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Silvester – eine kleine, sehr persönliche Abhandlung über Käse, Nähe und das leise Glück, gemeint zu sein

Silvester war in diesem Jahr kein Paukenschlag, kein gesellschaftliches Hochamt mit Glitzerpflicht und Vorsatzrhetorik. Es war – und das meine ich in tiefster Hochachtung – eine nicht ganz unbedenkliche Menge an Käse, eine respektable Auswahl an Fleisch und Fisch sowie die exakt richtige Dosis an Menschen. Menschen, bei denen man nicht performen, erklären oder sich permanent justieren muss. Menschen, bei denen Dasein genügt.

Der 1. Januar begann folgerichtig mit einer Handlung, die ich inzwischen nicht mehr belächle, sondern ernst nehme: dem Wampe-Streicheln. Zärtlich. Versöhnlich. Ohne Selbstanklage. Eher wie ein stilles „Danke, dass du mich durch diesen Abend getragen hast“. Der Körper als Chronist eines guten Lebens – zumindest an diesem einen Abend.

Hörlibert und Hörmine gaben sich alle Mühe. Wirklich alle. Mit technischer Redlichkeit, algorithmischem Ernst und jener stoischen Zuverlässigkeit, die man sich von Maschinen wünscht und von Menschen nicht immer erwarten darf. Die Migräne – sonst eine ausgesprochen zuverlässige Störgröße – entschied sich überraschend für Zurückhaltung. Ein stilles Abkommen, das ich innerlich mit einem Dankesnicken quittierte. Die Stimmung war leicht, warm, unfassbar gut. Nicht euphorisch, sondern getragen. Diese seltene Form von Freude, die nicht lärmt, sondern bleibt.

Neun Menschen an einem Tisch sind, selbst ohne akustische Besonderheiten, eine Herausforderung. Mit Raclette-Grills, Pfännchengeklapper und parallelen Gesprächsthemen wird daraus ein hochkomplexes Wahrnehmungsfeld. Ich kenne diesen Zustand gut: Ich oszilliere dann zwischen Dankbarkeit und Freude – dafür, dabei zu sein – und jenem stillen, zähen Frust, der sich einstellt, wenn Sprache zerbricht. Satzfetzen, Kontextfragmente, Bedeutungsreste, die man mühsam zusammensetzt wie ein Puzzle, dem ein Drittel der Teile fehlt.

Mein Wiesel jedoch traf eine kluge Entscheidung. Es verweigerte sich der Analyse und widmete sich mit bewundernswerter Konsequenz dem Raclette-Grill. Fleisch belegen, Käse organisieren, Überblick behalten.

Mehr Käse.

Wo ist das Reh?

Es gibt Abende, da ist geistige Reduktion kein Mangel, sondern ein Geschenk.

Gespräche über zwei Grills hinweg zu führen, waren erwartungsgemäß zum Scheitern verurteilt. Also übernahmen die Sitznachbarn. Mit Geduld. Mit Humor. Mit echter Zuwendung. Und dann mein Gegenüber, der Gastgeber. Er sprach mit Händen, mit perfektem Mundbild, mit Mimik, die nichts erklären wollte und doch alles vermittelte. Kein demonstratives Helfen, kein pädagogischer Gestus. Einfach dieses selbstverständliche: Du gehörst dazu.

Mein Wiesel liebt ihn.

Ja. In dieser großen, ruhigen Form der Zuneigung, die man Agape nennt.

Und seine Frau ebenso. Die beiden meinen mich immer mit. Ohne Ausnahme. Dieses Gemeintsein ist kein kleines Detail. Es ist existenziell. Und wenn es geschieht, verändert sich etwas Grundlegendes: Anstrengung wird leichter, Frust verliert seine Schärfe, und das Herz darf sich entspannen.

Kulinarisch bewegten wir uns in Regionen, die man ohne falsche Bescheidenheit als abundant bezeichnen darf. Fleisch und Fisch wurden eigens so mariniert und gewürzt, dass ich sie bedenkenlos essen konnte. Beilagen in großer Vielfalt, Käse – sehr viel Käse – und Dips, die Auswahl bedeuteten statt Ausschluss. Es war Fürsorge in essbarer Form. Ein stilles, liebevolles: Wir haben an dich gedacht.

So wurden an diesem Abend gleich mehrere Bedürfnisse bedient, in einer seltenen, fast eleganten Kohärenz:

Essen – im besten Sinne.

Freunde – ohne Anstrengung.

Gesellschaft – ohne Überforderung.

Wertschätzung – ohne Pathos.

Und kommunikative Teilhabe – ohne Belehrung.

Ich ging satt nach Hause. Nicht nur kulinarisch.

Satt an Wärme, an Rücksicht, an Zugehörigkeit.

Ich bin sehr dankbar.

Das Wiesel auch.

Es befindet sich noch im Fresskoma – und ich lasse es dort.

Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

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