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Fleischberge, Hopfen und Hochkultur – Eine kulinarische Selbstverortung in Prag

Prag.

Eine Stadt, die nicht nur pulsiert, sondern atmet. Und zwar nicht flüchtig und geschniegelt, sondern ehrlich, deftig, mit einer Lunge voller Hopfenaroma und gebräunter Kruste. Diese Stadt entschuldigt sich nicht für ihre Substanz. Sie trägt sie wie ein Wappen.

Und selbstverständlich – ich wäre nicht ich – musste es am ersten Abend tschechische Küche sein. Keine Fusion, kein Espuma auf Schieferplatten. Sondern Fleisch. Knochen. Bier. Gravität.

Gesucht, gefunden.

Ein Etablissement irgendwo zwischen Pub, Kneipe und Restaurant – laut, voll, lebendig. Keine akustische Zurückhaltung, sondern orchestrierte Geräuschkulisse: Krüge, Gelächter, Stühle, die über Holzboden schrammen. Der Kellner bewegte sich im Sekundentakt, als sei er Teil einer hochperformanten Logistikabteilung für Gerstensaft und Fleischberge. Krüge von A nach B, Haxen von B nach C, Rippchen von C direkt in mein Herz.

Wiesel und ich – wir waren im Himmel.

Wir fragten nach einem Tisch. Ausreserviert. Natürlich. Wer käme auch nicht hierher?

Aber – eine Stunde ginge. Eine einzige Stunde.

Ich nickte mit jener Ambition, die mich sonst durch Steuerrecht und Hörtrainings trägt. Eine Stunde? Das ist doch nahezu abundant.

Dann der Blick in die Karte.

Die gegrillte Haxe.

Die Haxe.

Lieferzeit: 45 Minuten.

Ich überlegte. Wirklich. Tiefgreifend. Strategisch.

Das Wiesel in mir flüsterte konspirativ:

„15 Minuten Essenszeit? Wir schaffen die Haxe in sieben. Challenge accepted.“

Es konfabulierte bereits eine heroische Szene, in der ich mit assertorischer Entschlossenheit Knochen freilege wie eine archäologische Ausgrabung in Rekordzeit.

Die Büffelin hingegen – diese stoische Instanz meines inneren Leitungsgremiums – insistierte auf Würde. „Wir werden den ersten Abend nicht in stressinduziertem Hyperfokus beenden. Wir essen mit Contenance.“

Und so bestellten wir Rippchen.

Zart, saftig, mit jener barocken Üppigkeit, die man nicht kommentiert, sondern ehrfürchtig entgegennimmt. Ich gestehe: Ich bin eine Fressraupe. Eine kultivierte, belesene, elaborierte Fressraupe – aber dennoch. Fleischberge sind für mich keine Exzesse, sondern Exponate kulinarischer Ehrlichkeit.

Prag versteht das.

Die Haxe wurde vertagt. Strategisch verschoben. Tisch reserviert für die kommenden Abende. Man muss im Leben schließlich promissorisch planen, insbesondere wenn es um Hochkaräter der Schweinekunst geht.

Der Marsch zurück ins Hotel war notwendig. Auch nach Rippchen. Vielleicht gerade nach Rippchen. Die Stadt bei Nacht – Lichter, Fassaden, Kopfsteinpflaster – wirkte plötzlich milde. Fast zärtlich. Als wollte sie sagen: „Du kommst wieder. Für die Haxe.“

Und nun sitze ich hier. Mit Tee. Oder vielleicht Coke. In jedem Fall mit Aussicht.

Auf Prag.

Auf morgen.

Auf das Frühstücksbuffet.

Ich lächle.

Denn zwischen Kafka und Kepler, zwischen Gotik und Geschichte, zwischen Hochkultur und Hochprozentigem gibt es eine Wahrheit, die sich nicht reskribieren lässt:

Man kann intellektuell oszillieren, akademisch argumentieren, weltanschaulich elaborieren –

aber manchmal ist das größte Glück der Welt schlicht eine perfekt gegrillte Haxe in einer Stadt, die sich nicht verstellt.

Und ich?

Ich bin im Himmel.

Bleibt nur eine Frage:

Haxe mit Senf oder mit Kraut – was würdet ihr wählen?

Bleibt's xund, eure Frau Kruemelkuchen

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