Winston arbeitet als Reinigungskraft bei dem Pharma- und Biotec-Unternehmen des skrupellosen CEOs Bob Garbinger. Als der alleinerziehende Vater von seinem Arzt erfährt, dass er nicht mehr lange zu leben hat, und seine Versicherung die Kosten für die Behandlung nicht zahlen will, versucht er Geld von seinem Arbeitgeber zu stehlen. Doch dabei wird er von einer brutalen Gang, die für den Chef der Firma arbeitet, getötet und in ein Becken mit radioaktivem Chemieabfällen geworfen. Als er wieder erwacht, ist er der Toxic Avenger. Daraufhin macht sich Winston ans Werk und prügelt rechten Terroristen, korrupten Politikern, gierigen Konzernchefs und anderen Verbrechern mit seinem grünleuchtenden Wischmopp ordentlich die Scheiße aus dem Leib.
The Toxic Avenger ist eine US-amerikanische Superhelden-Satire und ein Remake von Lloyd Kaufmans und Michael Herz´ legendärem Low-Budget-Trashfilm Atomic Hero (1984). Regie bei der Splatterkomödie aus dem Jahr 2023 führte Macon Blair, der auch als Autor für Marvel und Dark Horse tätig ist. Michael Herz und Lloyd Kaufman, die Gründer der B-Movie-Produktionsfirma "Troma Entertainment" und Schöpfer der Figur des Toxic Avengers, waren als Produzenten beteiligt. In der Titelrolle sind neben Taylour Paige, Jacob Tremblay, Julia Davis, Elijah Wood und Kevin Bacon der großartige Peter Dinklage und Luisa Guerreiro (als verwandelter Winston) zu sehen.
Warum der Film erst zwei Jahre nach dem Erscheinen in den USA in Deutschland herauskam, weiß ich nicht im Detail. Er hatte in den USA zunächst Probleme, einen Verleiher zu finden. Das wurde mit seinen gewalttätigen Szenen begründet. Er galt als "nicht veröffentlichbar". Ich denke, das lag aber eher an der Tatsache, dass The Toxic Avenger eine gelungene Systemkritik ist, bei der das US-amerikanische Gesundheitssystem, der rechts-konservative Zeitgeist und die systematische Zerstörung der Erde durch gierige Milliardäre im Fokus stehen. Doch nur kritisieren ist leicht, etwas zu tun, darum geht es in dem Film. Und so kooperierte das US-Marketingteam von The Toxic Avenger mit der gemeinnützigen Organisation "Undue Medical Debt", um Arztrechnungen von armen Leuten über insgesamt 5 Millionen US-Dollar zu begleichen, anstatt das Geld für die Vermarktung auszugeben. Das Unterhaltungsunternehmen "Cineverse", das den Film veröffentlichte und vertrieb, erklärte sich darüber hinaus bereit, für jede Million, die der Film an den Kinokassen einspielt, eine weitere Million an Schulden für medizinische Behandlungen zu übernehmen.
Ich habe in den letzten Jahren eine Menge Filme gesehen, die mich immer wieder haben zweifeln lassen am zeitgenössischen Kino. Viele Filme von heute sind mir zu konventionell und generisch, zu unästhetisch und dümmlich, aber vor allem viel zu langweilig. The Toxic Avenger ist das alles nicht. Dieser Film hat mir so viel Spaß gemacht, dass er mir den Glauben an den zeitgenössischen Film zurückgegeben hat. Es ist also doch möglich, gute Filme zu machen, selbst Remakes.
Die Geschichte um den sympathischen Antihelden mit dem schrecklichen Aussehen ist unangepasst, subversiv und vor allem alles andere als politisch korrekt. Dennoch ist das einer der progressivsten Filme der letzten Jahre. An keiner Stelle wird die Körpergröße von Winston thematisiert oder die Queerness seines Sohnes problematisiert. Hier herrschen weder aufgesetzte Identitätspolitik noch konservativ-normative Muster vor. Die System- und Gesellschaftskritik ist scharf und kommt zur richtigen Zeit, hier sehen wir ein anderes Amerika als in den Nachrichten. Dieser Film macht Hoffnung, dass es die freiheitsliebenden USA fern aller radikaler Strömungen irgendwo noch geben könnte.
Neben dem Inhalt überzeugte mich auch die Machart von The Toxic Avenger: die Kamera ist wackelig, das Bild irgendwie grob anmutend, die Optik dadurch herrlich trashig. Die Filmmusik ist großartig mit einigen knackigen Metal-Songs, es gibt Puppen, Retro-Effekte und tolle Masken. Elijah Woods Make-up ist grandios. Der Krampusteufel am Ende ist total drüber und passt perfekt. Und auch wenn die Splatter-Effekte nicht immer handgemacht sind, so sind sie schaurig-schön umgesetzt. Das Blut spritzt hier meterhoch. Irrwitzige Ideen, wie Menschen und Monster zu Schaden kommen können, und ein komplett überspitzter und hintergründiger Humor runden das Ganze ab. Ich habe gelacht, geweint und bei den Splatter-Szenen geschrien vor Glück.
https://www.imdb.com/de/title/tt1633359/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)