
Dezember, da bist du ja!
Seid ihr schon in der Weihnachtsbäckerei tätig, oder lasst ihr das Plätzchenbacken ruhig angehen? Während letztes Jahr um diese Zeit der Weihnachtstrubel ebenfalls losging, markierte Ende November 2024 den Beginn eines fantastischen Community-Projekts. Die Dice Actors waren ganz verzückt, als sie das Werk in den Händen halten durften. Im heutigen Interview gibt uns Judith Einblicke in das, was sie gemeinsam mit anderen Diceys geschaffen hat.
Würdest du dich einmal vorstellen? Wer bist du, was machst du und wie bist du Teil der Dice Actors Community geworden?
Guguck, ich bin Judith, bei den Diceys auf dem Discord-Server auch bekannt als Tavernen-Omi (da ich dort unter den aktiven Server-Mitgliedern mit meinen 43 Jahren die älteste Frau bin) und Kräuterhexe (weil ich für die meisten Wehwehchen die passenden Heilpflanzen oder Hausmittelchen parat habe).
Im realen Leben bin ich gelernte Tierarzthelferin, bin aber seit 8 Jahren selbstständig mit einer mobilen Haustierbetreuung. Das heißt, wenn z. B. Katzenbesitzer in den Urlaub fahren, fahre ich zweimal täglich zu ihnen nach Hause und kümmere mich um die Katzen und das Haus – also Post, Blumen, Mülltonnen, Rollläden und so weiter.
Von den Dice Actors hatte mir mein Wanderkumpel Christian erzählt, und nachdem er mich zwei Wochen lang damit „genervt“ hatte, dass ich da doch unbedingt mal reinhören solle, das sei ganz bestimmt sowas von genau mein Ding, habe ich während einer Wanderung resigniert und gemeint, auf der Heimfahrt könne er ja einfach mal die Folge weiterhören, bei der er gerade sei. Und was soll ich sagen … das war Folge 10. Noch Fragen? 😅
Da ich als Haustierbetreuerin theoretisch 16 Stunden am Tag Podcasts hören kann – die Katzen stört das ja nicht –, hatte ich Christian schon nach wenigen Tagen überholt und nervte nun meinerseits ihn, dass er aufholen solle; ich hätte doch sonst niemanden, mit dem ich über die Folgen reden konnte.
Und genau diese Sehnsucht, mich mit anderen Fans auszutauschen, hat mich im August letzten Jahres dann auf den Discord-Server gebracht.
Du hast ein riesiges Community Projekt auf die Beine gestellt. Wie kamst du auf die Idee?
Ich wollte irgendwie meine Wertschätzung und auch meine Dankbarkeit für die Dice Actors ausdrücken, weil es mir letzten Sommer, als ich sie zu Beginn der Sommerferien – aka Haustierbetreuungs-Hochsaison – entdeckt hatte, echt nicht gut ging. Ich hatte mit einem Burnout zu kämpfen, habe ich immer noch, aber letzten Sommer war es wirklich schlimm. Und dass ich in den Sommerferien die damals erschienenen 70+ Episoden der Dice Actors anhören und mich von den Abenteuern der Hüter und der Bolzenbande ablenken und mitreißen lassen konnte, hat mir genau die Energie geschenkt, die ich brauchte, um durch den Sommer zu kommen.
Das viele Lachen, die Emotionen, die Spannung – all das hat mir so gutgetan, trotz der langen Arbeitstage eben nicht immer nur die Arbeit im Kopf zu haben. Und dafür war ich so dankbar, dass ich einfach etwas zurückgeben wollte. Zeichnen kann ich nicht, Gedichte und Songs schreiben schon gar nicht, ABER ich hatte mir vor 20 Jahren mal autodidaktisch das Buchbinden beigebracht, um einem Freund ein persönliches Geschenk zu machen. Und so kam mir diese verrückte Idee in den Sinn, aus den Abenteuern der Hüter der Obelisken „ein“ Buch zu machen.

Kannst du uns mehr über den Schaffungsprozess erzählen? Wie ging es los? An welcher Stelle hast du festgestellt, es wäre gut, weitere Diceys an Bord zu holen?
Also, dass meine Idee ziemlich größenwahnsinnig war, das war mir ehrlich gesagt vom ersten Tag an klar, aber ich war anfangs trotzdem noch ziemlich verbissen und wollte es unbedingt schaffen. Zuerst versuchte ich, die automatisierten YouTube-Transkripte herauszukopieren und zu säubern, aber „Mähdrescher“ und „Gong“ sind da noch die harmlosesten Begriffe, die YouTube vermurkst hat.
Also begriff ich schnell, dass ich wirklich Folge für Folge anhören und alles parallel mitschreiben müsste. Und auch wenn ich recht flott in die Tasten haue, musste ich die Wiedergabegeschwindigkeit auf 0,5-fach herunterdrehen, um mitzukommen, und immer wieder pausieren, um Beschreibungen hinzuzufügen. Letztlich nahm das Transkribieren einer Folge ungefähr drei- bis fünfmal so viel Zeit in Anspruch, wie die Folge selbst lang war – je nachdem, ob sie mehr Kampfhandlungen oder mehr Dialog enthielt.
Deshalb gab ich mir am 29. November 2024 einen Ruck und erstellte einen Post auf dem Discord-Server: „Helferlein für (geheimes) Dice-Actors-Fanprojekt gesucht.“ Und die Resonanz war wirklich grandios. Letztlich waren wir 23 Diceys, die gemeinsam die ersten 65 Folgen der Hüter-Kampagne transkribiert haben. Zwölf Diceys haben die Texte Korrektur gelesen und 38 Künstler haben ihre Fanarts zur Verfügung gestellt oder – was mich besonders gerührt hat – sogar extra Fanart für die Bücher gezeichnet.

Welche Herausforderungen hattet ihr?
Die erste große Herausforderung war es, Alex möglichst unauffällig die korrekte Schreibweise einiger Orte und Personen zu entlocken, ohne ihn misstrauisch zu machen. Also legte ich mir ein Nutzerkonto bei der Dice-Actors-Wiki an und erstellte zumindest mal einen Alibi-Eintrag über einen allseits beliebten, zahmen Raptor, um Alex gegenüber anschließend glaubhaft behaupten zu können, dass ich diiiiiiiese lange Liste an Namen für kommende Wiki-Einträge bräuchte. 😇
Als es Anfang September endlich ans Buchbinden ging, war mein größter Feind über zwei Wochen hinweg das Buchbindergarn. Ich glaube, nichts hat mein Mitbewohner in dieser Zeit so oft gehört wie mein verzweifeltes „Wieso ist denn da jetzt schon wieder ein KNOTEN drin!?“ Ihr müsst wissen: Die dicken Patricks (nichts für ungut, Jungs, eure Bücher sind die dicksten 😉) werden jeweils von 7,5 Metern Garn zusammengehalten, das durch jedes einzelne Loch jedes einzelnen Buchhefts gezogen werden musste. Das verzwirbelt sich wie nix Gutes.

Ich bin bald waaaahnsinnig geworden – und dann kam doch tatsächlich Nera vom Discord-Server ein ganzes Wochenende zu Besuch, um mir als menschliche Garnspule zur Seite zu stehen, damit ich wenigstens mal einen Buchblock vernähen konnte, ohne noch mehr graue Haare zu bekommen.

Ach ja, und dann segnete noch mein Drucker 100 Seiten vor dem Ziel das Zeitliche und mein Schreibtischstuhl brach vor laufender Kamera unter mir zusammen, als ich gerade Riekes Einband verleimt hatte. Darüber muss ich heute noch lachen, wenn ich mir das Video anschaue.
Nein, ernsthaft: Insgesamt hätte deutlich mehr schiefgehen können, aber ich war ein paar Mal drauf und dran, alles hinzuschmeißen und aufzugeben – vor allem einfach beim schieren Gedanken an die Masse an Arbeit, die uns noch bevorstand und diesem „Wie sollen wir das bloß schaffen?“-Gedanken. Währenddessen kam meine Hauptsaison in riesigen Schritten näher und ich wusste: Sobald ich wieder ausgebucht sein würde, würde ich kaum noch mit dem Projekt vorankommen.
Wären meine vielen Helferlein nicht gewesen, die selbst alle schon so viele Stunden in die Transkripte und Fanarts investiert hatten, hätte ich es definitiv nicht durchgezogen.
Der größte Dank gebührt hier auf jeden Fall Judy, die mir im Laufe des Jahres immer mehr und noch mehr Aufgaben abgenommen hat, als sie gemerkt hat, dass ich zu viele Fäden in der Hand hielt. Judy hat Tabellen angelegt, um den Überblick zu behalten, und letztlich hat sie die Formatierung des gesamten Textteils und das komplette Layout des Buchblocks (so heißt das Innenleben eines Buches, also alles bis auf das Cover) übernommen. Das hat mir SO unendlich viel Arbeit abgenommen. Ohne ihre Hilfe hätte ich es nie geschafft.
Bist du stolz auf das Ergebnis? Und würdest du sowas nochmal in Angriff nehmen?
Ja, ich bin wirklich stolz auf das, was wir da gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Mit Teamwork kann man so viel mehr erreichen als alleine und rückblickend bin ich sehr froh, dass ich damals über meinen ambitionierten Schatten gesprungen bin, der das Ganze allein hatte schaffen wollen. Denn so ist es ein Community-Projekt geworden – und das ist so viel schöner als ein Fan-Geschenk von nur einer einzelnen Person.

Und was die Frage angeht, ob ich so etwas noch einmal in Angriff nehmen würde … Sechs Bücher in vier Wochen zu binden, das war einfach Wahnsinn. Und als ich am 29. September mit dem letzten Buch fertig geworden bin, habe ich mir – und meinen Freunden – versprochen, nie wieder so ein irres Projekt unter Zeitdruck zu machen.
Aber um mal ein Gespräch zwischen Sepu und mir von letzter Woche zu zitieren:
Sepulcrum: „IcH mAcH sO eIn BuChPrOjEkT nIe WiEdEr.“
Judith: „Unter ZEITDRUCK nie wieder, habe ich gesagt!“
Sepulcrum: „mhm“
Judith: „Skepsis zur Kenntnis genommen.“
Sepulcrum: „Ich werd dich ziemlich anmeckern, wenn du wieder ätzend wirst, weil du’s unter Zeitdruck machst.“
Judith: „🫶“
Also: Wir sitzen bereits an der Fortsetzung des Projekts, denn Judy war nicht zu bremsen und hat einfach ohne Pause weitertranskribiert. Und jetzt, wo die Katze aus dem Sack ist und wir endlich öffentlich darüber reden können, können wir es auch über ganz Thaya hinaus brüllen:
Wer Spaß daran hätte, uns beim Transkribieren weiterer Episoden zu helfen, kann sich sehr gerne per Discord-PN an Judy (@judy_isadora) oder mich, Judith (@enlothientook1926), wenden.

Wir sind natürlich neugierig: Planst du, selbst D&D o.Ä. zu spielen oder hast das schon mal gemacht? Oder möchtest du lieber eine Runde leiten?
Das Timing für diese Frage ist wirklich lustig, denn kommendes Wochenende (zum Zeitpunkt dieses Interviews) werde ich zum ersten – und vermutlich leider auch einzigen – Mal D&D spielen!
Im Jahr 2014, als mein Haus 111 Jahre alt wurde, hat meine damalige Mitbewohnerin Nina einen kleinen Nip'ajin-One-Shot mit Christian und mir gespielt, in dem es ebenfalls um ein 111 Jahre altes Haus ging. Und im Jahr darauf hat Nina einen DungeonSlayer-One-Shot mit vereinfachten Regeln für mich und einige Freunde aus den USA geleitet. Aber seit ich mich selbstständig gemacht habe, bin ich leider nicht mehr dazu gekommen.
So cool mein Job als Haustierbetreuerin auch ist – er bringt nun mal mit sich, dass ich jeden Vormittag und jeden Abend arbeiten muss, auch an Wochenenden und Feiertagen. Deshalb macht er gesellschaftliche Aktivitäten wie Spieleabende leider nahezu unmöglich.
Aktuell habe ich aber Urlaub, und ich habe mir Alex’ One-Shot „Winter von Trabenhain“ gekauft und einfach mal in der Taverne auf dem Discord-Server gefragt, ob sich jemand bereit erklären würde, die Runde für Nina, Christian und mich zu leiten. Und nun kommt Korder kommendes Wochenende extra über 100 km hierher gefahren, um uns durch ein Abenteuer auf Thaya zu führen. Ich freue mich schon sehr!
Möchtest du am Ende unseren Diceys noch etwas mit auf den Weg geben?
Ziert euch nicht, um Hilfe zu fragen, wenn ihr merkt, dass ihr etwas nicht alleine schafft – ganz gleich, ob es um ein Fanprojekt geht oder um eine schwierige Situation im Leben. Niemand kann alles alleine schaffen, und auch wenn man sich dessen manchmal nicht bewusst ist, gibt es immer Menschen da draußen, die einem eine Hand reichen, wenn man ihnen zeigt, dass man Hilfe braucht.
Seid lieb zueinander und gebt aufeinander Acht.
Wow! An dieser Stelle müssen wir eines unserer Lieblingszitate herausholen: Seht, was wir erreichen! Seht, was IHR erreicht!

Danke, Judith, für deine Idee, die Koordination und die Last-Minute-Umsetzung. Die physischen Bücher sind ein Träumchen, doch auch die digitalen Transkripte, die ihr auf dem Discord-Server (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) findet, bergen einige Vorteile: Alex hat diese beispielsweise bereits zum Nachschlagen genutzt. Wir ziehen den Hut vor eurer Leistung und eurem Durchhaltevermögen.
Ein großes DANKESCHÖN geht raus an alle beteiligten Personen. Wir senden euch ganz viel Liebe! ♥️
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