TV-KRITIK (Öffnet in neuem Fenster)
Nach München zur “Weihnacht” (Öffnet in neuem Fenster) geht es nun im Tatort aus Köln zum späten Neujahr auf die Bretter, die die Welt (be)deuten. Jedenfalls mehr oder weniger, denn es geht vom Theater zur Oper. Also auf (und unter) lautere Bretter. Und weil Köln nun einmal Köln ist (Öffnet in neuem Fenster), gibt es dort derzeit gar zwei Opernhäuser. Was auch den Freddy Schenk-Darsteller Dietmar Bär begeistert:
Oper! Die Welt der großen Gefühle! Bombastische Musikerlebnisse, Bühnenbilder, Kostüme! Die Stimmen! Ein besseres Dreh-Motiv gibt’s nicht. Und in Köln setzen wir noch einen drauf: Wir haben ja momentan ZWEI Opernhäuser!

Zur Handlung:
Der Opern-Intendant Darius Henning (Stephan Grossmann) ist außer sich. Mitten in den Endproben für die Premiere von Joseph Haydns Die Schöpfung wird in seinem Haus eine schockierende Entdeckung gemacht: Elli Zander, eine Mitarbeiterin der Requisite, wurde erschossen aufgefunden. Sie trägt ein Kleid aus dem Kostümfundus. Und ihr Körper wurde drapiert – wie für eine Opern-Inszenierung. Als Rüstmeisterin war Elli Zander (Ines Lutz) auch verantwortlich für die Kammer mit Waffenattrappen der Oper. Tatsächlich fehlt dort eine Schusswaffe. Eine erste Spur führt die Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) zum Countertenor David Deycks (Marcel Jacqueline Gisdol). Doch er ist unauffindbar. Da geschieht ein zweiter Mord...

…das klingt der Münchener Handlung recht ähnlich - was es ist, wie auch in der Rollenaufteilung und Figurenkonstellation (etwas weniger Verbotene Liebe allerdings). Nun gehört Mord zum Geschäft (Öffnet in neuem Fenster) des Tatort (Ausnahmen wie der jüngste Murot bestätigen die Regel (Öffnet in neuem Fenster)), wie der Küngel zu Köln. Ebenfalls ähnlich dem Verlangen aus München ist der Tatort: Die Schöpfung sehr gut besetzt (u. a. noch Katja Bürkle, Hannah Schiller, Mareile Blendl, Dagmar Operskalski, Aljoscha Stadelmann, …) und gespielt sowie bisweilen äußerst stimmungsvoll inszeniert (Regie: Torsten C. Fischer, zuletzt bspw. Tatort: Erika Mustermann (Öffnet in neuem Fenster)) und mit einigem (Meta-)Witz ausgestattet (Drehbuch: Wolfgang Stauch).

Allerdings ist er genauso langatmig und gar noch vorhersehbarer. Euer erster Verdacht, wer hier der*die Täter*in sein könnte, dürfte zutreffen. Falsche Fährten werden so lahm gelegt, dass selbst die betulich-dödeligen Watzmann ermittelt-Leute gähnen dürften. Ein melodramatisches Ende vermittelt zudem eine müde Moral, die keiner guten Oper gerecht wird.

Dennoch ist der Film keine Qual, er kann so vor sich hin plätschern. Liebevoll scheint das alles, immerhin. Doch gemessen an den bisherigen Tatort- und Polizeiruf 110-Filmen von Fischer und Stauch ist diese Schöpfung wohl eher eine gemütliche Fingerübung in seichter Bequemlichkeit.
AS [mit Pressematerial]
PS: Der Reiz in den Häusern zu drehen (zumal im Umbau- und Probenzeiten) erschließt sich mir hingegen total. Das ist sicherlich eine feine Erfahrung. Zu gern würde ich einmal einen Kammer-Krimi im Literarischen Colloquium Berlin (Öffnet in neuem Fenster) schreiben und inszeniert sehen.
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Das Erste zeigt den Tatort: Die Schöpfung am Sonntag, 11. Januar 2026, um 20:15 Uhr, one um 21:45 Uhr; anschließend ist der Film für zwölf Monate in der ARD-Mediathek verfügbar (Öffnet in neuem Fenster).
https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/d5bdfb68-5bc8-4289-ae1d-5db828a73446 (Öffnet in neuem Fenster)