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Die Schönheit des Hörens – ein Wunder

Die Schönheit des Hörens – für mich ein kaum fassbares Wunder (ja ich gebe zu, manchmal auch eine Zumutung).

Ich bin taub, und doch höre ich dich. Ein Paradox, das Wirklichkeit wurde, durch zwei Cochlea-Implantate, kleine technische Meisterwerke, die Brücken schlagen zwischen Stille und Klang. (Bitte entschuldigt den Schachtelsatz - ich liebe Kommata)

Mittlerweile sind diese Implantate kein unbekanntes Terrain mehr: Man weiß, was ein CI ist, wie es funktioniert, und die Medien berichten regelmäßig darüber. Das ist bedeutsam – denn Aufklärung nimmt die Scheu, sie macht sichtbar, was möglich ist.

Doch für mich ist es weit mehr als Technik. Es ist die Rückkehr in einen Kosmos, der mir schon verloren schien: Stimmen, Geräusche, Musik, das Rascheln des Lebens selbst. Ein Hören, das mich nicht nur an der Welt teilhaben lässt, sondern auch wieder in sie hineinzieht – in Gespräche, in Gemeinschaft, in das vielstimmige Orchester des Alltags.

Mit Hörmine höre ich sanfter, gedämpfter – als legte sich eine weiche Decke um mein Bewusstsein. Sie hüllt mich ein, nimmt den Spitzen die Härte und schenkt mir eine Welt in gedämpften Farben. Hörlibert dagegen ist der Akzentuierte, der Wachsamere. Er ist sofort da, präzise, aufmerksam, als stünde er immer auf der Schwelle und rufe: „Da ist etwas, hör genau hin!“ Für mich ist er Alarmglocke und Sicherheitsnetz zugleich. Zusammen erschaffen sie ein Gleichgewicht – mal beschützend, mal warnend, aber niemals gleichgültig.

Mein inneres Wiesel hingegen steht oft daneben, scharrt nervös mit den Pfoten und kommentiert die Hörübungen mit einem Gemisch aus Ungeduld und Selbstironie. „Na bravo“, zischt es, „Mozart klingt heute wieder wie ein kaputter Wasserkocher!“

Die Wasserbüffelin hingegen bleibt gelassen, kaut innerlich auf einem imaginären Bambushalm und murmelt: „Geduld, mein Kind, Geduld. Auch Synapsen müssen wachsen dürfen.“

Ich höre damit. Ich höre Stimmen. Ich verstehe Sprache. Ich habe wieder Zugang zur Musik. Gerade das berührt viele besonders tief. Immer wieder erreichen mich Fragen, wie das Hören von Musik gelingt, wie es klingt, ob es sich je wieder so anfühlt wie „früher“. Denn der Gedanke, sich von Musik verabschieden zu müssen – dieser Inbegriff von Emotion und Erinnerung – ist für die meisten eine Zäsur von beinahe existenzieller Wucht.

Und wenn ich dann schildere, dass ich heute wieder Musik höre, sie verstehe, einen Zugang habe und sie genieße – inklusive jener seltenen, wunderschönen Gänsehautmomente, in denen sich alles verdichtet und mein Innerstes erzittert –, können es die meisten kaum glauben. Zu tief haben sich die Schreckensgeschichten eingeprägt von Menschen, denen es nicht vergönnt war, Musik zu erleben. Doch für mich ist genau dieses Wiederfinden von Musik zu einem leisen Triumph geworden. Nicht als lautes Spektakel, sondern als zartes Aufblühen: Ton für Ton, Akkord für Akkord.

Und genau das ist der Kern: Wir dürfen uns nicht vergleichen – weder die Hörbiografien vor dem Cochlea-Implantat noch die Wege danach. Jeder von uns trägt seine eigene Geschichte, und so unverwechselbar wie diese Geschichten sind, so einzigartig ist auch das Hören, das daraus erwächst. Erfolge sind nicht messbar an fremden Maßstäben, sondern an den eigenen Fortschritten, an den persönlichen Gänsehautmomenten, an den kleinen Triumphen im Alltag.

Mein Wiesel nickt zustimmend, um dann sofort anzumerken: „Aber manche Triumphe könnten ruhig schneller kommen.“ Die Wasserbüffelin hebt kurz die Augenbraue, atmet tief durch und antwortet: „Ruhe. Auch Gras wächst nicht, wenn man daran zieht.“

Doch selbst der beste Operateur, das erfahrenste Audiologenteam, die sorgfältigste Anpassung nützen wenig, wenn wir selbst nicht üben. Hörenlernen ist kein Automatismus, sondern ein aktiver, manchmal mühsamer Weg. Und ja – wer einmal erlebt hat, wie Musik zu Beginn klingt, weiß, wovon ich spreche: nicht wie Kunst, nicht wie Harmonie, sondern wie Quatsch, wie Lärm, wie ein groteskes Durcheinander.

Ich erinnere mich an einen frühen Übungstag: Ich sollte ein Lied erkennen. Nach drei Durchläufen tippte ich überzeugt auf Elvis – es war Helene Fischer. Übel. Das Wiesel fiel in Ohnmacht, die Wasserbüffelin trank demonstrativ Tee und brauchte selber zwei drei tiefe Atemzüge um nicht nur Frau Fischer sondern auch das Ergebnis zu verkraften.

Stellt euch einen Muskel vor. Ihr wollt einen Klimmzug schaffen – doch beim ersten Versuch geht gar nichts. Kein Wunder: Ihr habt diese Bewegung noch nie ausgeführt,

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