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Symbole in Traum, Imagination und Märchen

Menschen lieben Symbole und es gibt kaum etwas Faszinierenderes, als morgens mit der noch frischen Erinnerung an einen Traum aufzuwachen, der das Gefühl zurücklässt, etwas von Bedeutung erlebt zu haben, und einige Traumsymbole als erste Hinweise, mit  denen wir diese Bedeutung erforschen können. Märchen kann man als kollektive Träume betrachten und auch hier können uns Bilder und Symbole in ihren Bann ziehen und in das wunderbare Gefühl hüllen, dass dieses Symbol etwas mit uns zu tun hat.

„Symbole sind sichtbare Zeichen einer unsichtbaren Wirklichkeit; sie haben eine Bedeutung, die über das Äußere, Körperlich-Fassbare hinausgeht„

- Verena Kast

Wie können wir uns Symbolen, die uns auf einer tiefen Ebene berühren, annähern? Davon möchte ich euch im heutigen Newsletter erzählen und euch 5 Tips mitgeben, wie ihr Symbole für euch erschließen könnt.

Als ich neulich an der Kasse im Supermarkt stand, lag bei der Quengelware eine große Packung mit Süßigkeiten. Auf der Packung stand groß „Traubenzucker“, sonst nichts. Ich habe mich gefragt, warum sie das nicht origineller vermarkten, warum sie das Produkt nur „Traubenzucker“ nennen. Dann habe ich mich an die Werbung von früher erinnert, in der Traubenzucker als gesund für das Gehirn vermarktet wurde. Es wurde als Leistungssteigerer kognitiver Fähigkeiten angepriesen, als Futter für das Gehirn. Ich erinnere mich, dass es uns Kindern morgens mitgegeben wurde, wenn an dem Tag eine Klassenarbeit anstand.

Erstaunlich, wie man es geschafft hat, das Image von so etwas offensichtlich ungesundem wie Zucker auf diese Art zu drehen. Der Traubenzucker stand für die Fürsorge und Aufmerksamkeit eines Menschen, der es gut mit uns meint, der in herausfordernden Situationen bei uns ist und an uns glaubt. Zumindest ist das meine Interpretation. Der Traubenzucker wurde also zu einem Symbol, zu etwas unsichtbarem, das über den offensichtlichen (und diesem Fall fragwürdigen) Nutzen des Gegenstandes hinausgeht.

Hier wird eine ganz besondere Eigenart von Symbolen deutlich, etwas, das sie von bloßen Zeichen unterscheidet: Symbole haben einen Bedeutungsüberschuss, ihre Bedeutung kann nie vollständig ergründet werden und sie sprechen uns auf einer emotionalen Ebene an. Ein Zeichen hingegen ist eindeutig. Nehmen wir als Beispiel die Zeichen im Straßenverkehr. Ein weißes „STOP“ auf rotem Hintergrund. Wenn wir hier erst in aufwendigen Assoziationsketten, künstlerischem Gestalten und meditativem Nachspüren die Bedeutung dieses Schildes umkreisend analysieren müssten, bevor wir stehen bleiben, würde es schwierig im Straßenverkehr. Und wenn wir uns vor einem Richter verantworten müssten, bezweifle ich, dass dieser unsere subjektiv-emotionale Ausdeutung dieses Schildes gleichwertig mit der Deutung der Straßenverkehrsordnung als mildernden Umstand berücksichtigen würde.

Ein Zeichen beinhaltet also eine einzige klare Information, auf die sich Menschen einmal geeinigt haben. Ein Symbol hingegen beinhaltet eine Verdichtung an Bedeutung die sowohl eine kollektive als auch eine subjektive Komponente haben kann.

Was für mich ein einfacher Gegenstand ist, kann für dich ein Symbol sein. Ein goldener Ring am Finger kann für den einen ein Symbol der Liebe und eines gegenseitigen Versprechens sein, für den anderen ein Symbol für Gefangensein, Ausbeutung, Abhängigkeit und Macht, je nachdem ob ich gerade geheiratet oder die Herr der Ringe Bücher für mich entdeckt habe.

Das oben beschriebenen Beispiel des Traubenzuckers hat dich vielleicht nicht so fasziniert wie ein Symbol, von dem du kürzlich geträumt hast. Das ist auch gut so, denn ob etwas für uns zum Symbol wird, ob es eine Bedeutung für uns hat, ob es uns berührt, das entscheidet keine Marketingabteilung, sondern unser individuelles und kollektives Unbewusstes.

Wie macht unser Unbewusstes nun etwas zu einem für uns bedeutsamen Symbol?

Die Tiefenpsychologin Verena Kast vergleicht den psychischen Prozess der Symbolbildung mit den Phasen des Prozesses kreativ-schöpferischer Problemlösung.

Phase 1: Wenn wir ein Problem lösen, dann sammeln wir zuerst viele Informationen, denken darauf herum und beleuchten es kognitiv von allen Seiten.

Phase 2: Wenn wir kognitiv keine Lösung finden, verlieren wir irgendwann die Konzentration, beschäftigen uns mit anderen Dingen. Dann beginnt eine Art Inkubationsphase, das Problem wird auf unbewusster Ebene weiterbearbeitet. In dieser Phase sind wir vielleicht frustriert, haben Schwierigkeiten uns zu entscheiden, haben das Gefühl überhaupt nichts mehr zu wissen und irgendwie lost zu sein. Gleichzeitig spüren wir, dass es in uns gärt.

Phase 3: Irgendwann, vielleicht wenn wir garnicht mehr an das Problem denken, kommt plötzlich ein Einfall.

Ich persönlich habe solche Einfälle oft unter der Dusche oder wenn ich in der Natur bin. Also in Situationen in denen ich innerlich durchlässig bin für das, was aus meinem unbewussten, meinem unwillkürlichen Erleben aufsteigt.

Die gemeinsame Sprache des unbewussten und des bewussten Denkens sind innere Bilder.

Und so ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Einfall in Phase 3 in Form eines Bildes, eines Symboles erscheint. Im Traum, in der Imagination, in Hypnose, beim Hören von Märchen, beim Tagträumen oder beim Umherschauen in der Umgebung.

Schön und gut magst du nun sagen, aber wie verstehe ich nun die Bedeutung des Symbols? Was möchte mein Unbewusstes mir sagen, wenn ich plötzlich fasziniert bin von der Meerjungfrau in einem Märchen, oder dem fliegenden Pferd in meinem Traum?

Das Erforschen von Symbolen ist eine Kunst und vielleicht sind die folgenden Tips hilfreich für dich, wenn du diese Kunst lernen möchtest:

Tip 1: Das wichtigste zuerst: Widerstehe der Versuchung, das Symbol zu Googlen! Du kannst ein Symbol jederzeit googlen, das läuft dir nicht weg. Aber wenn es das erste ist, was du tust, nimmst du dir damit die Möglichkeit, zuerst deine eigene Bedeutung zu finden. Du nimmst dir die Möglichkeit, dich von der Faszination berühren zu lassen.

„Das Symbol hat eine Bedeutung für den Geist, eine Bedeutung für das Herz und eine Bedeutung für die Imagination“

– Marion Woodman

Das Bedürfnis zu googlen oder in Traumdeutungsbüchern o.ä. nachzuschlagen (und glaub mir, ich kenne dieses Bedürfnis sehr gut 😉) ist das Bedürfnis des Geistes nach einer schnellen Antwort. Das ist ok, aber wir sollten dieses Bedürfnis um etwas Geduld bitten, damit auch Herz und Imagination zum Zug kommen.

Tip 2: Erkunde zuerst deine subjektive Bedeutung. Trage das Symbol mit dir herum, halte die Unsicherheit aus, vielleicht kannst du sogar die Faszination der Uneindeutigkeit genießen. Schau, welche Gedanken, Ideen, Erinnerungen, Sehnsüchte, Wünsche dir über den Tag, die Woche in den Sinn kommen. Was assoziierst du persönlich mit dem Symbol? Kein Gedanke ist zu absurd, als dass man nicht ein wenig mit ihm spielen könnte. Erlaube dir, dem Symbol mit einer kindlichen Neugier zu begegnen.

Tip 3: Wenn du die subjektive Bedeutung umkreist hast, kannst du dich von der kollektiven Bedeutung inspirieren lassen. Ich persönlich nutze dafür gerne ein Symbollexikon, dass mir die Bedeutung eines Symbols in verschiedenen Kulturkreisen auflistet. Wichtig ist hier, dass du dich davon inspirieren aber nicht einschränken lässt. Von welcher Bedeutung fühlst du dich berührt? Welche Rolle spielt vielleicht die Kultur, in der du aufgewachsen bist?

Tip 4: Ein Symbol ist vieldeutig, es gibt keine richtige oder falsche Deutung. Subjektive und kollektive Bedeutung können nebeneinanderstehen, ineinanderfließen. Die Bedeutung eines Symbols für dich kann sich über die Zeit und über die Lebensphasen hinweg verändern. Manche Symbole kommen und gehen, manche faszinieren uns ein ganzes Lebens lang und Bedeutungen dürfen sich verändern.

Tip 5: Symbole wollen eigentlich nicht gedeutet, sondern erlebt werden! Das, was ich Deutung nenne, ist eigentlich ein Weg, Symbole zu erleben. Baue eine Beziehung zum Symbol auf und lass dich emotional darauf ein. Vielleicht hast du Lust, dich künstlerisch damit zu befassen. Vielleicht möchtest du das Symbol eine Weile bei dir tragen (z.B. in Form eines Anhängers, eines Bildes im Portemonnaie, eines Hintergrundbildes auf dem Handy etc.).

Uns falls du am Ende das Gefühl hast, das Symbol einfach nicht abschließend greifen zu können, dann sei dir sicher, dass es genau das ist, was Symbole und ihr faszinierendes Mysterium ausmacht. Viele der tiefgehendsten Erlebnisse in meiner eigenen imaginativen Hypnosearbeit habe ich bis heute nicht vollständig „verstanden“, und doch haben sie mich verändert. Vielleicht gerade deshalb. Ich glaube, das ist letztendlich der Zauber der Arbeit mit Symbolen.

 „Symbole sind Verdichtungskategorien: Eine Fülle von Assoziationen sind in einem Symbol gebunden, für unser Bedürfnis nach Eindeutigkeit ein Ärgernis, für unser Bedürfnis nach Geheimnis und Sinnfülle allerdings eine Fundgrube“

– Verena Kast

Ich wünsche dir viel Spaß beim Suchen und Finden.

Deine Melanie

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