War ein wilder Mai, hah? Heute gibt’s ein bisschen was von allem: Polyamorie-Probleme, Sofia Isella Core, Lena Dunhams neues Memoir und jede Menge berechtigter Kritik an weißem Feminismus. Falls ihr einmalig spenden wollt, um diesen Newsletter in seinem 9. Jahr zu supporten, do it via PayPal (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Oder schließt gleich ein Jahresabo via Steady (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ab und bekommt meinen Roman gratis + signiert zu euch heim.
Die Buchbranche jedenfalls ist nicht mehr zu retten. Falls ihr Mareice Kaisers Zerlegung des Julius (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) auf der re:publica noch nicht gesehen habt, tut das unbedingt hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Wahrscheinlich ärgert ihr euch dann auch nicht mehr soooo, wenn ihr das “großzügige Angebot” eines Verlags ein Buch für 2000€ zu schreiben dankend ablehnt.
Was sonst so passiert in der Buchwelt? Ich hatte bei einer längeren Autofahrt zurück aus dem Waldviertel das Vergnügen mir Sophie Passmanns neues Buch anzuhören. Nach 15% habe ich entnervt abgebrochen, weil ich ihren Neid auf andere dünne, weiße Frauen einfach nicht mehr ausgehalten habe.
Erwartet habe ich sowas Ähnliches wie Girl on Girl (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) auf Deutsch – herausgekommen ist ein hasserfülltes Instagram-Medientagebuch, bei dem man sich schon fragt, warum die studierte Politikwissenschafterin Passmann so viel Zeit auf einer Plattform verbringt, die ihr ganz offensichtlich nicht besonders gut tut. Und das nicht erst seit gestern.
Es geht um... Ja, was eigentlich? Weiße Schönheitsideale, die uns angeblich alle extrem belasten. Lippenstifte, die wir angeblich alle sofort am Tag des Launches wollen würden und die Angst davor, nicht so auszusehen wie auf seinen Insta-Fotos. 2026, wirklich? Sind das die Probleme, die „wir als Frauen“ gerade haben?
Ob wir jetzt wieder zu fett sind für die Skinnyjeans? Does it really matter? Warum tun wir uns diese Debatten als Frauen “intellektuell” an, wenn wir sie dabei wieder ins Zentrum der Medienöffentlichkeit befördern? Persönlich weigere ich mich in meiner Kleidergröße 42 sehr, mich derart von meinem Äußeren schikanieren und dann auch noch meine schriftstellerische Arbeit davon leiten zu lassen. Für mich ist Passmanns Buch ein absoluter Rückschritt für den Feminismus.
An dieser Stelle möchte ich gerne eine Analyse von Sara @waystomore (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) auf Substack (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) einfügen, die mein Entsetzen über die Belanglosigkeit des Buches perfekt in Worte fasst:
„Für ALLE hater oder protector von Passmann. Ich schreibe über sie, weil sie ein Paradebeispiel für weißen Feminismus ist. Ich schreibe über sie, weil sie schön mit Sprache malen kann, aber keine Essenz in ihren Worten steckt. Sie redet wie AI slop, kein einziger eigener kreativer Gedanke. Alles "Wissen", das sie wiedergibt, ist aus dem Netz extrahiert und zusammengestellt wie ein Deepfake. Ihre Arbeit ist ein Paradebeispiel für whiteness, sie ist Performance First, Systemkritik never. Ihre Argumentation gleicht der Logik der Incel Bewegung.“
Slay.
Was seitens des Verlags alles getan wird, um dieser Autorin NOCH mehr Aufmerksamkeit zu schenken die wiederum in NOCH mehr selbstzentrierter Schönheitswahnanalyse und dazugehörigen Beauty Vlogs mündet. Honestly, like, is she ok?
The eyebrows gettin thinner every day, catering to Y2K like a 22 yo? TL,DR: Ich bin unerwartet enttäuscht von dem absoluten fucking lack of critical analysis in ihrem Buch das über ein „Ich zoome auf den Bauchnabel des Supermodels und hasse mich danach dafür“ hinausgeht.
PS: Hat Sophie Passmann eigentlich auch 160k für ihr Buch bekommen? MÖGLICH WÄR’S. Fragt doch mal für mich nach, danke.
Talking about white privileged women…
Lena Dunham hat AUCH ein neues Buch geschrieben und sicher noch mehr als 160k Taschengeld dafür bekommen. Famesick (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) habe ich sogar zu Ende gehört.
Auch, weil man ja irgendetwas tun muss, bei 7 h Autofahrt hin und zurück ins Waldviertel (god bless NÖ). Famesick war genauso wie erwartet: very Lena Dunham. Very real, very blunt, very oversharing, very shocking.

Spoiler: Wir erfahren zum Beispiel, dass Adam Driver während der Dreharbeiten zu GIRLS Wutattacken hatte (Surprise, Surprise) und dass sie ihren damaligen Freund Jack Antonoff mit einem alten Schulfreund betrog.
No Spoiler: Abseits solcher Reveals und Geständnisse geht es allerdings hauptsächlich um ihre Gesundheit – bestimmt 50 % des Buchs. Dunham schreibt detailliert und schonungslos über Endometriose-OPs, ihre Hysterektomie mit 31, über einen starken Kinderwunsch, eine (gescheiterte) künstliche Befruchtung und gibt damit vielen Frauen eine Stimme, die ebenso mit diesen tabuisierten Themen struggeln.
Nicht einmal schreibt Dunham, dass sie fett geworden ist und ich lese genau diese Abwesenheit als ein politisches Statement.
Vielleicht wird Körpergewicht irrelevant(er), wenn die weiblichen Reproduktionsorgane nicht so tun, wie sie sollten und damit ein Lebenstraum platzt. Sehr wahrscheinlich ist es fürs große Ganze einfach wirklich egal, welche Kleidergröße wir tragen. Wir müssen uns daran erinnern, dass es ein Privileg ist, ablebodied zu sein; ohne Assistenz am alltäglichen Leben teilhaben zu können.
Ich habe es genossen, Dunhams Stimme zu lauschen – obwohl ich tausend gute Gründe hätte, sie nicht zu mögen. Sie ist ein Nepo-Baby. Sie hat sehr viel Anschubförderung und damit Chancen bekommen, die andere ebenso talentierte Autorinnen nicht hatten. Sie zitiert ihren Vater in gefühlt jedem 5. Satz (*eyeroll*). Aber was soll ich machen, Dunham ist mir einfach … sympathisch.
Ich mag ihre unverfälschte Art. Ich mag, dass sie Situationen nicht so schwarz-weiß zeichnet – weder das Ende ihrer Beziehung mit ihrem Ex Antonoff, noch die schwierige Freundschaft mit Produzentin Jenni Konner. Sie ist eine grandiose, empathische Geschichtenerzählerin und brachte mit GIRLS etwas on screen, das bis heute seinesgleichen sucht.
Und wenn etwas an GIRLS rankommt, dann könnt ihr euch sicher sein, dass Dunham mitgemacht hat. Zum Beispiel Industry. Eine bislang eher unbekannte BBC-HBO-Serie über Mittzwanziger in Londons Finance District. Echt, brutal, queer, drunk, traumatic. Also alles, was man so braucht für einen guten Serien-Plot.
https://www.youtube.com/watch?v=Wj9KrM0JskA (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Why Are Polyamorous People Like That?
Btw falls ihr euch fragt, wie es meinem Liebesleben geht lautet die Antwort darauf genauso wie die Headlines eines fucking HILARIOUS newsletters von Femcel.
https://substack.com/inbox/post/197941055 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)„Every time I ask a polyamorous person what it practically means to be poly, they tell me something like, “Well, I’m seeing a few people, and I’m sleeping with all of them. They vaguely know about each other, I have stronger feelings for some and weaker feelings for others.” Isn’t that just dating in a big city? What are you doing differently than Charlotte York?”
Noch Fragen? Ja? Okay. HWAT ARE YOU DOING DIFFERENTLY THAN CHARLOTTE YORK KKKK???
Auch genossen habe ich diesen Newsletter von Hannah, die nach 7 Wochen Whirlwind Crack-Cocaine-Romance auch wieder am anderen Ende des Dating-Tunnels rauskam und sich fragte: What the fuck did the „fun guy“ in his mid-thirties do to my mental health?
https://substack.com/@hannahlbrissenden/p-197081511 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)“That’s the funny thing about the desire for reassurance. You often seek it when you know there are cracks in the foundations. The truth is nothing can reassure you from a truth your body already knows.”
Either that, or you have BPD.
I slid into her DMs, recommending le genius der Stunde Sofia Isella in case she needed some good ol’ empowering music for her break-up. Empfehle ich übrigens auch dir, liebe Leserin, falls es mal wieder so weit sein sollte.
Meine Favs, in dieser Reihenfolge: “Muse”, “I can be your mother” und “Josephine“. Aber lest selbst, wie gut diese Lyrics sind.
https://youtu.be/68NwuZjtkwA?si=neQgtTZ-PKLqwH5B (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)„I can be your mother, I can be a dream
I can make it look like it never happened, leave it clean
Oh, I could be your friend or I could be on my back
I could beg or I could bully, I could brace you for impact
Oh, I could be counterfeit, I could be real
I could be the wound in your neck you tell your friends you can heal“
Ich sag’s euch, Sofia Isella ist der Grund warum ich noch anfange mit Lyrik lesen!
In dem Sinne, schönen Sommerstart wünscht euch,
Bixe
PS: Falls ihr einmalig spenden wollt, um diesen Newsletter in seinem 9. Jahr zu supporten, do it via PayPal (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Oder schließt gleich ein Jahresabo via Steady (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ab und bekommt meinen Roman gratis + signiert zu euch heim.