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Im Tal der Toten

Hinweis: Der folgende Text zur Thumbnailpreview basiert auf dem Chatverlauf und den Würfelergebnissen von Toni und Flemming, die abseits des Tisches Oma Titubas Geschichte weitergespielt haben, als diese beim letzten Mal die Noctivagus-Truppe nicht begleiten konnte. Sie spielt zeitgleich zur Episode 0, Staffel 2.

Der grüne Nebel hängt zwischen den Säulen der alten Gruft wie seidener Stoff. Er kriecht über den Boden, verschluckt Knochen und Fleisch, während er sich in den Tiefen der Pflastersteine sammelt, als würde dort die Dunkelheit selbst ihren Ursprung finden.

Tituba erhebt sich inmitten eines Kreises aus Kristallen und Blut. Alcassra weicht ihrem Blick aus. Die Unke räuspert sich und seine Stimme verliert sich in den Tiefen der Gruft.

„Ich brauche einen Teil deines Körpers, damit der Zauber funktioniert. Ich werde sie für ein paar Stunden täuschen können. Danach sind wir jedoch quitt.“

Langsam hebt Tituba die langen, spinnenhaften Finger ihrer rechten Hand. An jedem Nagel kleben die Rückstände des Rituals. Sie zittert. Ihre Krämpfe werden schlimmer. Ohne zu zögern packt sie den Nagel ihres Daumens und Alcassra verzieht das Gesicht, während das feuchte Knacken die Stille durchbricht. Das Blut rinnt ihr über die Handfläche. Dick und schwarz wie Teer. Tituba jedoch verzieht keine Miene und wirft den Nagel in Alcassras Richtung.

Schweigend beobachtet sie, wie die Haut der Unke sich spannt, aufreißt und sich an anderen Stellen zusammenzieht. Die Knochen brechen, splittern, wachsen neu zusammen und seine Schreie klingen bereits anders. Wie ihre. Tituba blickt einen letzten Moment in ihr falsches Ebenbild, bevor sie den grünen Nebel ihrer Laterne durchschreitet. Durch diesen Zauber würde Noctivagus ihre Abwesenheit nicht mitbekommen und Alcassra ihr genug Zeit für ein Gespräch mit dem Zirkel der Zenár Ebene verschaffen.

Die weiten offenen Wiesen und Hügel unter der Sonne machen Tituba zu schaffen. Nach einiger Zeit findet sie jedoch den passenden Blumenkreis und hebt den Blick, um in die Sonne zu starren. Es vergehen nur wenige Sekunden und Tituba erblindet für einen kurzen Moment. Als ihre Sicht zurückkehrt, steht sie in einem von siechenden Wurzeln durchtränkten Raum. Das kugelförmige Gebilde um sie herum wirkt wie eine Art Käfig, dessen verrottende Gitter sich wie fliehendes Ungeziefer zurückziehen.

Tituba blickt in die emporragenden Häupter der Hexen von Zenár. Missgebildete, durch große Macht entstellte Gesichter starren zurück. Ein krächzendes Gemurmel erfüllt den Raum. Der Boden unter ihr regt sich, als sie sich in Richtung der Mutter Oberin dreht. Tausende kleine Beine huschen über und unter ihren Füßen hinweg. Allein der purpurne Nebel verhindert, dass sie sehen kann, was für Getier sich dort befindet.

Tituba ist sich bewusst, dass lediglich die Hilfe des Zirkels und ihr verbotenes Wissen ihr dabei helfen können, die vollständige Verwandlung zu vollziehen und ungewollte Veränderungen zu verhindern. Und ihre Zuckungen, die Kontrollverluste werden schlimmer. Das kratzende Geflüster scheint aus allen Richtungen zu kommen und echot durch ihren Kopf.

„Was führt dich zum Zirkel? Was willst du wissen?“

„Ich brauche eure Hilfe, Mutter Oberin. Lasst mich an eurer Weisheit Teil haben! Mein Körper hält die Verwandlung nicht aus…Frauen wie wir wurden schon immer gequält, verfolgt und getötet. Ich darf noch nicht sterben. Ich brauche eure Hilfe, um mich an denjenigen zu rächen, die unser Blut verfluchen.“

„Du musst den nächsten Schritt deiner Verwandlung durchziehen. Dafür ist das Sammeln von Seelen ein essentieller Teil für das Ansammeln von Macht. Dir wird eine Prüfung auferlegt: Der Verzehr dieser Seelen ist es, was eine Hexe zu wahrer Stärke verhilft. Von Emotionen durchtränkte Seelen sind äußerst potent...

oder

…das Verzehren von Kindern oder noch besser: Säuglingen. Bring dem Zirkel eine Seele, die du verzehren willst!“

„Ich danke euch. Ich werde mit einem geeigneten Mahl zurückkehren. Wir Hexen müssen zusammenhalten. Denn wir dürfen nie vergessen, wer der wahre Feind ist. Ich verspeise lediglich männliche Seelen.“

Der grüne Nebel aus Titubas Laterne flutet den Raum und mischt sich mit dem purpurnen des Zirkels. Sie lacht, schmeißt den Kopf in ihren Nacken und aus ihrem offenen Mund kriecht Ungeziefer, das in das Nebelbett fällt, als sie mit einem mal abrupt stoppt und innehält. Sie genießt die schwesterliche Macht, die sie umgibt, aber ihr wird einmal mehr klar, dass sie diese nie mit Victoria und Florentina teilen können wird.

Ich komme nicht gerade viel raus, um ein geeignetes Mahl zu finden. Und wenn doch, dann nie ohne Begleitung. Ich könnte mir vorstellen, dass die zarten Seelen, die mich nicht aus den Augen lassen, nicht einverstanden sein werden. Ich benötige deshalb ein unauffälliges Transportgefäß.

Die Schwestern lachen laut auf. Mutter Oberin öffnet ihre Hand und aus einem Nebelschwall schält sich ein kleines Fläschchen heraus. Eine sehr schmale Phiole. Langsam schwebt die Phiole zu Tituba hinüber.

„Flöße diesen Trunk in den Mund deines Opfers ein. Es wird zusammenschrumpfen, so dass du es in dieser Phiole zu uns bringen kannst. Aber sei gewarnt, Tituba...du hast 24 Stunden...wir wollen doch nicht, dass dein Leckerbissen verdirbt.“

Tituba kehrt daraufhin zu Noctivagus zurück und keiner außer Alcassra weiß von ihrer Abwesenheit.

Kategorie Die Welt von Vytra

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