Ein Interview mit der diplomierten Wiener Stressmanagerin Simone Arlits über die besonderen Stressbelastungen
von Frauen.
Viele Frauen tragen eine Last, die von außen fast unsichtbar ist: Mental Load, Perfektionsdruck und die Erwartung, für alle da zu sein. Geprägt vom „Good Girl Syndrom“ werden Frauen früh dazu sozialisiert, lieb, angepasst und leistungsbereit zu sein – und landen ann nicht selten im „Likability Cage“, in dem die eigenen Bedürfnisse keinen Platz mehr haben. Die Folge: Stress wird zum Dauerzustand und oft sogar als Zeichen von Stärke missverstanden. Warum Stress kein Statussymbol ist, weshalb Erschöpfung kein persönliches Versagen bedeutet und wie Frauen lernen können, gesunde Grenzen zu setzen, dazu gibt die diplomierte Wiener Resilienz- und Stressexpertin Simone Arlits konkrete Antworten. Plus: nützliche Tipps für mehr Selbstfürsorge und einen gesünderen Umgang mit den vor allem gesellschaftsbedingten Belastungen.
*Hinweis vorweg: Alle Fachbegriffe und genannten Expertinnen
aus dem Text werden am Ende des Interviews noch einmal näher beleuchtet.
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STORY.HELDIN: Liebe Simone, zu dir kommen Frauen, die eine Erholung vom Stress suchen. Deiner Erfahrung nach, was sind die häufigsten Ursachen für ihren Stress?
Simone Arlits: Auf den ersten Blick sind es äußere Stressoren wie etwa hoher Druck in der Arbeit, ein enormer Mental Load und
der Spagat zwischen Job, Familie und weiteren Verpflichtungen, die unter einen Hut zu bekommen sind. Doch was oft viel schwerer wiegt sind innere Stressoren, also Überzeugungen, die vor allem Frauen mit sich herumtragen. Da sind Glaubenssätze wie „Ich bin nicht genug“, Selbstzweifel, mangelndes Selbstwertgefühl und sozio-kulturell geprägte Stressoren, die sich etwa im „Good Girl Syndrom“ und im „Likability Cage“ zeigen.
Kannst du das „Good Girl Syndrom“ und den „Likability Cage“ kurz erklären?
Das „Good Girl Syndrom“ steht für eine Prägung aus der Kindheit: Frauen lernen, dass sie gemocht werden, wenn sie lieb, brav und leise sind. Sie gehen in die Überanpassung, ignorieren eigene Wünsche und Grenzen. Merkmale davon sind zum Beispiel das People-Pleasing und Leistungszwang – also der eigene Selbstwert wird über Fleiß, Lob von außen und Funktionieren definiert.
Der „Likability Cage“ ist der Käfig, in den sich die so genannten „Good Girls“ selbst hineinmanövrieren, auch dann noch, wenn sie erwachsen sind. Bloß niemandem zur Last fallen, nicht anecken, lieber weiter funktionieren und dabei die eigenen Bedürfnisse verdrängen. Was letztlich meist in emotionaler Erschöpfung endet. Geprägt hat diesen Begriff übrigens die US-amerikanische Psychotherapeutin Nancy Colier.
Und wie zeigt sich dann diese Erschöpfung? Gibt es Symptome, die bei allen gleich sind?
Jeder Körper geht anders mit chronischem Stress um. Es laufen also nicht bei jeder Frau die gleichen Symptome nach Schema F ab. Die gängigsten Symptome treten aber doch bei vielen auf. Das sind etwa Kopfschmerzen, Verspannungen im Kiefer-, Schulter- und Nackenbereich, Herzstolpern, Magenschmerzen, bleierne Müdigkeit, Schlafstörungen, übermäßiges Grübeln und Gedankenkreisen und eine geringere Aufmerksamkeitsspanne.
Damit einher geht dann auch oft die so genannte „kurze Zündschnur“. Bedeutet: Wir reagieren heftiger als üblich, sind ungeduldiger und schneller gereizt.
Es gibt aber auch Anzeichen, die wahrscheinlich weniger bekannt sind: Wir sind schreckhafter und ängstlicher und uns fällt
es schwer Entscheidungen zu treffen – die so genannte „Entscheidungslähmung“ –, wir sind tollpatschiger als normal, uns fällt öfter etwas aus der Hand, wir stoßen uns öfter den Ellenbogen am Türrahmen an, weil wir die Kurve zu eng nehmen. Auslöser ist eine gestörte Propriozeption.
Propriozeption?
Propriozeption bezeichnet die Wahrnehmung des eigenen Körpers im Raum. Ist sie durch chronischen Stress beeinträchtigt, werden wir oft ungeschickter, stoßen uns häufiger oder lassen Dinge fallen.
Es gibt auch andere Hinweise auf chronischen Stress im Körper. Wie zum Beispiel, dass wir die Kaugeräusche unseres Partners/unserer Partnerin beim Essen nicht mehr ertragen können. Und auch das Hinauszögern des Zubettgehens gehört dazu. Immerhin ist der späte Abend oft die einzige Zeit des Tages, in der wir Selbstbestimmung verspüren. Der Fachbegriff dazu lautet: Revenge Bedtime Procrastination. Ich mache hier mal einen Punkt, aber die Liste könnte ich noch fortsetzen. Chronischer Stress zeigt sich auf vielfältige Art und Weise.
Deiner Expertise nach - wie schaffen es Frauen trotz dieser Belastungen so lange durchzuhalten?
Sehr viele Frauen haben dieses Funktionieren eben schon von klein auf gelernt, es bei ihrer Mutter und Großmutter beobachtet. Die Adaptionsfähigkeit eines jeden Körpers ist individuell. Fakt ist aber, dass die Erschöpfung irgendwann einsetzen wird. Tritt dieser Punkt ein, hat der Körper die Notbremse gezogen. Dann geht meist nichts mehr und die Diagnose lautet sehr oft „Burnout“.
Und wie gelingt es Frauen vor diesem Punkt das Kostüm der Superheldin abzustreifen?
Ja, dieses Superheldin-Kostüm ist problematisch. Nach außen wirkt alles stark und heldinnenhaft. Doch gerade Frauen sind häufig vom so genannten „stillen Burnout“ betroffen. Dabei funktioniert man weiterhin wie gewohnt. Das Umfeld merkt nichts davon. Mit vermeintlichen Superkräften werden die
To-Dos abgehakt und die Bedürfnisse aller anderen erfüllt.
Nur innen drin sieht es anders aus: Im „stillen Burnout“ empfinden Frauen eine tiefe emotionale Erschöpfung und
innere Leere. Und um diesen Funktionsmodus abzulegen,
braucht es die Bereitschaft, den Mut und das Bewusstsein.
Die Bereitschaft einmal genau hinzusehen, die Stressoren wahrzunehmen, eigene Verhaltensweisen und Muster zu reflektieren, dann auch Ressourcen etwa durch Resilienztraining aufzubauen, um nachhaltig etwas zu verändern.
Von außen wird einem niemand freiwillig die Aufgaben abnehmen, dafür ist das Funktionieren der Frau viel zu
bequem für andere. Wir, die Frauen, müssen es selbst ablegen.
Was sagst du Frauen, die permanent erschöpft sind und trotzdem
das Gefühl haben, sie müssen „noch ein bisschen belastbarer“ werden?
Ich sage ihnen: Du tust genug und du bist genug! Deine Erschöpfung geht nicht weg, indem du noch mehr und oder alles noch schneller machst, noch strenger mit dir selbst bist und deine Ansprüche an dich noch weiter erhöhst. Im Zustand permanenter Erschöpfung ist das Nervensystem im Überlebensmodus, es wiederholt Gewohntes, auch wenn diese Gewohnheiten zur Erschöpfung führen.
Menschen in diesem Zustand entwickeln einen Tunnelblick, sie laufen im Autopiloten und können dann meist nicht mehr erkennen, dass sie ihrer Gesundheit schaden. Und genau an dieser Stelle ist professionelles Stressmanagement unerlässlich – um am Ende eben dem Burnout vorzubeugen.
Wie erkennt man den Unterschied zwischen normalem Alltagsstress und einem Zustand, in dem der Körper bereits chronisch überlastet ist?
Stress per se ist erst einmal nicht negativ. Alltagsstress ist so lange unbedenklich, wie wir bewusst für Ausgleich sorgen und unsere Energiereserven regelmäßig wieder auffüllen. Auch das Stresshormon Cortisol muss nicht verteufelt werden.
Wir brauchen Cortisol etwa in der Früh, um überhaupt aufzustehen und in die Gänge zu kommen.
Interessant. Kaum ein Hormon wird derzeit so intensiv diskutiert wie Cortisol. In den sozialen Medien geht es ständig darum, wie man den Cortisolspiegel senken kann.
Problematisch wird Cortisol erst dann, wenn der Spiegel dauerhaft erhöht bleibt und der Körper nicht mehr aus dem Stressmodus herausfindet. Ob das der Fall ist, zeigt sich oft an einfachen Fragen wie: Können wir noch wirklich abschalten? Fällt es uns leicht, nichts zu tun?
Fühlen wir uns nach einem ruhigen Wochenende erholt und nach einer Nacht mit ausreichend Schlaf wieder kraftvoll – oder tragen wir die Erschöpfung trotz Pausen weiter mit uns herum?
Hinzu kommen die genannten körperlichen Symptome, die sich bei chronischem Stress einstellen können. Und ebenso der Zustand der Hypervigilanz, wie du ihn in deinem Artikel „Im Dauerstress zur Superheldin“ (Öffnet in neuem Fenster) beschreibst, als Anzeichen für ein anhaltend überlastetes Nervensystem.
Es gibt Frauen, die sagen, dass Stress zu einem Teil der eigenen Identität gehört: ‚Ich bin eben so, ich habe immer Stress‘.
Wenn wir dauerhaft unter Strom stehen, wird dieser Zustand zum „neuen Normal“. Wir nehmen dann an, dass wir eben andauernd irgendetwas tun müssen, dass uns diese „Hummeln
im Hintern“ halt ausmachen und wir nicht der Typ fürs Nichtstun sind.
Und dann geht’s in den High Intensity Sport, weil wir uns nur dabei richtig spüren. Wir halten uns immer beschäftigt, Waldspaziergang ja, aber mit Podcast auf den Ohren, Yoga ist gut aber auch nicht intensiv genug und Meditation langweilig.
Ganz wichtig an dieser Stelle: Ich sage so etwas nie wertend, sondern aus Sicht einer Stress- und Nervensystem-Expertin.
Und ich sage damit auch nicht, dass wir alle Yoga lieben müssen und High Intensity Sportarten falsch sind. Jede Frau muss ihren passenden Ausgleich finden. Doch im entsprechenden Kontext sind das für mich bereits Hinweise, die auf chronischen Stress hindeuten können. Denn für ein dysreguliertes Nervensystem wirken Ruhe, Pausen und Nichtstun wie eine Gefahr, weil es diese Zustände nicht mehr kennt – und auch nicht mehr kann.
Welche körperlichen Warnsignale sollten Frauen ernst nehmen, bevor aus chronischem Stress eine ernsthafte gesundheitliche Belastung wird?
Körperliche Warnsignale sollten generell immer ernst genommen werden, da gibt es jetzt keine, die weniger oder mehr ernst zu nehmen wären als andere. Anhaltende Schlafstörungen können zu einer massiven gesundheitlichen Belastung werden und weitreichende Auswirkungen haben. Unbedingt ernst nehmen sollten Frauen auch Warnsignale auf mentaler und emotionaler Ebene: Wenn Gedankenkreisel eine Negativspirale auslösen
oder sich eine emotionale Taubheit einstellt, in der man das Gefühl hat, gar nichts mehr zu fühlen und sich eine gewisse Abgestumpftheit ausbreitet.
Wenn Frauen nun Schwierigkeiten haben „Nein“ zu sagen oder Verantwortung abzugeben. Immerhin wirken die sozialisierten gesellschaftliche Erwartungen tief. Hast du einen Tipp, wie man langfristig lernen kann, gesunde Grenzen zu setzen?
Das Lernen bzw. Wiedererlernen von echter Selbstfürsorge ist der Schlüssel, um gesunde Grenzen zu setzen – und damit meine ich nicht Selbstfürsorge, wie es uns die milliardenschwere Selfcare-Industrie glauben machen will.
Don’t get me wrong: Schaumbad, Treatment & Co. sind angenehm und super für Me-Time, aber sie helfen uns nicht dabei, öfter Nein zu sagen.
Ein Zitat von Psychotherapeutin Nancy Colier hat sich bei mir eingebrannt: „You don’t need the spa, you need you.“ Selbstfürsorge ist also keine Aktivität und kein Ding, sondern vielmehr eine Beziehung, die du zu dir selbst aufbaust und pflegst. Diese echte Selbstfürsorge fällt vielen Frauen schwer, weil sie letztlich ja auch diese Sozialisierung und die gesellschaftlichen Erwartungen an sie in Frage stellt.
Deshalb lohnt sich eine professionelle Begleitung, die dabei unterstützt zwischen Stress und Selbstfürsorge eine Balance herzustellen. Step by step kann sie so ihren Selbstwert stärken,
um dann im nächsten Schritt gesunde Grenzen zu setzen –
ganz ohne schlechtes Gewissen.
Es gibt wieder mal ein neues Lifestyle-Buzzword: Longevity –
das auch oft im Zusammenhang mit Stressmanagement vorkommt. Was hältst du davon?
Longevity bedeutet nichts anderes als Langlebigkeit. Das Thema erlebt derzeit einen regelrechten Hype und wird zunehmend als Lifestyle-Trend vermarktet – nicht zuletzt, weil sich rund um den Wunsch nach einem langen, gesunden Leben ein lukrativer Markt entwickelt hat. Ich halte den Ansatz an sich für gut: Auf sich selbst schauen, Stress reduzieren, auf Grundbedürfnisse wie guten Schlaf, ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung achten.
Und jetzt das ABER… also was findest du nicht gut daran?
Dass im Zuge des Hypes vor allem Biohacking-Angebote in den Vordergrund gerückt werden, die teilweise kostspielig sind und auf Selbstoptimierung abzielen. Selbstoptimierung kann zum Gegenteil von echter Selbstfürsorge werden und damit auch zum Stressor avancieren: Weil wir immer besser, schneller, fitter, dünner werden wollen.
Das ist eine unendliche Geschichte! Und im worst case wird
aus Selbstoptimierung dann Selbstkorrektur.
Viele Frauen haben weder die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu reduzieren noch ihre familiären Verpflichtungen abzugeben.
Wie können sie trotzdem präventive Maßnahmen für den Alltag umsetzen?
Veränderung kann nur dort stattfinden, wo sie in unseren
Alltag passt und wo sie Spaß macht. Sie erfolgt in kleinen Schritten – nach und nach.
Und besonders wichtig: Frauen erlauben sich diese positive Veränderung oft nicht, haben ein schlechtes Gewissen,
denken, es stünde ihnen nicht zu.
Deshalb im ersten Schritt: Gib dir selbst die Erlaubnis, diese präventiven Maßnahmen in deinen Alltag zu integrieren und dir dafür Zeit zu nehmen. Um Stress besser zu bewältigen, ist die Förderung von Resilienz wichtig.
Mit meinen Klientinnen arbeite ich deshalb daran, individuelle Ressourcen zu entdecken und in ihrem Leben zu verankern. Damit die nächste Stresswelle sie nicht komplett überrollt, sondern sie zu guten Surferinnen werden.
Was im ersten Schritt wirklich hilft: Druck rauszunehmen.
Es geht bei diesen Veränderungen nicht um zeitfressende Routinen, die mühsam etabliert werden müssen.
Routinen sind super, aber manchmal eben zu starr. Ich setze
in der Zusammenarbeit mit Frauen deshalb auf Rituale.
Die kleine Schwester der Routinen, die wesentlich flexibler einsetzbar und ebenso wirksam sind.
Wenn eine Frau jeden Tag nur zehn Minuten für sich hätte:
Wofür würdest du diese Zeit aus Sicht der Stressforschung nutzen?
Ich würde zuerst checken, wie es um meine Stresskompetenz bestellt ist, um zu wissen, in welchen Bereichen ich bereits gut aufgestellt bin und wo es zukünftig noch Förderung bedarf.
So kann ich dort andocken, wo wirklich Veränderungsbedarf ist, anstatt wild drauf los zig verschiedene Tools und Hacks einzusetzen.
Ich würde mir die Zeit nehmen, ganz genau zu verstehen, in welchen Situationen ich Stress empfinde und dann beobachten, was in diesen Momenten mit mir passiert. Das schafft Bewusstsein für meine Ressourcen im Detail. Wenn das dann als Basis steht, kann ich mir überlegen, was mein Ziel ist und wofür ich diese zehn Minuten am Tag einsetzen will.
Eine Notfallmaßnahme: Wenn eine Frau merkt, dass ihr Stresslevel
zu hoch ist: Welche Maßnahme würdest du als Erstes empfehlen,
die sofort umsetzbar sind?
Bei akutem Stress feuert unsere Amygdala, das Emotionszentrum in unserem Gehirn, und gibt Vollgas. Der präfrontale Kortex, der Bereich des Gehirns hinter unserer Stirn, sorgt normalerweise für eine entsprechende Emotions- und Impulskontrolle. Steht die Frau ständig unter Stress, kippt dieser Mechanismus.
Die Kontrolle gelingt nicht mehr ausreichend. Was also hilft, sind Maßnahmen, die bewusst neue Impulse setzen und den präfrontalen Kortex aktivieren.
Für Letzteres eignet sich Kopfrechnen hervorragend. Oder wer es nicht so mit Zahlen hat: Bei der ABC-Übung überlegt man sich für jeden Buchstaben des Alphabets ein Wort. Das aktiviert unsere Steuerzentrale.
Neue Impulse setzen gelingt super über unsere Sinne: Man konzentriert sich dann ganz bewusst auf das, was man hört, sieht, riecht, fühlt und schmeckt.
Die dritte Übung, die ich empfehle, nenne ich Druckventil.
Mit ihr setzt man ebenfalls einen neuen Impuls, diesmal allerdings über das Anspannen der Muskulatur. Geht überall, auch im Büro: Einfach einen Gegenstand nehmen wie z.B. einen Kugelschreiber. Mit beiden Händen umfassen und drücken, alle Muskeln anspannen, halten. Und dann mit einer langen Ausatmung lösen. Ein paar Runden wiederholen.
Und abschließend: Welche Wahrheit über Stress möchtest du jeder Frau gerne mit auf den Weg geben?“
Stress ist nicht Teil deiner Identität, Stress ist kein Statussymbol und Stress ist viel mehr als nur ein Gefühl. Ich habe oft den Eindruck, dass es als cool oder zumindest normal angesehen wird, dauerhaft gestresst zu sein. Das ist der größte Irrglaube, verharmlost chronischen Stress extrem und gefährdet die Gesundheit!
Stress ist ein biochemischer Prozess im Körper, der eine ganze Kaskade von körperlichen Reaktionen auslöst. Wenn diese Stressenergie anhaltend hoch ist, schädigt das unsere Gesundheit. Es ist wichtig, Stress und den auslösenden Stressoren echte Aufmerksamkeit zu schenken und wir müssen uns die Zeit nehmen – gerade, wenn wir denken, sie nicht zu haben – um
uns mit Stressbewältigung, Resilienzförderung und Selbstfürsorge auseinanderzusetzen.
Die Wahrheit? Wir verharmlosen chronischen Stress und anhaltende Überforderung und normalisieren Hustle Culture und Funktionieren, während die Zahlen eindeutig belegen, dass Burnout, emotionale Erschöpfung, chronische Krankheiten und Depressionen stetig steigen. Gerade bei Frauen.
Es ist Zeit, aufzuwachen und gerade für Frauen, sich selbst
wichtig zu nehmen.
Danke für dieses stressfreie und äußerst lehrreiche Interview,
liebe Simone. Wir freuen uns auf euer Feedback!
Über Simone Arlits, Gründerin von for:rest (Öffnet in neuem Fenster)
(Öffnet in neuem Fenster)Stress kennt Simone Arlits nicht nur aus ihrer Arbeit mit Klientinnen – sie hat ihn selbst erlebt. Viele Jahre war sie als Journalistin tätig, später in einer leitenden Position im Marketing. Ein Alltag voller Verantwortung, hoher Erwartungen und ständiger Belastung. Irgendwann wurde ihr klar:
Dauerstress ist kein Statussymbol, sondern ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko.
Heute begleitet die diplomierte Resilienz- und Stressmanagerin mit for:rest Frauen dabei, wieder in Verbindung mit sich selbst zu kommen. In One-on-One-Mentorings, Workshops und im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung zeigt sie Wege auf, wie Stress nachhaltig reduziert und Resilienz gestärkt werden kann. Dabei setzt sie auf einen ganzheitlichen Ansatz, der Gespräch, Bewegung, Achtsamkeit und Natur verbindet.
Mit ihrem Angebot schafft sie Räume für echte Erholung – nicht nur in ihrem Praxisraum in Wien, sondern auch online.
Zudem nutzt sie die heilsame Wirkung der Natur und integriert Waldbaden, in Japan als Shinrin Yoku bekannt. Fernab von Leistungsdruck und To-do-Listen entsteht so ein Ort, an dem Frauen durchatmen, zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen können.
Du möchtest Druck rausnehmen? Dann hat Simone ein Angebot für dich: Ein kostenloses 15-minütiges Erstgespräch.
Buchbar über den Link in Bio auf Instagram @for.rest.mentoring (Öffnet in neuem Fenster)
und auf ihrer Seite hier: https://forrestmentoring.my.canva.site/ (Öffnet in neuem Fenster)
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Foto Aufmacher: LOGAN WEAVER | @LGNWVR
Und hier noch alle Begriffe und Nennungen aus dem Text - etwas weiter ausgeführt:
Das „Good Girl Syndrom“ beschreibt die frühe Prägung vieler Frauen, brav, hilfsbereit und angepasst zu sein. Die eigenen Bedürfnisse treten dabei oft in den Hintergrund, während Anerkennung und Selbstwert an Leistung und das Wohl anderer geknüpft werden.
Der „Likability Cage“ beschreibt die Falle, ständig gemocht werden zu wollen. Viele Frauen lernen früh, Konflikte zu vermeiden, für Harmonie zu sorgen und die Bedürfnisse anderer über die eigenen zu stellen. Das macht sie zwar beliebt, kann aber langfristig zu Überforderung, Stress und emotionaler Erschöpfung führen.
Nancy Colier ist eine US-amerikanische Psychotherapeutin und Autorin. Sie prägte den Begriff „Likability Cage“, der die gesellschaftliche Erwartung beschreibt, stets sympathisch, angepasst und gefällig zu sein – oft auf Kosten der eigenen Bedürfnisse.
People Pleasing beschreibt das Bedürfnis, es allen recht machen zu wollen. Um Harmonie zu wahren und Anerkennung zu erhalten, stellen Betroffene die Bedürfnisse anderer häufig über ihre eigenen.
High-Intensity-Sportarten sind besonders intensive Trainingsformen, bei denen der Körper über kurze Zeit stark belastet wird. Dazu zählen etwa HIIT (High Intensity Interval Training), CrossFit, Spinning, Sprinttraining oder intensive Bootcamp-Workouts.
Revenge Bedtime Procrastination bezeichnet das bewusste Hinauszögern des Zubettgehens, obwohl man müde ist. Betroffene verzichten auf Schlaf, um sich am Ende eines fremdbestimmten Tages noch Zeit für sich selbst, Entspannung oder ein Gefühl von Kontrolle zurückzuholen.
Hypervigilanz bezeichnet einen Zustand dauerhafter Alarmbereitschaft. Das Nervensystem ist dabei ständig auf mögliche Gefahren oder Probleme fokussiert, wodurch Betroffene schwer abschalten können und oft besonders wachsam, angespannt oder schreckhaft reagieren.
Longevity bezeichnet das Streben nach einem langen, gesunden Leben. Während der Ansatz auf Prävention, Bewegung, Ernährung und Stressreduktion setzt, wird er zunehmend auch als Lifestyle-Trend vermarktet und mit Selbstoptimierung in Verbindung gebracht.