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Mit dem Fahrrad in die Rosa-Hellblau-Falle - eine Bilderschau

Willkommen zu einer sommerlichen Rad-Show in Rosa und Blau.

Obwohl Frauen inzwischen netterweise auch Hosen anziehen dürfen, ist es nach wie vor verbreitet, von “Herrenrad” und "Damenrad" zu sprechen, letzteres setzen viele gleich mit weniger schnell, weniger sportlich, weniger stabil, weniger „richtiges Fahrrad“. Die Bezeichnung “Damenrad” ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als Frauen auch in langen Röcken ein graziles Aufsteigen ermöglicht werden sollte. Aber wer's mag, findet natürlich auch heute noch Gründe, um Gräben zu ziehen, wo's nichts zur Sache tut.

cooler Vater - trendige Mutter

Sagt, WAS es ist, schreibt uns nicht vor, FÜR WEN!

Bezeichnungen gäbe es genug, um die unterschiedliche Bauweise von Fahrrädern zu benennen:

A) Rad mit horizontalem Oberrohr: Diamantrahmen oder Dreiecksrahmen

B) Rad mit abfallendem Oberrohr: Schwanenhalsrahmen, Curve, Wave, im Rennradbereich: Trapez, Cross Trapez…

Aber hey, warum einfach beschreibend, wenns auch geschlechterstereotyp geht? 🤷

Gendermarketing gibt ein binäres Angebot vor, Privatverkäufer ziehen nach

Haben die Unterschiede mit Geschlecht zu tun?

Die Diamantform ist stabiler, im Rahmendreieck ist mehr Platz für Taschen, Flaschen, Schlösser. Leichter auf den Sattel kommt Mensch mit tiefem Einstieg. Der für viele auch ohne Rock sicherer wäre: Bei Stürzen mit Curve-Rahmen treten eher Verletzungen am Becken oder den Schultern auf, wer mit Querstange fährt, hat ein höheres Risiko für Kopfverletzungen. Besonders gilt das (laut einer Studie des niederländischen Fietsberaad, Fachzentrum für Radverkehrspolitik) für ältere Radler, die beim Auf- und Absteigen Schwierigkeiten haben, und Väter, die ihre Kinder auf einem montierten Kindersitz transportieren. Dazu kommt, dass bei klassischen Tourenrädern, anders als beim Rennrad oder Mountainbike, der Helm selten zur Standardausrüstung zählt. Egal, denn auch Radfahren ist "Doing Gender", soll heißen: mensch drückt im Wie aus, welcher Gruppe sie*er sich zugehörig fühlt. Und weil den meisten wichtig ist, "richtig" gelabelt zu werden, helfen sie andern gerne durch die "richtige" Kleidung, Körpersprache, Farbe und… Fahrrad auf die Sprünge.

Lieber verletzt als unmännlich?

Zu schrecklich wäre es, als Mann auf einem Rad erwischt zu werden, das ihn nicht deutlich als Mann kennzeichnet. Als Frau mit Diamantrahmen zu fahren ist dagegen okay: man sieht, Geschlechterhierarchie auch hier, das Damenrad ist für den Mann ein Abstieg in weibliche Sphären, das Herrenrad für die Frau ein Zeichen von Sportlichkeit. Zitat eines Fahrradverkäufers:

"Ich kenne einige ältere Männer, die die Knie nicht mehr hochkriegen, aber trotzdem lieber tot, als auf ‘nem Damenrad wären"

Also anstatt das Rad mit tiefem Einstieg bzw. mit Diamantrahmen zu wählen, einfach weil die Mehrzahl es “Damenrad” nennt, ist offenbar so würdelos für manchen Mann, dass er lieber riskiert, beim Auf- und Absteigen auf die Nase zu fallen. Lieber verletzt, als zu weiblich. Schade, dass Erwachsene dieses Denken oft an Kinder weiterreichen: Die Tochter darf das Rad des großen Bruders übernehmen: cool! Der kleine Bruder bekommt lieber ein neues statt das pinke der älteren Schwester fahren zu müssen - wär ja peinlich!

PinkTax auch beim Radeln

Dass der Drogeriemarkt Preisunterschiede macht bei baugleichen blauen und pinken Rasierern, das hat sich inzwischen herumgesprochen. Und ob Shampoo, Shirt oder Schulranzen: Genderpricing, die sog. Pink Tax, is illegal, Verbraucherschutz und Antidiskriminierungsstelle des Bundes sind sich da einig. Das gilt also auch für Fahrräder und Zubehör, doch Firmen in Deutschland darf das egal sein, weil niemand sie verklagen kann. Das liegt daran, dass der Schaden für die Einzelperson zu gering ist - 2 Euro mehr für das pinke Fahrradschloss - “Musst es ja nicht kaufen!” - und es hierzulande keine Möglichkeit zur Sammelklage gibt.

Die pinke Version ist teurer. Jetzt auch bei Schlössern.

Raus aus der Rosa-Hellblau-Falle!

Man sieht: die Botschaft ist überall, auch Kinder, die noch nicht lesen können, haben verstanden, dass das, was für Mädchen taugt, für Jungs noch lange nicht gut genug ist. Und dass Unterschiede irgendwie lebenswichtig zu sein scheinen, warum wird nicht klar, aber egal, Hauptsache wir feiern die Geschlechtertrennung und wundern uns dann über “Jungs gegen Mädchen”-Spiele im Schulhof und misogyne Kommentare unter News von Radsportler*innen. Das hat niemand ahnen können, wissen allerdings schon, denn von verstecktem Subtext kann hier nicht die Rede sein:

Also sprecht darüber!

Sprecht mit Euren Kindern, mit anderen Erwachsenen, die unnötige Kommentare fallen lassen. Farben sind für alle da, und beim Radfahren zählt in erster Linie das Vorankommen. (Deshalb ruhig nochmal checken, wer bei Euch zuhause die Kupplung für den Kinderfahrradanhänger am Rad hat, und was dagegen spricht, dass auch er sich eine dranschraubt ;-) In diesem Sinne, alles Gute Euch fürs bunte Radeln!

Beste Grüße, mit bycicle - face* gesendet

Sascha & Almut

* Sternchen
  • *Bicycle Face: erschöpfter Gesichtsausdruck, oft mit geröteter oder blasser Haut. Dunkle Schatten unter den Augen - Der Begriff "Bicycle Face" bezeichnet eine angebliche Krankheit, die Ende des 19. Jahrhunderts erfunden wurde, um Frauen vom Fahrradfahren abzuhalten. Diese „Krankheit“ wurde von Ärzten und anderen Kommentatoren als Folge der körperlichen Anstrengung und des Gleichgewichthaltens beim Radfahren beschrieben. Sie sollte Frauen davon überzeugen, dass das Fahrradfahren schädliche Auswirkungen auf ihr Aussehen und ihre Gesundheit haben könnte. Bis ins 20. Jahrhundert war Radsport für Frauen in Deutschland verboten!

Positivbeispiel ?!

Der Junge mit rosa Rad schon. Aber das ist wohl nur möglich, wenn er dabei ein blaues Shirt trägt, das ihn als “handsome Man” auszeichnet. Sicher ist sicher!

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Im Türrahmen - mit Küchenhocker - freie Sicht zum Herd:

(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)6 Bücher, gestapelt, Cover vorn. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Bücher aus der Wort & Klang Küche von Almut Schnerring und Sascha Verlan

Hidden Track ;)

Impro-Rap übers Radfahren von Tobias Borke, mit Beatbox von Pheel. Ein kurzes Hörstück aus einer 12er-Reihe von Impro-Rap-Collagen, die wir vor langer Zeit mal für den Deutschlandfunk produziert haben. Und die jetzt, bei der Fahrradrecherche auf unserer Festplatte für diesen Text, wieder aufgeploppt ist 😊

Sujet Rosa-Hellblau-Falle

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