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Newsletter - dein kreativer Journaling Kurs #16

Newsletter – dein kreativer Journaling Kurs #16

Ein Satz – viele Welten – wie dich ein einziger Satz zum kreativen Journaling inspirieren kann

  1. Die Magie eines einzigen Satzes

Inmitten einer Zeit großer Enttäuschung, in der meine Tagebuchaufzeichnungen in erster Linie eines waren: mein inneres Ringen mit der Frage „kann ich je wieder vertrauen, nachdem ich so belogen worden bin?“ traf dieser Satz mich wie der allerschönste Sonnenaufgangshimmel mitten ins Herz: Der Satz „Ich kann mich nicht vor Enttäuschung schützen, aber Hoffnung bleibt meine Arbeitshypothese“. Ich mochte, wie nüchtern dieser Satz klang, fast irgendwie wissenschaftlich, und doch steckte so viel Lebensweisheit und Wärme in diesen Worten, die es schließlich schafften, wieder Vertrauen aufzubauen, das zuvor so sehr gelitten hatte! Irgendwie machte dieser eine Satz klar, dass Hoffnung nicht ein naiver Glaube ist oder eine rosarote Brille ist, mit der man gleichzeitig all seine Deckung aufgibt, sondern vielmehr eine Haltung: Etwas, das man nicht entscheidet, sondern ausprobiert, mutig und immer wieder neu. Ich hatte so oft gehört, dass Vertrauen einfach eine Entscheidung ist, aber nach einem heftigen Vertrauensmissbrauch fühlte ich mich gar nicht mehr fähig, sowas zu entscheiden. Mir schien, als gäbe es da eine richtige oder eine falsche Entscheidung – und da wollte ich einfach nicht naiv sein, denn woher sollte ich wissen, ob mien Vertrauen sich lohnen würde. Die Idee, dass Vertrauen und Hoffnung „Arbeitshypothesen“ sind, gab mir gedanklich eine neue Richtung: ich musste es nicht wissen und konnte dennoch einfach leben als ob diese Entscheidung sich bewahrheiten würde. Ohne Hoffnung zu leben macht manchmal einfach auch wenig Sinn, weil es krank macht oder verzagt. Und so wurde es von einer Wette auf die Zukunft zu einer Arbeitshypothese und ich fühlte mich nicht naiv, sondern mündig.

Seitdem taucht dieser Satz immer mal wieder in meine Journal auf. Mal am Rand einer Seite, mal als Überschrift, mal als Fazit eines Buchstaben-Ergusses aus Trübsinn. Er erinnert mich daran, dass Schreiben selbst ein Akt der Hoffnung ist und dass dieser Satz wie der Refrain eines Lebens sein kann, wo es immer mal wieder Fragezeichen, Mutlosigkeit und Verzagtheit gibt.

Es ist absolut erstaunlich, wie manchmal ein einziger Satz ein ganzes Gedankenuniversum öffnen kann. Weil er wie ein Schlüssel wirkt, der klein und unscheinbar in der Lage ist, verborgene Türen und Räume zu öffnen, die uns zeigen: Ah, hier geht es weiter, hier kann ich sein. Manchmal trifft ein Satz so pointiert genau an der Stelle, wo etwas in uns schon lange auf ein Echo gewartet hat. Solche „Lebenssätze“, von denen wir im Laufe unseres Lebens hoffentlich einige sammeln werden, rufen Bilder hervor oder lösen Emotionen aus, die wieder und wieder geweckt werden können, wenn wir sie brauchen. Vielleicht werfen solche Schlüsselsätze Fragen auf, die wir bisher nie gestellt haben, oder bringen Licht ins Dunkel von langwieriger Ratlosigkeit.

Beim kreativen Journaling geht es eigentlich genau darum: Diese Erkenntnisprozesse bewusst zuzulassen oder zu initiieren. Nicht nur Gedanken aufzuschreiben und zu analysieren, sondern Worten erlauben, zu wirken, ihre Kraft entfalten zu lassen und dich innerlich zu verändern. Und genau darum soll es heute gehen: um die Kunst, mit einem Satz ganze Welten in dir zu entdecken.

2. Was kreatives Journaling so besonders macht

In den letzten Wochen habt ihr schon einige Techniken kennengelernt, die eher in die Sparte „kreatives Journaling“ gehören. Ich möchte das Wort „kreativ“ dabei nicht auf den Verschriftlichungsprozess an sich beziehen und eng führen, denn so gesehen ist ja jede Form des Schreibens ein kreativer, also ein schöpferischer Akt. Sondern es soll an dieser Stelle mehr um den kreativen Prozess gehen, der durch das Schreiben in uns selbst, d.h. in unserem Denken und Fühlen angestoßen wird, darum, dass Worte etwas schaffen, also kreieren in unserem Inneren. Dabei geht es, wie schon angedeutet, weniger um „richtig oder falsch“, sondern um Neugier, Verspieltheit und Entdeckung. Wenn ein Satz für euch nichts „aufmacht“ oder im Gegenteil eher negative Auswirkungen hat, dann lasst ihn getrost beiseite. Auch der Satz „Hoffnung ist meine Arbeitshypothese“ kann im Lebenskontext anderer Menschen unglaublich unter Druck setzend wirken, als sei nur Vertrauen die richtige Entscheidung. So ist dieses Spiel und dieses Experimentieren mit Schlüsselsätzen nicht richtig verstanden! Im Gegensatz zum klassischen Tagebuchschreiben, wo wir Sätze und Gedanken bewegen, soll es an dieser Stelle darum gehen Lebens-Sätze wie Schätze zu sammeln, die in der Lage sind, euch (immer wieder neu) zu bewegen.

Ein Satz kann der Funke sein, der ein großes Feuer entzünden kann. Du musst nur deine „Streichholz-Sätze“ und Wahrheiten finden und pflegen.

3. Wie ein einziger Satz zum Portal wird

Dabei muss es gar nicht immer ausschließlich um tief-weise und bedeutungsschwere Sätze gehen. Nimm zum Beispiel einen simplen Satz wie „Ich erinnere mich an den Geruch von Regen auf heißem Asphalt“. Solche Sätze können sich bei unterschiedlichen Menschen in ganz unterschiedliche Richtungen entwickeln. Ein solcher Satz kann eine Erinnerung hervorrufen an den letzten Italien Urlaub. Oder ganz allgemein die Frage aufwerfen: Wann habe ich das eigentlich zuletzt erlebt? Der Satz kann Emotionen wecken und bestimmte Stimmungen aktivieren: ist die Stimmung verspielt, erotisch, drückend, befreiend? In jedem Menschen bewirkt ein kontextloser Satz etwas anderes. Eventuell spricht dich die Symbolik an: Wofür steht Regen oder Asphalt in meinem Leben? Vielleicht kurbelt er aber auch deine Phantasie an: Ist das der Auftakt einer Geschichte? Eine Liebes- oder Freundschaftsgeschichte? Was passiert wohl als nächstes. Du siehst: So gesehen kann jeder Satz ist ein Einstieg sein und etwas mit uns machen. Vielleicht wirst du, wenn du länger mit dabei bist und ganz regelmäßig schreibst, deine eigenen Lieblingssätze entwickeln, von denen du weißt, dass sie etwas in dir öffnen und wieder gut machen. Bei mir sind das, vermutlich weil ich so gerne Morgens schreibe, sämtliche Sätze, die mit Sonnenaufgang zu tun. Wenn ich Morgens da sitze und den Himmel beschreibe, den ich direkt an meinem Schreibtisch vor Augen habe, stößt das direkt kreative Prozesse bei mir an.

4. Kleine Schreibübung: Vom Satz zur Welt

Aber vielleicht machen wir es einfach mal praktisch:

1. Wähle einen Satz (siehe Liste unten). 2. Lies ihn laut. 3. Lass spontan aufkommen, was er in dir berührt. 4. Schreib ohne Bewertung 10 Minuten lang.

Es geht darum, zu spüren und zu erfahren, dass es Sätze gibt, die etwas in und öffnen oder vielleicht sogar entzünden. Es geht um neue Gedanken, Gefühle, Inspirationen und einfach darum, sich beim Schreiben nicht nur ausdrücken zu wollen, sondern auch ansprechen zu lassen.

Eine weitere kleine Übung könnte sein: Erinnerst du dich an Sätze, die dich in deinem Leben schon mal berührt und verändert haben? Nutze die letzte Seite deines Journals, um eine kleine Liste genau dieser Sätze anzulegen. Ich mache das leider nicht ganz so systematisch, d.h. Ich habe keine Gesamtliste (was ich aber gerade beim drüber nachdenken auch äußerst praktisch finden würde), sondern ich notiere mir immer mal wieder Sätze, die ich beim Hören oder Lesen als Schlüsselsätze für deine Gedankenwelt empfunden habe, in mein Tagebuch und versehe sie mit einem Rahmen, damit sie beim Blättern sofort ins Auge fallen. So habe ich mich schon so manches Mal beim Blättern wieder und wieder ansprechen lassen und auf diese Weise wurden Gedanken tatsächlich zu einer Art Refrain für mein Denken und Schreiben und haben mich über Wochen und Monate begleitet. Wer Schlüsselsätze sammelt und in Reichweite behält, kann sie immer mal wieder nutzen, um die eigenen Gedanken mit ihnen in Dialog zu bringen. Das liest sich dann manchmal in meinem Journal so: „[Bericht über die Ereignisse am Wochenende] Da fällt mir spontan wieder der Satz von Edith Eger ein „Du kannst dich entscheiden, nicht das Opfer deiner Geschichte zu sein“. Wenn ich mir das zu Herzen gehen lasse, eröffnet sich mir noch eine andere Weise, die Geschehnisse zu sehen. Denn wenn ich mich jetzt verleiten lasse, in meinem Herzen weiter Hass zu kultivieren, dann bin ich eigentlich das Opfer dieser Umstände, weil es innerlich so gärt und rumort und ich seit Tagen keinen Frieden finde. Nicht das Opfer zu sein, würde bedeuten....“ undsoweiter undsofort.

5. Deine Inspiration: Sätze, die Türen öffnen

Ich möchte an dieser Stelle keine Sammlung salbungsvoller Zitate großer Schriftsteller und Weltverbesserer bringen, denn die findet ihr auch zu Hauf auf Pinterest oder eben beim Lesen der Klassiker. Letztlich findet ja auch jeder etwas anderes spannend oder zu seiner ganz persönlichen Lebenssituation passend. Deswegen möchte ich euch an dieser Stelle eher Sätze zur Inspiration mitgeben, die vielleicht gute Denk- oder Fühlprozesse in Gang setzen. Nutzt die als Überschriften, als Inspiration zur Reflexion oder lest sie euch über, wenn ihr das nächste Mal beim Schreiben in einer Aporie landet und irgendwie nicht weiter wisst. Und und nun? Nun... vielleicht sind folgende Sätze wie ein persönlicher Schlüssel für dich:

„Ich erinnere mich an etwas, das ich längst vergessen wollte“

„In einer anderen Welt hätte ich vielleicht …“

„Der Himmel war an diesem Tag auf meiner Seite“

„Ich bin nicht sicher, ob es Mut war oder bloß Sehnsucht“

„Alles begann mit einem Gefühl, das keiner haben wollte“

„Manchmal verstecke ich meine Träume in Alltagslisten“

„Ich weiß noch, wie sich Hoffnung anfühlt“

„Vielleicht ist Frieden nichts anderes als ein stiller Atemzug“

„In meinem Kopf wohnen noch Geschichten, die nie erzählt wurden“

„Heute will ich nicht funktionieren, sondern spüren“

6. Einladung zur eigenen Entdeckungsreise

Vielleicht hast du beim Lesen schon eine Ahnung bekommen, wie kraftvoll Worte und einzelne Sätze sein können. Wir brauchen es immer wieder, dass wir nicht mit unseren eigenen Gedanken und Schriftworten allein bleiben, sondern uns ansprechen lassen. Von den Gedanken und Worten anderer Menschen, die vielleicht ähnliche Wege gegangen sind und ähnliche Erfahrungen gemacht haben, aber ganz anders damit umgegangen sind. Und letztlich gilt auch hier: Das Wort aus dem Mund (oder der Feder) einer Schwester wirkt oft mächtiger als das Wort, das wir uns selbst sagen können! Manches muss man hören, lesen und zugesprochen bekommen, damit es seine Wirkung entfalten kann. Wenn dir dieser Schreibkurs gefällt und du dich sehnst nach Worten, die dich berühren, weiter bringen und kreative Prozesse in deinem Denken und Fühlen starten, dann empfehle ich dir meine wöchentliche Kolumne, das „Wort zum Montag“: Jede Woche gibt es einen gut recherchierten Text, vom Umfang noch etwas ausführlicher und tiefer als dieser Journaling Kurs, aber doch so auf den Punkt, dass es für dich genau DER EINE Input sein kann, den du im Laufe einer Woche wirklich gedanklich-emotional verstoffwechseln kannst. Ein bisschen Minimalismus in unserem sonst sehr Input-überladenen Alltag: Der eine Podcast und die eine Kolumne, die dir wirklich gut tun! Das Abo ist monatlich kündbar und schon ab 3,50€ pro Monat erhältst du im Laufe eines Jahres Texte im Umfang von 2-3 Büchern von mir. Und vielleicht findest du dort auch den ein oder anderen Lebenssatz, der für dich Türen und neue Räume öffnet. Ich würde mir das sehr wünschen. Die Kolumne (und alle weiteren Journling Kurs Texte #1-#15) findest du hier:

https://steady.page/de/feelslikesina/about (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Bis nächste Woche!

Eure Sina

Sujet Journaling Kurs

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