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Wie dein Gehirn heimlich besser wird

Du liest Wie du nicht den Verstand verlierst. Woche für Woche finde ich heraus, was wirklich hilft gegen mentalen Dauerlärm. Heute: Warum ich keine Angst mehr vor dem Älterwerden habe.

Eine Frau mit Kaffeetasse auf einem Surfbrett
KI-generiertes Bild, erstellt mit Midjourney

Hi!

Die größte Angst vor dem Älterwerden hatte ich mit 19. Nicht mehr Teenager zu sein, stellte ich mir schrecklich vor. Danach konnte nur noch der Abstieg kommen, oder? Meine Denkleistung würde nachlassen. Meine Haare ergrauen. Ich würde früh ins Bett gehen und bei jeder Bundestagswahl die gleiche Partei wählen. Meinen zwanzigsten Geburtstag erwartete ich mit leichtem Grauen. 

Jetzt bin ich ein Vierteljahrhundert älter. Ich habe ein paar graue Haare, stimmt. Ansonsten ist nichts von meinen Ängsten wahr geworden.

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Im Gegenteil: Mir kommt es vor, als würde mein Gehirn besser funktionieren als früher. In meinen Zwanzigern saß ich stundenlang an Problemen, die ich jetzt in Minuten löse. Auch Entscheidungen kann ich schneller treffen. Bis vor Kurzem dachte ich, ich würde mir das einbilden. Die Botschaft, die ich wieder und wieder gehört habe, lautet: Das Gehirn lässt mit dem Älterwerden nach. „Ab Mitte 40 schwächelt das Hirn“, wie der Spiegel mal schrieb (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Ist es ein Zeichen meines schwächelnden Mittvierziger-Hirns, dass ich den Verfall nicht bemerke? Nope. Eine Studie (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von 2024 wirft das Bild des unaufhaltsam erschlaffenden Gehirns über den Haufen. Sie zeigt, dass Menschen in der Lebensmitte bei manchen Denkleistungen sogar besser abschneiden als jüngere.

Wie gut kommst du klar, wenn sich Pläne ändern?

Gehirntests messen kognitive Leistungen oft sehr spezifisch. Sie konzentrieren sich auf Fähigkeiten wie Gedächtnisgeschwindigkeit oder „Task Switching“, also wie schnell jemand zwischen Aufgaben hin- und herspringen kann.

Bei der Studie von 2024 gingen die Forschenden das anders an. Sie fragten sich: Was, wenn wir statt schneller Reaktionszeiten mal messen, wie gut Menschen im echten Leben mit Veränderungen umgehen können?

Sie entwickelten dafür einen Fragebogen, die Daily Flexibility in Life Scale (FIDL) und ließen ihn von knapp 300 Erwachsenen zwischen 19 und 78 Jahren ausfüllen. Die Teilnehmenden sollten einschätzen, wie oft sie in den letzten zwei Wochen bestimmte Verhaltensweisen zeigten. Und zwar anhand von Sätzen wie:

  • „Ich bin sehr verunsichert, wenn sich meine Pläne in letzter Minute ändern.“

  • „Ich kann meine Vorgehensweise leicht ändern, wenn mir jemand eine bessere zeigt.“

  • „Ich folge meist denselben Abläufen, wenn ich das Haus verlasse.“

Aus allen Antworten berechneten die Forschenden einen Gesamtwert: Wie stark ist jemand in der Lage, sich mental anzupassen, umzudenken oder loszulassen?

Sie fanden ein klares Muster. Es widerspricht komplett der Idee des schwächelnden Hirns ab 40. Geistige Flexibilität, sahen die Forschenden, folgt im Leben eines Menschen einer U-Kurve. Sie erreicht ihren Höhepunkt (!) in der Lebensmitte, zwischen 45 und 50 Jahren. Menschen in diesem Alter konnten am besten mit Veränderungen umgehen, Routinen aufbrechen und unterschiedliche Sichtweisen einnehmen. Junge Erwachsene lassen sich leichter verunsichern, Seniorinnen und Senioren halten stärker an Routinen fest.

Was heißt das konkret? Die Neurowissenschaftlerin Sarah McKay beschreibt es auf Instagram (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) so:

Mit 25 → in Panik geraten, wenn sich Pläne ändern.

Mit 75 → an Plänen und Routinen festhalten.

Mit 50 → wissen, woran man festhalten und was man loslassen sollte, und was wirklich wichtig ist.

Je mehr Erfahrung wir haben, desto freier werden wir im Denken

Natürlich hat die Studie, die ich oben beschrieben habe, ihre Grenzen. Die Teilnehmenden gaben nur an, wie flexibel sie sich selbst empfinden. Es wurden keine Gehirnaktivitäten gemessen und keine Veränderungen über längere Zeit beobachtet. Man kann daraus also nicht schließen, dass Menschen in der Lebensmitte objektiv flexibler denken, nur dass sie es so erleben.

Die Ergebnisse passen aber gut zu dem, was auch andere Forschende beobachten. Eine Überblicksstudie (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)zur Lern- und Altersforschung zeigt zum Beispiel, dass unsere geistigen Fähigkeiten sich beim Älterwerden nicht einfach abbauen, sondern verschieben.

In der Jugend arbeitet das Gehirn schnell und neugierig. Wir sind vielleicht total fokussiert, aber beißen uns auch an Gedanken fest. Je mehr Erfahrung wir haben, desto freier werden wir im Denken.

Dahinter steckt eine noch größere Erkenntnis:

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