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Podcast #26: Verschwörungstheorien am Weihnachtstisch (mit Michael Butter)

Meine kleine Podcast-Weihnachtstradition geht in die zweite Runde: Zur Weihnachtszeit geht’s um Verschwörungstheorien! Das war letzten Dezember so, das ist diesen Dezember so. Letztes Mal (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) habe ich mit Jenny und Tobias von der Beratungsstelle Veritas (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gesprochen. Diesmal habe ich den Kulturwissenschaftler Michael Butter (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zu Gast. Michael ist Amerikanist, leitet Forschungsprojekte und schreibt Bücher zum Thema Verschwörungsdenken. Er ist einer der Experten hierzulande in diesem Bereich. Wir reden logischerweise über Verschwörungstheorien – und warum man diese konspirativen Gedankengebilde wirklich so nennen darf.

Michaels soeben bei Suhrkamp erschienenes Buch heißt „Die Alarmierten. Was Verschwörungstheorien anrichten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)“ und beschäftigt sich nicht nur mit dem Verschwörungsdenken selbst – es geht ebenso auf die Metaebene: Wie wir über VT reden, wie der Diskurs verläuft, und wo er schief ist. Im Podcast besprechen wir, warum Menschen an konspirative Komplotte glauben wollen, welche Bedürfnisse dahinterstehen und inwiefern diese Bedürfnisse teils legitim sind. Wir erörtern Wirkweise und Funktion des verschwörungstheoretischen Denkens, von eher harmlosen Spinnereien bis hin zum politischen Extremismus. Von der Flachen Erde bis zum Rechtsextremismus – das volle Programm!

Und weil Weihnachten ist: Natürlich erfahrt ihr, was ihr tun könnt, wenn Onkel Rüdiger am Weihnachtstisch – oder zur Silvesterfeier, oder wann auch immer – seine absurden Telegram-Erkenntnisse auftischt. Wir reden über Xavier Naidoo, über Akte X und über Impfgegner-Rap. Ihr erfahrt, wie ihr mit möglichst wenig Streit und ohne neue graue Haare durch die Feiertage kommt; und warum ihr euch nicht mit Astronauten anlegen solltet!

Wie immer gab es die Episode zuerst exklusiv vorab für alle, die eine Steady-Mitgliedschaft haben und den Podcast somit in seiner Entstehung unterstützen. Mittlerweile findet ihr das Gespräch auf Spotify:

https://open.spotify.com/episode/3XsvZiwMEBUZbDAA3oRQ5N?si=b240fd9dc1fb415e (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Und vielen anderen Podcast-Anbietern:

https://janskudlarek.podigee.io/26-neue-episode (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Michael sagt allerlei kluge Dinge, die mir persönlich und euch bestimmt ebenfalls helfen, das Thema Verschwörungstheorien besser zu verstehen (und ggf. etwas mehr zu differenzieren):

„In Deutschland möchte man oft nicht von ‚Verschwörungstheorien‘ sprechen – sondern von ‚Verschwörungserzählungen‘, von ‚Verschwörungsideologien‘ oder gar von ‚Verschwörungsmythen‘. Es gibt ein terminologisches Abgrenzungsbedürfnis. Man möchte der anderen, der irrationalen, der potenziell gefährlichen Seite nicht einmal zuerkennen, dass die auch Theorien haben. Oft wird ein bestimmter Theoriebegriff hochgehalten, der in der Wissenschaft selbst nicht sehr verbreitet ist.“ 

„Das kritisiere ich. Ich komme zum Ergebnis, dass ‚Verschwörungstheorien‘ der beste und angemessenste Begriff ist. International und in der Forschung ist der Begriff übrigens komplett unumstritten!“

„Verschwörungstheorien sind oft Symptome für große gesellschaftliche Herausforderungen – Herausforderungen, denen wir uns eigentlich stellen sollten. VT entstehen im Kontext sozialer Ungleichheit. Sie entstehen, wenn Menschen sich abgehängt fühlen. Verschwörungstheorien entstehen, wenn Menschen den Eindruck haben ‚Dieses Land geht vor die Hunde‘, weil z.B. die Züge nicht mehr fahren, weil es keinen Kinderarzt mehr gibt, weil es an Kindergärten mangelt usw.“

„Auch am Weihnachtstisch würde ich raten, entspannt mit Verschwörungstheorien umzugehen – differenziert damit umzugehen. Was ebenfalls hilft: Feste Räume schaffen. Dass man zum Beispiel einen Spaziergang lang über ein Thema spricht und wenn wir zu Hause ankommen, ist das Thema vorbei.“

„Ganz wichtig: Wirklich Hinhören! Was haben die Leute denn zu sagen? Ist das überhaupt problematisch oder extremistisch? Oder in Anführungsstrichen ‚nur‘ verschwörungstheoretisch?“

Enjoy & Frohes Fest!

Jan

PS: Wer noch Weihnachtsgeschenke braucht oder sich selbst eines machen will (oder alternativ und sehr gerne: mir): Bei mir auf Steady gibt’s noch ein, zwei zeitlich begrenzte, preisreduzierte Angebote (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)! Weihnachtliche Euronen in die Kaffeekasse (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) helfen mir bei der Podcastproduktion (und Kaffee kaufe ich mir davon auch ☕).

PPS: Im Podcast spreche ich mit Michael darüber, dass nicht alle Verschwörungstheorien demokratiefeindlich, extremistisch und gefährlich sind. Dass einige VT allerdings durchaus eine gefährliche Radikalisierungsfunktion haben, sieht man jedoch regelmäßig (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

PPS: Fetter Dank gilt allen, die unser Gespräch in den sozialen Netzwerken teilen!

Michael Butter ist Professor für amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen und ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Er hat in Freiburg, Norwich und Yale Anglistik, Germanistik und Geschichte studiert, in Bonn promoviert und in Freiburg habilitiert. Zu seinen Veröffentlichungen gehört Nichts ist, wie es scheint“: Über Verschwörungstheorien (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (Berlin: Suhrkamp, 2018), eine allgemeine Einführung ins Thema, die in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Von 2020 bis 2025 leitete er ein vom Europäischen Forschungsrat gefördertes Projekt zum Zusammenhang von Populismus und Verschwörungstheorien.

Foto: Berthold Steinhilber (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Unter allen, die unsere Podcastfolge in den Sozialen Netzwerken teilen (idealerweise so, dass ich es mitbekomme), verlose ich ein Exemplar von Michaels Buch “Die Alarmierten”! Update 5.1.25 - Verlosung geschlossen, Gewinner benachrichtigt!

Für alle Steady-Mitglieder geht es hier vorab zum Podcast ⬇️

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