In der Nacht zum ersten Mai, so erzählt man sich, versammeln sich die Hexen auf dem Brocken, dem sogenannten Blocksberg. Hoch oben auf dem Berg lodern Feuer, um die sich Gestalten scharen, die tanzen, lachen und sich in einer wilden, ungebändigten Bewegung verlieren. Masken blitzen im Schein der Flammen auf, Schatten werfen flackernde Bilder in die Dunkelheit, und ein grelles Lachen hallt durch die Nacht weit über die Hänge des Harzes.
Die nächtliche Versammlung von Hexen und dämonischen Wesen, die sich dem Teufel hingeben, tanzen und ihm huldigen, ist ein Mythos, der sich über Jahrhunderte hinweg tief in der europäischen, besonders der deutschen Mythologie verankert hat. Auch heute noch wird die Walpurgisnacht auf dem Brocken gefeiert, mit genau dieser Mischung aus Faszination, Schauder und einer fast spielerischen Rückkehr zu den alten Motiven. Und doch tragen diese Bilder eine Geschichte in sich, die weit über das hinausgeht, was wir heute sehen, wenn wir klischeehafte Hexenkostüme und Glühwein im April vor uns haben.