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Ich zünd jetzt den Baum an!

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Liebe Leser*innen,

wenn Sie diese Mail lesen, heimlich auf Ihrer Gästetoilette, um noch ein paar selige Augenblicke der Ruhe zu haben, haben Sie es fast geschafft: In weniger als 13 Stunden ist Weihnachten 2025 vorbei, und Sie können Ihre Nachrichten wieder würdevoll auf dem unverkrümmelten Sofa lesen.

Aber natürlich hat das Ende der Feiertage auch seine Nachteile, zum Beispiel wird heute das letzte Mal für eine lange Zeit sein, dass Sie »Last Christmas« hören werden – also genießen Sie es! Und solange Ihre Enkelkinder noch damit beschäftigt sind, sich gegenseitig ihr neues Lieblingsspielzeug in die Nase zu stecken, können Sie sich informieren, welche Weihnachtslieder unsere Spitzenpolitiker*innen seit Tagen vor sich hin summen:

  • Friedrich Merz: Santa Claus Is Comin’ to Town, aber nur, wenn das Stadtbild stimmt

  • Markus Söder: Happy X-Maßkrug (Nüchternheit Is Over)

  • Alice Weidel: White Supremacy Christmas

  • Carsten Linnemann: Morgen, Bürgergeldempfänger, wird’s nichts geben

  • Heidi Reichinnek: Rudolph, the Red-Nosed Revolutionary

  • Sahra Wagenknecht: Vom Kreml hoch, da komm ich her

  • Felix Banaszak: Felix Navidad

  • Robert Habeck: Jingle Bumms

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Für Robert Habeck ist bekanntlich jeder Tag ein Fest der Liebe, der Rest der Christenheit hat aber auch mal was anderes zu tun. Deshalb sind viele Menschen etwas eingerostet und fühlen sich mit anderen großen Gefühlen während der Feiertage wohler:

Cartoon von Hauck und Bauer : Ein Mann steht wütend vor einem Weihnachtsbaum, in der rechten Hand hält er eine Kerze, mit der linken hält er energisch einen Ast der Tanne fest. Er schreit: "Ich find die verdammten Kerzen nicht! Ich zünd jetzt den Baum an!" Darunter steht: "Weihnachten bei Wutbürgern"

Bei dem hier abgebildeten Gewächs handelt es sich übrigens um eine sogenannte Konifere, auch Nadelbaum genannt. Zum Christfest ist es Brauch, sich eine solche Pflanze in die Wohnung zu stellen. Falls Sie noch etwas Zeit haben, weil der Rettungswagen für die Enkel erst in einer Viertelstunde eintrifft, lesen Sie doch noch einige weitere wenig bekannte Fakten über Weihnachten:

  • Das Wort »Weihnachten« stammt ursprünglich vom isländischen »Hjálpaði skjöldóttur höfðu níutíu« ab, was so viel bedeutet wie »Alleine daheim abhängen und im Internet rumgucken«

  • »Weihnachten« wird von 87 Prozent der Deutschen als eine der drei beliebtesten Feierlichkeiten des Kirchenjahres genannt und landet damit gleich hinter »Oktoberfest« (88 Prozent) und »Oster-Pogrom« (96 Prozent)

  • Das Eintreffen der gesamten Verwandtschaft wird am häufigsten mit dem »Angriffskrieg auf Polen (aus polnischer Sicht)« oder mit dem »totalen Krieg« verglichen

  • 99,8 Prozent aller Deutschen hatten noch nie einen Weihnachtsbaumbrand daheim; 73 Prozent geben allerdings an, dass sie gerne einmal einen hätten (13 Prozent vor, 60 Prozent nach der Bescherung)

  • Adolf Hitler hat sich in seinem ganzen Leben nur ein einziges Mal als Christkind verkleidet (Weihnachten 1940), bekam aber nicht ausreichend Lob für seine Kostümierung

  • Der erste nach Mondphasen geschnittene Weihnachtsbaum stand bereits 7,5 Mio. Jahre v. Chr. auf dem Mond, er ist aber gar niemandem aufgefallen und fand auch keinen Käufer

  • Niemand ist zu Weihnachten gerne alleine, bis auf folgende Person: Herr Werner Heeling aus 38126 Braunschweig, wir gratulieren herzlich!

Oh, oh, ist das, was Sie da neben dem Martinshorn hören, das leise Blubbern des Glühweins auf der Herdplatte in der Küche? Dann können Sie sich schon mal darauf einstellen, dass Ihr Versteck nicht mehr lange geheim bleibt, weil Ihre Verwandten Ihre Gästetoilette gleich einer Belastungsprobe unterziehen werden:

Cartoon von Ari Plikat: Zwei Soldaten auf dem Schlachtfeld, der eine krümmt sich auf dem Boden, der andere nähert sich besorgt von hinten und fragt: "Bauchschuss?" Der eine antwortet: "Nee, Glühwein!"

Unser unermüdlicher Kolumnist hat seine zweite Tasse dieses Mal ebenfalls mit Glühwein gefüllt und schenkt Ihnen weitere besinnliche fünf Minuten:

Torsten Gaitzsch trinkt eine Tasse Kaffee und schaut in die Kamera

Heute: Benjamin (cute as a) Button

In meiner fortlaufenden Liste von Themen, die ich in TITANIC oder in dieser Kolumne bearbeiten könnte, steht seit ein paar Monaten der Stichpunkt »Plüschtiere zu niedlich«. Leider habe ich versäumt, mir den entsprechenden Kommentar im Wissenschaftsteil der Süddeutschen Zeitung zu kopieren. Es ging darin um einen Sammelbeitrag, der in einem biologischen oder ökologischen Fachjournal erschienen war: Die Forschenden hatten angeklagt, dass Stofftiere wegen ihrer verniedlichten und verkitschten Ausgestaltung den damit kuschelnden Kindern ein verzerrtes Bild von Zoologie vermitteln würden. Die Spielzeugindustrie möge Stofftieren eine realistischere, ungeschönte Formgebung angedeihen lassen, Teddys sollten gefälligst wie echte Bären aussehen!

Ich malte mir nun aus, wie in den Babybettchen der Zukunft zerzauste Hyänen mit Aasresten in den Lefzen neben Eisbären mit blutverschmierten, messerscharfen Krallen liegen. Aber die schönste Verlängerungssatire (Fachsprech) verläuft im Sande, wenn man die Inspiration bzw. die Vorlage nicht mehr zur Hand hat. Ist ja auch egal. Sucht man im Google-Newsarchiv nach »Plüschtiere« + »niedlich«, stößt man teilweise auf Material, das gegenteilige Trends erahnen lässt: Plüschtiere sind nicht zu niedlich, sondern werden immer abstoßender. Behauptete zumindest der Tagesspiegel vor gut drei Jahren. Eine Glosse, die mit »Wieso werden Kuscheltiere immer hässlicher?« überschrieben war, wurde so eingeleitet: »Unsere Autorin wollte eigentlich ein Stofftier fürs Kind kaufen. Stattdessen fand sie nur grellbunten Plüsch mit Riesenaugen. Wieso funktioniert sogenanntes Cute Marketing so gut?« Ja, was denn nun? Zu cute = zu ugly? Der Rest des Artikels steckt hinter der Bezahlschranke, aber Hufeisentheorie, ick hör dir trapsen, sag ich mal. Labubus setzen genau dort an, an der Schnittstelle zwischen grauenvoll und possierlich.

Im Zweifel sollte man sich nicht bei Steiff & Co. beschweren, sondern bei der Natur selbst. Schließlich sind Tiere, wenn sie neugeboren sind, grundsätzlich süß und haben in den wenigsten Fällen etwas mit ihrer ausgewachsenen Version zu tun. Womöglich hat sich Naturkritiker Michael Ziegelwagner dieses Themas schon einmal angenommen; falls nicht, hier ein Denkanstoß: Könnte man eine Hunderasse züchten, deren Individuen grottenhässlich geboren werden, mit zunehmendem Alter aber immer drolliger werden? Tierhändler und Züchter müssten diese Hunde fünfzehn Jahre lang aufziehen und pflegen, um sie dann an Kinder zu verkaufen, die noch höchstens ein, zwei Jahre Freude an den Greisenwelpen haben, und an dem Tag, an dem das Hundi am allerallerliebsten ausschaut, gibt es den Löffel ab.

Fort mit diesen unschönen Gedanken! Kümmern wir uns lieber wieder um den Wurf Alligatorenküken, der heuer unterm Weihnachtsbaum lag.

Verabschiedet sich und wünscht einen gut informierten Rutsch ins neue Jahr:

Ihre TITANIC-Redaktion

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