
Im Stadtpalais hat am Freitag die Öffentlichkeitsbeteiligung für die Umgestaltung der Bundesstraße 14 begonnen.
Von Jürgen Brand
Die Bundesstraße 14 zwischen Marienplatz und Schwanenplatz soll wieder ein echter lebendiger Teil der Stadt werden, neuer Stadtraum statt „Stadtautobahn”. Das ist eines der Großprojekte, die die Landeshauptstadt in den kommenden Jahren beschäftigen werden, neben nach wie vor Stuttgart 21, Oper, Stadtring, Rosensteinviertel, Villa Berg und was sonst noch alles auf der Projektliste steht. Ziel ist, die große Straßenfläche neu zu denken: „mehr Platz für Aufenthalt, Begegnung, Bewegung und städtisches Leben”, so die Stadt. Gerade wird ein Rahmenplan entwickelt, am Freitagabend war im Stadtpalais die Auftaktveranstaltung für die Öffentlichkeitsbeteiligung dafür.
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Von „Keine weiteren Milliardenprojekte. Kleine Brötchen backen” bis „Bitte mutig bleiben - auch gegen Widerstände. Wir brauchen die Veränderung” reichten die Meinungen der vielen Besucherinnen und Besucher im Stadtpalais, die sie auf Karten schreiben konnten, die jetzt von den Planern ausgewertet werden. Bevor die Einwohner, überwiegend aus den betroffenen Stadtbezirken Stuttgart-Süd, -Mitte und -Ost, ihre Ideen und Vorschläge einbringen konnten, gab es aber erst einmal jede Menge Infos über das Projekt, verteilt auf mehrere Kurzvorträge.

„Es ist vor allem ein Klimaanpassungsprojekt”, sagten die Experten von asp Architekten, die den Rahmenplan zusammen mit Stadt und Land erarbeiten. „Das Projekt ist nicht nur ein Mobilitätsprojekt, sondern ein Stück Stadtraum, das wir uns aneignen wollen.” Dafür reiche es nicht, immer nur die Autos zu zählen. Vielmehr müsse den vorhandenen Strukturen eine neue Bedeutung gegeben werden, etwa durch breite Grünschneisen und neue Vernetzungen zwischen dem Stadtzentrum und den Hanglagen, die zurzeit noch durch die vierspurige B14 voneinander getrennt seien.
174.000 Fahrzeuge jeden Tag auf der B14
Wie komplex die Aufgabe ist, zeigen auch die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchungen. Die Strecke zwischen Heslacher Tunnel und Schwanenplatztunnel wird täglich von 174.000 Fahrzeugen befahren. Rund 10.000 davon gehören zum Durchgangsverkehr, 83.000 zum sogenannten Quell-/Zielverkehr (also Start oder Ziel in Stuttgart), 81.000 zum Binnenverkehr (Start und Ziel in Stuttgart). Etwa 40 Prozent des Gesamtverkehrs fließen heute durch die bestehenden Unterführungen. Ausführliche Informationen dazu sind auf der Webseite der Landeshauptstadt zu finden:
https://www.stuttgart-meine-stadt.de/stadtentwicklung/b14 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Ein Ziel der Neugestaltung ist, dass künftig der gesamte Verkehr oberirdisch stattfinden soll. Außerdem wird als Prämisse im Rahmenplan vorgegeben, das Verkehrsaufkommen um die Hälfte gegenüber heute zu reduzieren. Um das zu erreichen, gibt es bereits jetzt Möglichkeiten: Werden beispielsweise die im Klimamobilitätsplan vorgesehenen Maßnahmen für Stuttgart umgesetzt, reduziert das den Kfz-Verkehr im gesamten Stadtgebiet um 16 Prozent. Schon ergriffene Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung müssten beibehalten und gegebenenfalls noch erweitert werden. Dazu gehören das Parkraummanagement, eine flächendeckende Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde und auch, dass das Parken in der Stadt teurer wird, zumindest in Höhe der Inflationsrate.
Paris, London oder Kopenhagen haben bereits Straßenräume umgestaltet
Andere Städte haben schon vorgemacht, wie bestehende Straßenräume zum Nutzen der Einwohner umgestaltet werden können. Professor Dr. Steffen de Rudder von der Bauhaus-Universität Weimar beschäftigt sich intensiv mit europäischen Straßenräumen und zeigte im Stadtpalais Beispiele für erfolgreiche Stadtraumgestaltungen. War bisher Kopenhagen regelmäßig das Aushängeschild für solche einwohner- und klimafreundlichen Stadtplanungen, schauen die Wissenschaftler, Stadtplaner und Architekten - manchmal auch mit einem gewissen Anflug von Neid - nach Paris. Dort hat die Stadt es auch dank des Engagements der Bürgermeisterin Anne Hidalgo geschafft, innerhalb von fünf Jahren rund 300 Straßenzüge umzugestalten, den Autoverkehr zu reduzieren und gerade das Zentrum zu begrünen. Dadurch hat sich das Stadtklima schon deutlich verbessert - und in der Seine kann inzwischen in drei öffentlichen Bädern geschwommen werden.

Die Planer haben die B14 zwischen Heslacher und Schwanenplatztunnel in fünf Abschnitte unterteilt. In einem davon, dem zwischen Neckartor und Schwanenplatz, wird in den kommenden fünf Jahren ohnehin gebaut, die vorbereitenden Arbeiten dafür beginnen demnächst. Der direkt unter den Fahrbahnen verlaufende Nesenbachkanal ist marode und muss erneuert werden. Im Stadtpalais regten die Experten am Freitagabend an, diese Baustelle sozusagen als „Reallabor” zu nutzen. Im Idealfall könnte in fünf Jahren die heute viel befahrene Straßenschneise zwischen Stuttgart-Ost und dem Schlossgarten der erste fertige neue Stadtraum von den insgesamt fünf B14-Abschnitten sein.
Besuch der Veranstaltung im Stadtpalais Stuttgart am 17.10.2025
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Besuch von Sitzungen des Bezirksbeirats Stuttgart-Ost zum Thema