Von Hasnain Kazim - “Das Leben des Brian” / Höcke / Frieden? / Hundeleben
Liebe Leserin, lieber Leser,
als Jugendlicher habe ich den Film “Das Leben des Brian” geliebt. Und “Ritter der Kokosnuss”. Und “Der Sinn des Lebens”. Alles von der britischen Komikertruppe Monty Python. Am meisten aber “Das Leben des Brian”. Der Film wurde 1979 veröffentlicht, war also schon alt, als ich ihn Ende der Achtzigerjahre das erste Mal sah.
Für die, die ihn nicht kennen: Es ist eine Satire, die die Geschichte von Brian erzählt, der zufälligerweise zur gleichen Zeit wie Jesus geboren wird, zufälligerweise sogar im Nebenstall - und irrtümlich für den Messias gehalten wird. Am Ende stirbt auch er am Kreuz, und er und die Mitverurteilten singen “Always Look on the Bright Side of Life”, ein Lied, das wahrscheinlich noch bekannter ist als der Film.
https://www.youtube.com/watch?v=jHPOzQzk9Qo&list=RDjHPOzQzk9Qo&start_radio=1 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Als der Film herauskam, wurden schnell Blasphemievorwürfe laut. In Britannien und den USA sah man ihn als “gotteslästerlich”, obwohl er ja nicht Jesus, das Christentum oder Religion an sich ins Visier nimmt, sondern religiösen Fanatismus, Dogmatismus und blinde Gefolgschaft.
In manchen Ländern wurde er verboten oder nur eingeschränkt gezeigt. In Irland war er bis 1987 verboten, acht Jahre lang. Auch in Norwegen wurde er mit dem Hinweis, er sei “gotteslästerlich”, verboten, was dazu führte, dass der Film in Schweden spöttisch beworben wurde mit dem Spruch: “So lustig, dass er in Norwegen verboten ist!” Auch in Britannien wurde er lokal verboten, überall im Land riefen Gruppen zu Boykotten auf. In den USA zeigten ihn manche Kinos aus Angst vor gewalttätigen Reaktionen nicht. In Deutschland gab es zwar auch Proteste, aber sehr viel weniger als anderswo.
Am 4. Oktober hatte der Brian-Darsteller Graham Chapman seinen Todestag, er war 1989 im Alter von nur 48 Jahren infolge von Alkohol- und Nikotinsucht gestorben. Sein Monty-Python-Kollege John Cleese sagte in seiner Trauerrede: “Er ist nicht mehr, des Lebens beraubt, ruht in Frieden, gab den Löffel ab, ging über den Jordan, biss ins Gras, kratzte ab, nahm den letzten Atemzug, ging, um den Hauptabteilungsleiter für leichte Unterhaltung im Himmel zu treffen…” Am Ende der Trauerfeier sangen sie übrigens alle “Always Look on the Bright Side of Life”.
Ich habe den Todestag zum Anlass genommen, “Life of Brian” wieder einmal zu sehen, gemeinsam mit meinem Sohn. Und siehe da: Auch er findet ihn sehr, sehr komisch. Vor allem die Stelle, wo der Alte in der Grube sein 18 Jahre währendes Schweigegelübde bricht, weil Brian ihm auf den Fuß springt… Wir lachten auch über die Stelle, an der Stan eine Frau sein und Loretta genannt werden möchte. Ich las, dass es über diese Stelle ebenfalls von Anfang an Kontroversen gab, sie sei “transfeindlich” und mache sich über Genderidentität lustig. Diese Debatte flammte erneut auf, als es darum ging, den Film als Bühnenstück zu inszenieren - man könne diese Szene heute nicht mehr so machen. Andere hielten dagegen.
Die Szene: Stan sagt, er fühle sich als Frau und wolle Loretta genannt werden und habe das Recht, Kinder zu gebären. Die anderen reagieren mit Spott, aber auch mit dem Argument, er könne biologisch keine Kinder haben. (Sie drücken es etwas derber aus.) Trotzdem gesteht man ihm schließlich zu, für das Recht zu kämpfen, Kinder zu bekommen, auch wenn es biologisch unmöglich ist. Monty Python sagte, es gehe nicht darum, sich über Transpersonen lustig zu machen, sondern über Symbolpolitik, Gruppendynamik und fehlende Logik in politischen Diskussionen.
Bei mir ist es ja so, dass ich mich grundsätzlich für Bücher und Filme interessiere, die irgendwo verboten sind. Manchmal ergibt es durchaus Sinn, ein - zum Beispiel nicht jugendfreies - Buch aus einer Bibliothek zu entfernen. Meistens aber halte ich Forderungen nach Zensur und Verbannung für falsch. In Pakistan, wo Bücher von Salman Rushdie offiziell verboten sind, habe ich sein komplettes Werk gekauft. Jetzt erst recht!, dachte ich. Es gibt dort tolle subversive Buchhandlungen!
Ich empfehle sehr, “Das Leben des Brian” zu sehen. Wenn Sie ihn lustig finden, lachen Sie darüber. Wenn Sie ihn nicht lustig finden, dann lachen Sie einfach nicht. So einfach.
“Warum sind Sie gegen die AfD?”
Diese Woche schreibt mir Leser Hermann H., er verstehe nicht, warum ich “der AfD so feindselig gegenüberstehe”. “Ich lese Ihre Artikel, Ihre Newsletter und was Sie auf Facebook schreiben, und da sind Sie der AfD gegenüber sehr ablehnend eingestellt”. Und: “Sie sind doch ein kritischer Geist, auch was Islamismus angeht. Da sind Sie doch mit der AfD auf einer Linie! Wieso geben Sie dieser Partei keine Chance?”
Das finde ich eine interessante, sachliche Frage, und ich bin froh, dass Herr H. sie stellt. Jedenfalls habe ich darüber nachgedacht. Zumal ich gelegentlich auch gefragt werde, ob ich für oder gegen ein “AfD”-Verbot sei und für oder gegen eine “Brandmauer”. Diese Fragen möchte ich heute nicht beantworten, sondern auf das eingehen, was Herr H. fragt.
Zunächst einmal bin ich überzeugt, dass es, anders als der CSU-Grande Strauß einmal gesagt hat, rechts der Union sehr wohl noch Platz gibt innerhalb des demokratischen Spektrums. Vor allem seit der Kanzlerschaft von Angela Merkel. CDU/CSU sind unter ihr ohne Frage weiter nach links gerückt, Stichworte: Aussetzen der Wehrpflicht, Atomausstieg, Zustimmung zur Ehe für alle, Migrationspolitik. Man kann das gut oder schlecht finden, das soll hier aber nicht das Thema sein. Tatsache ist aber auch, dass am rechten Rand der Union die Dreggers und die Lummers nicht nachgewachsen sind, da ist jetzt niemand mehr. Auch das kann man gut oder schlecht finden, auch das soll hier nicht das Thema sein.
Es ist aber eben eine Lücke am rechten Rand innerhalb (!) des demokratischen Spektrums entstanden. Und da ist die “AfD” hineingesprungen, nur dass sie eben leider weit über die Grenze des Demokratischen, des Anständigen, des Akzeptablen hinausreicht. Mir ist das diese Woche noch einmal deutlich geworden, als ich ein Video vom August 2024 im thüringischen Sömmerda sah, wo der “AfD”-Rechtsaußentyp Björn Höcke eine Kampagne von mehr als 40 deutschen Familienunternehmen kritisiert, die eine Kampagne mit dem Titel “Made in Germany - Made by Vielfalt” kritisiert. Die Unternehmen setzen ein Zeichen für Weltoffenheit und demokratische Werte, natürlich wollen sie auch Fachkräftezuwanderung.
Höcke sagt: “Ich hoffe, dass diese Unternehmen in schwere, schwere wirtschaftliche Turbulenzen kommen.” Und es ist klar: Ihm - und vielen in der “AfD”, denn diese Partei hat sich, anders als andere rechtspopulistische Parteien in Europa, sehr stark zu einer rechtsextremistischen entwickelt - geht es nicht darum, bestimmte Werte durchzusetzen und zum Beispiel freiheitsverachtenden Islamismus politisch zu bekämpfen. Sondern ihm geht es um ein ethnisch homogenes, weißes, “arisches” deutsches Volk, um ein seltsames Germanentum, darum, alles, was dem nicht entspricht, loszuwerden, zu entfernen.
Ich bin, um auf Herrn H.s Frage zurückzukommen, sehr dafür, Feinde der Demokratie, der Freiheit, des Rechtsstaates zu bekämpfen. Also ja: auch Islamisten, natürlich. Aber die “AfD” ist eben auch ein Feind von Demokratie, Freiheit und Rechtsstaat. Sie ist nicht einfach nur irgendwie “sehr rechts”, innerhalb des demokratischen Spektrums. Sondern solange Typen wie Höcke das Sagen haben, ist diese Partei völlig inakzeptabel. (Hier setzt auch die Frage an, ob man diese Partei verbieten sollte oder nicht: Ist die “AfD” insgesamt Höcke, oder ist er ein Phänomen, der aber nicht übertragbar auf die Gesamtpartei ist? Das zu erörtern, führte hier zu weit. Ich habe gute Gründe gehört und gelesen für ein Verbotsverfahren und ebenso gute Gründe dagegen.) Leider sehen das viele Menschen nicht, Menschen, die mit ihrer Kritik an vielem durchaus einen Punkt haben, aber als Reaktion eine Partei wählen, die etwas ganz anderes im Schilde führt. Das ist auch die Schuld aller anderen Parteien, die die Kritikpunkte offensichtlich nicht so ansprechen und Dinge nicht zu angehen, dass es die Menschen überzeugt.
Wenn also jemand von der “AfD” sagte, Kaffee schmecke gut und Hunde sind tolle Tiere, würde ich nicht widersprechen. Aber solange es in ihren Reihen einflussreiche Leute gibt, die - im übertragenen Sinne - in den Kaffee spucken und Hunde vergiften, lehne ich sie ab. Ich möchte mit Extremisten nichts zu tun haben. Wenn jemand Menschen einfach wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft ablehnt, kann er sich gehackt legen.
Ob die Partei es schafft, sich vom Extremismus zu lösen und eine sehr rechte Partei innerhalb des demokratischen Spektrums zu werden? Ich weiß es nicht. Ich glaube, dass es Le Pen und Meloni gelungen ist. Aber der “AfD”? Es sieht jedenfalls nicht danach aus, und Höcke wird ja eher immer mächtiger, während gemäßigtere Leute die Partei verlassen haben oder verlassen mussten.
Das Video von Sömmerda hat übrigens der “Welt”-Journalist Frederik Schindler gemacht. Ich schrieb ihm, um mich zu vergewissern, ob es wirklich von ihm ist. Ist es. Und ich sah dann, dass er gerade ein Buch über Höcke veröffentlicht hat: “Höcke. Ein Rechtsextremist auf dem Weg zur Macht”, erschienen bei Herder. Ich lese es gerade, erfahre einiges Neues über Höcke (nichts Schmeichelhaftes) und empfehle dieses Buch sehr. Auch und gerade denen, die meinen, man müsse die “AfD” doch in einem milderen Licht sehen, weil doch so viele Leute sie wählten und weil sie doch auch Richtiges sagte.

Frieden also?
Seit Donnerstagmittag also Waffenruhe in Gaza. Ein Friedensplan, den im Wesentlichen US-Präsident Donald Trump ausgearbeitet hat, ausgerechnet. Natürlich ist dieser Frieden wacklig, es gibt gute Gründe auf beiden Seiten, der Sache nicht ganz zu trauen, aber: ein Schritt nach dem anderen! Wir können nur hoffen, dass das was wird!
Die Art und Weise, wie sich die Teilnehmer der “Gaza Flotilla” selbst feiern und feiern lassen, nach ihrer Abschiebung aus Israel, finde ich, freundlich formuliert, problematisch. Hauptsache, es ist “instatauglich”. Über den Begriff “Völkermord” (und als Fremdwort: Genozid) kann man lange streiten, das wurde und wird ja auch getan. Wenn sich nun aber Leute als “Opfer eines Holocaust” inszenieren, finde ich das, noch einmal und unter großer Anstrengung und Zurückhaltung freundlich formuliert, ebenfalls sehr problematisch.

Aber die Frisur sitzt, das Tuch liegt faltenfrei, das Hemd ist bis zur Brust geöffnet, das Brusthaar gekämmt…
In Montreal, Kanada, übrigens haben am Donnerstag, nach Beginn der Waffenruhe, trotzdem viele Menschen demonstriert und “Yalla Intifada” und “From the river to the sea” skandiert, und es kommt einem - mal wieder - der Verdacht, dass es den einen Teilnehmern vor allem um Party, Selbstbestätigung und Gruppenzugehörigkeit geht und den anderen um Islamisierung, “Wir gegen die”, ein Vehikel zur Vergrößerung der Macht. Islamisten und ihre nützlichen Idioten haben da zusammengefunden, na servus!
Die Uno-Sonderbeauftrage für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, sagte in einem via Tiktok verbreiteten Video allen Ernstes, auf Englisch: “Auch wenn keine Bomben mehr fallen und keine Kugeln mehr abgefeuert werden auf die Menschen in Gaza: Der Genozid geht weiter.” Es ist dieselbe Frau, die mehrfach und zuletzt in einer Rede sagte, diesmal auf Italienisch: “Hamas, Hamas, Hamas - Hamas ist eine politische Kraft, ob wir es mögen oder nicht. Und Hamas hat ein System von Schulen, öffentlichen Einrichtungen und Krankenhäusern errichtet. Sie ist schlicht die Autorität vor Ort.”
Was kann man dazu nun freundlich und zurückhaltend sagen?
Hund müsste man sein!
Wenn ich das Leben meiner Hündin Frau Dr. Bohne betrachte, dann muss ich schon sagen: Sie hat es ziemlich gut. So ein Leben hätte ich auch gerne: Morgens aufstehen, wenn es einem gefällt (meist sehr früh), Herrchen und Frauchen wecken, los, ihr Alten, raus aus dem Bett!, erst einmal eine Runde begleitet durch Wien gehen, ein Frühstück serviert bekommen, viele Streicheleinheiten über den Tag, weitere Spaziergänge, manchmal auch irgendwohin raus, wo man rennen und toben kann, dann noch einmal ein gutes Essen, zwischendurch Leckerlis, sich um nichts kümmern müssen, den Tag über eigentlich auch die meiste Zeit dösen und schlafen.
Und wenn es Streichelbedürfnis gibt, einfach kommen und einfordern, egal ob der Mensch gerade arbeitet oder aus anderen Gründen nicht kann: ein Sprung auf den Schoß, den Computer mit Pfote und Schnauze weggeschoben, nun komm, Alter, streichel!
Kürzlich sah ich eine Karikatur vom Zeichnerduo Hauck & Bauer. Zwei Hunde sitzen in einer Bar beim Bier. Sagt der eine Hund zum anderen: “Ich mache eine Ausbildung zum Therapiehund. Dachte, da kommt man leicht an Antidepressiva. In der ersten Stunde stellt sich raus: Wir SIND die Antidepressiva!”
Wunderbar!
Und zutreffend. Böhnchen macht immer gute Laune. Ihre Liebe ist (fast) bedingungslos, sie nimmt einen, wie man ist, akzeptiert Fehler, ist nicht nachtragend, eine großartige Gefährtin! Und: Sie liebt das Leben! Den Flausch! Die Freundschaft!
Im Moment ist es leider ziemlich grau und nass in Wien, seit Tagen schon, eigentlich ein Grund, weiter in den Süden zu ziehen, aber Bohni sagt: “Wurscht, einfach gut einkuscheln, und fertig. Ist doch kein Grund, schlechte Laune zu bekommen!”

Kürzlich waren wir beim Tierarzt, Routineuntersuchung und die üblichen Impfungen, das allerdings war ein Theater und Grund für schlechte Laune (bei Frau Dr. Bohne). Sie hasst den Tierarzt. Da helfen sogar Leckerlis nichts. Schon drei Straßen vorher riecht sie den Braten und weigert sich, auch nur einen Schritt weiterzugehen. Zum Glück kann man sie ganz gut tragen, und so muss ich sie jedes Mal die letzten dreihundert Meter in die Ordination (österreichisch für: Praxis) im Arm transportieren. Aber auch da: Sie ist nie nachtragend. Nach dem Arztbesuch ist schnell wieder Party.
Vielleicht sollte ich mir einfach öfter ein Beispiel an Böhnchen nehmen.
Diese Woche ist mir etwas sehr Schönes passiert: In einem Asia-Shop habe ich Ingwerbonbons entdeckt, wie sie mir meine Oma in Karatschi gekauft hat, als ich ein Kind war, und wie ich sie selbst während meiner Korrespondentenzeit in Islamabad gekauft habe - sogar dieselbe Marke! Der Geschmack im Mund, und schon bin ich in Pakistan, obwohl ich über die Mahü in Wien spaziere. Toll!
Ich wünsche Ihnen einen geruhsamen Sonntag und eine schöne Woche! Ich werde diese Woche vor allem damit beschäftigt sein, ein Buchmanuskript nun im zweiten Durchgang zu bearbeiten, nachdem meine tolle Lektorin es mir mit ihren Anmerkungen und Bearbeitungen zurückgeschickt hat.
Herzliche Grüße aus Wien,
Ihr Hasnain Kazim
P. S.: Ich freue mich, wenn Sie mich als “Mitglied” beim Verfassen der “Erbaulichen Unterredungen” unterstützen.