Zum Hauptinhalt springen

Die Welle und das Meer

Jeden Mittwoch verschicke ich einen Impuls für mehr Rhythmus im Leben. Heute: Wellenkunde

🎼

Magst du das auch? Am Strand sitzen, den Horizont anschauen und auf den Klang der Wellen hören, die rhythmisch an den Strand rollen? Wenn sich eine Welle zurückzieht, gibt es noch mal ein kurzes schäumendes Klackern der Steinchen, die Richtung Strand hin und her getragen werden. Dann kommt auch schon die nächste Welle, die nächste, die nächste und so fort. Wer ans Meer kommt, den begrüßen die Wellen. Das ist sicher.

Wie entstehen Wellen?

Wind und Wellen hängen unmittelbar zusammen. Je stärker es bläst, desto höher die Brandung.

Er muss aber auch aus der richtigen Richtung kommen. Zumindest bei leichtem ablandigen Wind bleibt die See flach wie ein Spiegel.

Bruno Kremer gebraucht in seinem Buch (Öffnet in neuem Fenster) „Strandkorb-Sammelsurium – Naturwissen für die schönsten Tage des Jahres“ das Bild des gefüllten Kaffeebechers mit der Meeresoberfläche. Wer morgens pustet, damit sich das Getränk schneller abkühlt, erzeugt kleine Kaffeewellen. Vorhandene Schaumbläschen treiben auf den jenseitigen Tassenrand zu.

Kostenfrei 🌊

Auch am Meer sei die Luftbewegung überwiegend der Auslöser für den Seegang. Der Wind schiebt das Wasser an. Ausschließlich Luftbewegungen verursachten das Geplätscher oder die tosende Brandung an der Küste, „wenn Welle auf Welle auf den Strand zurollt, sich Stiel aufbäumt, nach vorne überkippt und als brodelnder Gischtberg auf den Strand zudonnert“.

Wellen entstehen auch durch die Wasserbewegungen bei Ebbe und Flut. Es können sich dann „Gezeiten“-Wellen bilden. Seebeben können bis zu mehrere 100 Kilometer lange Wellen im Meer, Tsunamis, auslösen.

Wellengang und Wellenkunde

Wellen können beruhigen, sie können aber auch gefährlich werden. Im Fachjargon spricht man je nach Windstärke von einer glatten See (windstill), einer ruhigen, einer schwach bewegten, einer leicht bewegten, einer groben, einer sehr groben, einer hohen, einer sehr hohen und schließlich einer außergewöhnlich schweren See (Windstärken 11 und 12, Orkan).

„Keuchend und schnaubend wie ein wahnsinniges Schlachtross, das seinen Reiter verloren hat, überrennt der herrenlose Ozean die Welt.“ (Herman Melville „Moby-Dick“, Kapitel 58)

Die Wellen reichen von leichten Kräuselwellen (Windstärke 1) über kleine kurze Wellen, Wellen mit vereinzelten Schaumkronen bis hin zu großen Wellen, deren Kämme brechen und Schaumflächen hinterlassen, und schließlich außergewöhnlich hohe Wellenberge. Die Sicht ist dann schlecht oder es gibt überhaupt keine Sicht, weil die Luft mit Gischt und Schaum vermischt ist.

Die Wellen können bei Orkan über der Tiefsee wie dem Atlantik Wellen erzeugen, die mehr als 20 Meter hoch sind. Monsterwellen können bis zu 40 Meter (Öffnet in neuem Fenster) hoch werden. Auf der flacheren Nordsee entstehen bei Windstärke 11 oder 12 Wellen, um die sechs Meter hoch sind.

Wellen können nicht unendlich weiterwachsen. „Ist eine bestimmte Wellensteilheit erreicht, dann bricht die Welle. Sie gibt Energie ab und wird kleiner“, schreiben (Öffnet in neuem Fenster) Christiane Eschenbach und Michael Streßer vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Zentrum für Material- und Küstenforschung. Weder die Zusammenhänge beim Anwachsen der Wellen noch die Abgabe der Wellenenergie beim Wellenbrechen seien bisher wissenschaftlich gut verstanden.

Wellenkundler beschreiben Wellen mit Hilfe von drei Kenngrößen: der Wellenhöhe, der Wellenlänge, also dem Abstand zwischen zwei Wellenbergen, und schließlich der Periode, also der Zeit, die es braucht, bis an einem definierten Ort die nächste Welle vorbeikommt. Wenn wir auf einer Sandbank stehen und auf die nächste Welle warten, in die wir uns hineinstürzen können, wissen wir genau, wie sich diese Wellenperiode anfühlt.

Die Energie der brechenden Welle verändert die Küste. In welchem Ausmaß hängt ab vom Wind, den Strömungen und dem Meeresboden. Wenn eine Welle auf den Strand zuläuft, wird sie höher. Woher kommt das? Weil die Wassertiefe abnimmt, wird der Platz zunehmend enger. Das Wasser kann nur noch nach oben ausweichen, türmt sich auf und bricht.

Wie stark sich die Wellen in der Brandung aufbauen, hängt mit der Beschaffenheit des Meeresbodens (Öffnet in neuem Fenster) zusammen. Höhere Brecher gibt es dort, wo es plötzlich flach wird. Wird es langsam flacher, trudelt auch die Welle langsamer aus.

Das Auf und Ab der Wellen begleitet uns am Meer. Auch im Leben schließt sich eine Welle der nächsten an. Mal grob schäumend mit schlechter Sicht, dann wieder ruhig und schwach bewegt. Auch das ist sicher.

„Schönheit ist empfundener Rhythmus. Rhythmus der Wellen, durch die uns alles Außen vermittelt wird. Oder auch: Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.“ (Christian Morgenstern, Stufen, Piper Verlag, 1922)

“Taktvoll – über die Rhythmen des Lebens” ist ein Projekt der freien Wissenschaftsjournalistin Dr. Ulrike Gebhardt. Hilf mit, damit es weitergehen kann:

https://steady.page/de/taktvoll/posts/a10f9c84-97dc-4b09-9aab-1c97f16eea8d (Öffnet in neuem Fenster)https://steady.page/de/taktvoll/posts/7f11799f-9c4a-4e48-a92a-74d66dff8dad (Öffnet in neuem Fenster)https://steady.page/de/taktvoll/posts/1214bae8-0805-4938-8635-e0ed45bc2bd4 (Öffnet in neuem Fenster)
Kategorie Natur + Rhythmus

0 Kommentare

Möchtest du den ersten Kommentar schreiben?
Werde Mitglied von Taktvoll und starte die Unterhaltung.
Mitglied werden