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Wie können wir unsere Kinder fit für die Zukunft machen?

“Manchmal entschuldige ich mich bei meinen Kindern, dass ich sie in diese Welt hineingeboren habe”, sagte eine Mutter zu mir. Diese Aussage machte mich sehr traurig. Ich glaube: Egal, wie ungewiss die Zukunft ist es ist möglich, zuversichtlich und dankbar zu leben, diese Einstellung den eigenen Kindern mitzugeben und sie fit für die Zukunft zu machen. Lies hier, wie.

Aufgeblasenes Gummiboot auf einem See

Als Jugendliche war ich ein halbes Jahr in Neuseeland – "work & travel". Dort besuchte ich eine Familie, deren Kinder mich mit fließendem, akzentfreiem Deutsch begrüßten. Ich staunte. Ihr Zuhause zog mich sofort in seinen Bann: In der Küche hingen Kräuter zum Trocknen an einem selbst gebauten Gestell aus Ästen, die Kinder waren zugewandt und fleißig, halfen beim Kochen und das ganze Zusammensein strahlte Frieden aus. In Haus und Garten gab es überall etwas zu entdecken: eine Destille, Steinsammlungen, eine Pflanzenzucht, Instrumente, ein Atelier, Bücherregale, Landkarten, eine Werkstatt. Am liebsten wäre ich dort eingezogen. Ich dachte: Wenn ich einmal Familie habe, dann möchte ich genau so leben.

Was ich damals nicht wusste: Die Art, wie diese Familie lebte und lernte, ist in Deutschland verboten.

Wachsende Unsicherheit

Die Welt verändert sich in immer schnellerem Tempo. Viele Eltern fragen sich: In welche Zukunft wachsen unsere Kinder hinein? Und: Sind sie darauf vorbereitet?

Lange galt eine gute Schulbildung als verlässliche Grundlage für Erfolg im Leben. Der erwartete Weg war: Schulabschluss, Ausbildung oder Studium, Arbeit, Familie, Häuschen im Grünen. Doch dieser Weg funktioniert so nicht mehr. Die Schulbildung in Deutschland wird schlechter (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), durch KI verliert reines Faktenwissen an Wert, Immobilien sind für normale Verdiener kaum noch erschwinglich, und die Geburtenrate sinkt seit Jahren.

Was also brauchen Kinder wirklich, um fit für die Zukunft zu sein?

Kompetenzen statt Wissen

Der Pädagoge Dr. Martin Textor hat sich wissenschaftlich mit genau dieser Frage beschäftigt. Seine Forschung zeigt: Kinder fit für die Zukunft zu machen bedeutet nicht so sehr, ihnen Wissen zu vermitteln, sondern Kompetenzen und Eigenschaften zu fördern. Seine Liste der "Kompetenzen für die Welt von morgen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)" umfasst unter anderem:

  • Charakterstärke, Selbständigkeit und Verantwortungsbereitschaft

  • Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit

  • vernetztes und kritisches Denken

  • emotionale Stabilität, mentale Stärke und Fokus

  • Kreativität und Problemlösungskompetenz

  • Medienkompetenz

  • Zuversicht, ein tragfähiges Wertesystem (persönlicher Glaube) und Lebenssinn

  • Flexibilität und Stressresilienz

  • Bereitschaft zum Verzicht und zu gesunder Lebensführung

Ähnlich, aber noch kompakter fasst es das sogenannte 4K-Modell (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) der Kompetenzen für das 21. Jahrhundert zusammen: Kreativität, Kritisches Denken, Kollaboration, Kommunikation.

Einen anderen, eher praktischen Ansatz verfolgen die amerikanischen Autoren Doug Casey und Matt Smith. In ihrem Programm "The Preparation (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)" argumentieren sie, dass lange akademische Ausbildungen junge Menschen oft mit Schulden belasten, ihnen aber wenig praktische Fähigkeiten mitgeben. Ihr Gegenentwurf ist ein vierjähriges, von Leonardo da Vinci inspiriertes Praxisprogramm, das junge Menschen zu einem modernen "Renaissance-Menschen" formen soll: physisch und psychisch belastbar, wirtschaftlich unabhängig und krisenfest. Die Teilnehmer lernen unter anderem Notfallmedizin, Programmieren, Schweißen, Kampfsport, Landwirtschaft, Unternehmertum und Investieren – und finanzieren ihre Ausbildung durch die wachsenden eigenen Kompetenzen und damit einhergehenden Einkommensmöglichkeiten am Ende selbst.

Diese Ansätze sind spannend. Aber sie lassen eine praktische Frage offen: Wie können wir unsere Kinder schon jetzt, hier in Deutschland und in unserem normalen Alltagsleben fördern?

Kinder fördern trotz Schulpflicht

Als Eltern in Deutschland stecken wir in einem Dilemma: Obwohl die Schulbildung nachweislich schlechter wird – in der letzten PISA-Studie erzielten deutsche Schüler das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Erhebungen – sind wir durch die Schulpflicht an das deutsche Schulsystem gebunden. Weltweit gibt es von 195 Staaten etwa 25, in denen Homeschooling illegal ist – Deutschland ist eins davon. Und Privatschulen kann sich ein Großteil der Familien schlicht nicht leisten. In kaum einem anderen Industrieland hängt der Bildungserfolg von Kindern so stark vom Status und Einkommen der Eltern ab wie in Deutschland.

Da wir auf die Schule also nur bedingt bauen können – zum Glück gibt es immer wieder auch gute Schulen und großartige Lehrer, bleibt ein Ort, an dem Kinder die wichtigsten Kompetenzen für die Zukunft erwerben können: ihr Zuhause. Unsere Familien.

Die Familie als Lernort

Seit meiner Zeit in Neuseeland lässt mich der Besuch bei dieser Familie nicht mehr los. Vielleicht ahnst du es schon: Sie haben ihre Kinder im Homeschooling unterrichtet. Das bedeutete bei ihnen Lernen mit allen Sinnen, Neugier aufs Leben, Austausch mit anderen Familien, Entwicklung von Selbstbewusstsein und Kinder, die nicht unter Druck, sondern mit Freude lernten. Ganz anders also als der starre Distanzunterricht, den man in Deutschland aus der Coronazeit mit Homeschooling verbindet.

Dr. Martin Textor beschreibt die Familie als "zentrale Bildungswelt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), in der Kenntnisse nicht wie in der Schule zerstückelt vermittelt werden, sondern Teil einer Alltagsbildung sind." Diese Alltagsbildung sei umfassender als Schulbildung, weil Kinder zuhause Wissen in Bereichen erwerben, die die Schule kaum abdeckt: Medizin, Wirtschaft, Technik, Handwerk, Kunst. Und weil die von Eltern vermittelten Werte in hohem Maße zur Lebensorientierung beitragen. Sein Fazit: "Am leichtesten können Kinder zukunftsfähig gemacht werden, indem die vielen Lernmöglichkeiten im Familienalltag genutzt werden."

Eine neue Perspektive

Familien in Deutschland stehen finanziell und zeitlich zunehmend unter Druck (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Die Aussage, dass Kinder hauptsächlich im Familienalltag zukunftsfähig gemacht werden, kann sich in dieser Lage wie eine zusätzliche Forderung auf der To-do-Liste anfühlen. Wenn die Kraft für das normale Familienleben schon kaum ausreicht, woher soll man dann die Energie nehmen, Kinder noch extra zu fördern?

Vielleicht hilft es, hier eine neue Perspektive einzunehmen: Was wäre, wenn die Förderung unserer Kinder den Familienalltag nicht schwerer, sondern leichter macht? Wenn ein bewussteres Zusammenleben langfristig Stress reduziert? Wenn wir dafür gar nicht zusätzliche Dinge tun müssen, sondern manches weglassen und manches einfach anders machen?

Genau das ist der Ansatz dieses Magazins.

Das Magazin “Aufblühen”

Jede Woche erscheint hier im Magazin eine neue, praktische Anregung für das Familienleben: konkret, alltagstauglich und unkompliziert umsetzbar. Es geht nicht um große Projekte, sondern um kleine Veränderungen, die über längere Zeit hinweg Großes bewirken.

Die Impulse kommen aus verschiedenen Quellen: bewährten Homeschooling-Konzepten aus verschiedenen Ländern, pädagogischer Forschung, meinem christlichen Glauben, der meine Werte und meinen Blick auf Familie prägt, und Erfahrungsberichten echter Familien.

Das Ziel sind Kinder, die körperlich und seelisch gesund aufwachsen und fit werden für eine Zukunft, die wir noch nicht kennen. Und Familien, die als echtes Team zusammenwachsen – statt als loser Verband erschöpfter Einzelkämpfer zufällig unter einem Dach zu wohnen.

Ein Beispiel: Geschwisterstreit

Wie kann so eine kleine Veränderung aussehen? Zum Beispiel so:

Geschwisterstreit ist in vielen Familien eine große Herausforderung. Wie kann man in einer Familie so zusammenleben, dass der Streit nicht den Familienalltag bestimmt?

Geschwister kann man sich nicht aussuchen. Dennoch sind Geschwisterbeziehungen oft diejenigen, die unser Leben am längsten und stärksten prägen. Eine einfache Übung hilft, sie zu stärken:

Gebt jeder Geschwisterkonstellation regelmäßig eine kleine gemeinsame Mission – ohne elterliche Aufsicht. Das kann sein, gemeinsam den Tisch zu decken, die leeren Flaschen wegzubringen oder die Socken zusammenzulegen. Oder auch mal gemeinsam ein Eis essen zu gehen. Geschwister, die gemeinsam etwas erledigen und erleben, bauen echte Beziehungen zueinander auf. Auch wenn die ersten Versuche für alle herausfordernd sein können. Dranbleiben lohnt sich unbedingt!

Abonniere “Aufblühen”!

Wenn du jede Woche so eine praktische Anregung möchtest, wie deine Familie aufblühen kann – abonniere das Magazin. Für deine Kinder. Für deine Familie. Für eine Zukunft, der ihr gemeinsam gewachsen seid.

Sujet Familienkultur

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