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#28 Einmal süchtig, immer süchtig…

Liebe*r Psychoaktiv-Leser*in,

Es ist heute der 1. im Monat und damit ist es Zeit für den psychoaktiven Newsletter - dem begleitenden Newsletter zum Podcast Psychoaktiv. Das bedeutet spannende Denkanstöße und einen Monatsrückblick zu den Themen Drogen & Sucht. Außerdem gibt es die wichtigsten AHA-Erlebnisse aus den zwei Podcast-Folgen, die ich in dem Monat herausgebracht habe.

Liebe Grüße

Stefanie

Um was geht es heute?

  1. Einmal süchtig, immer süchtig

  2. Research Chemicals - Drogen legal kaufen

  3. Psychoaktiv Presseschau im März & April

  4. PsychoGRAMM für Mai

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Top-Thema

1. Einmal süchtig, immer süchtig…

Gerade bei Sucht ist der Fortbestand der Erkrankung, auch bei Remission der Symptome, fester Bestandteil des allgemeinen Suchtverständnisses. Das Sinnbild des trockenen Alkoholikers – Alkoholiker bleibt man für immer, nur das Adjektiv könnte sich je nach Lage verändern.

Ein Zustand, der mich schon immer irritiert hat.

Denn was geben wir am Ende Betroffenen mit: Bleib immer wachsam, der Rückfall lauert hinter jeder Ecke, du bist für immer krank.

Was für eine niederschmetternde Botschaft, die häufig stark an der Realität von Betroffenen vorbeigeht. Denn warum sollte sich eine Person, bei der der Konsum seit mehreren Jahren keine Rolle mehr spielt, die vielleicht regelmäßig Sport macht, einem Job nachgeht, Freunde hat, weiterhin als krank bezeichnen?

Bei der Suchterkrankung ist das aus meiner Sicht ein seltsames Politikum geworden, dessen Sinn ich nicht ganz fassen kann.

Dabei möchte ich natürlich nicht unter den Tisch fallen lassen, dass auch nach Genesung der zentralen Symptome eine gewisse Vulnerabilität bestehen bleiben kann. Aber das kennen wir auch aus anderen Erkrankungen. Depressive Episoden können wiederkehren. Doch in diesem Kontext höre ich eher selten: „Einmal depressiv, immer depressiv“ oder gar „emotionsausgeglichener Depressiver“.

Und an dieser Stelle lohnt es sich, den Elefanten im Raum anzusprechen.

Sucht hat die Besonderheit, dass sie sich auf ein Verhalten bezieht, das in unserer Gesellschaft sehr verbreitet ist.

Den Konsum von psychoaktiven Substanzen.

Alkohol ist in unserer westlichen Gesellschaft allgegenwärtig, und selbst problematischer Konsum ist stark normalisiert.

Während Nicht-Konsum auffällt. Vor allem bei Alkohol. Das führt wiederum dazu, dass die Nüchternheit einer Person immer wieder thematisiert wird:

„Wie, nicht mal ein Glas?“, „Nicht mal an Weihnachten?“, „Nicht mal an deinem Geburtstag?“, „Aber wenn ich heirate, dann schon, oder?“

Der Status des Nicht-Konsums ist die Abweichung von der Norm.

Gesund ist, wer „normal“ trinken kann.

Und wer das nicht kann, bleibt krank.

Aber könnte es nicht auch sein,

dass Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung für immer krank sein müssen, damit die konsumierende Gesellschaft sich weiterhin als gesund bezeichnen darf?

In dieser Podcastfolge spreche ich noch genauer über das Thema Vulnerabilität bei Suchterkrankung und neurobiologische Veränderungen:

Podcast

2 . Research Chemicals - Drogen legal kaufen?

Vielleicht gibt es sie auch in deiner Stadt, synthetische Cannabinoide aus dem Automaten, 24/7 verfügbar.

Immer wieder tauchen Vapes mit schwer nachvollziehbaren Inhalten in Automaten auf. Es geht durch die Presse, es gibt Aufregung, die Automaten stehen aber immer noch.

Wie kann das sein?

Um der Verbreitung von Neuen psychoaktiven Substanzen etwas entgegenzusetzen wurde das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) ins Leben gerufen. Dieses hat den Vorteil, dass es im Gegensatz zum Betäubungsmittelgesetz ganze Stoffgruppen regulieren kann.

Problem gelöst, oder?

Die Automaten zeigen das Gegenteil.

Denn zwar wurde das Katz und Mausspiel, bei dem man immer wieder Neue psychoaktive Substanzen aus dem Graumarkt einkaufen, analysieren und dann einzeln ins BtmG einfügen musste, stark eingeschränkt.

Es wurde allerdings mit einem neuen Katz und Mausspiel ersetzt, nur dass nun die Substanzen nicht mehr ins BtmG eingefügt werden, sondern die Frage geklärt werden muss, ob besagte Substanz eigentlich schon unter das NpSG fällt.

Seit jeher versuchen wir am Rad der Prohibition zu drehen, in der Hoffnung einem Problem Herr zu werden und ernten häufig in der Konsequenz neue Absurditäten.

Die Frage die bleibt ist: Was wäre wirklich hilfreich?

Zum Thema Research Chemicals bzw. Neue Psychoaktive Stoffe kam eine ausführliche Folge im Psychoaktiv Podcast raus. Link dazu gibt es natürlich in den Kommentaren

Ich werte meinen WhatsApp Kanal auf. Jeden zweiten Tag gibt es jetzt kleine Wissensnacks zu den Themen Drogen, Konsum und Sucht. Schau vorbei:

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Hier (Öffnet in neuem Fenster) geht es zur Website der medizinischen Rehabilitation für Menschen mit Abhängigkeitserkrankung salus klinik Hürth.

Ich danke für die Unterstützung des Psychoaktiv Podcasts.

News des Monats

4. Psychoaktiv Presseschau im Februar

In dieser Kategorie findest du eine kleine News-Rückschau über den letzten Monat. Was wurde zu den Themen Drogen und Sucht berichtet? Finde es heraus!

🗳️ KCanG-Entwurf: Nutzhanf soll rechtssicherer werden (Missbrauchsklausel weg, THC-Grenze rauf, Indoor-Anbau möglich).
Ein Gesetzentwurf zur Änderung des Konsumcannabisgesetzes zielt auf eine Liberalisierung von Nutzhanf: Die bisherige „Missbrauchsklausel“ soll gestrichen werden, die den Handel mit Nutzhanf faktisch unsicher macht, weil theoretisch ein Rauschmissbrauch nie ganz auszuschließen sei. Außerdem soll die THC-Grenze für Nutzhanf in der Definition auf 1 % angehoben werden und Indoor-Anbau (unter Anzeige- und Kontrollregeln) ausdrücklich möglich sein.
Mehr Infos: Deutscher Bundestag (Öffnet in neuem Fenster)

📋 EKOCAN-Zwischenbericht: Legale Bezugswege wachsen – aber Frühintervention und Anbauvereine haken.
Der 2. EKOCAN-Zwischenbericht (April 2026) zieht nach zwei Jahren KCanG eine vorläufige Zwischenbilanz auf Basis von Befragungen und Routinedaten: Immer mehr Konsumierende beziehen Cannabis aus grundsätzlich legalen Quellen, besonders sichtbar beim stark gewachsenen Markt für Medizinalcannabis (u. a. über Online-Plattformen und Apotheken). Gleichzeitig bleibt eine zentrale Säule der Reform hinter den Erwartungen zurück: Anbauvereinigungen spielen bislang nur eine kleine Rolle (u. a. begrenzte Verfügbarkeit, wenige Genehmigungen, regionale Lücken). Beim Kinder- und Jugendschutz berichten die Forschenden, dass Konsumprävalenzen unter Jugendlichen eher stabil bis leicht rückläufig wirken – aber Frühinterventionsangebote (z. B. nach polizeilicher/justizieller Vermittlung) seltener erreicht werden, weil die bisherigen Zuweisungswege durch Entkriminalisierung wegfallen und § 7 KCanG diese Lücke praktisch noch nicht schließt. Kritisch sieht der Bericht außerdem den Bereich Medizinalcannabis: Die Abgrenzung zu Freizeitkonsum sei empirisch schwierig, hochpotente Produkte seien verbreitet, und es gebe Hinweise auf Werbe-/Vermarktungsprobleme bei Online-Plattformen sowie Durchsetzungsdefizite.

📊 DHS Jahrbuch Sucht 2026: Alkohol bleibt zentrale Krankheitslast, Tabak weiter verbreitet, Cannabis langfristig häufiger.
Das DHS Jahrbuch Sucht 2026 bündelt aktuelle Zahlen zu Konsum, Folgen und Versorgung. Beim Alkohol zeigt es: Pro-Kopf-Konsum eher rückläufig, aber riskanter Konsum und Rauschtrinken bleiben verbreitet. Beim Tabak werden weiterhin hohe Prävalenzen und relevante Passivrauchbelastung sichtbar. Für Cannabis wird ein längerfristiger Anstieg berichtet; für Erwachsene nennt das Jahrbuch (ESA 2024) rund 9,8 % 12-Monats-Konsum sowie Schätzungen zu Abhängigkeit/Missbrauch.
Mehr Infos: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) (Öffnet in neuem Fenster)

🚭 EU-Kommission zieht Zwischenbilanz zur Tabakpolitik: Regeln wirken, aber neue Nikotinprodukte und Online-Marketing reißen Lücken.
Ein EU-Arbeitsdokument bewertet Tabakprodukt- und Tabakwerberichtlinie und kommt zu dem Befund, dass der Rahmen zwar zur Harmonisierung und zum Gesundheitsschutz beiträgt, aber mit E-Zigaretten, erhitztem Tabak und Nikotinbeuteln sowie digitaler Werbung zunehmend hinter der Marktentwicklung zurückbleibt. Besonders betont wird die Herausforderung, junge Menschen vor attraktiv vermarkteten, teils aromatisierten Produkten zu schützen, während Mitgliedstaaten teils uneinheitlich nachregulieren.
Mehr Infos: Europäische Kommission (Public Health) (Öffnet in neuem Fenster)

Vorschau

5. Psychoaktiv im Mai

Lust auf ein besseres Hörerlebnis durch den werbefreien Premium Feed, mit early Access zu den Podcastfolgen, Mitbestimmung bei den Substanzkundefolgen und Bonusfolgen und -artikel. All das gibt es bei Psychoaktiv+, dem Bonusprogramm rund um Psychoaktiv, das meine unabhängige Aufklärungsarbeit überhaupt erst möglich macht. Außerdem ist es möglich für dein Team individuelle Teampakete zu erstellen. Sprich ich dafür einfach an (einfach auf diese Mail antworten)!

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