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„Sichtbar hören – warum ich mein Cochlea-Implantat mit Stolz trage“

Oder

„Wenn Hören sichtbar wird – über Stolz, Schmuck und Selbstannahme“

Manchmal, wenn mich jemand mit fragendem Blick mustert, folgt eine dieser vorsichtigen, fast zögerlich gestellten Fragen: „Warum trägst du dein Cochlea-Implantat eigentlich so offen? Und… so sichtbar? Du könntest es doch verdecken.“

Und dann lächle ich, sanft, aber bestimmt – und stelle eine Gegenfrage: „Warum sollte ich das?“

Warum sollte ich verbergen, was ein Teil von mir ist? Warum sollte ich etwas verstecken, das mir das Leben zurückgegeben hat – ein Stück Verbindung, ein Echo der Welt, ein zarter Versuch, Klang neu zu lernen?

Ich habe mein Cochlea-Implantat nicht nur angenommen – ich habe es in mein ästhetisches Selbstverständnis aufgenommen. Ich trage es nicht nur offen, ich trage es mit Stolz. Verziert mit kleinen Strasssteinchen, manchmal mit einer zarten Kette, gelegentlich mit dem Logo meiner Selbsthilfegruppe, liebevoll von einer Freundin gestaltet. Ich mache daraus, was es auch ist: Ein Stück meines Weges. Und manchmal: Schmuckstück. Erkennungszeichen. Statement.

Es ist ein Teil von mir. Und ich – ich bin kein halber Mensch, nur weil ich nicht höre wie andere. Ich bin vollständig. Anders vielleicht. Aber vollständig.

Ich denke oft: Würde ich im Rollstuhl sitzen – könnte ich ihn verbergen? Nein. Und warum auch? Auch das wäre ein Teil von mir, sichtbar, notwendig, sinnstiftend. Ein Hilfsmittel, das ermöglicht, nicht beschämt. So ist es auch mit meinem Hörsystem.

Erst als ich anfing, meine Hörgeräte vor einigen Jahren, und nun die Cochlea Implantate, zu zeigen, begann ich, mich selbst zu sehen.

Es war ein Prozess – wie alles, was wirklich zählt. Ein zähes Ringen mit Scham, mit inneren Widerständen, mit dem hartnäckigen Stigma, das der Begriff „Behinderung“ noch immer in sich trägt. Als wären wir weniger wert, nicht als "normaler Menschen greifbar" und nicht einfach: hörbeeinträchtigt. Oder taub.

Heute bin ich offen. Nicht nur im Ohr – auch im Herzen. Ich bin bereit, Fragen zu beantworten. Bereit, zu sagen: „Ich bin taub. Ich höre mit Technik. Und das ist okay.“

Ich habe gelernt, dass Offenheit entwaffnet. Dass Sichtbarkeit auch Schutz ist. Denn wenn man sieht, dass ich ein CI trage, kann man Rücksicht nehmen – statt mich versehentlich in ein Kommunikationslabyrinth zu führen, aus dem es kein Entkommen gibt außer dem späten Eingeständnis: „Entschuldigung, ich verstehe Sie kaum – ich bin schwerhörig.“

Es ist besser, wenn man es sieht. Und schöner, wenn es glitzert.

Wenn man es eh tragen muss – warum dann nicht mit Würde? Warum nicht mit einem Hauch von Poesie? Warum nicht auch in hübsch?

Ich schmücke nicht meine Behinderung. Ich schmücke meine Selbstverständlichkeit.

Ich bin taub. Ich höre anders. Ich verstehe auf andere Weise. Ich kommuniziere manchmal visuell, manchmal mit Geduld, manchmal mit einem Lächeln.

Und ich stehe dazu. Ich bin dieses neue Ich. Nicht weniger. Vielleicht sogar mehr.

Denn wer sich selbst annimmt – mit all den sichtbaren und unsichtbaren Linien der Biographie – der wird unerschütterlich. Nicht trotz, sondern wegen der Veränderung.

Nachwort

Manchmal frage ich mich:

Was wäre, wenn wir alle das, was uns trägt – sichtbar tragen dürften?

Wenn Scham kein Schatten, sondern ein Tor zur Nähe wäre?

Wenn Hilfsmittel nicht versteckt, sondern als das anerkannt würden, was sie sind: Brücken zur Welt.

Ich habe gelernt, mich zu zeigen.

Und in diesem Zeigen liegt ein stiller Triumph.

Nicht laut. Nicht trotzig. Sondern ruhig und aufrecht.

Ein Ich, das nicht mehr um Erlaubnis bittet, sondern einfach ist.

Was mich dabei am meisten berührt:

Menschen, die nicht fragen, nicht zögern, nicht bewerten.

Die nicht erklären müssen, warum sie Rücksicht nehmen –

weil es für sie selbstverständlich ist.

Weil sie hören mit den Augen.

Sehen mit dem Herzen.

Und verstehen mit einer Güte, die keinen Namen braucht.

Euch gilt mein stiller Dank.

Ihr seid nicht laut – aber ihr seid leuchtend.

Und vielleicht, ganz vielleicht,

werden es mehr

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