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Muttertag ist Nazidreck. (Öffnet in neuem Fenster) Statt Blumen gibt es dieses Jahr einen feministischen Perspektivwechsel mit dem Happy f*cking Mother’s Day – Das Podcastfestival zum kritischen Muttertag. Ich habe fünf feministische Podcasts gefragt, sich mit Muttertag, Mutterschaft und Care-Arbeit auseinanderzusetzen, um zu zeigen, wie tief patriarchale Strukturen unser Mutterbild prägen und soziale Ungerechtigkeit erzeugen.
Nun ist es so weit: 🎉 Happy f*cking Mother’s Day – Das Programm
Do 8.5. Die Leserinnen (Öffnet in neuem Fenster) | Mutterschaft & Kunstbetrieb – unvereinbar? mit Sascia Bailer
Fr 9.5. Frauenleben (Öffnet in neuem Fenster) | Die Erfindung des Mutterideals
Fr 9.5. Clitoria’s Secrets (Öffnet in neuem Fenster)| Romantisierte After Baby Body – Was bleibt von mir übrig?
Sa 10.5. Revolution & Ferien (Öffnet in neuem Fenster) | mit Mareice Kaiser & Josephine Apraku
Do 15.5. Lila Podcast (Öffnet in neuem Fenster) | Mütter in der (Lokal-) Politik
Alle Infos zum Festival und den teilnehmenden Podcasts gibt 👉 hier (Öffnet in neuem Fenster)
Ich freu mich, wenn ihr rein hört und weitersagt.
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Hier sind meine feministischen Watch-Tipps:

🚨 Der kleine entscheidende Denkfehler bei Adolescence:
Adolescence ist die meist gestreamte Serie bei Netflix und hat einen öffentlichen Diskurs um toxische Männlichkeit angeregt. Die Serie dreht sich um den 13-Jährigen Jamie, der sich in der Incel-Manosphere radikalisiert und schließlich eine Klassenkameradin brutal ermordet. In den 4 Folgen wird nach einem Motiv, nach Ursachen und nach Schuldigen gesucht.
Nun könnte ich als Feministin eigentlich froh sein, dass das Thema toxische Männlichkeit, Menophere, Männercoaches und Incels endlich einen breiten Nerv in der Öffentlichkeit trifft, aber bei einer rein-männlichen Produktion und Perspektive werde ich natürlich skeptisch und deswegen, muss die Feminismus-Polizei einschreiten.
Die Serie macht einen entscheidenden Fehler. Wieder einmal versuchen Männer zu verstehen, wie Männer zu Tätern werden und marginalisieren dabei die Perspektive von Betroffenen und verpassen damit die entscheidende Kritik am Patriarchat und Frauenfeindlichkeit.
Am Ende der Serie könnte man glauben, der Jugendliche Jamie wäre in die Fänge von bösen Incels und Männer-Coaches geraten; er hätte die falschen Freunde und war dem schädlichen Einfluss von Social Media ausgesetzt. Die Täter sind ein ums andere Mal die Anderen. Die Begriffe Patriarchat und Misogynie kommen in der Serie nicht vor.
Zu der problematischen Bro-Culture der beiden Serienmacher Stephen Graham und Jack Thorne habe ich einen interessanten Kommentar von Jo Lücke (Öffnet in neuem Fenster) gefunden. Sie weist darauf hin, dass Jamies Vater Eddie sich dominant, teils gewaltvoll und emotional distanziert verhält, doch die Serien-Macher-Bros nachweislich gar nicht beabsichtigt haben, Genderstereotype zu kritisieren. Sie haben toxisch männliches Verhalten insofern nicht reflektiert, sondern einfach reproduziert.
Dies wird in einem Interview im Guardian (Öffnet in neuem Fenster) mit dem Showrunner Jack Thorne – so recherchiert Jo Lücke (Öffnet in neuem Fenster) – deutlich.
Zunächst wussten wir nicht, warum Jamie, der Angreifer, dies getan hatte. Wir wussten, dass er kein Produkt von Missbrauch oder eines elterlichen Traumas war. Aber wir konnten kein Motiv herausfinden. Dann sagte jemand, mit dem ich zusammenarbeite, Mariella Johnson: „Ich denke, ihr solltet euch mit der ‚Incel‘-Kultur beschäftigen.“
Wenn Menschen nach dieser Serie auf die Idee kommen, dass Social Media Schuld an Femiziden ist und dass wir mehr männliche Vorbilder brauchen, dann hat die Serie am eigentlichen Thema vorbei erzählt – nämlich einer gesellschaftlichen Misogynie innerhalb eines patriarchalen Systems.
Hast du Lust eine Podcastfolge über Adolescence zu hören, dann lass es mich gerne wissen. Freu mich über eine Mail.

🚨 Noch ein Einsatz für die Feminismus-Polizei: Ist das progressiv oder frauenfeindlich gemeint?
Douglas is Canceled (Öffnet in neuem Fenster) ist eine Serie auf Arte, die von einer männlichen Perspektive auf #metoo handelt.
Der Nachrichtensprecher Douglas wird nach einem vermeintlich sexistischen Witz auf einer Hochzeit als Sexist auf Twitter out gecalled und gerät in einen Shitstorm. Das interessante bei dieser Serie ist aber nicht das Lavieren um die Deutungshoheit von Sexismus, sondern die Inszenierung der Betroffenen.
Douglas’ weiblicher Co-Star Madeline erscheint mir zunächst als Boss-Bitch, dann als hinterlistig und kalkuliert und schließlich doch als Heldin der Geschichte. Der Regisseur hat Madeline nicht als das „reine, unschuldige“ Opfer von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt dargestellt, sondern als aufgeklärte, kühle und regulierte Person. Damit bricht er einerseits mit dem Opfernarrativ – denn wir sind es gewohnt, das Opfer schwach und hilflos zu sehen und nicht als smart und wehrhaft. Andererseits löst die Figur in mir sofort ein Misstrauen aus, weil wir autarke Frauenfiguren oft mit frauenfeindlichen Erzählmustern verbinden, wie der Hexe, der Zicke, der Femme fatale.
Die Serie hat mir vor allem meine eigenen, immer noch anhaltenden frauenfeindlichen Denkmuster aufgezeigt. Es kann natürlich auch sein, dass der Regisseur genau diese eben nicht gar nicht brechen wollte, sondern sie einfach nur bedient hat… Falls du die Serie guckst, dann schreib mir doch mal, was du davon hältst.

🚨 Altbekannter Zickenkrieg in: The White Lotus
White Lotus ist eine Serie, die ich wahnsinnig gern gucke. Ich kann so schön runterfahren bei den Beautyshots, der Mode und Luxus-Ausstattung, den Bauchnäbeln (Mehrzahl von Bauchnabel???) und der Abscheu für einfach alle Charaktere.
Der Showrunner Mike White hat ein Rezept gefunden, vermeintlich woke Diskurse wie toxische Männlichkeit, Rassismus, und Kapitalismuskritik in eine Crime-Story mit Love-Island-Faktor zu verpacken. Wie dabei feministische Diskurse verdreht, oberflächlich behandelt und immer wieder in misogyne Tropes bedient werden, darüber haben der Männlichkeitsforscher Christoph May (Öffnet in neuem Fenster) und ich bereits eine 🎙️Podcastfolge (Öffnet in neuem Fenster)🎙️gemacht.
In der aktuellen Staffel ist mir besonders der Plot um den Ladies-Trip aufgefallen. Im STANDARD (Öffnet in neuem Fenster) wird die Dynamik zwischen den Frauen als toxische Weiblichkeit gedeutet. Als Feminismus-Polizei würde ich in diesem Fall sagen: Stop! Die Darstellung der Frauen ist so platt, dass wir eine so komplexe Theorie wie die der toxischen Weiblichkeit gar nicht anwenden können.
Erstmal muss man feststellen, dass Jaclyn, Kate und Laurie keine Freundinnen sind, sondern sie sind Jugendfreundinnen, deren Kontakt eingeschlafen ist. Zusätzlich bildet sich ein Machtgefälle, da Jaclyn als berühmte und erfolgreiche Schauspielerin den Urlaub bezahlt. Die beiden anderen sind also abhängig von ihr, was ich mir etwas unangehem vorstelle. Und weil ihre Leben seit vielen Jahren getrennte Wege gehen, haben sie sich auch gar nichts zu sagen und ihre Unterhaltungen bestehen aus Nostalgie und Liebesbekundungen („I’m so happy, we are here together … I love you.“). Im weiteren Verlauf wird über Lauries Alkoholkonsum, über Jaclyns vermeindliche untreue Beziehung und über Kates republikanischen Life-Style gelästert.
Mike White will uns Konkurrenz und Stutenbissigkeit unter Frauen vorführen, dabei hat der Kampf um Status nichts mit toxischer Weiblichkeit zu tun, sondern im Gegenteil, es ist ein patriarchaler Kampf. Mike White sitzt wieder seinem eigenen patriarchalen Weltbild auf.
Erstens entspricht die Abwertung von Frauen, die übereinander oder hinter dem Rücken anderer reden einer patriarchalen Norm, die wir seit der Zeit der Hexenverfolgung kennen. Es geht darum, weibliches Wissen zu regulieren, Frauen zu isolieren und von männlicher Kontrolle abhängig zu machen.
Mal ehrlich: Was ist schon dabei, über andere zu reden?
Wie Gossip von einer normalen sozialen Praxis zu einem weiblichen Makel umgedeutet wurde, könnt ihr im 👉 Podcast Feuer & Brot (Öffnet in neuem Fenster) hören.
Zweitens gehört zu einer guten Freund:innenschaft auch ein gewisser Konsens. Es gibt ein gemeinsames Wertesystem, das Vertrauen und Verständnis schafft. Ich könnte zum Beispiel nicht mit einer AfD-Wählerin befreundet sein. Wenn es also fundamentale Unstimmigkeiten gibt, ist es auch legitim, sich abzugrenzen oder ein Unbehagen zu äußern. Diesem Unbehagen gehen die Frauen in THE WHITE LOTUS aber nicht nach. Der Konflikt wird totgeschwiegen. Wenn wir hier also von toxischer Weiblichkeit sprechen, dann ist es der harmoniesüchtige Umgang der Figuren mit ihren Konflikten und Widersprüchen. Sie wünschen sich Verbindung und Ehrlichkeit, aber sie können sich voreinander nicht öffnen und verletzlich zeigen.

✨ Für die leichte Berieselung im Feierabend empfehle ich euch Drags of Monnem (Öffnet in neuem Fenster).
In dieser 5-teiligen Doku-Serie werden diverse Drag-Queens porträtiert. Die Drags präsentieren sich auf der Theaterbühne, arbeiten als Party-Go-Gos oder machen Charity. Ich bin fasziniert von der krassen Tortur, die es bedeutet, in diese Kostüme zu schlüpfen und darin zu performen. Und obwohl auch Gewalterfahrungen und Queerfendlichkeit flankiert werden, ist es einfach inspirierend und hoffnungsvoll zu sehen, wie gut gelaunt, kreativ und selbstbewusst diese Drags durchs Leben gehen.
Bleibt unbequem. Eure Susi!
🎧 Die nächste Folge von VERBITTERT TALENTLOS erscheint am Do 08.05.25 | 47. 💐👩🍼 Happy f*cking Mother’s Day | Care-Arbeit & die Autonomielüge – Mit Anne Waak
📢 Schreib mir gern an: verbittert-mail@web.de (Öffnet in neuem Fenster)