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Und was ist deine Stärke?

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Übezeit #22/50

Lesezeit: 4 Minuten

Gastbeitrag von Tina Laube.

Wie das Ressourcenbewusstsein dich bei Auftrittsängsten und Selbstzweifel unterstützen kann

“Und das Wichtigste ist, was sind deine Stärken an der Violine?”

Diese Frage stellte mir Elias Kim, der damalige Assistent meines Professors Georg Hamann, während meines Studiums an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien.

Es war der Beginn meines 3. Studienjahres – große Ambitionen, fette Krise. Ich hatte keine Ahnung, was meine Stärken an der Violine waren.

Defizitorientierung ist in der Musikausbildung nicht unüblich. Und macht in gewisser Hinsicht auch Sinn. Wenn wir vorankommen möchten, versuchen wir zu fixen, was noch nicht gut läuft.

ABER! Wenn wir uns dabei unserer Stärken nicht bewusst sind, destabilisieren wir uns selbst oder im Unterrichtskontext unsere Schüler:innen und Studierenden.

Kennst du das Gefühl, jeden Tag von vorn beginnen zu müssen, besonders lange Einspiel-oder Einsingphase zu brauchen, das es dir extrem schwer fällt, neues Repertoire anzufangen oder das du immer wieder Selbstzweifel oder Auftrittsangst auf der Bühne erlebst?

Das sind Hinweise darauf, dass es an der Zeit ist, deinen Ressourcenkoffer zu füllen!

Mit einem gefüllten Ressourcenkoffer ist es viel leichter, in herausfordernden Situationen resilient zu bleiben und Schwierigkeiten zu meistern.

5 Ressourcen, mit denen du deinen Ressourcenkoffer füllen kannst

1. Was tut dir gut?

Kleine Frage - große Wirkung!

Du kannst dich fragen, was dir wirklich gut tut und dich unterstützt dich zu konzentrieren, Leistung abzurufen und dann wieder zu entspannen und aufzutanken! So sorgst du für dich und deine optimale Leistungskurve, was sich wiederum positiv auf dein Vertrauen auswirkt.

2. Körperübungen

Es gibt verschiedene Körperübungen, die durch Erdung und Entspannung deinem autonomen Nervensystem helfen, zurück in die gefühlte Sicherheit zu finden.

Eine einfache Übung, wie ich sie aus der traumasensiblen Körperarbeit kenne, ist zum Beispiel das bewusste Spüren deines Körpers, sitzend auf dem Stuhl, liegend auf dem Boden oder angelehnt im Stehen. Wahrzunehmen, wie der Stuhl, der Boden oder die Wand dich trägt, unterstützt dich, innerlich und muskulär loszulassen.Vielleicht kennst du weitere Übungen, welche dir das Gefühl geben, dass du wieder bei dir angekommen bist oder mehr auf dem Boden landest.

Diese Übungen sind echte Schätze: Schreibe sie auf und stecke die Liste in deinen Instrumentenkoffer.

über die Autorin

Mehr über Tina

In ihren Coachings und Kursen unterstützt Tina Laube Musiker:innen, Selbstzweifel und Auftrittsängste loszulassen, damit sie ihren Beruf gesund und erfüllt ausüben können.

Ihre Schwerpunkte sind Auftrittscoaching, Lösung von bewussten und unbewussten Blockaden sowie nervensystem- & körperorientiertes Instrumentalspiel/Gesang.

Tina Laube studierte Bachelor und Master Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik mit Schwerpunkt Violine an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und unterrichtet seit 2023 im Lehrauftrag Rhythmik/EMP an der Hochschule für Musik Dresden.

Sie ist zertifiziert in Traumasensibel Begleiten-TSB® nach Natalie Bürk und aktuell in der Fortbildung PEP® (nach Dr. Michael Bohne - in Fortbildung).

©julieschoenewolf

3. Erfolgserlebnisse und Stärken

Schreibe Erfolgserlebnisse aus Konzerten oder Vorspielen auf und formuliere daraus einen positiven Glaubenssatz. Achte dabei auf das Körpergefühl, welches im Kontakt mit diesem positiven Glaubenssatz entsteht. Genauso kannst du Stärken in positive Glaubenssätze umwandeln.

Faszinierend ist, wenn du beim Spielen mit dem Körpergefühl des positiven Glaubenssatzes in Verbindung bist, hat dein Gehirn schon “so viel zu tun”, dass kaum noch Kapazität ist für limitierende Gedanken.

Hier ein Beispiel:

4. Lieblings Musik

Mit welcher Musik fühlst du dich zu Hause? Deine Lieblingsmusik ist dein Wohlfühlort und sie unterstützt dich, Anspannung zu lösen.

Denn dein autonomes Nervensystem wird beim Hören deiner Lieblingsmusik stimuliert, der Körper entspannt sich und kommt wieder in das Gefühl von Sicherheit. Das funktioniert auch mit Lieblingsstellen während eines Konzertes.

5. Fehler = Helfer

Ich habe Fehler lange als etwas Schlechtes bewertet, etwas, was ich in jedem Fall vermeiden wollte. Wenn ich auf meine Kindergarten- und Schulzeit blicke, macht diese Einstellung sehr Sinn, denn in meinem Umfeld wurden Kinder für Fehler offen beschämt. Fehler waren eine echte Gefahr für mich.

Es war umso schöner, als ich als erwachsene Musikerin in einem Kooperationsprojekt mit einer Grundschule das Plakat sah: Fehler = Helfer.

Wie wunderschön ist dieses Anagramm, weist es doch darauf hin, dass in jedem Fehler ein Hinweis für Entwicklung steckt, den wir begrüßen dürfen! Fehler laden uns ein, genauer hinzusehen. Sie tragen echtes Potenzial in sich!

Mein Ressourcenkoffer ist gepackt und deiner?

Es gibt noch viele weitere Ressourcen: Werte, Hobbys, Beziehungen, Rituale und mehr.

Übrigens formulierte ich 2 Monate nach dem Unterricht bei Elias Kim eine vorsichtige Vermutung.

“Ich glaube, ich habe einen wirklich schönen Ton.”

Yes! Und genau so ist es auch. Auch wenn gefühlt alles andere gegen den Baum geht, weiß ich, dass ich einen richtig wunderschönen, obertonreichen Klang habe, den ich jederzeit wieder auspacken kann.

Wenn du dir Unterstützung bei Themen wie Lampenfieber, Probespiel- und Prüfungsvorbereitung, Selbstzweifel, Stress und Belastung im Musikalltag wünschst, dann lade ich dich herzlich ein, mal bei mir vorbeizuschauen.

Mich haben selbst Selbstzweifel, Schmerzen und Auftrittsängste lang begleitet und ich kenne die Belastungen und Herausforderungen von Musikberufen sehr gut.

Auf meiner Webseite erfährst du mehr über meine Angebote und Erfahrungsberichte aus der Arbeit mit mir.

Und jetzt wünsche ich dir viel Vergnügen beim Packen deines Ressourcenkoffers!

Alles Liebe, Tina

Quellen:

Aline Lapierre, Laurence Heller, "Entwicklungstrauma heilen, Alte Überlebensstrategien lösen, Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken", 2023, 9. Auflage.

Dr. Michael Bohne,"Klopfen gegen Lampenfieber, Sicher vortragen, auftreten, präsentieren", 2023, 8. Auflage.

Kategorie Mindset

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