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Ich entscheide.

Ich sitze im Hotel. Vor mir ein Frühstücksbuffet, das jede Form kulinarischer Vernunft augenzwinkernd außer Kraft setzt. Duftender Speck, Würstel, Rührei, frischer Kaffee, knuspriges Brot und all die kleinen Verlockungen, die Hotelfrühstücke zu einer eigenen Disziplin zwischen Genuss und Maßlosigkeit machen.

Herrlich.

Wäre da nicht das geschäftige Klappern von Geschirr, das Murmeln zahlloser Gespräche, das Kratzen und Rutschen von Stühlen, das unaufhörliche akustische Grundrauschen eines Frühstückssaals, in dem die Welt bereits voller Tatendrang in den Tag startet.

Morgens jedoch bin ich oft noch nicht ganz in dieser Welt angekommen.

Mein Gehirn tastet sich erst langsam aus dem Nebel der Nacht. Die Synapsen strecken sich, gähnen vermutlich ausgiebig und zeigen noch wenig Begeisterung dafür, sofort Höchstleistungen zu vollbringen.

Und so wage ich immer häufiger etwas, das mir früher beinahe absurd erschienen wäre:

Ich gehe ohne Hörlibert. Ohne Hörmine.

Ich betrete den Frühstückssaal in Stille.

Keine Prozessoren. Kein Verstehen. Kein Zuhörenmüssen.

Erst einmal ankommen.

In Ruhe essen.

Den ersten Kaffee genießen.

Ein paar Seiten in meinem Buch lesen.

Mehr brauche ich in diesem Moment nicht.

Beim ersten Mal war da noch Unsicherheit. Die Frage, ob ich etwas verpassen könnte. Ob jemand mit mir sprechen möchte. Ob ich unhöflich wirke. Ob ich etwas Wichtiges nicht mitbekomme.

Heute ist davon kaum noch etwas übrig.

Denn mit der Zeit habe ich etwas Entscheidendes verstanden:

Nicht jede verfügbare Technik muss in jeder Minute genutzt werden.

Nur weil ich hören kann, muss ich nicht jederzeit hören.

Nur weil Teilhabe möglich ist, bedeutet das nicht, dass ich jede Sekunde verfügbar sein muss.

Manchmal ist die Stille kein Verlust.

Manchmal ist sie Luxus.

Ein geschützter Raum zwischen Aufwachen und Ankommen.

Eine kleine Insel, bevor der Tag seine Ansprüche anmeldet.

Früher hatte ich oft das Gefühl, jede Hörmöglichkeit ausschöpfen zu müssen. Als müsste ich beweisen, wie gut die Technik funktioniert. Als wäre Nicht-Hören eine verpasste Chance.

Heute sehe ich das anders.

Ich entscheide.

Ich entscheide, wann ich höre.

Ich entscheide, wann ich teilnehme.

Ich entscheide, wann mein Gehirn bereit ist für Stimmen, Informationen und Geräusche.

Und ich entscheide ebenso, wann ein Kaffee, ein gutes Buch und ein stiller Morgen vollkommen ausreichen.

Es ist ein unscheinbarer Moment.

Ein Frühstück in einem Hotel.

Und doch steckt darin etwas, das weit über Speck, Rührei und Kaffee hinausgeht:

Selbstbestimmung.

Die Freiheit, die Technik zu nutzen.

Und die ebenso große Freiheit, sie für einen Augenblick nicht zu nutzen.

Während um mich herum Tassen klirren, Stühle rücken und Gespräche durch den Raum fließen, sitze ich mitten in einer Stille, die nicht Mangel ist.

Ich bin eine zufriedene "Hakimam" (hetero aber kein Interesse mehr an Männern).

Sondern Frieden.

Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

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