(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Es ist Donnerstag. Du liest die ”Post aus Dachau”, den wöchentlichen Kultur-Newsletter von Stadtführung mit Matthias (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in Dachau & München.
Als Gästeführer weiß ich was in der Stadt los ist.
Und was sich lohnt.
Diese Woche politische Beben nach den Stichwahlen – und im Wasserturm eröffnet eine Ausstellung, die Dachaus Geschichte und Gegenwart ungewöhnlich nah zusammenbringt.
Servus,
jetzt ist es amtlich: in München gab es einen grünen Erdrutschsieg; in Dachau zumindest einen Achtungserfolg.
Und auch wenn bei uns Landrat Stefan Löwl gegen Herausforderer Alexander Heisler seinen Posten in der Stichwahl verteidigen konnte, sollte diese Abstimmung der CSU allmählich zu denken geben.
Denn die politischen Verschiebungen, die wir am Sonntag in ganz Bayern gesehen haben, sind mehr als bloße Ausreißer. Sie markieren den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die sich seit Jahren ankündigt: Die CSU verliert ihren Status als naturgesetzliche Größe vor Ort. In vielen Kreisen und Städten bröckelt das Fundament – und zwar parteiunabhängig, jenseits klassischer Milieus und trotz traditionell starker Amtsinhaber. Dass selbst in Kommunen, in denen „man schon immer CSU gewählt hat“, plötzlich neue Konstellationen möglich werden, ist ein Signal. Eines, das auch bis nach München und Berlin gehört werden dürfte.
Auffällig ist dabei weniger die Stärke einzelner Herausforderer, sondern die Summe der Brüche. Die Grünen holen Ämter, die Freien Wähler triumphieren, die SPD erlebt in manchen Städten kleine Wiederauferstehungen – und überall wird spürbar, dass der Bonus des „Wir machen das hier schon“ nicht mehr zieht. Diese Stichwahlen offenbaren eine generelle Unruhe, ein politisches Zucken an der Basis, das sich nicht mehr mit lokalen Befindlichkeiten wegmoderieren lässt. Es ist eine Abstimmung, die – vielleicht ungewollt, aber deutlich – auch ein Misstrauen gegenüber der Linie der CSU auf Landes- und Bundesebene ausdrückt.
Denn viele Menschen, gerade rund um München und im Großraum Dachau, haben längst genug von einer Politik, die Migration zur dauerhaften Eskalationskulisse macht, die Energiewende zurückdrehen will und die Kultur als vermeintliches Feindbild einer „links-grünen Elite“ inszeniert. Wenn Kulturstaatsminister Wolfram Weimer vor allem mit kulturkämpferischen Schlagzeilen auffällt, während Kulturschaffende um Förderung und Räume ringen, dann passt das schlicht nicht mehr zu einer Region, die kulturell so vielfältig, neugierig und international geworden ist wie unsere.
Vielleicht zeigt diese Kommunalwahl deshalb vor allem eines: dass sich politische Gewissheiten schneller auflösen können, als es die Verantwortlichen wahrhaben wollen. Dass Menschen sehr wohl unterscheiden zwischen Schlagworten aus Berlin und den realen Herausforderungen vor Ort. Und dass Vertrauen etwas ist, das nicht automatisch mitgeliefert wird – weder durch Tradition noch durch Titel.
Diese Woche widme ich mich einer besonderen Ausstellung: dem Saisonauftakt des Fördervereins Dachau mit „freiheit*wagnis*staunen“, mit Werken des Bildhauer und Maler Claus Bastian – jenem Künstler, der als „erster Häftling des Konzentrationslagers Dachau“ bekannt wurde und dessen Schaffen bis heute eine eindringliche Verbindung zwischen persönlichem Schicksal, Widerstand und künstlerischer Freiheit markiert.
Schön, dass Du auch diese Woche wieder mit dabei bist – und bleibst.
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#erster
Nach gut zwei Stunden, vom Hüttlbad, über die Amper, hinauf zum Dachauer Wasserturm, trennten sich am vergangenen Sonntag die Wege meiner Gäste und mir wieder, nach meiner offenen Tour «An der Amper gebaut».
An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an Alle, die dabei waren und vor allem das ihr mit eurer Teilnahme das «Sudan-Projekt» von Ärzte ohne Grenzen unterstützt habt. Die Überweisung der Spende ist diese Woche raus.
Schon nächste Woche beginnt genau hier etwas Außergewöhnliches, das mich schon vor dem Start neugierig macht.
Hier treffen nämlich herausragende Kunst, bewegende Biografie – und ein besonderer Ort aufeinander.
Claus Bastian – Freiheit Wagnis Staunen
Zum Saisonauftakt zeigt der Förderverein Dachauer Wasserturm Malerei, Grafik und Skulpturen von Claus Bastian (1909–1995), Maler, Bildhauer, promovierter Jurist.

Damit kehrt der “erste Häftling im Konzentrationslager Dachau” mit seinen Werken zurück – allerdings diesmal an einen Ort, der wie kein zweiter zeigt, was Menschen erreichen können, wenn sie Verantwortung übernehmen: aus einem aufgegebenen, beinahe vergessenen Bau ein lebendiges Stück Kulturgut zu machen.
Der Wasserturm, Anfang des 20. Jahrhunderts als 29 Meter hoher Speicher neben dem Schloss errichtet, ist durch das Engagement seines Fördervereins seit 1998 ein offener, gemeinschaftlich getragener Kunstraum. Ein Ort, der sich nicht anbiedert, sondern seine Ecken, seine Spiralen, seine historischen Schichten stolz zeigt. Vielleicht passt Bastian genau deshalb so gut hierher. Denn sein Werk trägt denselben Widerstandswillen in sich – die Mischung aus Verletzbarkeit, Mut und einer fast eigensinnigen Lebenslust, die sich nicht verbiegen ließ, weder 1933 noch in den Jahrzehnten danach.
Die Ausstellung „Freiheit Wagnis Staunen“ (1.–19. April) zeigt darunter die berühmten Kreuzwege, in denen Bastian religiöse Ikonografie in die politische Gegenwart schleuderte: Hitler als wütender Scherge, John F. Kennedy als Helfer Jesu. Daneben seine energiegeladenen Frauenfiguren, seine bewegten Körper („Eros, Bewegung, Tanz“) – und dieses eine, fast mythische Motiv: der Junge auf dem Hochrad. Ein Selbstporträt ohne Gesicht, eine Lebensformel ohne Worte. Balance halten im Sturm des 20. Jahrhunderts. Bastian hat nie pathetisch über Freiheit gesprochen – er hat sie gemalt, gebaut, gelebt.
„Auf einmal hab ich gemerkt, dass Malen für mich was Schönes ist. Wie beim Hans im Glück: Das Leben schenkt dir auf einmal etwas ganz anderes, als du erwartet hast. Und ich glaub, ich hab nicht umsonst gelebt.“ - Claus Bastian
Dass dieser Mann ausgerechnet Häftling Nr. 1 wurde, registriert „oben auf der Liste“, weil „Bastian“ nun einmal früh im Alphabet steht, gehört zu den bitteren Ironien der Geschichte. Er selbst erzählte darüber mit kühler, beinahe juristischer Distanz – über Prügel, Demütigungen, Erschießungen, über das psychische Überleben in einer Welt, die das Gegenteil eines Kunstortes war. Nach seiner Entlassung 1933 promovierte er, arbeitete später - trotz anfänglichem Berufsverbot - als Anwalt, führte über zweitausend Wiedergutmachungsverfahren, lebte zwischendurch in der Dachauer Künstlerkolonie, wurde im Krieg eingezogen, entging einem Todesurteil – und wandte sich in den fünfziger Jahren endgültig der Kunst zu. Ein Leben wie ein Seismograf.
Wer tiefer einsteigen will, sollte sich den 12. April vormerken: Dann liest Anna Andlauer aus ihrem Buch „Du, ich bin … der Häftling mit der Nr. 1“, das Bastians Erinnerungen an die ersten Monate 1933/34 festhält. Es ist kein leichtes Buch – aber eines, das man nach der Ausstellung besser versteht als vorher.
Und weil dieser Saisonauftakt ein besonderer ist, wird es diesmal wieder von mir eine Sonderveröffentlichung - exklusiv für Mitglieder - geben: „Der Erste auf der Liste“. Eine kleine, dichte Publikation, die Bastians Biografie ausführlich beschreibt.
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Facts zur Ausstellung
📅 Vernissage: Mittwoch, 1. April 2026 um 19 Uhr
Ausstellung bis Sonntag, 19. April 2026
geöffnet samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 18 Uhr
📍 Dachauer Wasserturm, Schlossstraße 7A, 85221 Dachau
Förderverein Wasserturm e.V. in Zusammenarbeit mit S. und P. Bastian
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#mehrKultur
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Meine nächste offene Tour

(Bild KI-generiert)
Öffentlicher Rundgang mit mir an der
KZ-Gedenkstätte Dachau
📆 Oster-Sonntag, 5. April 2026 um 12 Uhr (Dauer ca. 2,5 Std.)
📍 KZ-Gedenkstätte Dachau, Pater-Roth-Str. 2, 85221 Dachau
Tickets für den öffentlichen Rundgang sind ausschließlich an der Information im Besucherzentrum erhältlich. Bitte kauf Dein Ticket am Tag des Rundgangs mindestens 45 Minuten vor Beginn. Eine Reservierung ist leider nicht möglich.
Da die Zahl der Teilnehmer*innen an geführten Rundgangsangeboten auf 30 Personen begrenzt ist, wird keine Garantie für die Verfügbarkeit des Tickets übernommen.
#meins
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Meine offenen Termine:
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Meine Soundcloud: https://soundcloud.com/dachau-tour (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
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Die nächste «Post aus Dachau» erscheint am 2. April 2026 - wir sehen uns, in Dachau und München 👋
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Dein Matthias
Matthias Schüßler
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