Redaktion free.fem.minds MAGAZIN

Wenn es um die Frage geht, was eine gute Mutter ausmacht,
gelten im Familiengerichtskontext eigene Regeln. Löwenmütter,
die sich schützend vor ihre Kinder stellen und alles für ihre Unversehrtheit tun, sind hier nicht gern gesehen und
stören den Justizfrieden. Das Wunschbild: still, bescheiden und bedingungslos zustimmend. Zum Wohle des Kindes, versteht sich.
Das Problem der Gerichte – immer mehr Frauen lassen sich in
Sachen Schutzrechte nicht aufhalten.
Die gute Mutter

Sie fügt sich und richtet den Blick allein aufs Kind. Care-Arbeit, Arbeitsausfälle und alle Kosten nimmt sie geduldig auf sich. Unterhalt? Sie verzichtet, damit seine Ausflüge in den Freizeitpark größer ausfallen können. Schulranzen, Reitstunden und alle Kosten trägt sie bescheiden von zwei Jobs allein. Seine Schläge, Tritte und der Missbrauch? Vergessen und vergeben. Schließlich weiß sie, dass er dennoch ein Guter ist und wenn ihn niemand reizt, dann muss er auch nicht weiter zuschlagen. Die Kinder? Wird sie nicht vor ihm schützen können, das ist ihr klar. Aber was soll sie tun? Die Einschätzung von Verfahrensbeteiligten, die ihn für unbedenklich halten, kann sie annehmen. Sie entscheiden, selbst wenn die Kinder bei ihm leben sollen. Für ihre Kinder will sie nur das Beste.
Die schlechte Mutter

Sie macht den Mund auf. Immer wieder. Erzählt allen, die es hören und nicht hören wollen von Istanbul-Konvention, Kinderschutz und Gewaltschutzrechten. Unterhalt? Fordert sie ein und zwar jeden Euro. Denn auch die unterschlagenen 150 Euro machen im Jahr fürs Kind einen Unterschied bei Hobbys und Wünschen. Einschüchterungen? Macht sie öffentlich. Sie ist gut vernetzt und laut. Sie lässt sich nicht erzählen, dass Schweigen ihre Kinder schützt. Strafverfolgung? Setzt sie um. Gewalttaten müssen verfolgt werden. Sie will kein Fall im Dunkelfeld bleiben. Die Kinder? Schützt sie physisch, psychisch und vor dem Eingreifen schlecht ausgebildeter Fachkräfte. Immer wieder. Dem Druck der Verfahren stellt sie sich mit aller Kraft, Informationen und Gleichgesinnten entgegen. Sie kämpft für ihre Kinder, sich und alle anderen Betroffenen. Für ihre Kinder will sie nur das Beste.