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Neues aus dem Altersheim

Heimat. Hessen. Hendrik. Das ist der Titel meines monatlichen Podcasts, der am Freitag gestartet ist. Ein Jahr lang darf ich ihn mit produzieren, im Auftrag der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Aber was ist das eigentlich – Heimat?

Eine Antwort liefert das Seniorenheim mitten in Korbach. „Wir möchten unseren Bewohnern eine letzte Heimat schenken“, sagt Ribana Klabunde. Sie leitet das „Haus am Nordwall“ – Station sieben meiner Hessentour. Das Ziel hier ist keinesfalls selbstverständlich. Wie soll man Menschen, die 40, 50 oder 60 Jahre im selben Haus, im selben Dorf gelebt haben, erklären, dass sie ins Heim kommen? Dass sie abgestellt werden? Gemeinsam mit Leuten, die sie nicht kennen, vielleicht gar nicht kennenlernen können – siehe Demenz, siehe geistige Krankheiten. Erst gestern sagte mir eine Dame, bei der ich eine Nacht unterkam: „Am besten ist doch, man schläft irgendwann einfach ein.“ Auch aus Angst vor solch einer Einrichtung. Aber auch ein schwer zu erreichendes Ziel ist erreichbar. Sämtliche Bewohner, die ich über den Tag treffe, schwärmen vom Haus. Geld? Ist knapp, wie überall. Menschlichkeit? Wird großgeschrieben. Nur so geht es: Heimat, auch die letzte, das sind immer die Menschen.

Wenn Deutschland immer älter wird, bedarf es jedoch neuer Wege, um Betreuung, um Wohlgefühl, um eben diese Menschlichkeit weiter herstellen zu können. Es braucht Innovation, die das Haus am Nordwall liefert. Mit dafür sorgt Leo. Leo ist knapp einen Meter groß, hat kindliche Glubschaugen und wird gerne getragen. Leo ist ein Roboter – und darauf programmiert, Smalltalk mit den Bewohnern zu führen. „Wir erleben es immer wieder, dass sich demente Bewohner durch das Gespräch mit Leo wieder an längst vergessene Momente erinnern können“, verrät mir Miriam Interthal. Sie ist tätig in der sozialen Betreuung im „Haus am Nordwall“ und programmiert regelmäßig, welche Fragen Leo stellen soll. 33.000 Euro hat der Roboter gekostet, finanziert durch Stiftungsmittel.  

Nur, wenn man sich auf Neues einlässt, kann man das Gute am Alten bewahren. Wie viele Bewohner haben keine Angehörigen mehr, die sie besuchen? Wie viele vereinsamen unter Menschen, eben weil sich niemand mit ihnen unterhält. Ein Roboter schafft da den Ausgleich – immer durch eine Fachkraft moderiert, aber wirksamer, und vor allem: mit unendlich viel Energie, die im Pflegealltag endlich ist – siehe Corona. Später werde ich noch mit einer Fahrradrikscha durch Korbach gefahren. 29 Ehrenamtliche fahren die Senioren in Korbach durch die Stadt und an Orte, die diese allein nicht mehr erreichen könnten. Ein Service, den der normale Pflegealltag nicht leisten könnte. Da ist sie wieder, die Menschlichkeit. Ganz ohne kluge Zusammenarbeit geht es aber auch nicht, und so sah man beim vergangenen Weihnachtsmarkt Mitarbeiterinnen des Hauses am Nordwall Glühwein verkaufen für die Rollstuhlrikscha, die sie hier auch haben. Ja, gerade ist Krise. Aber es sind auch Leute da, die sich zu helfen wissen, die im Kleinen tun, was Groß nicht leisten könnte. Und aus vermeintlich kleinen Aktionen erwächst auch wieder Großes. Senioren, die zu Hause nicht glücklicher, sondern einsam waren, nach denen niemand schaute und die sich nur an die alten Zeiten, an ihre alte Definition von Heimat klammerten, finden neue Freunde, neue Angebote, neue Lebenslust. Finden ganz am Ende der Leiter neue Zuversicht.

Heimat – das darf nichts Starres sein, nicht gegenüber Menschen, nicht gegenüber Orten. Konkret sieht man das am Seniorenheim. Man kann das aber auch aufs Land übertragen: Was nutzt es uns schon, die deutsche Leitkultur zu feiern, wenn wir dadurch andere Kulturen verpassen, und im schlimmsten Fall Menschen vergraulen, unsere Kultur erst zu entdecken? Die Antwort auf Fachkräftemangel, auf Überalterung heißt Migration, heißt Vielfalt, und bleibt – dennoch – Heimat.

Good News der Woche #13 - Der Dorfladen in Höringhausen

Auf dem Land wird es immer schwerer, Personal für kleine Dorfläden zu finden. Die sind aber gerade für ältere Mitbürger total wichtig. Also hat sich ein Verein in Waldeck-Höringhausen gedacht: wir machen unseren Dorfladen digital! Sieben Tage die Woche kann man jetzt dort einkaufen, auch sonntags gibt es frische Brötchen. Der Einlass erfolgt mit der EC-Karte, und das bis 23 Uhr. “Total tolles Konzept”, verrät mir ein Besucher, den ich an einem Sonntagvormittag dort treffe. “Wenn wir spontan grillen wollen, fahren wir einfach rüber und holen uns ein paar Würste aus der Region”.

https://www.dorfladen-hoeringhausen.de/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Immer weiter gehen

Euer Hendrik