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Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981)

Die 13-jährige Christiane versucht im Berlin der 1970er-Jahre dem deutschen Spießertum, der tristen Wohnsituation in Berlin-Gropiusstadt und dem gewaltvollen Elternhaus zu entkommen und gerät in die Berliner Drogenszene. Sie verbringt jedes Wochenende in der einschlägig bekannten Diskothek "Sound", wo sie Detlef kennenlernt. Die beiden verlieben sich und werden ein Paar. Christiane konsumiert zunächst nur LSD, Cannabis und Pillen, steigt später jedoch auf Heroin um. Abhängig von der Droge findet ihr Leben nun zwischen Schule, dem Babystrich am Bahnhof Zoo und dem nächsten Druck statt.

Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo ist ein deutsches Filmdrama aus dem Jahr 1981, inszeniert wurde es von Uli Edel und produziert von Bernd Eichinger. Jürgen Knieper schrieb die Filmmusik und David Bowie steuerte eine ganze Reihe seiner Songs bei. Das Drehbuch schrieb Herman Weigel. Es basiert auf der Biografie “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”, die nach Tonbandprotokollen mit Christiane Felscherinow und Recherchen der Stern-Mitarbeiter Kai Hermann und Horst Rieck 1977 und 1978 entstand. Christianes nüchtern-coole Anklage der deutschen Spießergesellschaft und der gewaltvollen Verhältnisse, in denen Kinder in dieser Zeit leben mussten, wurde zum Kult und rüttelte Deutschland auf. Der an West-Berliner Originalschauplätzen und zum Teil mit Laiendarstellern gedrehte Film präsentierte die Geschichte um das drogenabhängige Mädchen einer noch breiteren Öffentlichkeit und verstärkte die Wirkung des Buchs auf die deutsche Bevölkerung enorm. Besetzt ist der Film u.a. mit Natja Brunckhorst als Christiane, Thomas Haustein als Detlef, Jens Kuphal als Axel und Christiane Reichelt als Babsi. David Bowie hat einen Cameo-Auftritt. Brunckhorst spielte danach u.a. in Rainer Werner Fassbinders Querelle (1982) und Tom Tykwers Der Krieger und die Kaiserin (2000) mit und tat sich als Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin hervor.

Das Drama zeigt ungeschönt Christianes Erlebnisse mit ihren Freiern, Szenen des kalten Heroinentzugs und realistische Darstellungen des Fixens. Sowas wurde im deutschen Kino bis dahin noch nie gezeigt und schockierte die Elterngeneration über alle Maßen. Das Werk setzte Standards für den Drogenfilm - allein die Entzugsszene, in der Natja Brunckhorst als Christiane an eine Wand kotzt, ist ikonisch. Aufgrund seiner Entmystifizierung von Drogen jenseits von moralisierender Abschreckung und verherrlichender Darstellung, der jugendlichen Perspektive und des Popkultur-Faktors durch David Bowies Musik könnte Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (Jerry Schatzbergs The Panic in Needle Park (1971) mit Al Pacino einmal ausgeklammert), als Urgrund aller Drogenfilme bezeichnet werden, an dem sich Werke wie Kids (1995), Trainspotting (1996), Requiem for a Dream (2000) und Spun (2002) später ästhetisch orientierten.

Ich möchte auch das Buch "Christiane F. - Mein zweites Leben" aus dem Jahr 2013 empfehlen, das die Geschichte ihres aufregenden Lebens weitererzählt. Nach dem durch das erste Buch und den Film ausgelösten Hype wurde Christiane Felscherinow Teil der West-Berliner Kunst- und Musikszene: Sie bildete mit ihrem damaligen Partner Alexander Hacke von der Band Einstürzende Neubauten das Duo Sentimentale Jugend und spielte in Underground-Filmen wie Neonstadt (1982) und Decoder (1984) mit. Darüber hinaus trug sie dazu bei, Nenas "99 Luftballons" in den USA bekannt zu machen, bevor sie von 1987 bis 1993 in Griechenland lebte. Von den Drogen kam sie niemals ganz weg, das verheimlichte sie nie. Ihr Leben war geprägt von der Schwierigkeit, mit dem frühen Ruhm und der lebenslangen Suchterkrankung umzugehen. Heute hat sich Christiane Felscherinow ganz aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und lebt schwer erkrankt in Berlin oder dem Brandenburger Umland. Ihr Vermächtnis ist die "Christiane F. Foundation", eine Organisation, die jungen Menschen in schwierigen familiären Verhältnissen und Lebenslagen hilft und Suchtprävention anbietet. So hat der zeitlose Film Christiane F.: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo bis heute nicht nur eine filmische, sondern auch eine soziale Relevanz.

https://www.imdb.com/de/title/tt0082176/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Sujet Film