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Angst macht keinen Lärm

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Bild: Dominique Brewing


Ich schreibe hauptsächlich für jene Frauen, die nicht sprechen, die sich nicht mit Worten ausdrücken. Weil sie – weil wir – solche Angst haben. Weil uns beigebracht wurde, die Angst wichtiger zu nehmen als uns selbst.“ -Audré Lord

Fear is a tool. They think I'm hiding in the shadows. But I AM the shadows“ -the batman (2022)

Im letzten Jahr habe ich mich viel mit meinen eigenen und gesellschaftlichen Ängsten beschäftigt.

Ich habe einiges gemacht, vor dem ich Angst hatte, habe einen Weg gefunden, Ängste zu überwinden. Für mich ist der Text eine Reaktion auf die Politik der Angst, die gerade im Kleinen wie in der Weltpolitik herrscht. Vielleicht gibt er eine andere Perspektive auf Angst. Viel Freude beim Lesen.

Lev Gudkov beschreibt in „Eine Theorie der kollektiven Angst“, dass das Benennen bei Umfragen der eigenen Angst sowie der Annahme, es herrsche Angst in der Gesellschaft, zum Ausdruck bringt, dass am System festgehalten wird, dieses „jedoch erodiert“. Es braucht also etwas, um das man Angst haben können muss. Angst vor dem Zerfall eines Systems kann nur bestehen, wenn es ein System, ein (imaginiertes) soziales Gefüge gibt und dieses als alternativlos begriffen wird. Es entsteht eine diffuse Angst vor der Ungewissheit des Zukünftigen. „Menschen definieren sich über das Verhältnis zu einem Feind, einem Unglück, etwas Fremdem. […] Als Möglichkeit, sich der positiven Bedeutung, der eigenen Verdienste und Werte, der eigenen Identität zu versichern.“ schreibt Gudkov.

In der kurzen Erzählung von Ursula K. Le Guin mit dem sanften Titel „Weiter als Weltreiche und Langsamer“ aus dem Jahr 1971, die sich an einer Zeile des Gedichts „To His Coy Mistress“ von Andrew Marvell (1621–1678) anlehnt, beschreibt Le Guin eine Gruppe Reisender, auf der Mission, neues und vor allem anderes Leben in den Weiten des Weltalls zu finden. Auf der Suche nach „Welten, […] die wirklich fremd waren“. Direkt zu Beginn macht Le Guin klar, dass diese Gruppe aus „Eigenbrötlern, Spinnern“ besteht, da die Rückkehr der Reisenden höchst ungewiss und die zu erwartende Dauer der Reise mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen würde. Unter der also eh schon etwas ungewöhnlichen Crew befindet sich auch eine Person, Osden, dessen Hypersensibilität und Möglichkeit, Gefühle und Emotionen der anderen zu lesen, besser Unmöglichkeit, sie nicht zu lesen, in den übrigen Reisenden Unwohlsein und Vorurteile hervorruft.

Nach einer langen Reise landet das Schiff auf einem von Tieren unbesiedelten Baum- und Wiesenplaneten. Sie machen sich an die Arbeit, den Planeten zu erforschen und zu vermessen. Die Spannungen im Camp nehmen zu und steigern sich, bis beschlossen wird, dass Osden auch auf seinen eigenen Wunsch alleine im Wald weiterproben nimmt. Verbunden sind sie per Funkgerät, und jeweils abends und morgens wird der Status gefunkt. Dies ist der Knackpunkt der Geschichte. Irgendetwas Unerklärliches scheint vor sich zu gehen. Es wird etwas wahrgenommen, Angst macht sich breit, bis sich Osden plötzlich nicht mehr meldet. Ein Suchtrupp wird losgeschickt und Osden wird mit einer Platzwunde bewusstlos liegend gefunden. Es starten Spekulationen, Angst wächst. Gibt es doch Monster, Wesen auf dem Planeten, die die Geräte nicht detektieren können? Das kann eigentlich nicht sein.

Osden erzählt im Vertrauen: „Ich lag auf dem Boden. Ich konnte nicht aufstehen. Mein Gesicht lag im Dreck, in dem weichen verotteten Laub. Ich konnte mich nicht bewegen. Konnte nichts sehen. Als wäre ich in der Erde. Darin versunken, ein Teil davon. Ich wusste, dass ich zwischen zwei Bäumen lag, obwohl ich sie nicht sah. Vermutlich konnte ich die Wurzeln fühlen. Unter mir in der Erde, tief im Boden. Meine Hände waren voller Blut. Das konnte ich fühlen, und das Blut verklebte den Dreck um mein Gesicht. Ich spürte die Angst. Sie wuchs und wuchs. Als wüssten sie endlich, dass ich da war, dort auf ihnen lag, unter ihnen, zwischen ihnen, das Ding, vor dem sie sich fürchteten, und zugleich selbst Teil ihrer Angst. Ich konnte nicht aufhören, die Angst zu erwidern, und sie wuchs immer weiter, und ich konnte mich nicht bewegen, ich konnte nicht entkommen. Ich denke, ich bin immer wieder ohnmächtig geworden und dann wieder von der Angst geweckt worden, aber konnte mich noch immer nicht bewegen. Ebenso wenig wie sie.“

Tomiko spürte die Kälte an ihren Haarwurzeln, den Einsatz der Angstmechanismen.

„Sie: Wer sind sie, Osden?“

„Sie, es – ich weiß es nicht. Die Angst.“

Es stellt sich heraus, dass die Gräser und Bäume, also die ganze Oberfläche des Planeten, in Kontakt stehen und auf die Emotion der Ankommenden reagiert haben. Angst bekommen haben und diese Angst nun zurückspiegeln. Osden, der Emotionen auch senden kann, wird dann gebeten, den Pflanzen mitzuteilen, dass sie keine Angst zu haben brauchen, dass die Crew ohne schlechte Absichten auf dem Planeten gelandet sei. Er wird aufgefordert: „Sende eine Botschaft. Wir sind harmlos, wir sind freundlich.“ „Dir muss doch klar sein, dass niemand eine unwahre empathische Botschaft senden kann. Man kann nichts senden, wenn nichts existiert.“ „Aber wir wollen doch nichts Böses, wir sind freundlich.“ „Sind wir das? Im Wald, als du mich hochheben wolltest, warst du da freundlich gesinnt?“ „Nein, ich hatte Angst. Aber das ist – er, das sind der Wald und die Pflanzen, nicht meine eigene Angst, oder?“ „Wo ist der Unterschied? Sie war das Einzige, was du gefühlt hast. […] Der Geist des Waldes dort draußen sendet jetzt nur Angst, und die einzige Botschaft, die ich senden kann, ist wieder Angst, weil ich ihm ausgesetzt bin, nichts anderes empfinden kann als Angst.“

Angst lässt sich nicht leugnen. Angst ist ansteckend. Angst ist Seelen auf. Oder Angst macht krank, wie in dem Film „Angst essen Seelen auf“ von Fassbinder; neben dem Alltagsrassismus, der die Krankheit auslöst, wird erzählt.

Ganz kurz zusammengefasst: In dem Film lernen sich Emmi und Ali kennen. Emmis Ehemann ist nicht aus dem Krieg zurückgekommen, sie lebt allein. Und Ali ist als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Sie werden ein Liebespaar. Sie heiraten. Emmi hat Angst vor dem Rassismus ihrer Kollegin*innen und Nachbarin*innen und fordert von Ali, sich perfekter als perfekt zu verhalten. Dies hält Ali nicht. Er flieht aus der Enge. Hat Sex mit einer anderen Frau. Emmi sorgt sich um ihn. Hier starten die gesundheitlichen Auswirkungen:

Zunächst erleidet Emmi, auf der Suche nach Ali, einen Nervenzusammenbruch. Dann nach dem erneuten Zusammenkommen und dem möglichen Happy End durch ein aufgebrochenes Magengeschwür bei Ali. Der dann in ein Krankenhaus gebracht wird und an dessen Krankenhausbett der Film endet.

Angst läuft in der Gesellschaft mit. Und sie wird verstärkt durch den Umgang mit gesellschaftlichen Fragestellungen. In der politischen Debatte um die Wehrhaftigkeit der Bundeswehr und die Wiedereinführung des Wehrdienstes wird schnell das Schreckensszenario einer Erweiterung des Angriffskrieges Russlands auf Deutschland ins Feld geführt. Das Anführen dieses Arguments macht es aber ganz schwierig, nüchtern über die Bedürfnisse und Fragestellungen rund um die Bundeswehr zu diskutieren. Klar besteht die Möglichkeit, und die Angriffe Russlands sind durchaus Realität in hybrider Kriegsführung, beispielsweise die Bomben im Verteilerzentrum in Leipzig oder die Attacken auf die digitale Infrastruktur des Bundestages, verschiedener Krankenhäuser und Unis und weiteres. Aber Angst ist in dieser Debatte ein schlechter Ratgeber. Angst führt zu impulsivem Handeln. Zu Milliarden ausgaben ohne Zielrichtung.

Auch bei Vorkommnissen in Deutschland, bei denen der Reflex, mit mehr Hochrüstung zu reagieren, nahezuliegen scheint, könnte die Antwort woanders liegen, wenn man die Angst und die Wut ausklammert. Konkret denke ich an die Ermordung des Schaffners Serkan Çalar, nach dessen Tod eine größere Militarisierung der Schaffner gefordert, angekündigt wurde. Ob dies in diesem Fall irgendetwas geholfen hätte, ist zu bezweifeln. Der Täter scheint wahllos geprügelt zu haben, hatte kein Motiv, war schon vorher aggressiv aufgefallen und scheint ein Aggressionsproblem zu haben.

Der Wunsch nach einer hochgerüsteten Gesellschaft, in der Polizei, bei Schaffnern, bei Postboten, bei privaten Sicherheitsfirmen, bei Kellnern – oder wo wäre hier eine Linie zu ziehen, denn es müssten ja alle Berufe, die etwas mit Menschen zu tun haben, militarisiert werden? – ist der Wunsch nach einer einfachen Lösung für ein komplexes Problem. Sicherheit lässt sich nicht dadurch herstellen, dass die Polizei aussieht wie das Militär; es deutet eher viel darauf hin, dass die militarisierte Polizeipräsenz zu einer Verunsicherung führt. Eine hochgerüstete Polizei „entfaltet [eine] psychologische Wirkung der Einschüchterung. Dies gilt unabhängig von einer vermeintlichen Sicherungswirkung, denn diese tritt vermutlich nur vereinzelt auf, denn „bis an die Zähne bewaffnete“ und vermummte Polizeibeamte können ein Gefühl von Sicherheit nur schwer vermitteln.“ schreiben die Autorin*nen Prof. Dr. Daniela Winkler und Florian Bollmann.
Dazu kommt, dass die Polizei sowohl Sicherheitsversprechen als auch Gefahrenpotenzial in sich trägt. „Ich beobachte in der weißen, gut situierten Mehrheitsgesellschaft eine Identifikation mit einem Sicherheitsverständnis, das nicht mitdenkt, inwiefern diese Sicherheit auch mit der Unterdrückung der Kriminalisierten zusammenhängt – das passiert entlang von verschränkten Ungleichheitsdimensionen wie Rassismus, Vergeschlechtlichung oder psychischer Gesundheit. Wir müssen marginalisierte Bevölkerungsgruppen ernst nehmen, die am Ende polizeilicher Praxis stehen und sagen, dass sie sich nicht sicher fühlen.“ sagt die Soziologin Vannessa E. Thompson im Interview mit der taz – die tageszeitung.
Es bräuchte also anstatt einer angstgetriebenen Politik der Hochrüstung und Abschottung Gespräche, Aushandlungen und Praktiken des Kümmerns, des Sich-auf-die-Angst-Einlassens, ohne sie ans Steuer zu lassen.
In Ursula K. Le Guins Erzählung versucht die Crew nach der Erkenntnis, dass die Angst Teil der Pflanzen und Bäume ist, den Ort zu wechseln und den Planeten von dem anderen Ende zu erforschen. Müssen aber verängstlicht feststellen, dass auch dort die Angst angekommen ist. Eine Art Myzel scheint alle Pflanzen miteinander zu verbinden und Informationen weiterzugeben. „Dass die gesamte Biosphäre eines Planeten ein Kommunikationsnetzwerk bildet, empfindungsfähig, irrational, unsterblich, isoliert …“ „Isoliert“, sagte Osden. „Das ist es! Da liegt die Angst. Sie rührt nicht daher, dass wir freibeweglich oder destruktiv sind. Nur daher, dass es uns gibt. Wir sind anders. Es hat noch nie etwas anderes gegeben.“ „Du hast recht“, sagte Mannon fast flüsternd. „Es hat keine Freunde. Keine Feinde. Keinerlei Beziehungen außer in sich selbst. Eins, auf ewig allein.“ Angst vereinzelt. Macht misstrauisch. Schwächt die Arbeit an einer gerechteren Gesellschaft. Wir befinden uns schon seit einigen Jahren in einem Strudel der Angst. Die Kommunikation politischer Akteur*innen mit verschiedenen Anliegen, seien diese Klimagerechtigkeit, Reinheitsfantasien, Impfgegner oder der Kampf gegen Kulturkürzungen, war in den letzten Jahren geprägt von einer Rhetorik der Angst.

Als Künstler*innen müssen wir beginnen, dem wieder etwas entgegenzusetzen. Wir müssen beginnen, über die Angst zu lachen, mit ihr zu tanzen, sie in den Arm zu nehmen und sie zu überwinden. Denn Angst führt zu einer Gesellschaft im Stillstand. Oder wie Gudkov schreibt: „Ängste als Teil der Kultur oder gar eine eigene ‚Kultur der Angst‘ – sind insofern Symptom einer Dauerblockade, die jede institutionelle Veränderung verhindert.“


Rechte Politik und vor allem rechte Kulturpolitik arbeiten genau auf diese Kultur der Angst hin. Bisher war diese aber noch oppositionell aktiv, durch kleine Anfragen an Theater über die Zusammensetzung des Ensembles oder Einschüchterungsversuche von Theatern zum Beispiel: „Dass diese Einschüchterungen funktionieren, zeigen verschiedene kulturpolitische Entscheidungen. So wurden in einzelnen Fällen Konzerte, Theateraufführungen oder Kunstausstellungen abgesagt, nachdem rechtsextreme Gruppen gezielt Stimmung gemacht hatten. Die Absage eines Konzerts der Band „Feine Sahne Fischfilet“ in Dessau 2018 ist ein Beispiel dafür: Rechte Mobilisierung führte dazu, dass die Veranstaltung aus Furcht vor weiteren Anfeindungen nicht stattfinden konnte. Im sächsischen Zwickau wurde 2023 ein queer-feministisches Kollektiv nach heftigen Anfeindungen in den Sozialen Medien von einem Theaterfestival ausgeladen. Auch wenn in diesem Fall die Veranstaltenden die Nichtbewilligung von Fördermitteln als Begründung vorgebracht haben, hatte es im Vorfeld Diffamierungen des Theaters und der Stadtverwaltung durch verschiedene rechtsextreme Gruppen sowie Einschüchterungen des Publikums und Störungen von Veranstaltungen gegeben.“ Auch die Nichtverlängerung des Intendanten in Senftenberg ist auf den Einfluss der AfD zurückzuführen. Außerdem wird ein Klima der Angst erzeugt, in dem sich Theater nicht mehr trauen, gesellschaftskritische Stücke oder Stücke, die nicht explizit in Deutschland spielen, zu zeigen.

In den letzten Wochen konnte beobachtet werden, wie diese rechte Strategie, Kunst, Kino und Theater in eine Linie zu bringen, Regierungsarbeit geworden ist. Sei es die Einflussnahme auf die Berlinale-Leitung oder der Ausschluss dreier linker Buchläden vom Buchhandlungspreis. Auch die Ausrichtung der Fördermittel lässt sich ideologisch lesen, ist aber schwerer zu belegen. Doch für die Betroffenen entsteht das Gefühl, handlungsunfähig zu sein, wenn Förderungen für zum Beispiel das Netzwerk Internationaler Produktionshäuser komplett und ersatzlos gestrichen werden.

Dass dieser Eingriff in die Unabhängigkeit von Gremien und Jurys ein Vorbild für Kulturpolitikerin*nen beziehungsweise Bürgermeisterin*nen in den Kommunen und Städten sein kann, lässt nichts gutes erahnen. Wenn bereits zugesagte Gelder wieder zurück genommen werden, sendet das ein Signal an Kulturschaffende: werdet nicht zu kritisch, die Förderungen, die wir geben, geben wir nur aus gutem Willen heraus und nicht, weil wir an einer kritischen Kunst und Kultur interessiert sind. Eine Ignorante Haltung bei der sich die Frage stellt in welcher Gesellschaft Kulturpolitikerin*nen zu wohnen meinen und die sich auch in den Debatten vor den massiven Kürzungen im Kultur- und Sozialbereich im Haushalt 2026 in Stuttgart abbildete.

Die Strategie der CDU, die Positionen der AfD zu übernehmen, um Wählerstimmen zu verlieren, ist nun also auch in der Kulturpolitik angekommen. Und damit der Versuch, Angst zu streuen.

Was Angst mit einer Gesellschaft machen kann, lässt sich in Russland beobachten. „Autoritäre Regime können Angst dazu einsetzen, um die Bevölkerung zu steuern. Wenn sie der Gesellschaft mittels Propaganda unkontrollierbare Ängste einflößt – vor einem drohenden Krieg, vor Feinden im In- und Ausland – und den Menschen so Furcht einjagen, verengen sie den geistigen Raum, in dem Ereignisse betrachtet werden. Sie strukturieren diesen in den Kategorien potenzieller Entbehrungen und Gefahren und nötigen die Bürger, dem Staat uneingeschränkte Befugnisse und Durchgriffsrechte einzuräumen, was diese zu hilflosen und abhängigen Untertanen macht.“

Soweit ist es in Deutschland noch nicht. Und es wäre auch ein schlechter Witz, wenn ich am Ende dieses Textes davor Angst machen würde. Eine meiner Lieblingsbands, Turbostaat, singen in „Tut es noch weh“:

„Vielleicht tut es doch weh
und dann packt dich die Angst
Manchmal glaubt man beinah selber
Dass das alles so gehört“

Am Ende des Textes von Lev Gudkov schreibt er: „Angst [erzeugt] einen vagen Raum grundloser Hoffnungen, Illusionen und Wünsche, die als Abwehrzauber gegen alles Schreckliche und Schlechte fungieren.“

Und da können wir als Kunstschaffende ansetzen. Daran zu erinnern, dass das alles eben nicht so gehört. Dass die Welt gestaltbar, veränderbar ist. Dass wir keine Hoffnung brauchen, um miteinander solidarisch an einer gerechteren Welt zu arbeiten.

Am 8. März war Feministischer Kampftag und auch wenn wir erleben, wie Rechte wieder beschnitten werden, Femizide an der Tagesordnung sind, Transmisogynie um sich greift und rassifizierte Frauen auch in der Bewegung selbst nach wie vor diskriminiert werden, das, was erkämpft wurde, Wahlrecht, Anerkennung von Vergewaltigung in der Ehe als Straftat und weiteres, wurde in den letzten 100 Jahren erkämpft und wir können und müssen daran arbeiten, dass diese Rechte nie wieder zurückgenommen werden.

Es fällt mir schwer, diesen Text abzuschließen. Am Sonntag auf der Demo zum feministischen Kampftag in Stuttgart waren in den Reden auf der Kundgebung vor dem Zug durch die Innenstadt, abgesehen von der Rede zum Krieg im Iran, nur weiße Perspektiven zu hören. Wenn in diesen Reden Schwarze oder People of Color erwähnt wurden, dann im Bezug auf Flucht oder Kriege und Unterdrückung außerhalb der EU. Ich werfe den Rednerin*nen nicht vor, dass das bewusst passiert ist. Aber es zeigt einen Ausschluss, gegen den die Rednerin*nen im Bezug auf weiße trans Personen und weiße behinderte Frauen anredeten. Während die Rechte versucht zu spalten, eine Schmutzkampagne dort sieht, wo Misogynie out gecalled wird, ist es wichtig, die Kämpfe, die zu führen sind, zusammen zu denken.

Uns wurde beigebracht, unsere Ängste zu respektieren, doch wir müssen lernen, uns selbst und unsere Bedürfnisse zu respektieren.
- Audré Lorde (ein strahlendes Licht)

Bildet Banden.
Achtet aufeinander.
Sprecht mit euren Nachbarin*nen.
seid soft.
und bleibt solidarisch.

Und abschließend noch der Link zum Gedicht von Maja aus der Haft:

https://www.basc.news/majas-gedicht-zum-8-maerz/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)



Texte/Medien die ich zitiere:

Tut es noch weh (2013)
Turbostaat

https://campus.darstellende-kuenste.de/wissen-wie/demokratiefoerderung/der-kulturkampf-von-rechts (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Ein strahlendes Licht - Audré Lorde
https://akiverlag.com/books/audre-lorde.html (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

https://www.nachtkritik.de/recherche-debatte/zur-ueberraschenden-nichtverlaengerung-von-daniel-ris-in-senftenberg (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

the batman (2022)

Vannessa E. Thompson. https://taz.de/Soziologin-ueber-Polizei-und-Rassismus/!5693858/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/militarisierung-polizei-innere-sicherheit-terrorabwehr-verfassungsrecht (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Ursula K. Le Guin
„Weiter als Weltreiche und Langsamer“ (1971)

Lev Gudkov - „Eine Theorie der kollektiven Angst“ in
https://zeitschrift-osteuropa.de/hefte/2025/10/eine-theorie-der-kollektiven-angst/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)









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