richtigen Fragen im Blick zu haben. Grüße an den Tagesspiegel, die ihren “Editor at Large” gehen lassen haben, weil er seine eigene Meinung ausgelagert hat. Ich hoffe, er weint in der Dusche, sein Job war es, seine Meinung runter zu schreiben. Das würde ich gegen nichts in der Welt eintauschen.

Im Großen und Ganzen ist es aber bumms egal, wie die Sätze entstanden sind, die veröffentlicht werden. Was Politik und Journalismus nach vorne bringt, sind Fragen, die uns zwingen, darüber nachzudenken, wie unsere Demokratie besser wird. KI kann nicht für uns entscheiden, welche Fragen das sind.

Döpfners Geschäftsmodell ist Content, und nicht “Antworten auf unbequeme Fragen finden”. Wie das eine Mal, als er einen Bild Artikel in eine KI geworfen hat, um mit der KI-Antwort zu KI-Nutzung den "Diskurs zu bereichern”. 

KI ist keine Magie, sie stellt keine Fragen, sie produziert Text, der für ihre Vorgesetzten möglichst richtig klingt. Das kennt Döpfner schon von seinen bisherigen Mitarbeitern, für ihn wird sich nicht viel ändern. 

Verantwortungsvoll mit KI zu arbeiten heißt, nicht stolz seinen Namen unter KI Slop zu klatschen, sondern sich bewusst zu machen, wie die Öffentlichkeits-Ökonomie funktioniert. Sie steht im direkten Konflikt mit dem Anspruch, den Journalismus in einer Demokratie hat. Warum, das könnt ihr sogar Gemini fragen!

Ich empfehle den Prompt: “Warum steht Journalismus, der profitabel sein muss, und Demokratie in einem Konflikt?” 

Ich kann nur inständig versprechen, dass ich niemals freiwillig auf das Privileg verzichten werde, Döpfner für euch KI-frei zu beleidigen und zu kritisieren, niemand soll denken, es wäre mir gleichgültig, mich an dem Bezos Buddy abzuarbeiten. Danke euch fürs Aushalten.

Euer Jonas

Quellen:
(1) Artikel:
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/zum-ki-verdacht-bei-gastbeitrag-von-mario-voigt-200917046.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.zeit.de/digital/internet/2026-06/karsten-wildberger-ki-reden-gastbeitrag-cdu-gxe (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.deutschlandfunk.de/tagesspiegel-chefredakteur-der-mensch-dessen-name-ueber-einem-artikel-steht-muss-auch-wirklich-in-de-100.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.juedische-allgemeine.de/politik/mario-voigt-nutzte-ki-fuer-reden-zum-holocaust-gedenken/ (Öffnet in neuem Fenster)

(2) Videos:
Matthias Döpfner im Interview bei Welt: https://www.youtube.com/watch?v=9i2FQ-4E3kY (Öffnet in neuem Fenster)
Weitere Beiträge der Debatte:
https://www.instagram.com/p/DZphI7Espi8/ (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.youtube.com/watch?v=nPylLUB7CZ8 (Öffnet in neuem Fenster)

7. Ende gut, alles gut.

Es gibt sie noch, die positiven Nachrichten aus Europa und der Welt. Und auf Wunsch haben wir wieder mehrere gefunden: News, mit denen wir ein kleines bisschen optimistischer in die neue Woche starten können. 

Badeurlaub mit der Bahn?

Plant ihr auch grad eure Sommerauszeit? Wenn ja hier ein paar kleine Good News: Die Deutsche Bahn bringt ein Sommerfamilienticket an den Start. Ich weiß, ich weiß, reisen auf Schienen ist in Deutschland so eine Sache, aber bei den jetzigen Spritpreisen ist es doch ein kleiner Lichtblick. Denn für 99,99 Euro können bis zu fünf Personen mit dem Fernverkehr hin und zurück zum Urlaubsort reisen. Zum Vergleich: Eine Fahrt mit dem Familienauto von Hamburg nach München kostet aktuell über 200 Euro – also mehr als doppelt so viel. Tatsächlich muss ich sagen, dass der Fernverkehr deutlich zuverlässiger ist als der Nahverkehr. Ich war schon in Paris, Prag und Wien und fand das echt entspannter als fliegen. Denn zum Berliner Flughafen muss man ja auch mit der Bahn. 

Mit der Deutschen Bahn könnte man zum Beispiel als Familie an den Strand von Rostock-Warnemünde fahren. Die raue Ostsee bietet immer eine schöne Abkühlung.| Foto picture alliance / Chris Emil Janßen | Chris Emil Janssen

Helfen ist In

In einer Welt voller Negativschlagzeilen kommt diese Nachricht genau zur richtigen Zeit: Menschen helfen einander – viel öfter und viel selbstloser, als die Wissenschaft bislang angenommen hat. Das belegt eine neue Studie, die diese Woche für Aufsehen gesorgt hat.

Eine neue internationale Studie – "Homo cooperans", veröffentlicht im Fachmagazin Science und durchgeführt von Wissenschaftlern der Universität Bonn, der Goethe-Universität Frankfurt und der Frankfurt School of Finance – hat das in einem groß angelegten Experiment mit über 100.000 Teilnehmenden aus 125 Ländern untersucht. Das Ergebnis: 86 Prozent der Befragten in Deutschland entschieden sich für kooperatives Verhalten – auch wenn sie dadurch weniger Geld bekamen. Gleichzeitig gingen dieselben Menschen davon aus, dass nur knapp 48 Prozent ihrer Mitmenschen genauso handeln würden.

ABEEEER das Schönste daran: Wer erfuhr, dass die Mehrheit der Menschen tatsächlich kooperationsbereit ist, zog sofort nach – und kooperierte selbst noch mehr. Das Gute ist also ansteckend. Man muss es nur wissen.

Solar überholt Kohle 

Das hat lange gedauert – aber jetzt ist es passiert: Im Mai 2026 hat Solarenergie in den USA zum allerersten Mal mehr Strom erzeugt als Kohle. 12,8 Prozent Solar gegen 12,2 Prozent Kohle, laut Analyse des Energie-Thinktanks Ember. Klingt nach einer kleinen Zahl – ist aber ein historischer Wendepunkt.

Besonders bemerkenswert ist die Dynamik: Während die Solarstromerzeugung gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent zulegte, schrumpfte die Kohleverstromung um 11 Prozent. Und das, obwohl Donald Trump seit seinem Amtsantritt neue Windparks blockiert, die Kohleindustrie mit 700 Millionen Dollar subventioniert und den Slogan „Drill, baby, drill" zu seinem energiepolitischen Mantra gemacht hat.

Der Markt schert sich aber anscheinend wenig um politische Slogans: Von einst 580 Kohlekraftwerken im Jahr 2010 sind in den USA heute noch 350 am Netz – Tendenz weiter sinkend. Investoren, Unternehmen und Hausbesitzer setzen längst auf Solar – weil es schlicht günstiger ist. Die Energiewende passiert – ob Trump sie will oder nicht. Und das ist eine echte Good News für uns alle.

Von Babett 

Quellen: 
https://de.euronews.com/2026/06/10/kohlekraft-verliert-status-solarstrom-uberholt-kohle-in-usa (Öffnet in neuem Fenster), (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.iwr.de/news/strom-mix-im-wandel-solarenergie-ueberholt-erstmals-kohle-in-den-usa-news39764 (Öffnet in neuem Fenster), https://web.de/magazine/wissen/psychologie/good-news-woche-nachrichten-hoffnung-42373334 (Öffnet in neuem Fenster)https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/bahn-familienticket-100.html (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.uni-bonn.de/de/neues/102-2026 (Öffnet in neuem Fenster)
https://ember-energy.org/ (Öffnet in neuem Fenster)
https://klimareporter.de/international/gegen-den-wind (Öffnet in neuem Fenster)

P.S. 

Ihr habt es wieder einmal geschafft und seid am Ende der heutigen Parabelpost angekommen. Was ein Themenritt das heute war. 

Darüber dürfte sich vor allem Jens freuen, dem es in unserer Sternenklang-Spezialausgabe zu viel um Festivals ging. Keine Sorge, die nächste Sternenklang Ausgabe erwartet euch erst wieder in einem Jahr, wenn wir uns hoffentlich alle in Kranichfeld wiedersehen. 

Und vielen Dank an all die lieben Worte zu unserer ersten Printversion. Kerstin schrieb “für mich war es ein WOW-Moment, die erste gedruckte Parabelpost in der Hand zu halten”, das können wir sehr gut nachempfinden, uns ging es genau so. :) 

Danke auch an Sebastian und Martin für die lieben Worte hierzu. Vielen Dank auch an Cordula für deine Ergänzung zur Einordnung der Chromosomenzahl von Weizen. 

Für alle die letzte Woche bei Lenas Geopolitik-Frage “Was hält der Kranich im Wappen von Kranichfeld in der Kralle?” mit gerätselt haben, kommt hier die Antwort. Die Idee von Julian, dass es sich um die Himmelsscheibe von Nebra handelt, fanden wir äußerst kreativ. Aber da müssen wir Julian leider enttäuschen, denn die Himmelsscheibe wurde erst 1999 wiederentdeckt. Das Etwas in der Kralle des Kranichs gibt es aber bereits seit 1663 im Kranichfelder Wappen. Der Klumpen Dreck kommt da schon eher hin. Denn in Wahrheit handelt es sich um einen Stein. Es wird vermutet, dass es sich dabei um ein Zeichen von Wachsamkeit handelt. Einem alten Irrglauben zufolge hielten Kraniche während der Wache einen Stein in der erhobenen Kralle. Schliefen sie ein, fiel der Stein herunter und weckte sie wieder auf. 

Eine Ausgabe zuvor hat Julia sich so sehr über die Katzenfotos unserer Ally gefreut, dass sie direkt angeboten hat bei Bedarf das Katzensitting zu übernehmen. Und da wir alle Tier-Content lieben und die WM gerade läuft, haben wir unser eigenes WM Orakel, Paprika, das Zwerghuhn, für euch gefragt, wie das Spiel Deutschland gegen Ecuador kommenden Donnerstag ausgeht. Und Paprikas hochoffizielle Orakel-Antwort ist: Deutschland gewinnt. Wir hoffen, das Ergebnis ist nicht durch das Fehlen des Staatswappens auf der Flagge verfälscht, das zu malen überstieg jedoch unsere Fähigkeiten. Seht es uns nach. 

Paprika setzt auf die Deutsche Mannschaft im Spiel gegen Ecuador. Quelle: Privataufnahme

Damit habt ihr nun aber wirklich das Ende der Parabelpost erreicht. Wir hoffen, die Ausgabe hat euch erneut auf spannende Zusammenhänge und blinde Flecke aufmerksam gemacht. Schreibt uns gerne wie immer eure Gedanken und Wünsche. Wir lesen alles, versprochen. 

Von der Community für die Community. 

Danke, dass ihr dabei seid und bis nächste Woche. :)

Liebe Grüße

Alex & die Redaktion

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