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#72 Timmy, der Wal

Gofigramm

Die Fluke eines Wals, die aus dem Wasser ragt.

Timmy singt. Er liegt in seiner Barge und wird Richtung Nordsee gefahren. Jedenfalls jetzt, am Donnerstag, dem 30. April, an dem ich dies schreibe. Wenn Du diesen Text liest, ist der Buckelwal, der so lange vor der Insel Poel gelegen und dessen Schicksal so viele Menschen beschäftigt hat, hoffentlich angekommen. Vielleicht erholt er sich, heilt von seinen Verletzungen, findet Artgenossen, genießt seine Freiheit. Vielleicht aber ist er durch die lange Zeit, die er auf Grund gelegen hat, auch zu schwer verletzt gewesen, seine Haut zu zerstört, seine Organe beschädigt, erdrückt durch sein eigenes Körpergewicht. Vielleicht ist er zum Meeresgrund gesunken in dem Moment, in dem man ihn aus der Barge in die Freiheit entlassen hat. Das weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Ich hoffe für ihn, dass es ihm gut geht. Du bestimmt auch. Warum sollte man solch einem unschuldigen Tier etwas Schlechtes wünschen? Das heißt natürlich nicht, dass Du bei der Rettungsaktion mitgefiebert hast. Vielleicht bist Du entfernt interessiert gewesen, vielleicht aber auch genervt von dem Bohei, das um den Wal gemacht worden ist. Das ging ja schon mit der Wahl seines Namens los.

Heißt er Timmy oder Hope? Seine Unterstützer waren sich nicht einig. Unterschiedliche Walrettungsinitiativen entschieden sich je für den einen oder anderen Namen. Die Berichterstattung der Medien setzte schließlich den Namen Timmy durch. Das scheint griffiger gewesen zu sein. Hope klang dann doch zu sehr nach Projekt, nach Predigt, nach Hoffnung auf eine bessere Welt. Timmy, also. Aber warum musste er überhaupt einen Namen haben? Was ist an ‚Wal‘ so verkehrt?

Es sollte sich nicht um ein Tier handeln. Es sollte sich um das Tier handeln, um eine Persönlichkeit mit einer eigenen Identität, einem eigenen Schicksal. Ich kann das verstehen. Ich habe zwei Nymphensittiche, die Marx und Engels heißen. Als wir sie im OBI einkauften, wussten sie davon nichts. Das ist immer noch so, glaube ich. Jedenfalls reagieren sie nicht auf ihre Namen. Aber uns ist es wichtig, dass sie so heißen. Denn ja, sie sind tatsächlich individuelle Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Merkmalen, Vorlieben, Gewohnheiten und Interessen. Hätte ich auch nicht gedacht, dass es das bei Vögeln gibt, aber so ist es. Inzwischen weiß ich, dass das bei allen möglichen anderen Tieren ebenfalls zu beobachten ist. Sicher auch bei Timmy, dem Wal.

Gehen wir davon aus, dass Timmy eine individuelle Persönlichkeit ist. Rechtfertigt das den Aufwand, der um ihn betrieben wurde, um ihn zu retten? Nicht wenige verneinen das. Wie kann es sein, sagen sie, dass im Mittelmeer Jahr für Jahr Tausende Menschen ertrinken, und niemand betreibt einen derartigen Aufwand, sie zu retten? Gut, das stimmt natürlich nicht ganz. Es gibt mehrere private Rettungsinitiativen, die für viel Geld Menschenleben retten und dafür von den europäischen Regierungen nach Kräften drangsaliert und sabotiert werden. Aber ja, mit dem Massensterben im Mittelmeer haben wir uns besser arrangiert, so scheint es zumindest, als mit Timmys leidvollem Schicksal.

Wie kann es sein, wenden andere völlig zurecht ein, dass regelmäßig kleinere und größere Wale und Meerestiere anonym in den überfischten Meeren verrecken, weil sie sich in den Schleppnetzen verfangen oder weil der Lärm sie orientierungslos macht, und niemand regt sich darüber auf, sondern Menschen gehen zu ALDI, kaufen Fischstäbchen, und während sie sich den Fisch reinpfeifen, drücken sie Timmy die Daumen, dass es ihm bald wieder besser geht? Das passt doch nicht zusammen.

Das stimmt, das passt wirklich nicht zusammen. Aber leider beschreibt das ganz gut unsere Lebenswirklichkeit, oder? Wir wissen alle, woran die Welt krankt. Wir wissen auch, was zu tun wäre, um die Dinge zu verbessern. Manchmal tun wir es sogar. Oft aber eben auch nicht. Und das ist ein Dilemma, ein moralisches, aber auch ein emotionales, weil diese Spannung allgegenwärtig ist. Sie lässt sich nie ganz verdrängen. Das schlaucht.

Natürlich hat es Gründe, warum wir nicht so handeln, wie wir es eigentlich sollten. Oft sind das gute, nachvollziehbare, unvermeidliche Gründe. Aber das macht erst deutlich, wie groß das Dilemma ist, in dem wir uns befinden. Die Rettung der Welt ist eine komplexe Aufgabe. Zu komplex, steht zu befürchten. Da ist die Rettung eines einzelnen Wals leichter zu bewerkstelligen.

Und darum geht es natürlich in Wirklichkeit bei Timmys Rettung. Endlich hat der Weltschmerz, der Drang, etwas zur Rettung der Welt beizutragen, einen Fokus: ein Wesen, einen Namen, eine Persönlichkeit. Ganz ehrlich, ich kann das verstehen. Heißt es nicht im Talmud „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“? (Mischna, Sanhedrin 4:5) Warum sollte das nicht auch für Wale gelten?

Ja, diese Rettungsaktion und das Mitfiebern Gutmeinender haben hysterische Züge angenommen. Keine Frage. Aber vielleicht kann uns ja Timmy, das Symbol, dazu bewegen, die Geschöpfe um uns herum, angefangen bei den Mitmenschen, mit größerer Achtsamkeit zu begegnen und auch ihnen ein schönes, langes Leben zu wünschen. Schließlich bewohnen wir alle denselben Planeten.

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!

Dein Gofi

Ich bin Gofi, Künstler, lebe in Marburg und engagiere mich für den Erhalt von Kunst, Kreativität, Gemeinschaft und einer menschenfreundlichen Spiritualität. Das GOFIZINE veröffentliche ich bewusst kostenlos für alle, weil ich möchte, dass jede/r Zugang zu guten Inhalten hat, unabhängig von Einkommen und finanziellen Möglichkeiten. Wenn Du mir bei meiner Arbeit helfen möchtest, bin ich Dir sehr dankbar.

Podcast

Eine Reise in fantastische Welten – mit der Fantasy-Autorin Frau Düfi

Wer hat sich nicht schon mal gefragt: Wie entsteht eigentlich eine Fantasy-Welt? Heute haben wir die unglaubliche Frau Düfi zu Gast, die uns darauf eine Antwort gibt und uns mit auf eine Reise in ihre kreative Welt nimmt. Sie hat nicht nur ein fantastisches Buch geschrieben, sondern auch eine ganz eigene Perspektive auf das Schreiben und die Inspiration hinter ihren Geschichten. Ihr neuestes Werk „Auftritt des Feuers“ ist erst Ende Januar erschienen und Teil einer vierteiligen Reihe!
Wenn du wissen möchtest, wie sie ihre Ideen entwickelt und was es bedeutet, in die Rolle von Frau Düfi zu schlüpfen, dann hör dir unser Gespräch an! Gemeinsam denken wir darüber nach, was Geschichten magisch macht und welche uns in der Vergangenheit ganz besonders beeindruckt haben.

https://www.instagram.com/frau_duefi_schreibt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Tipps:
Otherland – Tad Williams
Der Dunkle Turm – Stephen King
Game of Thones – George R. R. Martin
Könismörder-Trilogie – Rothfuss
Broken Earth Trilogie – Jemisin
Robin Hobb

Du findest diese Folge hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder überall, wo es Podcasts gibt.

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Kurzgeschichte

Ricardos Flucht

Eine Zeichnung, das Gesicht einer übel dreinblickenden Katze.

Lenny lag im Geäst einer Fichte und sah Herrn und Frau Badstuber beim Sex zu. Sie gaben keinen Laut von sich. Während sie auf einem weichen Lager kniete, von der Art, wie Menschen sie gerne zum Schlafen nutzen, stand ihr Männchen hinter ihr und rammte sein Geschlechtsteil immer wieder in sie hinein.
 Lenny wunderte sich über die Lautlosigkeit dieses Vorgangs. Neulich hatte er Pennys Menschenweibchen dabei beobachtet, wie sie sich mit dem Männchen eines anderen Weibchens der Siedlung paarte. Da war es geräuschvoller zugegangen.
 Bisher hatte er reglos dagelegen. Nicht etwa, weil er nicht entdeckt werden wollte. Er glaubte kaum, dass sich Menschen durch den Anblick eines Katers beim Paaren stören lassen würden. Nein, er war einfach müde. Die ganze Nacht hindurch war er auf der Jagd gewesen. Seine Suche war derart erfolglos gewesen, dass er sich fast dazu überwunden hätte, sie im Wald fortzusetzen, der an die Siedlung grenzte, und das, obwohl er sich geschworen hatte, niemals den Wald aufzusuchen. Das wilde Pack da draußen war ihm zuwider. Glücklicherweise hatte er schließlich doch noch eine verirrte junge Amsel gefunden.
 Er ließ seinen Schwanz träge hin und her baumeln, denn das Nachdenken über das Paaren hatte ihn erregt. Er würde nachher noch bei Penny vorbeischauen, bevor er seinen Schlafplatz aufsuchte. „Hey“, rief da eine Stimme, und als er nach links sah, erblickte er Jenny, die etwas weiter unten auf dem Querbalken der Schaukel saß. Sie war eine recht langweilig grau getigerte Katze mit seiner Meinung nach viel zu buschigem Fell. Aber sie war eine gute Kämpferin, bei Mafdet, das war sie wirklich!
 „Was gibt’s?“ fragte Lenny und gab sich Mühe, rechtschaffen müde zu klingen.
 „Ein Problem“, erwiderte Jenny. „Ricardo ist abgehauen.“
 „Schon wieder? Na und? Warum sollte das ein Problem sein?“
 „Für dich vielleicht nicht, aber für Penny. Und dadurch also doch auch irgendwie für dich.“ Jenny grinste gehässig.
 Lenny stöhnte auf. Wenn Penny ein Problem hatte, wollte sie von Sex nichts wissen. Und das war ihm überhaupt nicht recht, nicht, nachdem er die leidenschaftslose Paarung der Badstubers mitverfolgt hatte und zu dem Entschluss gekommen war, dass er diesen doch irgendwie traurigen Anblick nur durch einen eigenen Paarungsakt aus dem Gedächtnis löschen konnte.
 „Was hat sie denn? Wieso macht sie sich Sorgen um ein dämliches Meerschweinchen?“ wollte Lenny erbost wissen.
 „Sie macht sich keine Sorgen“, korrigierte ihn Jenny, „ihr Menschenweibchen tut es. Ricardo ist ihr Liebling.“
 „Menschen!“ spie Lenny aus. Er zeigte seine nadelspitzen Zähne und sprang dann mit einem wütenden, aber eleganten Satz hinunter auf den Balken, auf dem auch Jenny saß. Das Holz knirschte, als sich seine Krallen hineinbohrten. „Ich kapier nicht, warum Penny Mitleid mit dieser Unkrautfresserin hat! Ein Meerschweinchen mehr oder weniger, was geht das eine Katze an?“
 „Penny hat kein Mitleid. Sie erträgt es nur nicht, wenn sich niemand um sie kümmert. Im Moment heißt es nur noch ‚Ricardo hier‘ und ‚Ricardo da‘.“
 „Sich um sie kümmert!“ ätzte Lenny. „Da letzte Mal, als ich sie gesehen habe, habe ich sie für eine erwachsene Katze gehalten. Es muss sich doch niemand um sie kümmern.“
 „Du bist doch voller Köterscheiße, Lenny …“
 „Vorsicht! Vorsicht!“
 „Katzen sind der Mittelpunkt! Immer! Das weißt du ganz genau!“
 „Sie hat ihre Menschen einfach schlecht erzogen“, maunzte Lenny wehleidig, weil er erkannte, dass Jenny recht hatte, „ich hab ihr das schon hundertmal erzählt.“
 „Die sind halt kompliziert“, kanzelte Jenny ihn ab. „Also, was ist, kommst du jetzt?“
 „Wohin?“
 „Zu Penny, natürlich. Und dann weiter, Ricardo suchen.“
 „Wie ich diesen Fellfetzen hasse!“ fauchte Lenny erbost, folgte Jenny dann aber hinab auf den Rasen. „Wenn wir ihn finden, fresse ich ihn. Wollte schon immer wissen, wie Meerschweinchen schmeckt.“
 „Das glaubst du doch selbst nicht“, gab Jenny zurück.
 Sie huschten den steinernen Weg entlang, auf dem die Menschen ihre brüllenden Tiere ritten, die nur dann zum Leben erwachten, wenn sie sie bestiegen. Die Katzen fürchteten sich vor diesen Ungetümen nicht. Im Gegenteil, wenn sie ruhten, hockten sie sich sogar unter deren stinkende Bäuche, weil sie eine unglaubliche Wärme abgaben.
 Als die beiden die Behausung von Pennys Menschensippe erreichten, wartete die schon ungeduldig im Garten. „Diese stinkende, kleine Ratte!“ schrie sie ihnen entgegen. „Das macht der mit Absicht! Er weiß ganz genau, dass hier alles kopfsteht, wenn er mal wieder verschwunden ist!“
 „Reg dich ab“, versuchte Jenny sie zu beruhigen, „wir finden ihn, keine Bange.“
 „Wenn nicht“, klagte Penny, „bin ich am Arsch. Ich verlier hier meinen Status. So einen Märtyrertod kannst du einfach nicht toppen!“
 „Glaub ich nicht“, meinte Lenny, „Menschen mögen lebende Tiere. Tote sind ihnen egal.“
 „Du hast doch überhaupt keine Ahnung von Menschen“, sagte Jenny. „Los, gehen wir!“
 „Und wenn ich nicht mitmache?“ Lenny lauerte die beiden Katzen an. „Das ist doch sinnlos! So viel Aufwand für einen Nager, von dem wir gar nicht wissen, wo er steckt. Die soll man fressen, nicht retten!“
 „Wenn du nicht mitmachst“, brüllte Penny, „kannst du dir eine andere zum Besteigen suchen!“
 „Wenn du nicht mitmachst“, ergänzte Jenny in sachlichem Tonfall, „kannst du deine Gebiete vergessen. Die übernehmen dann wir.“
 „Das wagt ihr nicht!“ Lenny wurde so wütend, dass er zitterte. „Das verstößt gegen das Abkommen! Jede Katze der Siedlung hat sich daran zu halten. Ihr auch!“
 Jenny leckte ungerührt eine Pfote. „Es gibt Ausnahmen. Die anderen werden das schon verstehen, wenn wir es ihnen erklären. Oder, Penny?“
 „Auf jeden Fall!“ Pennys wehleidiges Gehabe war verschwunden, sie wirkte plötzlich eiskalt und sah Lenny unverwandt an.
 „Leckt meinen Schwanz!“ brummte der. „Also los. Je eher wir ihn finden, desto besser.“
 Penny schlug vor, Ricardo auf der Pferdekoppel am Waldrand zu suchen. Dorthin war er auch die letzten beiden Male verschwunden. Ihr Weg führte sie an einem Grundstück vorbei, das mit einem niedrigen schwarzen Metallzaun abgegrenzt war. Ein weißer Terrier namens Filou tauchte wie aus dem Nichts auf und sprang wild kläffend an den Zaunstäben entlang.
 „UAS UOLLT IHR HIA?“ bellte er in ohrenbetäubender Lautstärke. „UAS UOLLT IHR HIA? UAS UOLLT IHR HIA?““
 Die drei Katzen fuhren zusammen, stellten die Haare auf und peitschten mit den Schwänzen durch die Luft. „Lern erst mal richtig sprechen, du Wichser!“ giftete Jenny ihn an.
 „Wenn mein Herrrr euch sieht“, knurrte Filou, bemühte sich jetzt aber trotz seiner Erregung um eine deutlichere Aussprache, „schlägt er euch TOT!“
 „Dein Herrrr kann uns mal“, Lenny klang mutiger, als er sich fühlte. „Hör doch mal mit dem Gebrülle auf, wir haben eine Frage an dich.“
 „HAUT AB! HAUT AB! STINKENDE SCHLEICHER!“
 „Wie heißt du eigentlich richtig?“ fragte Penny unvermittelt und brachte den Hund damit aus dem Konzept.
 Das Gekläff verstummte, und der Terrier legte verdutzt den Kopf schief. „Wieso? Das weißt du doch ganz genau. Ich heiße Filou.“
 „Quatsch!“ sagte Penny. „Das ist der Name, den dir dein Mensch gegeben hat. Was dein richtiger Name ist, will ich wissen.“
 „Das IST mein Name“, erboste sich der Hund. „Mein Herrrrr hat ihn mir gegeben! Ich bin STOLZ auf meinen Namen!“
 „Ist ja gut!“ Jenny hatte von dem entwürdigenden Schauspiel die Nase voll und wollte weiter. Hunde deprimierten sie. „Hör mal, kurze Frage: Ist hier ein Meerschweinchen vorbeigekommen?“
 „HAUT AB! HAUT AB! HIER WOHNT MEIN MENSCH! STINKENDE SCHLEICHER!“ war alles, was sie als Antwort erhielt.
 Es war Zeitverschwendung. Penny markierte noch schnell einen Zaunpfosten, indem sie ihren Urin dagegen sprühte, teils, um die Markierung aufzufrischen, teils, um Filou zur Weißglut zu treiben, und dann zogen sie, vom besinnungslosen Kläffen des Terriers begleitet, weiter die Straße hinunter.
 „Wie wirst du eigentlich von deinen Menschen genannt?“ wollte Lenny von Penny wissen.
 „Chica.“ Es war ihr sichtlich peinlich.
 „Bei Mafdet“, stöhnte Lenny, „tut mir echt leid!“
 „Ich finde deinen religiösen Tick irgendwie komisch“, sagte Jenny. „Du warst doch früher nicht so.“
 „Nicht darüber reden!“ schaltete sich Penny schnell ein, bevor der Kater etwas erwidern konnte. „Wenn ihr jetzt mit Religion anfangt, hört er nicht mehr auf zu reden. Jetzt geht’s nur noch um Ricardo, dieses dumme Stück Scheiße.“
 Jenny und Lenny gehorchten, und so erreichten sie die Pferdekoppel, schweigsam, aber entschlossen, Ricardo zu finden und nach Hause zu holen.
 „Ihr sucht bestimmt diesen pelzigen kleinen Kerl“, begrüßte sie Hippolytos, ein betagter Haflinger, ohne dabei das Malen seiner Kiefer zu unterbrechen. „Ich hab ihn fast zertreten, den Dummkopf. Was macht der denn schon wieder hier draußen?“
 „Er macht sich wichtig“, war Pennys säuerliche Antwort. „Hast du gesehen, wo er hin ist? Wir suchen ihn tatsächlich.“
 „Filippos!“ rief Hippolytos dem anderen Haflinger zu. „Hast du gesehen, wo das Vieh dieses Mal hin ist? Ist er noch im Stall?“
 „Nee, er ist weiter Richtung Wald.“
 „Da habt ihrs.“ Hippolytos’ langes Gesicht nahm einen vorwurfsvollen Ausdruck an.
 „Guck nicht so blöd!“ schnauzte Lenny. „Wir haben ihn jedenfalls nicht rausgelassen!“ Der Gedanke, Ricardo im Wald suchen zu müssen, gefiel ihm gar nicht.
 „Ich würde mich beeilen, wenn ich ihr wäre“, schnaubte Filippos, als sie auf dem Weg zum Waldrand an ihm vorbeikamen. „Irgendjemand freut sich da drinnen immer über einen kleinen Happen.“
 In diesem Augenblick hörten sie den Ruf des Bussards und hielten mitten in der Bewegung inne. Über ihnen drehten Thorwald und Freya ihre Runden und brachten ihrem jüngsten Sprössling das Jagen bei. „Die da zum Beispiel“ sagte Filippos noch und widmete sich dann wieder dem Grasen.
 „Scheiße!“ fauchte Jenny. „Wenn er noch irgendwo hier auf der Weide ist, haben die ihn gleich.“
 Die Katzen blieben still stehen und lauschten in alle Richtungen, während sie gleichzeitig mit den Augen das Areal absuchten. „Kannst du vielleicht mal mit dieser Kauerei aufhören?“ fuhr Penny Filippos an, „das ist ja ohrenbetäubend!“
 „Mein Gott“, gab Filippos genervt zurück und entfernte sich, um in einigen Metern Entfernung weiterzugrasen.
 Sie konnten die Geräusche um sich herum jetzt besser wahrnehmen. „Da!“ sagte Jenny plötzlich, und im selben Moment hörten die anderen sie auch, die schnellen Tritte eines kleinen Tieres. Nur Augenblicke später sahen sie ihn: Ricardo rannte wie besessen auf die Straße zu. Offensichtlich hatte auch er die Bussarde bemerkt und lief um sein Leben. „Nein!“ stöhnte Jenny, dann jagten sie hinter ihm her.
 Freya schrie erneut. Sie hatte schon herabstoßen wollen, hatte dann aber die Katzen bemerkt und blieb in sicherer Entfernung. Ein Nagetier zu schlagen war das eine. Sich mit drei ausgewachsenen Katzen herumzuprügeln, war etwas völlig anderes. Außerdem erkannte sie, dass sie möglicherweise viel müheloser an ihre Mahlzeit kommen würde, als sie eben noch geahnt hatte, denn auf der Straße näherte sich ein Auto. Und es fuhr genau auf die Stelle zu, zu der auch der kopflose Ricardo rannte.
 Als die Katzen eintrafen, war schon alles zu spät. Von dem Meerschweinchen war nicht mehr übriggeblieben als ein braunroter haariger Fladen. Penny schrie auf. „Was mach ich denn jetzt? Was mach ich denn jetzt, verdammte Scheiße? Du dämliches kleines Drecksstück!  Wenn ich könnte, würde ich dich nochmal töten!“
 „Weißt du“, unterbrach Jenny ihre Klage und betrachtete dabei nachdenklich Ricardos Überreste, „vielleicht ist es gar nicht so schlimm. Du solltest dafür sorgen, dass dein Weibchen Ricardo so sieht. Kann sein, dass sie ihn hinterher gar nicht mehr so doll vermisst.“
 „Meinst du?“ Penny beruhigte sich ein wenig und blickte Jenny zweifelnd an.
 „Kann schon sein“, stimmte Lenny zu. „Aber du solltest dich beeilen. Die da oben“, und er sah hoch zu den Bussarden, „finden Ricardo immer noch ganz appetitlich.“
 „Lauf“, sagte Jenny, „wir beiden passen auf, dass die hier nichts, äh, kaputtmachen.“
 „Okay!“ sagte Penny und sah die beiden anderen dankbar an. Dann rannte sie davon.
 „Hoffentlich beeilt sie sich“, stöhnte Lenny. „Ich bin todmüde!“
 „Halt durch“, meinte Jenny ermutigend, „kann sein, dass du heute noch auf deine Kosten kommst. Aber wo wir gerade ein bisschen Zeit für uns haben: Seit wann bist du eigentlich so religiös?“

News

Griechenlandreise: Noch zwei Plätze sind frei!

Bald ist es endlich so weit, da brechen wir auf zu einer Reise nach Griechenland und besuchen die Orte, an denen Paulus von Tarsus gewirkt hat. Es sind noch zwei Plätze frei! Wenn Du also spontan noch dabei sein möchtest, dann solltest Du Dich beeilen und hier anmelden (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Und dies erwartet uns auf unserer Reise:

Sonntag 17.5.26 Anreise

Flug nach Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt Griechenlands. Thessaloniki ist ein historischer Ort des frühen Christentums, wo Paulus während seiner zweiten Missionsreise predigte. Einstimmung auf die Reise.

Abendessen und Übernachtung in Thessaloniki.

Montag, 18.5.26 Thessaloniki – Philippi – Taufstätte Lydia – Thessaloniki

Wir folgen der Route Via Egnatia und gelangen (wie einst Paulus und seine Gefährten) an die Stätte von Philippi. Wir besuchen das Baptisterium von Lydia in der Nähe des Flusses, wo Paulus sie taufte. Lydia war die erste Konvertitin von Paulus auf europäischem Boden. Weiter geht es zu den Ruinen des Forums von Philippi, den christlichen Basiliken, dem „Gefängnis des Paulus“ und zum Theater.

Rückfahrt nach Thessaloniki. Abendessen und Übernachtung.

Dienstag, 19.5.26 Thessaloniki – Veria – Vergina – Kalambaka

Heute fahren wir nach Veria. Wir haben freie Zeit, um den „Schritt des Apostels Paulus“ und die Synagoge zu besichtigen. Sie befindet sich neben dem Barbouta-Viertel, das im Laufe der Zeit als jüdisches Viertel bekannt wurde. Die aus Stein erbaute Synagoge ist die älteste Synagoge in Nordgriechenland. Weiter fahren wir nach Vergina, um das Museum mit den königlichen Gräbern zu besuchen. Abfahrt nach Kalambaka.

Abendessen und Übernachtung.

Mittwoch, 20.5.26 Meteora – Delphi

Wir fahren nach Meteora und besuchen eines der sechs Klöster. Die weltberühmten byzantinischen Klöster liegen auf grauen Felsgipfeln mit vielfältigen und schönen Formen. Ihre Geschichte geht auf das 14. Jahrhundert zurück, als die Mönche in den Höhlen an den Klippen Zuflucht suchten und dann höher flohen, um die ursprünglichen Holzunterstände zu bauen, die später in Klöster umgewandelt wurden.

Abfahrt nach Delphi. Abendessen und Übernachtung.

Donnerstag, 21.5.26 Delphi – Kloster des Heiligen Jerusalem – Delphi

Delphi: Besuch des archäologischen Museums, der Gallio-Inschrift, auf der die Datierung des Lebens von Paulus basiert (Apostelgeschichte 18:12), der Sphinx von Theben, des Tempels der Athene, der Göttin der Weisheit (der philosophische Hintergrund von Paulus, dem hellenisierten Juden). Besichtigung des Heiligen Klosters von Jerusalem, dessen Architektur vom Neuen Jerusalem inspiriert ist (Johannes 21:13).

Rückkehr zu unserem Hotel. Abendessen und Übernachtung.

Freitag, 22.5.26 Athen

Heute geht es nach Athen. Wir laufen den Philopapusberg hoch und sehen dort den Areopag (Apostelgeschichte 17:16-34) und die Akropolis mit großartigen Monumenten wie dem Parthenon, dem Tempel der Athena Nike, dem Erechtheion, den Propyläen, der antiken Agora, dem Dionysostheater und dem Odeon des Herodes Atticus. Wir haben die Möglichkeit, das Parthenon-Monument zu umrunden, das im 5. Jahrhundert v. Chr. von den Architekten Iktinos und Kallikrates erbaut wurde.

Abendessen und Übernachtung.

Samstag, 23.5.26 Antikes Korinth

Den Korinthern eilt ihr Ruf voraus. Heute schauen wir uns das antike Korinth an, das im antiken Griechenland eine bedeutende Stadt war und aus der Jungsteinzeit (5.000-3.000 v. Chr.) stammt. Wir wandern den Hügel hoch und besichtigen eines der größten Museen Griechenlands, was den Reichtum und die Qualität der Funde angeht (Apostelgeschichte 18:1-17 und Apostelgeschichte 19:22). Wir besuchen den „Bema von Gallio“, den Richterstuhl von Korinth. Dorthin wurde vermutlich Paulus gebracht, als sie ihn dem Prokonsul Gallio vorführten. Des Weiteren sehen wir die Erastus-Inschrift, die auf Erastus zurückgeht, einem hohen Finanzbeamten und Mitarbeiter von Paulus. Besichtigung von Kenchreä, dem alten Hafen von Korinth (Apostelgeschichte 18:18). Auf dem Rückweg nach Athen machen wir eine Bootsfahrt auf dem Kanal von Korinth.

Abendessen und Übernachtung.

Sonntag, 24.5.26 Abreise

Nach dem Frühstück fahren wir zum Flughafen Athen. Flug nach Frankfurt.

Danke für Dein Interesse! Wenn Du mir bei meiner Arbeit helfen möchtest, kannst Du das zum Beispiel hier.

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