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Wie man ein gutes Schreibangebot erkennt (oder: warum es bei mir demnächst wieder freie Schreibangebote gibt)

Überlebensunterhalt

Mit dem Schreiben (von Literatur) verdient man kein Geld (Öffnet in neuem Fenster)— zumindest tun das die allerwenigsten. Selbstverständlich also, dass man nach alternativen Einkommensformen suchen muss. Einige Autor*innen lassen sich als Speaker*innen und Expert*innen auf Panels einladen, andere wiederum gehen einem Brotjob nach. Wieder andere übersetzen, lektorieren, korrigieren. Und ein nicht unwesentlicher Teil bietet Schreibworkshops und Manuskriptbegleitungen an.

Da ich in diesem Bereich selbst unterwegs bin, interessieren mich selbstverstädnlich Angebote die meiner Kolleg*innen sehr. Was wird zu welchen Preisen angeboten? Was wird versprochen? Was nicht? Die meisten Angebote, die ich kenne, sind wirklich gut, und von Personen zusammengestellt, die etwas von ihrem Handwerk verstehen. Doch in letzter Zeit fällt mir auch auf, dass die Angebotsdichte stark zugenommen hat. Und unter den Anbietenden sind naturgemäß auch Personen, bei denen sich das Ganze etwas unseriöser anfühlt.

Unqualifizierte Lektoratsangebote

Als Person, die gerade erst mit dem Schreiben beginnt, kann ich mir vorstellen, dass einige Versprechungen von einigen selbsternannten “Lektoratsexpert*innen” sich verheißungsvoll anfühlen: Da ist die Rede von garantiertem Erfolg im Self-Publishing, vielen Verkäufen und instant Bestsellern — jede Person kann und sollte schreiben! Die Geschichte, die du immer schon veröffentlichen wolltest, wird hier an die Lesenden gebracht! Und das alles für zuweilen ab 10 € pro Normseite à 1500 Zeichen von Personen, die gar keine Lektoratserfahrung vorzuweisen haben.

Gatekeeping ist im Literaturbetrieb ein Problem, und das gilt auch für das Gatekeeping von Personen, die anderen das Schreiben vermitteln wollen. Allerdings wird in dem Bemühen, das Gatekeeping kritisch zu hinterfragen, zuweilen vergessen, dass Schreiben in vielerlei Hinsicht ein Handwerk ist: ein erlernbares Handwerk, das viel Übung benötigt. Genauso verhält es sich meiner Meinung mit dem Lektorieren und dem Korrekturlesen, Sensitivity Readings und Manuskriptbegleitungen: Man braucht Erfahrung und Übung. Vielleicht startet man also eher als Beta-Leser*in, ehe man tatsächlich entgeltlich Lektorate anbietet.

Lektorate sollten sich im Rahmen von 5 € pro Normseite (i.d.R. 1800 Zeichen pro Normseite à 30 Zeilen je 60 Anschläge) bewegen, mit etwas Spielraum nach unten und oben, wenn es besonders viel oder wenig zu lektorieren gibt. Lektor*innen sollten eine entsprechende Ausbildung (etwa Studium, Verlagserfahrung in Form eines Volontariats etc.) UND/ODER entsprechende Erfahrung (mehrere betreute Buchprojekte, langjährige Tätigkeit als Beta-Leser*innen (häufig gerade im Bereich spekulativer Fiktion wertvoller als eine förmliche Ausbildung)) vorweisen können. Auch Autor*innen können gute Lektor*innen sein, sie haben jedenfalls Erfahrungen mit dem Einarbeiten eines Lektorats und können in der Regel gut einschätzen, wie man Lektorate so formuliert, dass sie für Autor*innen wertvoll sind. Aber Achtung: Nicht alle Autor*innen sind gute Lektor*innen! Das sind zwei separate Handwerke. Und das sage ich als Person, die selbst auch schreibt.

Wie teuer darf ein Schreibworkshop sein?

Es werden auf Social-Media-Plattformen auch häufig kostenspielige Schreibworkshops angeboten. Ich biete selbst auch Workshops an, und die Vor- und Nachbereitung von solchen Angeboten dauert einfach. Es lohnt sich nicht, wenn ich nicht mindestens 350 € für drei Stunden (+mindestens sechs Stunden an Vor- und Nachbereitung) für diese Arbeit erhalte. Das bedeutet umgerechnet für einen Workshop, dass es mindestens sieben Teilnehmer*innen sein müssen, die jeweils, wenn sie selbst dafür bezahlen und der Workshop nicht gefördert wird, 50 € ausgeben. Je mehr Teilnehmer*innen es gibt, desto günstiger kann der Preis theoretisch ausfallen, aber das lässt sich vorab oft schlecht einschätzen. Außerdem bringe ich auch eine große Bandbreite an Expertise mit, im Schreiben verschiedener Genres ebenso wie im wissenschaftlichen Schreiben, habe Abschlüsse im literarischen Lektorieren und Korrigieren vorzuweisen, und habe mittlerweile viele Buchprojekte betreut. Diese Expertise darf ruhig entlohnt werden. Und was in den jeweiligen Workshops vermittelt wird, welche Theorien angewandt werden, stelle ich ebenfalls von vornherein klar.

Schreibworkshops dürfen also durchaus Geld kosten, und sollten es auf jeden Fall, wenn sie nicht gefördert werden. Wenn ihr als Institution einen Workshop bei Personen anfragt, dann ist ein guter Mittelwert 500 € für einen Schreibworkshop mit maximal 10 Teilnehmer*innen. Wenn es Feedback für Schreibprojekte geben soll, muss sich das Honorar erhöhen.

Wenn ihr aber als Einzelpersonen Angebote für Gruppenworkshops für mehr als 150 € pro Person seht, die weniger als 5 Stunden umfassen und online stattfinden (bei 1 Stunde sind 150 € definitiv eine Einzelbegleitung!), wäre ich skeptisch. Abschlüsse und Erfahrung sind nicht alles, aber es ist sinnvoll, sich anzusehen in welchen Bereichen die Personen arbeiten, bei denen ihr Workshops oder Lektorate buchen wollt. Wie involviert sind sie im Literaturbetrieb, wie gut kennen sie sich damit aus? Welche Erfahrungen haben sie mit dem Genre, das ihr schreiben wollt? Das heißt nicht, dass diese Personen dem Betrieb gegenüber nicht auch sehr kritisch eingestellt sein können. Aber Personen, die solche Workshops anbieten, sollten eine ausgewiesene Expertise haben — und Impulse, Theorie- und praktische Anteile im Workshop setzen, statt sich ausschließlich auf den Input der Teilnehmenden zu verlassen (auch wenn dieser immer ein großer Teil von solchen Workshops ist).

Schreibangebote online: Pyramid Schemes?

Bei den vielen Angeboten, die es mittlerweile gibt, und die anderen häufig beibringen, selbst Angebote zu vermitteln, verdichtet sich bei mir der Eindruck, dass Schreibworkshops kurz davor sind, Pyramid Schemes zu werden.

Ein Pyramid Scheme, zu Deutsch auch Schneeballsystem oder Pyramidensystem, ist ein System, in dem die Einnahmen nach oben fließen. Wer neu einsteigt, zahlt Geld an die Person, die sie angeworben hat, und diese wiederum zahlt Geld an die Person, die sie angeworben hat, etc. Die Personen an der Spitze eines solchen Systems streichen das ganze Geld ein, während die große Mehrheit der Personen Verluste einfährt.

Ich will ganz klar sagen: Die meisten Schreibangebote sind meilenweit von Pyramid Schemes entfernt.

Aber: Angebote, die sich nicht mit bestimmten Schreibtheorien auseinandersetzen oder nicht das Schreiben der Teilnehmenden in den Fokus nehmen, sondern sich stattdessen vor allem aus Versprechungen bestehen, sollten kritisch hinterfragt werden. Wenn das Angebot ist, euch beizubringen, Kurse anzubieten, sollte dies nur von dafür ausgegebildeten Personen passieren. Personen, die euch im Schreiben coachen wollen, sollten vor allem ehrlich sein. Sie sollten konstruktive Kritik üben und euch sagen, wenn eure Texte noch nicht soweit sind. Ihr braucht keine Person, die euch nicht wirklich dabei hilft, euer Schreiben zu verbessern, sondern vor allem daran interessiert ist, euch als Kund*innen zu erhalten.

Kostenlose Angebote

Weil es mittlerweile so viele verschiedene Angebote gibt, und es schwer ist, den Überblick zu behalten, habe ich beschlossen, dass ich drei kostenlose Formate anbieten möchte, den (im April 2026 gestarteten) Autor*innenlesezirkel (live in Hamburg und online, online gibt es noch vereinzelte Plätze) auf Deutsch, einen kostenlosen Schreibworkshop mit Schreibaufgaben und theoretischem Input auf Englisch ab Herbst 2026, und den Club der Eulen / Nightowl Club, einen Space für gemeinsames Schreiben auf Discord, ab Sommer 2026. Für den Schreibworkshop gibt es für zahlende Mitglieder auf Steady und Substack zusätzliche Feedbacksessions auf Discord. So könnt ihr gemeinsam mit anderen herausfinden, ob das Schreiben etwas für euch ist, ohne vorab bereits viel Geld investieren zu müssen. Wenn ihr danach an einem weiterführenden Workshop oder einer 1:1-Beratung bei Schreib Coaches teilnehmen wollt, könnt ihr damit hoffentlich eine fundiertere Entscheidung treffen.

Wer hierzu auf dem Laufenden bleiben möchte, kann den kostenlosen Newsletter hier auf Steady abonnieren oder freies Mitglied auf Substack werden.

Ich freue mich schon sehr darauf, bald mit euch zu schreiben und zu lesen und über das Schreiben zu diskutieren!

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