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Was tun, wenn das Kind zu dick ist? Oder zu dünn?

Von Bodyshaming zu Diät zu Essstörung: Vor allem Mütter kennen diese Leidensgeschichte. Wie vermittelt man Kindern ein anderes Körperbild? Eine Expertin weiß Rat.

Zuerst erschienen im Spiegel, 19.3.2026 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Wie reagiert man richtig, wenn das Kind im Bus eine mehrgewichtige Person sieht und ruft: »Schau mal, Mama, die Frau ist aber dick«?

Pfaffinger: Hat es mit dem Finger gezeigt und laut gerufen, kann man sich stellvertretend entschuldigen und später mit dem Kind besprechen, dass man das Aussehen fremder Leute nicht öffentlich kommentiert. Grundsätzlich aber darf jede Beobachtung sein. Erwachsene haben oft den Impuls, solche Sätze sofort zu unterbinden, was schade ist. Sie sind eine Chance, über das wichtige Thema Körper ins Gespräch zu gehen.

Und wie?

Pfaffinger: Ideal sind Gegenfragen: Was meinst du genau? Warum ist dir das gerade aufgefallen? Dabei sollte man versuchen, Begriffe wie dünn, schlank, dick, fett nicht moralisch aufzuladen. Wenn das Kind eine mehrgewichtige Person »dick« nennt und die Eltern »stimmt doch gar nicht« sagen, spricht man dem Kind die Wahrnehmung ab.

Vor allem, wenn gleichzeitig die möglicherweise normalgewichtige Mama zu Hause vor dem Spiegel steht und »Puh, ich bin so fett geworden« sagt.

Pfaffinger: Ganz genau. Mit solchen verwirrenden Botschaften wachsen sehr viele Kinder auf. Viele Menschen bodyshamen sich selbst permanent, ohne es richtig zu bemerken und auch ohne zu wissen, welches Risiko darin für ihre Kinder liegt. Eltern müssen sich bewusst machen, wie prägend es ist, wenn sie Körper abwerten. Oder aufwerten: »Wow, die Nachbarin hat abgenommen, schaut toll aus« – auch in solchen Sprüchen liegt ein oft unerkanntes Risiko.

Ingrid Pfaffinger ist Diätologin und Mitgründerin des Instituts für intuitive und bedürfnisorientierte Ernährung. Mit ihrer Familie lebt sie auf einem Bauernhof in Oberösterreich.

Es geht also weniger darum, Kindern ein gutes Körpergefühl beizubringen, sondern eher darum, ihr gutes Körpergefühl, mit dem sie zur Welt kommen, zu erhalten?

Pfaffinger: Richtig. Kleine Kinder freuen sich darüber, dass sie einen Körper haben, und probieren aus, was der alles kann. Es liegt nicht in ihrer Natur, Aussehen zu bewerten. Vorurteile über dicke und dünne Menschen übernehmen sie mit der Zeit von Erwachsenen.

Manchen Eltern ist das bewusst, und sie bemühen sich, solche Sätze vor dem Kind nicht zu sagen. Sind sie gescheitert, wenn die Kinder selbst damit anfangen und zum Beispiel »Mama, dein Po ist aber dick« sagen?

Pfaffinger: Nein. Kinder nehmen gesellschaftliche Körpernormen sehr früh wahr. Spätestens in der Vorpubertät fangen sie dann an, sich und andere zu vergleichen und diese Beobachtungen auszusprechen. Zur Bösartigkeit wird es nur dann, wenn ein an sich neutrales Wort wie »dick« gezielt als Beleidigung verwendet wird. Genau das müssen Erwachsene einordnen helfen.

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