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Charlie Kirk, Tyler Robinson & die Politik der Lüge

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Charlie Kirk ist erschossen worden, es waren grauenhafte Bilder, die wir im Internet gesehen haben. Das Erschrecken darüber ist die eine, menschlich einzig richtige Sache, aber die Heiligsprechung die danach einsetzte eine ganz andere. Eine absurde Sache.

„Konservativer Aktivist“ wurde der rechte Influencer Kirk genannt. Das ist ein Beleidigung für alle anständigen Konservativen. Er war ein faschistischer, rechtsextremer Agitator, der das Feuer entfachen wollte, das Feuer der Polarisierung und des Haders.

Er war übrigens nicht nur ein Rassist, sondern auch ein rabiater Antisemit. Er hat nicht nur die Terrorideologie des Großen Austausch verbreitet, also, dass wir Weißen ausgerottet werden, wenn man sich nicht mit allen Mitteln wehrt; er hat auch noch verbreitet, dass es die Juden sind, die diesen Großen Austausch betreiben, eine jüdische Weltverschwörung, um die Weiße Rasse auszurotten.

So jemand „konservativ“ zu nennen ist eben nicht nur eine Verniedlichung, sondern eine Beleidigung des Konservatismus.

Und er hat die Empathie, also das Mitfühlen mit dem Leid anderer, als esoterischen Quatsch bezeichnet, den er nicht aushalte, „eine esoterische Erfindung“. Das ist übrigens ein beliebtes Thema unter den US-Rechtsradikalen, der Kampf gegen Empathie und Nächstenliebe. „Toxic Empathie“ nennen sie das. Weil die den Starken ein schlechtes Gewissen macht, wenn sie die Schwachen aus dem Weg räumen.

So seltsam es nun klingen mag, Empathie mit jemandem zu haben, der die Empathie selbst für Teufelszeug hielt: Hätte man sie nicht, würde man wie er. Hätten wir sie nicht, wären wir wie er geworden. Und würden unsererseits beitragen zur Zerstörung der demokratischen Lebensweise, unserer Zivilisation und zum Absturz in die Orgie der Gewalt, von der die Extremisten träumen.

Die faschistische US-Rechte und die Trump-Regierung, sie haben sofort auf den Modus geschaltet, eine angebliche „radikale Linke“ für den Mord verantwortlich zu machen. Kaum war Kirk tot, haben sie die ganz große Propagandawalze in Gang gesetzt. Elon Musk hat am Samstag sogar faktisch zum Bürgerkrieg aufgerufen.

Es ist nicht zu leugnen, da sollten wir uns auch nicht in den Sack lügen: Sie wollen die Welt in Flammen sehen, und wenn es glimmt und lodert, dann gießen sie Brandbeschleuniger hinein.

Nun weiß man über den Täter Tyler Robinson bisher Bruchstücke, nicht viel, aber doch ein paar wenige Mosaiksteinchen für ein ungefähres Bild: Ein Waffennarr, in einer ultrarechten Waffennarren-Familie aufgewachsen. Die Facebookfotos, wo er schon als Zehnjähriger, Zwölfjähriger, Vierzehnjähriger mit den Eltern an vollautomatischen Waffen geschult wird, hat man ganz schnell gelöscht. Man kenne in dieser Familie überhaupt nur Trump Anhänger, Demokraten hat man noch keine gesehen, sagte die Oma.

Der mutmaßliche Täter selbst: Isoliert, ohne enge Freunde, mit seinen früheren Studienkollegen nur entfernt bekannt. Technikstudenten in Utah, also da begegnet man auch schwer linken Milieus. In der Gamer-Szene, kaum soziale Kontakte, das Sozialleben weitgehend im Internet. Alles wirkt sehr nach der rechten „Manosphäre“, nach dieser Subkultur verbitterter, vom eigenen Groll vergifteter junger Männer, die von Agitatoren dann auch noch aufgeschaukelt werden. Diese Szene: Mit aggressiven Gefühlen vollgestopft, aber auch nicht immer mit einer konzisen Ideologie. Eher das, was man so ungefähr die „rechten Gefühle“ nennt: autoritäre Aggression, eben Verbitterungsstörung, Zynismus, eine Kultur des Destruktiven, eine Kultur, in der man gerne Witze macht über das Leid anderer und eine Lust und Freude an der Grausamkeit pflegt. Diese Kultur des Nihilismus, deretwegen sogar das FBI schon eine neue Kategorie des Extremismus eingeführt hat: „Nihilist Violent Extremism.“ Aber wie gesagt oder besser, Hinweis zur Vorsicht: Auch das ist alles viel zu unklar noch. Es gibt auch Hinweise, dass er Anhänger ganz Ultraradikaler war. Dass es ein politisches Motiv gab, der Täter ein Rechtsradikaler ist, dem selbst Kirk nicht rechtsradikal genug ist. Aber, als jemand, der lange genug im journalistischen Geschäft ist und Zitate irgendwelcher unüberprüfbarer Quellen von einigermaßen gesicherten Quellen unterscheiden kann, würde ich auch hier ganz nachdrücklich sagen: Man muss noch vorsichtig sein, abwarten, es sind Indizien, paar Behauptungen, Hörensagen, aber eben keine gesicherten Beweise.

Ob man überhaupt jemals welche bekommen wird, oder das FBI sie unterdrücken wird, die Trump-Regierung, das werden wir noch sehen. Denn sie wollen ja an ihrem Narrativ festhalten, auch wenn die Fakten dagegen stehen: Dass die „radical Left“ an dem Mord verantwortlich ist, auch gegen alle Fakten. Kann man einem Regime wie dem von Trump von vertrauen, dass man jemals aus dem Geflecht und Nebel von Lügen heraustreten wird? Nein, kann man nicht.

Sie haben die Propagandawalze angeworfen, machen alles, um die Gelegenheit zu nützen: für massive Repression. Für die Zerstörung der Freiheit. Für die endgültige Zerstörung der Demokratie. Und die Politik der Lüge. So wie die Nazis den Reichstagsbrand genutzt haben.

Die Skrupellosigkeit und die Lügenpropaganda, die sofort einsetzte, um den Mord zu benützen, um noch mehr Hass und Gewalt zu säen, sie zeigt ja: Nichts wird diese Rechtsextremisten überzeugen, umzukehren, innezuhalten, zum Pfad der Besonnenheit zurück zu kehren. Sie wollen die freie Gesellschaft zerstören und dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Extrem zersetzender Pessimismus und moralischer Nihilismus, das ist, sogar in ihren eigenen Worten, eine der Charakteristika der neoreaktionären Bewegung in den USA. Hader schüren, damit die Zerstörung der verhassten Ordnung erreicht wird. Dafür auch mit der Lüge arbeiten. Und sich erfreuen daran, wenn es lodert und brennt. Zerstörungslust.

Sie führen jetzt auch jenen, die noch immer insgeheim hofften, dass es nicht so schlimm kommen werde, vor Augen: Das ist eine Illusion. Sie sind besessen vom Destruktiven. Man muss dem klar ins Auge sehen, aber auch ohne in Schockstarre oder Panik zu verfallen.

Sie werden damit nicht durchkommen, wenn die Anständigen und Vernünftigen aufstehen und zusammenhalten, wenn sie der Raserei mit Besonnenheit und Vernunft begegnen, dem Hass mit Empathie, der destruktiven Zerstörungswut mit Hoffnung, und dem Zynismus mit der Kraft der Liebe.

Video:

https://www.youtube.com/watch?v=zEBV0m-6B3E (Öffnet in neuem Fenster)

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