Passer au contenu principal

Migräne. Oder: Wenn das Nervensystem beschließt, Revolution zu spielen.

Migräne ist kein Kopfschmerz.

Nicht einmal ein besonders schlimmer Kopfschmerz.

Migräne ist ein neurologischer Ausnahmezustand – ein übererregtes, fehlkalibriertes Nervensystem, das plötzlich sämtliche Regler nach oben reißt, als hätte jemand die interne Alarmanlage auf Apokalypse gestellt. Licht wird Angriff. Geräusche werden Zumutung. Gerüche entwickeln eine fast persönliche Feindseligkeit. Der eigene Körper mutiert zum widerspenstigen Mitbewohner.

Und natürlich geschieht das zuverlässig immer dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann.

Wobei – seien wir ehrlich – man kann Migräne nie gebrauchen.

Sie ist kein sanfter Hinweis des Universums, mehr Wasser zu trinken oder achtsamer zu leben. Kein „friendly reminder“. Kein Wellnesssignal. Keine poetische Einladung zur Selbstfürsorge.

Sie ist eine neurologische Erkrankung. Punkt.

Oft genetisch. Häufig ohne klar identifizierbaren Auslöser. Und vor allem: nicht wegoptimierbar durch Ingwershots, Atemübungen oder das Magnesiumpräparat der Nachbarin dritten Grades.

Mein Wiesel jedenfalls entwickelt bei ungefragten Tipps eine bemerkenswerte allergische Sofortreaktion. Besonders dann, wenn sie von Menschen stammen, die selbst nie Migräne erlebt haben, aber „irgendwo gelesen“ haben, was angeblich hilft.

Ratschläge sind grundsätzlich nur innerhalb der Migränegemeinschaft akzeptabel – dort, wo Erfahrung nicht theoretisch, sondern schmerzhaft real ist. Und selbst dort bleibt eine gewisse Skepsis bestehen. Denn Migräne ist ein Chamäleon unter den Erkrankungen: hochindividuell, unberechenbar, eigensinnig.

Wer – so wie ich – seit über vier Jahrzehnten mit ihr lebt, hat alles ausprobiert. Wirklich alles. Medikamente, Routinen, Verzichtsstrategien, Hoffnungen, wissenschaftlich Fundiertes ebenso wie verzweifelt Esoterisches.

Ja, sogar Bäume wurden bereits umarmt. Birken im Speziellen.

Zur Erdung. Zum Energiefluss. Zur kosmischen Neujustierung des Systems.

Man wird erfinderisch, wenn Schmerz zur Konstante wird.

Oder ehrlicher formuliert: verzweifelt genug, um selbst dem absurdesten Strohhalm kurzfristig Seriosität zu verleihen.

Seit gestern also wieder Migräne.

Mir ist kalt, obwohl mir nicht kalt sein dürfte.

Der Kopf pulsiert im

0 commentaire

Vous voulez être le·la premier·ère à écrire un commentaire ?
Devenez membre de Frau_Kruemelkuchen, Diana - hört! Oder doch nicht? - et lancez la conversation.
Adhérer